Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt

Marine Evertebraten III

 

bryozoans from Socotra, Yemen, settling on dead coral

Eine enorme Diversität von Bryozoen aus Sokotra (Jemen), die auf einem abgestorbenen Korallengerüst (Acropora sp.) siedelt: Zu besichtigen in der Schausammlung des Naturmuseums Senckenberg in Frankfurt am Main. Foto: Sven Tränkner, SGN

Die Sammlung von Prof. Ehrhard Voigt (1905-2004) besitzt als die weltweit umfangreichste und vollständigste Dokumentation der europäischen Oberkreide- und Paläogenbryozoen ein internationales Alleinstellungsmerkmal. Sie dokumentiert den rasanten Aufstieg cheilostomer Bryozoen seit dem Cenoman, und mit den Bryozoen auch zwei wichtige Evolutionskrisen in der Biosphäre, nämlich die Kreide/Paläogen Grenze und das Paläozän-Eozäne Temperaturmaximum (PETM). Letzteres führte zum Zusammenbruch einer bryozoenreichen Karbonatplattform, die im Mitteleuropa seit dem Cenoman über 50 Millionen Jahre Bestand gehabt hatte.

Die Sammlung Voigt am Senckenberg besteht nominell aus 256 Holo- und Neotypen. Allerdings konnten bei der Erschließung der riesigen Sammlung insgesamt 20 Typen bislang nicht lokalisiert werden. Darüber hinaus wurden 75% der 2666 publizierten Originale gefunden und  neu aufbereitet. Insgesamt sind im Internet nunmehr rd 21.000 Datensätze zur Coll. E. Voigt einsehbar, was allerdings einen kleineren (wenn auch wesentlichen) Teil der insgesamt rund 300.000 Sammlungsobjekte (Serien) von Ordovizium bis Rezent repräsentiert. Es gibt also noch viel zu tun. Die Erschließung im Kernbereichs der Sammlung Voigt wurde dankenswerterweise von der Deutschen Forschungsgemeinschaft / Wiss. Literaturversorgungs- und Informationssysteme LIS über drei Jahre gefördert (Projekt SCHO 581/12-1) und von Dr. Silviu O. Martha gemeinsam mit studentischen Hilfskräften übernommen und durchgeführt. Außerdem ist ein Typenkatalog (Martha et al.) für die Drucklegung vorbereitet.

In der öffentlichen Suche sind die Projektdaten unter dem Stichwort "Scho 581/12-1" im Aquila-Suchportal bei Senckenberg zu finden: https://search.senckenberg.de/aquila-public-search/search.

Sammlungsschublade Voigt Reteporidra lichenoides

Der Bryozoenchor: Murinopsia francqanaHeterocrisina candelabrum

Abb. Bryozoen aus der Oberen Kreide, Sammlung. VOIGT. Oben Links: Original Sammlungsschublade von Professor Voigt, wie sie aus Hamburg eingetroffen ist. Oben Rechts: Reteporidra lichenoides (Goldf.), Ob Maastrichtium, Curfs/Maastricht. Unten links: Murinopsia francqana (dŽObrbigny), der berühmte VoigtŽsche Bryozoenchor. Unten rechts; Heterocrisina candelabrum (Voigt), Maastrichtium, Blom/Maastricht

Die Zoologischen Sammlungen der Bryozoen dokumentieren in der Hauptsache Arten aus der Nordsee, dem Mittelmeer, und verschiedensten Indopazifischen Vorkommen nebst arabischer Randmeere. Die meisten der Proben sind mittlerweile ebenfalls in den Senckenberger Sammlungsdatenbanken SESAM und AQUILA erfasst und im Internet zugänglich.

Ihre Bedeutung verdankt die Sammlung der Rezent Bryozoa ganz wesentlich einer Schenkung des Bryozoologen Prof. Heinrich Ristedt (Bonn) in den Jahren 2003/2004. Sie liegt in ca. 15.000 Boxen vor und umfasst Sammlungsobjekte unter anderem aus der Antarktis, dem Mittelmeer und dem Indopazifischen Bereich.

Rhynchozoon tubulosum, Leyte, Philippinen

Rhynchozoon tubulosum (Hincks, 1880), Leyte, Philippinen. Aus Scholz & Cusi 1991.

Die Sammlung Ristedt besteht aus getrockneten und teilweise gebleichten Proben, die auf leeren Streichholzschachteln in Plastikdosen montiert wurden. Dieses praktische Verfahren wurde von uns übernommen, so daß alle Neuzugänge übersichtlich in die Sammlung Ristedt integriert werden können (Fotos).

Sammlung Ristedt Ristedt-Sammlung mit Prof. Hillmer

Die Sammlung der Bryozoen-Trockenpräparate: (Abb. links) Bryozoen aus Arabien. (Abb. rechts) Prof. Dr. Gero Hillmer (korrespondierendes Mitglied der SNG) im Bryozoen-Sammlungsraum.

Neben den Trockenproben bewahren wir jedoch auch eine umfangreiche Sammlung von Bryozoen in Alkohol auf - schwerpunktmässig aus der Nordsee, wo seit vier Dekaden kontinuierlich Bryozoen und andere marine Organismen gesammelt werden.

 

https://die-welt-baut-ihr-museum.de