Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt

Biotopkartierung der Stadt Frankfurt

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Im Auftrag des Umweltamtes der Stadt Frankfurt am Main erfolgt durch das Senckenberg Forschungsinstitut, Abteilung Botanik und Molekulare Evolutionsforschung, seit 1985 im gesamten Stadtgebiet – mit Ausnahme einiger größerer Industrieanlagen – die flächendeckende Kartierung der Biotoptypen. Die Anbindung der Biotopkartierung an das Senckenberg Forschungsinstitut ist naheliegend, da ein Schwerpunkt seiner Forschung traditionell im Großraum Frankfurt liegt und Flora und Fauna der Region seit über 200 Jahren in den Sammlungen der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (SGN) dokumentiert sind. Dadurch sind die besten Voraussetzungen gegeben, die Veränderungen der Flora und Fauna zu erfassen, zu beurteilen und zu dokumentieren. In Zusammenarbeit mit der Hessischen Landesanstalt für Umwelt und der Stadt Frankfurt am Main wurde 1988 am Senckenberg Forschungsinstitut die 10. Tagung der Arbeitsgruppe "Biotopkartierung im besiedelten Bereich" durchgeführt, deren Ergebnisse im "Courier Forschungsinstitut Senckenberg" Bd. 126 veröffentlicht wurden.

 Biotoptypenkarte
Biotoptypenkarte

Ausschnitt aus einer Biotoptypenkarte mit und ohne Luftbildhinterlegung. Die einzelnen Biotope sind durch Objektnummern und Biotoptypennummern gekennzeichnet. In einer dazugehörigen Datenbank sind die kartierten Lebensräume durch Zusatz-Codes und textliche Ausführungen näher charakterisiert.


1990 wurde der erste Durchgang der Biotopkartierung des Stadtgebietes abgeschlossen, seitdem erfolgen im ca. sechsjährigen Turnus Revisionskartierungen. Seit dem Jahr 2000 findet die Biotopkartierung auch im Stadtwald Frankfurt statt, der vorher von den Untersuchungen ausgenommen war. Seit Gründung der Arbeitsgruppe 1985 werden zusätzlich in Form von sogenannten "Präzisierungskartierungen" in ausgewählten Gebieten und Lebensräumen der Stadt Frankfurt vertiefte floristisch-faunistische Untersuchungen durchgeführt, die Antworten auf Themenkomplexe wie landschaftsstrukturelle Ausstattung und Verbund, Arteninventar, Naturschutz sowie Pflege und Entwicklung geben und in umfassendere Sonderprojekte (z.B. Frankfurt 21; Stadtwald; Flughafen-Projekt, Frankfurter Kreuz) mündeten. Die Ergebnisse dieser Arbeiten sind unverzichtbare Grundlage für die Fachplanungen der Stadt (Landschafts- und Naturschutzplanung, Arten- und Biotopschutzprogramme, Eingriffsregelung). Sie liefern neben wissenschaftlich fundierten Informationen über den Zustand, die Gefährdung und Schutzbedürftigkeit sowie die Entwicklungsfähigkeit der Natur in der Großstadt auch Kenntnisse über die Verbreitung von Lebensräumen, Pflanzen- und Tierarten und ermöglichen Aussagen zu deren Gefährdungspotential und zur Planung von Schutzmaßnahmen.

Durchgänge der Biotopkartierung der Stadt Frankfurt seit 1985
1. Kartierung                 1985-1990        
2. Kartierung                 1993-1997        
3. Kartierung                 1998-2003
4. Kartierung                 2005-2012
5. Kartierung                 2013-2017
6. Kartierung                 2018-

Spinne

Die Tapezierspinne Atypus piceus (Sulzer, 1776), eine der drei einheimischen Verwandten der Vogelspinnen, von einem Kalkmagerrasen am Berger Hang in Frankfurt am Main (Foto: A. Malten).

Mehr über Spinnen

 

Die Digitalisierung der Kartierergebnisse wurde zunächst durch das Stadtvermessungsamt durchgeführt und von Senckenberg fachlich betreut.  Die Daten stehen seit 2005 im Intranet den städtischen Behörden flächendeckend zur Verfügung. Seit einigen Jahren wird auch die Digitalisierung von Senckenberg übernommen.

Die Arbeitsgruppe steht in ständigem Kontakt mit dem Umweltamt der Stadt Frankfurt und berät die Mitarbeiter bei Fragen des Arten- und Biotopschutzes. Neben den Präzisierungskartierungen wurden Untersuchungen zur Artendiversität und Dynamik ausgesuchter Biotoptypen sowie begleitende Untersuchungen von Renaturierungs-, Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen, z.B. an der Nidda sowie am Berger Hang durchgeführt. Am Alten Flugplatz Kalbach/Bonames wurde in den ersten zehn Jahren nach seiner Umgestaltung ein intensives Monitoring durchgeführt.

