Citizen Science-Projekt

Kleiner Specht – große Rolle

Citizen Scientists für den Kleinspecht gesucht!


Sie möchten sich einer anspruchsvollen ornithologischen Aufgabe stellen? Dann erforschen Sie mit uns den Kleinspecht in Hessen und Bayern!

Der Kleinspecht ist eine sehr charismatische Vogelart und begeistert alle, die das Glück haben, ihn beobachten zu dürfen. Er steht für strukturreiche Auwälder, Feldgehölze und alte Streuobstwiesen mit hohem Anteil an Totholz und nimmt in diesen Ökosystemen eine wichtige Schlüsselfunktion für viele weitere Höhlenbewohner ein.

Der nur spatzengroße Specht lebt unauffällig und gilt als schwierig zu erfassende Vogelart. Für Deutschland liegen wenig verlässliche Zahlen zu den Beständen vor.

Es gibt jedoch Anzeichen, die auf eine stete Abnahme des Kleinspechts hindeuten. In Großbritannien sind Bruterfolg und Bestände in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch zurückgegangen – die Gründe dafür sind bisher kaum wissenschaftlich erforscht. Da der Kleinspecht sich ganzjährig von Insekten und Spinnen ernährt, wäre es möglich, dass auch er unter dem gravierenden Insektenrückgang gelitten hat.

Auch seine Lebensräume sind bedroht – allen voran alte Streuobstwiesen, die es zu erhalten gilt. Gibt es auch hierzulande vergleichbare Abnahmen des Kleinspechts wie in Großbritannien? Und wenn ja, können wir etwas dagegen tun?

 

Citizen Scientists gesucht

Diesen Fragen möchte Senckenberg zusammen mit dem LBV Bayern und der HGON in den kommenden drei Jahren in den Bundesländern Bayern und Hessen nachgehen.

Dazu brauchen wir Ihre Unterstützung! Wir suchen Citizen Scientists (Bürgerwissenschaftler*innen)  aus ganz Hessen, die sich an der Zählung bzw. Kartierung des Kleinspechts und auch an weiterführenden Untersuchungen beteiligen möchten.

Wie können Sie mitarbeiten?

1. Anmeldeformular ausfüllen

Hier kommen Sie zum Anmeldeformular, anhand dessen Sie sich bei uns als Citizen Scientist im Kleinspecht-Projekt registrieren können. In den darauffolgenden Tagen erhalten Sie per E-Mail weitere Informationen.

 

2. Schulungen mitmachen

Wir bieten Schulungen an, bei denen Sie alle wichtigen Informationen zum Kleinspecht, zum Projekt und den dabei anzuwendenden wissenschaftlichen Methoden erhalten. 2021 finden diese Schulungen leider nur virtuell in Form einer Videokonferenz statt – 2022 und 2023 hoffentlich wieder als Präsenzveranstaltung mit anschließender Exkursion.

Die erste Schulung fand am Mittwoch, den 17.03., statt.
Falls Sie an diesem Termin keine Zeit hatten, stellen wir Ihnen auf Anfrage (an kontakt@kleinspecht.de) gerne eine Aufnahme der Schulung (3,5 Stunden) zur Verfügung.
Eine sich anschließende, kürzere Schulung zur Brutbiologie und Habitataufnahme wird Mitte April stattfinden. Informationen hierzu erhalten Sie nach der Anmeldung per Mail.

 

3. Zählroute festlegen

Im Anschluss an die absolvierte erste Schulung kann jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer für sich eine Zählroute in der Nähe des Wohnortes festlegen, die über die dreijährige Projektlaufzeit beibehalten werden sollte. Für eine Teilnahme an der Zählung 2021 ist eine Anmeldung methodisch bedingt bis spätestens 22. März erforderlich.
Für 2022 freuen wir uns weiterhin über Ihre Anmeldung!

