Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

Presse

zur Übersicht

31.01.2016 - Verlorene Heimat – Verlust des Daseins

Der Nabel der Welt – Performance anlässlich der Finissage der Sonderausstellung von Mia Florentine Weiss

Frankfurt am Main, den 31. Januar 2016. Mit einer ganz besonderen Performance zur Finissage würdigt die Künstlerin Mia Florentine Weiss das Ende der Sonderausstellung „Der Nabel der Welt“ im Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt. Wie ein präpariertes Tier verharrt die Künstlerin inmitten der Fossilien längst ausgestorbener Dinosaurier in einer Glasvitrine in der Haupthalle des Museums und fordert Besucher so auf, ihre provokante Frage zu beantworten, warum der Mensch ausgestorben ist. Über einen Computer können Besucher ihre Meinung oder Antworten auf diese offensive Zukunftsfrage mitteilen – und über diese digitalen Nabelschnüre mit der Künstlerin in Verbindung treten. ANTHROPOZÄN lautet der Titel der Performance im Senckenberg Museum, verdeutlicht durch die Frage: „Why has mankind become extinct?“

Mit der Performance setzt die Künstlerin einen neuen Akzent auf ihrer performativen Reise zur Suche nach dem „Place of Protection“ für jeden einzelnen Menschen. In einer Welt aus Krise und Klimawandel zeichnet sich für den Homo Sapiens, der gerade einmal etwa 200.000 Jahre als besondere Art auf der Erde lebt, ein Ende ab, das die Künstlerin inmitten der ausgestorbenen Arten antizipiert, denen immerhin ein Dasein auf unserem Globus von etwa 170 Millionen Jahren vergönnt war. Bleibt die Illusion, der verlorene Schutzraum bzw. der Uterus als das einstige und letzte Paradies des Menschen, reine Utopie? „Will the last illusion before disillusion be love?” fragt die Künstlerin in ihrem Werk. Oder wird sich das künstlerische Manifest von Mia Florentine Weiss bewahrheiten, welches lautet: “The human being – born into this world – at home on earth – always & forever destroyed by his own curse....?”

Das Senckenberg Naturmuseum Frankfurt hatte in der Reihe „Kultur trifft Natur“ das Konzept fortgesetzt, den wissenschaftlichen Blick auf die Natur um künstlerisches Sehen zu erweitern. Den Jahresabschluss 2015 bildete die Ausstellung „Der Nabel der Welt“ der deutschen Künstlerin Mia Florentine Weiss, die vom 13. November 2015 bis zum 1. Februar 2016 der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Die Antworten der Besucher auf die aktuelle Performance werden ausgewertet und veröffentlicht. 

Die Ausstellung „Der Nabel der Welt“ hatte Werke von Mia Florentine Weiss weltweiten Performances seit 1999 bis 2015 aus den Bereichen Foto- und Videodokumentation sowie Objekt- und Installationskunst gezeigt. Zentrum war die Skulptur „Pegasus“ als Decken-Installation im Foyer des Museums. Der geflügelte „Pegasos“, in der griechischen Mythologie Quelle aller Weisheit, wird im übertragenen Sinne als ein vom Dichter gerittenes Sinnbild der Dichtkunst angesehen. Für Mia Florentine Weiss ist das Pferd Symbol und Substrat eines über ein Jahrzehnt andauernden, performativen Weges.

Die kosmopolitische Künstlerin hatte rund um den Globus Menschen aller Altersschichten und unterschiedlicher Kulturen nach ihrem persönlichen Schutzraum mit der Frage „What is your place of protection?“ konfrontiert. Von den indigenen Völkern Afrikas über die Verlierer des "Vom Tellerwäscher zum Millionär"-Roulette in Kalifornien, wo die Künstlerin Obdachlose begleitet hat, bis hin zu den Opfern mörderischer Bürgerkriege im Nahen Osten reicht das Spektrum. Viele Menschen haben neben ihren Antworten Mia Florentine Weiss Gegenstände mitgegeben, um sie in das Flügelpaar von Pegasus einzubauen. So steht das Symbol aus der griechischen Mythologie für die Hoffnungen und Bedürfnisse zahlreicher Menschen verschiedener Kulturkreise.

