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06.07.2015 - Frankfurt: Stadtnatur im Wandel

Frankfurt, den 06.07.2015. Die Artenvielfalt der Pflanzen und Schmetterlinge in Frankfurt hat in den letzten 200 Jahren abgenommen, die Fischbestände dagegen erholen sich wieder und zahlreiche neue Tier- und Pflanzenarten fühlen sich infolge der klimatischen Erwärmung in der hessischen Großstadt wohl. Auf knapp 300 Seiten wird die Veränderung der Flora und Fauna Frankfurts in dem heute neu erschienenen Band der Kleinen Senckenberg-Reihe „Stadtnatur im Wandel – Artenvielfalt in Frankfurt am Main“ anschaulich vorgestellt. Senckenberg lädt am 18. Juli interessierte Frankfurter zu einem geführten Spaziergang an der Wörthspitze ein, um die Artenvielfalt der Mainmetropole kennenzulernen.

Der Frankfurter Stadtwald – früher und heute: Die Aufgabe der Waldweide führte zum Verlust von Pflanzenarten. © Senckenberg
Der Frankfurter Stadtwald – früher und heute:
Die Aufgabe der Waldweide führte zum Verlust
von Pflanzenarten. © Senckenberg

Roter Gitterling, Pokal-Azurjungfer, Schlammpeitzger, Unverschämtes Haarbecherchen und Kurzfrüchtiges Weidenröschen – kaum ein Frankfurter weiß wohl, dass diese Lebewesen in seiner direkten Nachbarschaft leben. „Frankfurt ist mit rund 40 Prozent Grün-, Wald- und Ackerflächen eine sehr grüne Stadt“, sagt Dr. Indra Starke-Ottich, Botanikerin am Senckenberg Forschungsinstitut und Erstautorin des neu erschienenen Buches „Stadtnatur im Wandel – Artenvielfalt in Frankfurt am Main“ und ergänzt: „Aufgrund der vielfältigen menschlichen Eingriffe unterliegen nicht nur die Tier- und Pflanzenarten Frankfurts, sondern auch deren Lebensräume einem stetigen Wandel. Dieser muss beobachtet werden, um bei einer Bedrohung rechtzeitig eingreifen zu können.“

Genau diese Beobachtung leistet die in 6-jährigen Turnus durchgeführte Biotopkartierung, die Senckenberg seit 1985 im Auftrag des Umweltamtes der Stadt Frankfurt durchführt. Die Kartierung der Lebensräume und der Artenvielfalt, die Erfolgskontrolle von Naturschutzmaßnahmen und die Erarbeitung von Pflege- und Schutzplänen sind wichtige Entscheidungshilfen und Konzepte für Umwelt- und Stadtplanung.
„Zahlreiche Pflanzenarten konnten durch solche Schutzmaßnahmen vor dem Aussterben auf dem Gebiet der Stadt Frankfurt bewahrt werden“, erzählt Prof. Dr. Georg Zizka, Leiter der Abteilung Botanik und Molekulare Evolutionsforschung am Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt. Dennoch sind nach den Kenntnissen der Senckenberg Wissenschaftler seit dem Jahr 1800 mehr als 400 Pflanzenarten aus dem Stadtgebiet verschwunden – maßgebliche Ursachen sind die Intensivierung des Ackerbaus, die Aufgabe der Waldweide im Frankfurter Stadtwald, die Absenkung des Grundwasserspiegels und die Versiegelung der Landschaft durch Verkehrswege und neuen Wohnraum. Den Verlusten stehen aber auch etwa 200 Arten gegenüber, die in den letzten 200 Jahren in Frankfurt heimisch werden konnten. Diese Neubürger, wie beispielsweise das Japanische Lippenmäulchen oder das Indische Springkraut, stammen überwiegend aus Anpflanzungen in Parkanlagen und Privatgärten.

Der Rote Gitterling – eine der 998 beschriebenen Pilzarten in Frankfurt am Main © Senckenberg
Der Rote Gitterling – eine der 998
beschriebenen Pilzarten in Frankfurt
am Main © Senckenberg

Während es bei den Pflanzen und Schmetterlingen, insbesondere bei den Tagfaltern deutliche Verluste in der Artenvielfalt zu verzeichnen gibt, haben sich die 40 Fischarten in den Gewässern Frankfurts nach der extremen Gewässerverschmutzung um das Jahr 1970 wieder erholt: „Sehr erfreulich ist beispielsweise, dass der sonst in Hessen seltene Bitterling Rhodeus amarus in der Nidda, besonders in den Altarmen, in großen Dichten zu finden ist“, erläutert Dr. Thomas Hartmanshenn, Abteilungsleiter Umweltvorsorge und Leiter der Projektgruppe GrünGürtel des Frankfurter Umweltamtes.