Die Route sollte möglichst in einem Gebiet/Lebensraum gewählt werden, wo Kleinspechte nachgewiesen wurden oder zumindest potenziell vorkommen können. Hierfür können Sie sich im kürzlich vom Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) veröffentlichten Regioportal bekannte Kleinspecht-Vorkommen in Ihrer Umgebung anschauen (Hilfestellungen für das Portal finden Sie hier). Detaillierte Informationen dazu und zum typischen Habitat des Kleinspechts erhalten Sie in der Schulung.

 

4. Der Start: Sie erhalten Lautsprecher

Zum Start der Kartierungen erhalten Sie von uns einen kleinen portablen Lautsprecher, den Sie mit Ihrem Smartphone verbinden können und mittels dessen im Feld entlang der Zählroute an vorher festgelegten Zählpunkten (Stopps) Klangattrappen abgespielt werden. Klangattrappen sind akustische Lockrufe, die in der Wissenschaft bei der Erhebung schwierig zu erfassender Tierarten zum Einsatz kommen.

 

5. Routen ablaufen und Beobachtungen aufschreiben

Die Kartierung startet offiziell Ende Februar (2021 organisationsbedingt etwas später). Bis Anfang Mai soll die von Ihnen gewählte Route (von mind. 1,2 km Länge bzw. 5 Stopps) an drei Terminen in den Morgenstunden abgelaufen werden.

Für die Kartierung wird ein Smartphone oder Tablet (Bluetooth- und GPS-fähig), die darauf installierte App NaturaList sowie ein persönliches Benutzerkonto auf ornitho.de benötigt. Die Spechtbeobachtungen, die Sie machen, werden von Ihnen in der App notiert, zentral gesammelt und von uns ausgewertet.

Für Benutzer von Apple-Geräten ist die App leider nicht verfügbar, sie funktioniert nur mit Android. In solchen Fällen gibt es die Möglichkeit, die Beobachtungsdaten zunächst auf einem Papierbogen zu erfassen. Ein Fernglas im Feld dabeizuhaben ist natürlich immer sinnvoll.

2020 wurde zusammen mit dem DDA in Hessen das sogenannte „Specht-Modul“ auf ornitho.de gestartet, anhand dessen künftig ein landesweites Spechtmonitoring aller Arten ermöglicht wird. Da wir für die Kleinspecht-Kartierungen dieses Werkzeug nutzen, wäre es wünschenswert, wenn Sie an den ersten beiden Kartierterminen auch andere Spechtarten erfassen.

 

6. Suche nach Bruthöhlen und Lebensraum beschreiben

Neben den Spechtzählungen möchten wir die Brutbiologie des Kleinspechts genauer untersuchen. Vermutlich handelt es sich hierbei um eine kritische Phase im Leben der Kleinspechte und ist somit ausschlaggebend für den Erhaltungszustand der Art.

Der dritte Kartiertermin dient vor allem der Suche nach Bruthöhlen des Kleinspechtes. Zusätzlich wird an jedem Zählstopp eine kurze Charakterisierung des Habitats vorgenommen. Falls besetzte Bruthöhlen gefunden werden, werden die folgenden brutbiologischen Untersuchungen vor Ort sowohl von Expert*innen der Projektleitung als auch Studierenden der Hochschule Weihenstephan Triesdorf angeleitet und betreut.

Nach jeder Saison und abschließend nach Ende der dreijährigen Feldarbeit werden die gewonnenen Daten umfassend ausgewertet. Die Erkenntnisse sollen im Anschluss in einen Maßnahmenkatalog einfließen, der sich dem Schutz des Kleinspechts widmen soll. Für die Umsetzung dieser Schutzmaßnahmen wird Senckenberg eng mit Akteuren aus der Forstwirtschaft, allen voran HessenForst, zusammenarbeiten.

 

Anmeldung und Kontakt:

Hier geht es zur Anmeldung für die Mitarbeit im Projekt.

Sollten Sie Fragen zum Projekt haben, schreiben Sie uns gerne eine Mail an
kerstin.hoentsch@senckenberg.de.

 

Das Projekt „Kleiner Specht – große Rolle“ wird ermöglicht durch folgende Kooperationspartner: