Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt

Paläozoologie III

Die Forschungsschwerpunkte der Arbeitsgruppe liegen in der Geologie und Paläontologie des Devons (417 bis 358 Millionen Jahre vor heute), wobei die Bearbeitung von Brachiopoden ("Armfüßer"), Stratigraphie und Paläobiogeographie im Vordergrund stehen. In der Sektion werden sehr umfangreiche Fossilsammlungen betreut (Brachiopoden, Cephalopoden, Muscheln, Schnecken, Schwämme, Stratigraphie Unter-Devon).

Fossile Brachiopoden sind einzigartige Zeugen der Urzeit. Man sieht diesen auf den ersten Blick wenig spektakulären Fossilien jedoch nicht ohne weiteres an, was alles mit ihnen anzufangen ist.  Vielmehr erfordert es einen erheblichen wissenschaftlichen Aufwand, um die von ihnen gespeicherten Informationen zu entschlüsseln.

 

   Crassirensselaeria crassicosta  
 

 Crassirensselaeria crassicosta
ein terebratulider Brachiopode aus dem Rheinischen Unter-Devon (Ansicht der Schalen-Innenseite) 

 

Die Grundlage aller weiteren Fragestellungen bildet die systematische Bearbeitung der Brachiopoden, was bedeutet, daß sie beschrieben und weltweit mit verwandten Formen verglichen werden, um ihre Verwandtschaftsbeziehungen zu klären. Es sollen schließlich Antworten besonders auf folgende Fragen gefunden werden:

1. Wie lief die Evolution der Brachiopoden in der Devon-Zeit ab? (> Stammesgeschichte)

2. Wie haben die Brachiopoden gelebt? (> Paläobiologie, Paläoökologie)

3. Welche Möglichkeiten haben wir, mit den Brachiopoden Gesteinsschichten zu datieren? (> Biostratigraphie)

4.  Welche Schlüsse zur Verteilung von Meeren und Festländern lassen sich aus ihrer geographischen Verbreitung ziehen? (> Paläobiogeographie)

5. Welche Schlüsse zur Entwicklung der Umwelt in der Devon-Zeit  können wir aus den Brachiopodenfaunen ziehen? Welche klimatischen Aussagen sind möglich? Was verraten die Brachiopoden über Lebens- und Ablagerungsräume? (> Paläoökologie, Paläoklimatologie)

Zu all diesen Fragen kann die Brachiopoden-Forschung beitragen, wobei sie größtenteils in internationale Forschungsprojekte mit interdisziplinärem Ansatz eingebunden ist.

Regionale Schwerpunkte der Forschung sind Europa, Nordamerika, marokkanischer Anti-Atlas und Süd-China.



Überblick über die Arbeitsgebiete der Sektion

 Mittelrhein-Gebiet

Es wird u.a. im Devon des Rheinischen Schiefergebirges geforscht, wie z.B. hier im Mittelrhein-Gebiet (Blick von der Loreley).

   

  Brachiopoden in Gesteinen der La Ladrona Formation bei Santa Maria del Mar (Asturien), Spanien (Exkursion 1998). Es handelt sich um ein Massenvorkommen der Art Euryspirifer pellicoi. Ähnliche Vertreter derselben Gattung kommen auch im Rheinischen Schiefergebirge vor.  

 La Ladrona Formation
   
 Profil Torkoz

  Das Profil bei Aouinet Torkoz (Süd-Marokko) schließt ca. 400 Millionen Jahre alte Meeresablagerungen des Unter-Devons auf (Expedition 2000). Für den Geowissenschaftler ist interessant, daß sich hier pelagische und neritische Ablagerungen miteinander abwechseln, so daß die entsprechenden neritischen und pelagischen Gliederungen miteinander korreliert werden können.

   

  Spiriferen-Denkmal am Profil Liujing (Provinz Guangxi, Süd-China). Das Profil reicht vom Unter- bis zum Ober-Devon und gilt als Standardprofil des süd-chinesischen Devons (Expedition 2001).

 Spiriferen-Denkmal
   
 Zdimir pseudobashkiricus

zahlreiche Pentameriden der Art Zdimir pseudobaschkiricus sibiricus in dem Steinbruch Akarachkino im Salair-Gebiet (Süd-Sibirien) (Expedition 2005)

   

  Geländearbeiten in der Schlucht Kodzakurgan (Usbekistan). Hier sind Ablagerungen eines tiefen Meeres im Unter-Devon aufgeschlossen. Die deutsch-usbekische Arbeitsgruppe beprobt Schicht für Schicht des Profils (Expedition 1999).

 Kodzakurgan
   
 Onkolith

  Das Foto zeigt einen mittel-devonischen Onkolith, der sich auf einem "ertrinkenden" Riff gebildet hat. Derartige Ablagerungen aus schalig aufgebauten, rundlichen Körpern entstehen  im flachen Meerwasser unter Mitwirkung von Algen (Exkursion in West-Australien anläßlich des 1. International Palaeontological Congress, 2002).

   

 


 

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