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Smart Data - 10.000 und 1 Ruf in einer Nacht (Agentenmethoden, Teil 2)

17/11/2014, 16:20

Unser zweites Vorhaben dreht sich ebenfalls um das Abhören von Fröschen. Allerdings wenden wir uns hier einzelnen Individuen zu, und nicht ganzen Chören wie in unserem ersten bioakustischen Projekt. Unsere Voruntersuchungen haben nämlich gezeigt, dass die „automatisierte“ Auswertung von Rufaufnahmen besonders dann hervorragende Ergebnisse liefern kann, wenn die verwendete Software nicht mit Chören von verschiedenen Arten und Individuen überfordert wird.

Arne

Arne bei der Installation der Infrarot-Spionage-Kamera.

Der Trick ist vielmehr, mit unseren Langzeitrekordern vereinzelte rufende Männchen aufzunehmen. Vorzugsweise möchten wir Frösche der Gattung Leptodactylus belauschen, die sich durch einen äußerst simplen Ruf, ein Pfeifen, auszeichnen. Jedes Pfeifen eines Froschmanns wird hierbei als Signal erkannt und ausgemessen – die „Big Data“ werden hier zu „Smart Data“, denn wir können den Datenberg analysieren und interpretieren.

Bei unseren erfolgreichen Voruntersuchungen konnten wir Froschmänner finden, die 10.000 bis 12.000 Mal riefen (Leptodactylus syphax).

Ein Männchen einer anderen Art (Leptodactylus mystacinus) kam sogar auf 50.000 Rufe in einer Nacht! Für uns waren das so beeindruckende Rufleistungen, dass wir nun mehr erfahren wollen über den tatsächlichen Rufaufwand eines Froschmanns in einer Nacht, aber auch über die beeinflussenden Faktoren (Temperatur, Niederschläge?), über die Variationen in einer Nacht oder zwischen den Nächten, aber auch zwischen den Individuen.Leptodactylus syphax bewohnt Felsspalten auf den schönen Inselbergen der Chiquitania, und wird unser Hauptuntersuchungsobjekt sein.

Kameramanderfotografierenkann

Fertig! Zwei Kameras, ein Langzeitrekorder und ein zufriedener Forscher.

Unke!Unke!Unke!

Leptodactylus syphax lebt auf Granitfelsen und ruft dort aus Felsspalten. Ab jetzt wird der Ahnungslose ausspioniert…

Zur Untermauerung unserer Daten werden wir versuchen, das rufende Männchen mit Infrarotkameras beim Rufen zu filmen. Dieses visuelle „Beweismaterial“ soll belegen, dass es sich bei unseren Langzeitaudioaufnahmen tatsächlich immer um das gleiche Individuum handelt. Mit anderen Worten: Wir wollen beweisen, dass Männchen dieser Art territorial sind, und mit Hilfe der Kombination aus Video- und Audio-Überwachung werden wir sehr viele neue Erkenntnisse über die Biologie dieser Art herausfinden.

 

Film zu diesem Beitrag:

IR-Filmsequenz von Leptodactylus syphax.

 




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