Senckenberg Naturhistorische Sammlungen Dresden

Paläozoologie

SEKTION Paläozoologie -
Erforschung der vorzeitlichen Tierwelt

Neogenes Mollusken-Schalenpflaster

Die Paläozoologie als wesentlicher Teilbereich der Paläontologie (der Lehre von den Lebewesen der erdgeschichtlichen Vergangenheit) befasst sich mit den Fossilien, die ehemaligen tierischen Lebewesen zugeordnet werden können. In der Sektion Paläozoologie der SNSD spielen neben dem Benennen und Zuordnen (Taxonomie und Systematik) auch Fragestellungen rund um die Evolution der Organismen und Lebensgemeinschaften sowie die Veränderung der Lebensräume in Zeit und Raum eine sehr wichtige Rolle. Denn fossile Organismen geben ganz entscheidende Informationen über die erdgeschichtlichen Veränderungen unseres Planeten.

Unsere Forschung trägt zu dem Forschungsbereich Biodiversität und Erdsystem-Dynamik bei. 

Die wichtigsten Forschungsobjekte der Sektion Paläozoologie sind Makro-Invertebraten, d.h. relativ großwüchsige, wirbellose Tiere wie z.B. Muscheln, Schnecken und Ammoniten, die einen großen Teil der Paläo-Biodiversität der Erde reflektieren. Darüber hinaus stellen diese die besten Fossilgruppen für hochauflösende, relative Altersdatierungen (Biostratigraphie) und sie besitzen zudem recht gut bekannte Umwelt-Präferenzen (z.B. für die Temperatur und die Salinität). Sie sind somit verläßliche Zeugen und wichtige Archive des vergangenen globalen Wandels sowie hervorragende Werkzeuge in der Paläoumwelt-Rekonstruktion.

Verschiedene fossile Macro-Invertebraten
Verschiedene fossile Makro-Invertebraten: A, Ammonit Collignoniceras woollgari; B, Muschel Oopecten gigas; C, Ammonit Virgatites sp.; D, Muschel MyophorellaE, Schnecke Cerithium (alle ex coll. Sektion Paläozoologie). 


Zeitlicher Fokus der Forschungen ist das Mesozoikum (= Erdmittelalter: ca. 250-65 Mio. Jahre vor heute), insbesondere die mittlere Kreidezeit, eine intensive Treibhauswelt mit einem um ein Vielfaches höheren Kohlendioxid-Gehalt als heute. Marin abgelagerte Sedimentgesteine und deren fossiles Inventar sind wertvolle Archive dieses bewegten erdgeschichtlichen Zeitintervalls und ihre Analyse erlaubt es uns, die Funktionsweise von Paläo-Ökosystemen unter den Bedingungen eines extremen Treibhausklimas zu verstehen und die Veränderungen der Paläo-Biodiversität in Zeit und Raum an ausgewählten Organismengruppen zu verfolgen. Der vergangene globale Wandel kann auch ein Schlüssel für das Verständnis möglicher Zukunftsszenarien unseres Planeten Erde sein:
The past is the key to future global change.

Profil Lange, Nordspanien
Profil von Gesteinschichten, die in der mittleren Kreidezeit (Cenoman) vor etwa 94 Mio. Jahren als kalkiger Schlamm auf dem Boden eines Schelfmeeres in Nordspanien abgelagert wurden. Ihre Analyse samt Untersuchung des fossilen Fauneninventars (Beispiel: Ammonoideen) ergibt wertvolle Informationen über die erdgeschichtliche Vergangenheit.

 
Die Analyse und Rekonstruktion sowie das funktionelle Verständnis komplexer mesozoischer Ökosysteme erfordert einen interdisziplinären Ansatz, der klassische Paläontologie (Taxonomie und Systematik) und Sedimentgeologie mit den Methoden moderner Isotopen-Geochemie, quantitativer Paläoökologie und der höchstauflösenden, integrierten Stratigraphie kombiniert. Hierbei spielen die umfangreichen, z.T. historischen Sammlungsbestände der Sektion eine zentrale Rolle, die durch Neuaufsammlungen beständig vergrößert und konservatorisch betreut werden. Aktuelle Forschungsergebnisse beziehen sich auf die Paläo-Biogeographie und Biostratigraphie kreidezeitlicher Invertebraten. Regionale Schwerpunkte bilden Zentraleuropa (Deutschland, Tschechien, England, Spanien), Nordafrika (Ägypten) und der Mittlere Osten (Iran). Ein neues DFG-Projekt befasst sich mit möglichen glazio-eustatischen Meeresspiegelschwankungen in der mittleren Kreidezeit und deren Signifikanz für die Dynamik von Treibhausklimaten.


 

 

https://die-welt-baut-ihr-museum.de