Die Pegasus-Skulptur, die Dermoplastik eines weißen Pferdes mit Leucht-Flügeln, symbolisiert die Unschuld aber auch den Terror unserer Zeit; ein bipolares Spannungsfeld. Ein Flügel steht für Hoffnung (Frieden), sein Gegenstück für den Abgrund unserer Welt (Krieg). Pegasus war im April und Mai 2015 als „Moving Installation“ an den Rändern Europas zu Wasser und zu Land unterwegs und ist einer authentischen Flüchtlingsroute gefolgt, die Mia Florentine Weiss mit der Organisation Pro Asyl bereits im Vorjahr recherchiert hatte. Der Pegasus wird unabhängig von der Ausstellung noch bis zum Sommer des Jahres im Eingangsbereich des Museums an die Ausstellung erinnern.

Die Künstlerin hinterfragte Schutzräume in individuellen und globalen Kontexten. Was ist ein Schutzraum im Alltag, in Krisensituationen, bei Lebensgefahr, im Glückszustand? Mia-Florentine Weiss geht bis zum Urzustand eines Menschen noch vor seiner Geburt zurück und thematisierte dabei physisch und auch mythologisch die Urheimat des Menschen als ungeborenes Kind, das sich noch mit dem Nabel verbunden im Uterus und damit in einer Art Paradies befindet, das getrennt von der Welt ist und zugleich geschützt vor ihr.

Dass ein naturkundlicher Ausstellungsort einer zeitgenössischen Künstlerin Raum gab – neben Dinosaurierskeletten und Artefakten ausgestorbener Spezies – eröffnet dem Temporären von Mia Florentine Weiss eine über das Aktuelle hinausgehende Wendung: kann sich die Spezies Mensch Schutz leisten bzw. noch Schutz geben? Wenn die Verbindung zwischen Mensch und Mutter Erde und im übertragenen Sinne von Natur und Kultur zerreißt, was sind dann die neuen Nabelschnüre der digitalen Datenmenschen, die auf unserem Planeten zu Hause sind? Die aktuelle Antwort ist frappierend und zerstörend zugleich und führt zu der Frage, welche Hoffnung es tatsächlich noch für eine nachhaltige Existenz des Homo Sapiens geben kann.


Kontakt

Galerie
Morgen Contemporary
Angelika Watzl
Ackerstrasse 162
10115 Berlin
Mobil: 0173 - 67 34 666
Tel. 030 – 80 20 66 03
angelika@morgen-contemporary.com

Jörg Bretschneider
german communications dbk ag
Milchstraße 6 B, D 20148 Hamburg
Tel. 040-4688330
bretschneider@german-communication.de

Dr. Alexandra Donecker
Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Tel. 069- 7542 1561
adonecker@senckenberg.de

Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können - dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit nunmehr fast 200 Jahren. Ausstellungen und Museen sind die Schaufenster der Naturforschung, durch die Senckenberg aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse mit den Menschen teilt und Einblicke in vergangene und gegenwärtige Veränderungen der Natur, ihrer Ursachen und Wirkungen, vermittelt. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main wird von der Stadt Frankfurt am Main sowie weiteren Sponsoren und Partnern gefördert. Mehr Informationen unter www.senckenberg.de.

 

Pressekontakt

Dr. Sören Dürr
Tel.: 069 7542-1580

Judith Jördens
Tel.: 069 7542-1434
Mobil: 0172-5842340

Anna Lena Schnettler
Tel.: 069 7542-1561

Email: pressestelle@senckenberg.de

Fax: 069 7542-1517

Senckenberg
Forschungsinstitut und Naturmuseum
Senckenberganlage 25
60325 Frankfurt

15.12.2018 13:40:11


14.12.2018 11:11:18


14.12.2018 08:05:11


https://die-welt-baut-ihr-museum.de