Die Stratigraphie des Tertiärs ist von großer Bedeutung nicht nur für das Verständnis der Entwicklungsgeschichte dieses wichtigen erdgeschichtlichen Zeitabschnitts, sondern auch für die Beurteilung aktueller Themen wie Klimaentwicklung und Biodiversität, da im geologischen Zeitverhältnis gedacht, das Tertiär als junges Erdzeitalter viele Rückschlüsse auf die heutige Zeit zulässt.

1.1 Jahrestreffen 2025 der Subkommission Tertiär
Die Subkommission Tertiär trifft sich vom 10. bis 12. September 2025 beim Geologischen Dienst in Krefeld. Das vorläufige Programm umfasst die Sitzungsveranstaltung sowie zwei Exkursionstage:
Mittwoch 10.09.2025
- Gremiensitzung mit Fachvorträgen
- Besichtigung des neuen Bohrkernarchivs des GD NRW
Donnerstag 11.09.2025 – Ganztagsexkursion
- Braunkohlentagebau Garzweiler (Pliozän/Miozän)
- Tongruben (Pliozän) Brachter Wald
Freitag 12.09.2025 – Halbtagsexkursion
- Tongruben Raum Bottrop (Oligozäne Sande und Tone)
1.2 Gestein des Jahres
Ton – ein für das Tertiär typisches, wenig verfestigtes und feinkörniges Sediment (Partikel < 2 µm) – wurde dieses Jahr vom Berufsverband Deutscher Geowissenschaftler zum Gestein des Jahres gewählt.
Er besteht hauptsächlich aus Tonmineralen (Schichtsilikate wie Illit, Kaolinit, Montmorillonit und Chlorit), weiterhin aus geringeren Mengen an Quarz, Glimmermineralen, Feldspat und seltener Karbonaten. Als Naturprodukt wird er in Stillwasserbereichen der Meere oder auf dem Kontinent abgelagert oder entsteht durch intensive chemische Verwitterung.
Ton ist ein weltweit verbreiteter Rohstoff. Im Tertiär finden sich mächtige Tonhorizonte, wie der Rupelton. Die Tonlagerstätten im Vorderwesterwald in Rheinland-Pfalz, die zu den größten Tonvorkommen in Europa zählen, sind ebenfalls Ergebnis chemischer Verwitterung unter feuchtheißem Tropenklima im Tertiär

