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10.11.2016 - Was macht Menschen zu Menschen? Artenvielfalt in der Menschheitsgeschichte

Frankfurt, den 10.11.2016. Anlässlich der diesjährigen Gustav Heinrich Ralph von Koenigswald-Lecture wird Prof. Dr. Francis Thackeray von der University of the Witwatersrand in Johannesburg, Südafrika einen Gastvortrag im Senckenberg Naturmuseum halten. Der renommierte Paläoanthropologe denkt die Definition von Arten neu und entwickelt innovative Methoden zur Klassifizierung. In seinem Vortrag wird Thackeray seine Theorie am Beispiel der spektakulären Homo naledi-Funde der südafrikanischen „Rising Star“-Höhle erläutern.

Der Vortrag „The Definition of Species in Human Evolution“ von Prof. Dr. Francis Thackeray von der University of the Witwatersrand, Johannesburg, Südafrika findet am Mittwoch den 16. November 2016 um 19:30 Uhr im Senckenberg Naturmuseum statt.

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Auf den Spuren Charles Darwins: Diesjähriger
Gastredner der Gustav Heinrich Ralph von
Koenigswald-Lecture Prof. Dr. Francis Thackeray
© Thackeray

Wie sortiert man Organismen, wenn sich diese zum Verwechseln ähneln? Vor dieser Herausforderung stand Charles Darwin im Jahr 1854 bei seinem Versuch von ihm gesammelte Seepocken zu klassifizieren und einzuordnen. Auch heute noch diskutieren Biowissenschaftler über die Einteilung von Arten und den Artbegriff. Welche Kriterien müssen Arten erfüllen? Wo werden Grenzen gezogen? Ist der Artbegriff schon überholt?

Der diesjährige Gastredner der Gustav Heinrich Ralph von Koenigswald-Lecture, Prof. Dr. Francis Thackeray, hat sich dieser Problematik hinsichtlich der Fossilien früher Menschen angenommen und versucht die Frage der Artabgrenzung mit neuen morphometrischen Methoden zu beantworten. Während bei heutigen Lebewesen viele Faktoren – vom exakten Körperbau bis hin zu genetischen Informationen – zur Verfügung stehen, können Arten aus der Vergangenheit meist nur anhand weniger und meistens unvollständiger Fragmente beschrieben werden. Darüber hinaus werden fossile Arten häufig nur durch die großen Zeitlücken zwischen zwei Funden untereinander abgegrenzt.

Thackeray geht hier neue Wege und wird in seinem Vortrag anhand der aufsehenerregenden neuen Funde des Homo naledi im südafrikanischen Höhlensystem „Rising Star“ erläutern, wie diese zeitlich nicht eindeutig einzuordnenden Fossilien mit mathematischen Methoden in ein Verwandtschaftsverhältnis zu anderen Arten gestellt werden können. Anhand Thackerays Wahrscheinlichkeits-Definition weist Homo naledi eine große Ähnlichkeit mit Homo habilis und dem frühen Homo erectus auf.

Der Paläoanthropologe aus Südafrika plädiert dafür, in Zukunft nicht nur eine strikte Artdefinition anzuwenden, sondern nach festgelegten Kriterien berechnete Wahrscheinlichkeiten zur Einordnung neuer Fossilien zuzulassen.

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Artenvielfalt der Menschheitsgeschichte –
Thema des Vortrags von Thackeray.
© Senckenberg

Thackeray ist Professor für Paläoanthropologie an der University of the Witwatersrand in Johannesburg und leitet dort das Institut für Evolutionsforschung. Vor dieser Tätigkeit war er unter anderem Direktor des Transvaal Museums in Pretoria – dem führenden Forschungsmuseum auf dem Gebiet der Paläoanthropologie in Südafrika. Seine wissenschaftlichen Arbeiten umfassen sowohl Gelände- als auch Laborprojekte. Bekannt wurde Thackeray vor allem durch jahrelange Grabungsarbeiten in der „Wiege der Menschheit“, eine weltbekannte Fossilfundstelle südwestlich von Johannesburg. Dort erforschte er überwiegend die Funde von Paranthropus boisei, den sogenannte „Nussknackermenschen“. Zahlreiche neue Hominidenfunde sowie Faunenanalysen und ökologische Rekonstruktionen machten ihn über die afrikanischen Grenzen bekannt.

Seit dem Jahr 2002, in dem sich der Geburtstag von Gustav Heinrich Ralph von Koenigswald (1902-1982) zum hundertsten Mal jährte, ehrt Senckenberg den Begründer seiner paläoanthropologischen Abteilung mit einer jährlich stattfindenden Vorlesung. International hoch geschätzte Paläoanthropologen aus der ganzen Welt – Phillip Tobias, Hans-Dietrich Kahlke, Meave Leakey, Ian Tattersall, Yves Coppens, David Lordkipanidze, Bernard Wood, Elisabeth Vrba, Tim White, Eric Delson, Christopher Stringer, Zeresenay Alemseged, Nina Jablonski und Juan Luis Arsuaga – gaben seitdem Einblicke in ihre aktuelle Forschungsarbeit zur Evolutionsgeschichte der Menschen.

Die diesjährige Gustav Heinrich Ralph von Koenigswald-Lecture bildet den Auftakt der interdisziplinären Vortragsreihe "Woher kommt der Mensch? Ein neuer Blick auf Homo sapiens". Diese Reihe rückt die menschliche Evolution als Ganzes in den Fokus und bringt große Köpfe und neue Ideen zu diesem Thema nach Frankfurt: Im Fokus stehen neue Erkenntnisse zur körperlichen Entwicklung von Homo sapiens wie auch zur Entwicklung menschlichen Denkens, der Gefühle und des Bewusstseins für Kunst und Ästhetik. Die Reihe wird gemeinsam von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und der Goethe-Universität Frankfurt veranstaltet und umfasst bis Mitte Februar sechs Vortragsabende und eine abschließende Podiumsdiskussion. Ermöglicht wird sie durch die Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“ der Deutsche Bank AG.

Der kostenfreie Vortrag von Thackeray wird in englischer Sprache gehalten. Anmeldung bis 13. November 2016 via Fax unter 069/7542-1558 oder per E-Mail an Koenigswald-Lecture@senckenberg.de.

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Senckenberg Forschungsinstitut
Frankfurt am Main
Sektion Paläoanthropologie
Tel.: 069-7542 1260
schrenk@senckenberg.de

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Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Tel. 069- 7542 1434
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Email: pressestelle@senckenberg.de

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