Blogdetails

Bolivien Blog

Der Phantomfrosch

29/11/2014, 10:27

Einer der Gründe für diese Forschungsreise ist ein kleiner Frosch – nicht bunt, sondern braun, nicht sehr hübsch, sondern warzig und mit großem Maul, dafür aber sehr spannend. Bisher ist nur ein Exemplar aus unserem Untersuchungsgebiet und der Region bekannt, gesammelt auf einer früheren Expedition und zunächst nicht weiter beachtet. Erst viel später zurück im Labor viel auf, dass es sich hierbei um eine völlig andere Art handelt, als vorher gedacht, eventuell sogar um etwas Neues für ganz Bolivien. Um das sicher feststellen zu können, benötigt es aber mehr Exemplare, um morphologische Daten gesichert erheben zu können. Da der Frosch aber wie gesagt in Brauntönen gefärbt ist, von weitem mit seinem Rückenmuster einem trockenen Blatt täuschend ähnelt und das eine Tier bisher nur im dichten Trockenwald gefunden wurde, bleibt es spannend, ob wir weitere Tiere finden können.

Da der Frosch aber wie gesagt in Brauntönen gefärbt ist, von weitem mit seinem Rückenmuster einem trockenen Blatt täuschend ähnelt und das eine Tier bisher nur im dichten Trockenwald gefunden wurde, bleibt es spannend, ob wir weitere Tiere finden können. Daher machen wir uns nachts bei den ersten Regen in den Trockenwald auf, in der Hoffnung, dass die Tiere jetzt nach der langen Trockenzeit aus ihren Verstecken kommen. Die einzige Möglichkeit in diesem dichten Waldstück voranzukommen, ist ein alter Fahrweg, der bis zu einem Wasserfall mitten im Wald führt. Trotz des Regens sind zunächst Mücken und Zecken unsere einzigen Begleiter. Immer wieder springen Frösche vor uns über den Weg ins Dickicht und wir springen hinterher, jedoch ist der gesuchte Frosch nicht dabei. Tief im Wald kreuzt eine Schlange unseren Weg, eine junge und harmlose aber sehr nervöse Pseustes sulphoreus.

Pseustes sulphoreus

Eine aufgeschreckte, noch junge Pseustes sulphoreus– ihrem englischen Trivialnamen „puffing snake“ macht die Natter alle Ehre indem sie sich aufbläht und drohend zischt.

Phantomfrosch

Kaum auf der Laubstreu auszumachen: Unser Phantomfrosch!

Nachdem sie für einige Fotos stillhalten muss, lassen wir sie ziehen und suchen weiter nach „unserem“ Frosch. Plötzlich steht Martin wie versteinert und starrt gebannt auf seine Füße. Dazwischen ist zunächst nur Laub zu erkennen, jedoch fängt plötzlich eines der Blätter an zu hüpfen – unser Phantomfrosch! Da die Sprungleistung nicht sonderlich hoch scheint, beschließen wir, direkt einige Fotos im natürlichen Habitat zu schießen, wobei immer einer aufpasst, dass das Tier nicht entkommen kann. Nach den Fotos wandert der Frosch mit etwas Laub in eine der Sammeltüten und wir beschließen, trotzdem unseren Weg zu den Wasserfällen fortzusetzen. Das soll sich nochmal auszahlen, denn an dem immer noch trockenen Wasserfall haben sich nur einige Felslöcher mit Wasser gefüllt.

Diese runden, brunnengroßen Löcher mit glatten Wänden sind bereits zur Falle für verschiedene Tiere wie Ratte, Nasenbär und diverse Amphibien geworden, welche tot in den Löchern treiben. In einem davon treibt eine große Kröte (Rhinella schneideri), die sich aufgebläht hat, um auf der Wasseroberfläche zu treiben. Bei der Rettung des Tieres entdecken wir zu unserer Freude noch einen zweiten Phantomfrosch, den wir zwischen dem treibenden Laub bisher übersehen haben. Auch dieser wird aus dem Loch gerettet und eingesammelt. Damit entschädigt das gute Fangergebnis für die allgegenwärtigen Blutsauger und den stetigen Regen und wir machen uns auf den Rückweg.  

 

Neulich in Bolivien

Neulich in Bolivien…

 



last entry | next entry

https://die-welt-baut-ihr-museum.de/en