Schlechter steht es um den Frankfurter Feldhamster-Bestand. Lediglich an zwei Standorten – nördlich von Bergen-Enkheim und in den Agrargebieten bei Sindlingen, Zeilsheim und Unterliederbach – konnten die Nager nachgewiesen werden. „Aufgrund der Tatsache, dass bereits mehrere Vorkommen in und um Frankfurt ausgestorben sind, müssen wir diese beiden Populationen besonders im Auge behalten und schützen. Die weitere Siedlungsentwicklung in dem bereits hochverdichteten Stadtgebietes Frankfurt

muss extrem behutsam vorgenommen werden, um die Hamster vor dem Aussterben zu bewahren“, warnt Hartmanshenn.

Ein bekannter Frankfurter „Neubürger“: Die aus Südamerika stammende Nutria. © Senckenberg
Ein bekannter Frankfurter „Neubürger“:
Die aus Südamerika stammende Nutria.
© Senckenberg

Die Kartierung der Pilzarten in der Mainmetropole ergaben, dass die Bürger Frankfurts eigentlich ständig von Pilzen umgeben sind: 998 verschiedene Pilzarten – vom wohl bekannten Fliegenpilz über den aus dem Mittelmeerraum eingewanderten Roten Gitterling (Clathus ruber) bis zum gerade noch mit bloßem Auge erkennbaren „Gingko-Pilz“ Bartheletia paradoxa – gibt es im Stadtgebiet. Die Zahl der Pilzarten ist aber vermutlich um einiges höher – anhand der in der Stadt vorhandenen Pflanzen kann man von etwa 2.800 bereits beschriebenen Pilzarten in Frankfurt ausgehen, Neuentdeckungen sind dabei noch nicht berücksichtigt.

Das fast 300 Seiten umfassende Buch, das heute in der „Kleinen Senckenberg-Reihe“ erschienen ist, stellt neben den vielfältigen Forschungsergebnissen zur Tier- und Pflanzenwelt Frankfurts im Kapitel „Stadtnatur im Portrait“ viele naturnahe und besonders interessante Lebensräume des Stadtgebietes vor. Drei Vorschläge für Spaziergänge an der Nidda laden zudem alle Großstädter, Naturfreunde und Neugierige dazu ein, die erstaunliche Artenvielfalt der Region zu erkunden. 
Ein geführter Spaziergang zur Wörthspitze mit Biologin Starke-Ottich findet am Samstag, den 18. Juli um 14 Uhr statt.
Weitere Informationen und Anmeldung unter www.senckenberg.de/veranstaltungen.

Kontakt
Dr. Indra Starke-Ottich
Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt
Tel. 069 97075-1152

Prof. Dr. Georg Zizka
Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt
Tel. 069 97075-1166

Dr. Thomas Hartmanshenn
Umweltamt Frankfurt Projektgruppe GrünGürtel
Tel. 069 212 39 145

Judith Jördens
Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Tel. 069- 7542 1434

Publikation

Titel KSR 55
Kleine Senckenberg-Reihe 55
Indra Starke-Ottich, Dirk Bönsel, Thomas Gregor, Andreas Malten, Christina Müller, Georg Zizka
STADTNATUR IM WANDEL –
ARTENVIELFALT IN FRANKFURT AM MAIN 2015, 276 Seiten, 229 farbige Abbildungen, 9 Tabellen,
umfangreicher Anhang (XI Tabellen), 14,8 x 21 cm
ISBN 978-3-510-61404-2, broschiert, 19,90 Euro
www.schweizerbart.de/9783510614042
Presseexemplare sind auf Anfrage bestellbar!

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Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können - dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit nunmehr fast 200 Jahren. Diese integrative „Geobiodiversitätsforschung“ sowie die Vermittlung von Forschung und Wissenschaft sind die Aufgaben Senckenbergs. Drei Naturmuseen in Frankfurt, Görlitz und Dresden zeigen die Vielfalt des Lebens und die Entwicklung der Erde über Jahrmillionen. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main wird von der Stadt Frankfurt am Main sowie vielen weiteren Partnern gefördert. Mehr Informationen unter www.senckenberg.de.

Pressekontakt

Dr. Sören Dürr
Tel.: 069 7542-1580

Judith Jördens
Tel.: 069 7542-1434
Mobil: 0172-5842340

Anna Lena Schnettler
Tel.: 069 7542-1561

Email: pressestelle@senckenberg.de

Fax: 069 7542-1517

Senckenberg
Forschungsinstitut und Naturmuseum
Senckenberganlage 25
60325 Frankfurt

18.10.2018 09:05:10


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