Entstanden vor 66,0 bis 2,58 Millionen Jahren, sind tertiäre Gesteine in großen Gebieten Nord- und Mitteldeutschlands, sowie im Voralpenraum und im Bereich des Oberrheingrabens anzutreffen. Sie treten auf ca. 45 % der Fläche von Deutschland auf und erreichen teils mehrere Kilometer Mächtigkeit.
Als Zeugnisse der jüngeren Erdgeschichte sind die tertiären Einheiten in Deutschland von besonderer wissenschaftlicher Bedeutung – sowohl für das Verständnis der Entwicklungsgeschichte dieses wichtigen erdgeschichtlichen Zeitabschnitts (z. B. tektonische Ausprägung der heutigen Geomorphologie Deutschlands, evolutionsbiologische Radiation der Säugetiere), sondern auch für die Beurteilung aktueller Themen wie Landschafts- und Klimaentwicklung oder Biodiversität.
Durch ihr großflächiges und häufig mächtiges Auftreten, oft direkt unter unseren Füßen, sind die tertiären Einheiten aber auch von wirtschaftlich hoher Relevanz. So stehen viele Lagerstätten, wie z. B. die Braunkohlenvorkommen in Ost- und Mitteldeutschland sowie der Niederrheinischen Bucht, die Erdöl- und Erdgasvorkommen in Norddeutschland und im Oberrheingraben sowie zahlreiche lokale Steine-/Erdenlagerstätten in Zusammenhang mit tertiärzeitlichen Entwicklungen. Aber auch für unterschiedliche geothermische Betrachtungen im Rahmen der Energie-/Wärmewende sind die tertiären Gesteine von großer Bedeutung, ebenso wie für vielfältige Fragestellungen von Infrastrukturprojekten und ingenieurgeologischen Baugründungen.
2.1 Stätten der Erdgeschichte im Deutschen Tertiär (IUGS Heritage Sites)
Seit 2022 zertifiziert das IUGS-Exekutivkomitee „IUGS Geological Heritage Sites“. Dabei handelt es sich um wichtige Orte mit außergewöhnlichen geologischen Elementen oder Prozessen von höchster internationaler wissenschaftlicher Bedeutung, die als globale Referenz genutzt werden und/oder einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der geologischen Wissenschaften im Laufe der Geschichte geleitet haben.
Bislang erhielten weltweit 200 geologisch außerordentlich bedeutende Orte diese Auszeichnung. Davon beziehen sich drei auf deutsche Tertiärvorkommen:
- Messel / Hessen (Eozäne Fossilfundstätte): Die reichhaltigste Fossilfundstätte der Welt zum Verständnis des Lebensraums des Eozän, da sie außergewöhnlich gut erhaltene Fossilien enthält.
- Scheibenberg / Sachsen (Erosionsrest eines oligozänen Lavastroms): Um 1790 wurde der Scheibenberg zu einem Schlüsselargument für den Neptunismus im Streit über die Entstehung von Basalt aus Wasser oder Lava.
- Nördlinger Ries / Süddeutschland (Miozäner Asteroiden-Einschlag): Einer der am besten erhaltenen Krater der Welt, der viele Einschlagsmerkmale aufweist, die in einer leicht zugänglichen Region untersucht werden können.
2.2 Deutsche Geoparks mit Tertiärbezug
UNESCO Geopark Harz · Braunschweiger Land · Ostfalen (www.geopark-hblo.de)
Nationaler GEOPARK Laacher See (www.geopark-laacher-see.de)
UNESCO Geopark Muskauer Faltenbogen / Łuk Mużakowa (www.muskauer-faltenbogen.de)
Nationaler Geopark Porphyrland (www.geopark-porphyrland.de)
UNESCO Geopark / IUGS Heritage Site Ries (www.geopark-ries.de)
UNESCO Geopark Schwäbische Alb (www.geopark-alb.de)
UNESCO Geopark Vulkaneifel (www.geopark-vulkaneifel.de)
Geopark Vulkanregion Vogelsberg (www.geopark-vogelsberg.de)
Nationaler GEOPARK Westerwald-Lahn-Taunus (www.geopark-wlt.de)
2.3 Deutsche Fossilfundstätten
Fossilfundstätte Eckfeld
Fossilfundstätte Enspel
Fossilfundstätte Eppelsheim
Fossilfundstätte Geiseltal
UNESCO-Weltnaturerbe / IUGS Heritage Site Grube Messel
Fossilfundstätte Sieblos
2.4 Gesteine aus dem Tertiär
Aufgrund ihres geologisch relativ jungen Alters handelt es sich bei den Gesteinen aus dem Tertiär meist um unverfestigte Lockergesteine, die je nach ihren Ablagerungsbedingungen unterschiedliche Korngrößen und Organikanteile aufweisen. Typische Gesteine sind Tone, Schluffe, Sande und Kiese sowie Braunkohlen.
Seit 2010 kürt der Berufsverband Deutscher Geowissenschaftler e. V. jährlich ein Gestein des Jahres. Darunter fanden sich bereits mehrere Vertreter aus dem Tertiär:
- Kaolin (2013)
- Sand (2016)
- Ton (2025)
Geologische Karte von Deutschland
Stratigraphische Tabelle von Deutschland