Daneben erforscht die Arbeitsgruppe intensiv den Wandel der Flora von Frankfurt. Auf der Basis von Herbarbelegen und Archivmaterial konnte die Veränderung der Frankfurter Pflanzenwelt für einen Zeitraum von 300 Jahren ermittelt werden. Aus den Daten ließen sich auch die Ursachen für das Verschwinden vieler Arten aus dem Stadtgebiet ablesen. Gleichzeitig wird untersucht, welche Arten sich neu im Stadtgebiet ansiedeln und welche Gründe für die Einbürgerung von Neophyten verantwortlich sind.

Seit 2009 betreibt die Arbeitsgruppe die Webseite zur Flora von Frankfurt, auf der viele Informationen zur Frankfurter Pflanzenwelt kostenlos zur Verfügung gestellt werden und über die Bürger Funde von Pflanzen melden können.

Seit 2016 führt die Arbeitsgruppe Biotopkartierung das ökologische Monitoring auf den Frankfurter Flächen des Verbundprojektes „Städte wagen Wildnis – Vielfalt erleben“ durch. Dazu werden am Nordpark Bonames und am Monte Scherbelino ganzjährig Untersuchungen zu Fauna, Flora und Lebensräumen durchgeführt. Mehr Informationen zum Projekt finden Sie hier.

Streuobstbestand  Karte Streuobst

Im Rahmen der Auswertung der bisherigen Kartierdurchgänge wurden bereits Daten zur Größe und Verbreitung verschiedenster Lebensräume zusammengestellt. Oben rechts ist als Beispiel die Punktverbreitung des Lebensraumtyps Streuobst im Stadtgebiet von Frankfurt während der 3. Revisionskartierung dargestellt. Insgesamt konnten zwischen 1998 und 2003 ca. 320 ha Streuobstbestände kartiert werden (Foto: D. Bönsel). Dieser Lebensraum steht in Hessen unter gesetzlichem Schutz. Dennoch zeigt die Auswertung der Biotopkartierungen einen stetigen Rückgang von Streuobstbeständen sowie eine Verschlechterung der Lebensraumqualität.

 
Eichen-Hainbuchenwald  Karte Eichen-Hainbuchenwälder

Eichen-Hainbuchenwälder zählen zu den naturnahen Waldbeständen des Frankfurter Stadtwaldes, die zudem dem Schutz der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie (FFH) der EU unterliegen. Ihr Vorkommen im Stadtgebiet konzentriert sich auf den Schwanheimer Wald, den Nied- und Bieg-Wald sowie auf den Enkheimer Wald. Insgesamt konnten ungefähr 200 ha dieses Lebensraumtyps im Rahmen der Kartierung 1998-2003 nachgewiesen werden (Foto: A. Malten).

 
Epilobium brachycarpum  Karte Epilobium brachycarpum

Typisch für urbane Lebensräume ist die hohe Anzahl von Neophyten, die z.B. über Güterumschlagplätze eingeschleppt wurden und sich in der heimischen Flora etablieren konnten. Ein Beispiel für eine erst in jüngster Zeit in Frankfurt nachgewiesene und ursprünglich aus Nordamerika stammende Pflanze ist das Kurzfrüchtige Weidenröschen (Epilobium brachycarpum). Nachweise der Art in Frankfurt sind in obiger Punktverbreitungskarte dargestellt (Foto: A. Malten).

 
Iris pseudacorus Karte Iris pseudacorus

Vorkommen besonders geschützter Arten nach Bundesnaturschutzgesetz sind bei Planungen von großer Bedeutung. Die Gelbe Schwertlilie (Iris pseudacorus) ist so eine Art. Die Punktkarte zeigt die im Rahmen der Biotopkartierung im Stadtgebiet nachgewiesenen Fundorte seit 1985 (Foto: A. Malten).

 
Biotoptypenschlüssel 2007 (PDF file, 1 MB)

Die Ergebnisse aus der Biotopkartierung haben sich in einer Vielzahl von unveröffentlichten Gutachten und Berichten sowie allgemein zugänglichen Publikationen niedergeschlagen.

Durch die enge Kooperation von Senckenberg Forschungsinstitut  und Goethe-Universität Frankfurt am Main im Bereich der Biologie entstanden im Rahmen der Untersuchungen eine Reihe von Examensarbeiten.

In einer Broschüre der Stadt Frankfurt am Main wird die Biotopkartierung ausführlich erläutert.

https://die-welt-baut-ihr-museum.de