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Isla del Coco Expeditions-Blog

Im Herzen der Insel

12/01/2014, 00:55 von |Benutzer| Sebastian Lotzkat

Zwei Tage nach unserem Ausflug auf die Felsinsel Manuelita verließen wir die erschlossenen Gefilde für einige Tage und brachen mit Sack und Pack nach Süden auf...

Camp
Unser Camp in den Llanos.

 

bahia
Schwer zu erreichen: die Bahía Iglesias im Süden der Insel.

Im Herzen der Kokosinsel befinden sich die so genannten Llanos (zu deutsch "Ebene"), ein ausgedehntes Hügelland mit mittleren Meereshöhen um 250–300 m. Schon vor unserer Inseltour hatten wir dieses Gelände mit leichtem Gepäck erkundet. Guillermo Blanco, der ausgewiesene Waldläufer unter den Parkwächtern, hatte uns in zweieinhalb Stunden entlang der üblichen Plastikbandmarkierungen zu einem schon zuvor von Biologen genutzten Camp geführt – und von dort aus in sechs weiteren abseits jeglicher Markierung bis in die Bahía Iglesias an der von Wind und Wellen gepeitschten Südküste. Damals mussten und wollten wir uns sputen, um für den nächtlichen Rückweg nach Wafer nicht ebenso lange zu brauchen.

 

quebrada           bromelias
Farne säumen ihren Lauf: die Quebrada Bonita direkt am Camp.                                     Das superhumide Klima bietet beste Bedingungen für dichten Epiphytenwuchs.

 

Epidendrum
Die eher unauffällig blühende endemische Orchidee Epidendrum cocoënse,
die oft meterlang von ihrer Trägerpflanze hängt...

 

Nun war alles anders: Den bewährten Lagerplatz an einem zauberhaften Bach erreichten wir mittags mehr als rechtzeitig, um vor dem Regen unser Zelt aufzustellen und mit einer Plastikplane zu überspannen. Dass es ziemlich genau in diesem Moment anfing wie aus Eimern zu schütten und auch bis zum Abend nicht mehr aufhörte störte uns wenig. Schließlich hatten wir diesmal mehr Zeit, denn wir waren ja schon mittendrin – im Regenwald im Herzen der Insel.  

 

 

Und der ist wirklich wunderschön, ein Bild von einem tropischen Regenwald sozusagen, in dem wohl nur tropenerfahrene Botaniker die relative Artenarmut bemerken. Bisher kennt man von der Insen nämlich "nur" gut 180 Arten von Blütenpflanzen. Dazu kommen noch rund 80 verschiedene Farne, die immerhin die Hälfte der knapp 40 endemischen Gefäßpflanzenarten stellen.

 

Unter letzteren sind beispielsweise alle drei hier vorkommenden Baumfarne, die mit ihrem urtümlichen Aussehen jeden Lebensraum der Insel prägen – und drei der fünf heimischen Orchideen. Auf einige dieser botanischen Schmankerl hatte uns Don Guillermo bereits während unserer Erkundungstour entlang des Weges hingewiesen.

Huperzia
...und der ebenfalls endemische Bärlapp Huperzia pittieri sind nur zwei davon.

  

 

 

Von unserem Camp war es quasi nur noch ein ausgedehnter Spaziergang zur Iglesias-Bucht. An einem fast regenlosen Tag hatten wir so ausreichend Zeit und Gelegenheit, direkt an der Südküste nach unseren schuppigen Freunden Ausschau zu halten.

islote
Tölpel und Gras sind vorhanden. Die Frage ob auf der Isla Muela westlich der
Bahía Iglesias auch Echsen leben bleibt vorerst ungeklärt.

 

 

 

 

Erwartungsgemäß fanden wir überall reichlich Kokosinsel-Saumfinger, buchstäblich bis in die Spriztwasserzone am Felsufer der Bahía Iglesia. Die Kugelfingergeckos ließen sich wie gewohnt weniger zahlreich blicken, überraschten uns aber immer noch mit bisher ungesehenen Zeichnungsvarianten.

 

 

sphaerodactylus
Auch im Süden ist Sphaerodactylus pacificus hübsch: Zur Abwechslung mal ein Kugelfingergecko mit weißen Querbinden.

 

Anolis townsendi
Auch im Süden schläft man sportlich: Dieses Weibchen von Anolis townsendi
ist zwar gerade aufgewacht, hat seine Position aber nicht verändert.
Sogar die Hüfte ist von der Unterlage abgehoben.

Hier mitten im Wald sahen wir auch erstmalig den scheuen Kokos-Kuckuck. Dabei mussten wir an Don Guillermos Worte denken: "Diese Vögel haben noch nie einen Menschen gesehen", hatte er irgendwo in den Llanos beim Anblick einer Finkenbande gesagt. Wahrscheinlich wahrheitsgemäß.

 

Nachdem sämtliche Vorräte verzehrt waren brachen wir – fast schon schweren Herzens – unser Camp in den Llanos ab. Letztlich war es aber nicht nur der Hunger, der uns heim nach Wafer trieb. Unsere Zeit auf der Insel würde in etwa einer Woche enden, und wir hatten noch einiges vor.

 

quebrada
Blick zurück in ein Bachtal nahe der Bahía Iglesias. Nach langjähriger Gewöhnung an kontinentale Tropenwälder kommt es einem manchmal wie eine Verschwendung von Lebensraum vor, dass es hier keine Amphibien gibt.

 

Karte
Karte der Kokosinsel mit den im Text erwähnten Orten. Küstenlinie und ungefähre Höhenlinien digitalisiert von Peter Minton, EVS Islands.

 

von Sebastian Lotzkat und Joseph Vargas




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