3.1 Stratigraphische Bearbeitung des Deutschen Tertiärs
Zu den wichtigsten Aufgaben gehört die stratigraphische Detailbearbeitung der Gesteinsabfolgen in den relevanten Regionen Deutschlands:
- Nordwestdeutschland (Niederrheinische Bucht, Ostwestfalen-Lippe, NW-Deutsches Becken onshore / offshore)
- Ostdeutschland (NW-Deutsches Becken, Subherzyne Senke, Geiseltal, Leipziger Bucht / Mitteldeutschland, Altmark, Brandenburg, Lausitz)
- Rheingrabensystem mit angrenzenden Teilbecken (Mainzer Becken, Hanauer Becken, Oberrheingraben, Wetterau, Niederhessische Senke, Sprendlinger Horst)
- Rheinisches Schiefergebirge (Neuwieder Becken, Taunus, Vogelsberg, Westerwald, Rhön, Eifel, Hunsrück)
- Molassebecken / Alpen (Subalpin / Vorlandmolasse)
- Alpen (Inneralpine Molasse, Helvetikum, Ultrahelvetikum, Feuerstätter Flysch, Nördliche Kalkalpen, Alpenvorland)
- Alb (Steinheimer Becken, Randecker Maar, Maarseen von Bärnau / Rohrloch in der Oberpfalz)
Dabei kommen unterschiedliche stratigraphische Korrelationsmethoden zum Einsatz, je nachdem, ob es sich um kontinentale oder marine Ablagerungen handelt. In marinen Ablagerungsräumen wird besonders die Biostratigraphie mit kalkigem Nannoplankton, Dinoflagellaten und Foraminiferen genutzt, während im kontinentalen Ablagerungsraum die Biostratigraphie meist auf Säugetieren, Charophyten, Pollen und Sporen oder Otolithen beruht. Die Lithostratigraphie dient vor allem zur überregionalen Korrelation fossilfreier Lockergesteinspakete, die vor allem in hoher Mächtigkeit in den braunkohlenführenden Regionen auftreten und sonst mit keiner anderen Methode stratigraphisch fassbar sind. Die Lithostratigraphie, Magnetostratigraphie sowie die numerische Datierung mithilfe von Isotopen ermöglichen zudem auch Korrelationen zwischen den Faziesbereichen.
3.2 Diskussion zum Tertiär-Begriff
Nicht nur in Fachkreisen läuft die Diskussion, ob der Abschnitt zwischen 66 und 2,58 Millionen Jahren wie bisher als Tertiär bezeichnet oder in Paläogen und Neogen unterteilt werden sollte. Mit diesem Thema setzt sich auch die SKT seit Jahren auseinander. In Anbetracht der vielfältigen und komplexen Tertiärvorkommen und ihrer besonderen stratigraphischen Herausforderungen fällt das Meinungsbild innerhalb der Subkommission entsprechend ebenfalls unterschiedlich aus.
Eine Abstimmung unter allen SKT-Mitgliedern im Sommer 2021 sprach sich jedoch mehrheitlich (23 zu 10 Stimmen, 20 Enthaltungen) für die Beibehaltung und weitere Verwendung des Tertiärbegriffs, insbesondere im Zusammenhang mit regionalgeologischen Betrachtungen innerhalb Deutschlands aus. Die parallele Verwendung der Begrifflichkeiten Tertiär bzw. Paläogen/Neogen in unterschiedlichen nomenklatorischen Hierarchiestufen wäre demnach die favorisierte Lösung. Die dieser Entscheidung wesentlich zugrundeliegenden Fakten fassen Grimm et al. (Mainz. Geowiss. Mitt., 2024 (52): 145-170 doi: https://doi.org/10.23689/fidgeo-6202) zusammen.
3.3 LithoLex
Im Rahmen der Arbeiten der SKT kommt es auch zu lithostratigraphischen Neudefinitionen oder Überarbeitungen von geologischen Einheiten. Diese werden im digitalen „Lithostratigraphischen Lexikon von Deutschland“, einer online abrufbaren Loseblattsammlung mit Kurzbeschreibungen von lithostratigraphischen Einheiten in Deutschland, kontinuierlich eingepflegt.
Für das Tertiär sind derzeit 34 Beschreibungen für definierte Formationen verfügbar. Aktuell sind weitere 24 Formationsbeschreibungen aus dem Mainzer Becken sowie 6 Definitionen von Supergruppen in den Deutschen Alpen in Bearbeitung.

4.1 Infos zur letzten Sitzung
Auf Einladung des Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) traf sich die Subkommission Tertiär vom 09. bis 11. Oktober 2024 zu ihrer Jahressitzung in Wiesbaden / Hessen. Die Organisation übernahmen Jan Marx, Kirsten & Matthias Grimm, Gudrun Radtke, Alexander Streb und Andreas Eberts – denen wir herzlich danken! Das Exkursionsprogramm der Sitzung umfasste eine interessante Führung zu den Thermalquellen Wiesbadens, eine Halbtagsexkursion in den Dyckerhoff-Steinbruch (Wiesbaden-Amöneburg) sowie eine Ganztagsexkursion zu zahlreichen Aufschlusspunkten im Mainzer Becken.
4.2 Übersicht früherer ordentlicher Sitzungen

5.1 Vorstand
5.1.1 Vorsitz
Henny Gerschel, Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG), Referat 101: Geoarchive, Datenmanagement, Pillnitzer Platz 3, 01326 Dresden. email
5.1.2 Sekretariat
Christiane Gold (vorübergehend abwesend), Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG), Referat 102: Geologische Kartierung, Geophysik, Landesaufnahme, Pillnitzer Platz 3, 01326 Dresden. email
Matthias Claudius Grimm (Stellvertreter), UDL Dr. Grimm Umweltdienstleistungen, Eduard-Frank-Straße 12, 55122 Mainz. email
5.2 Weitere Ordentliche Mitglieder
Andreas Eberts (Mainz) – email
Kirsten Grimm (Mainz) – email
Kurt Heißig (München) – email
Martin Hiß (Düsseldorf) – email
Ronald Janssen (Frankfurt a. Main) – email
Jan Marx – email
Martina Pippérr (Witzenhausen-Roßbach)
Gudrun Radtke (Wiesbaden) – email
Michael W. Rasser (Stuttgart) – email
Peter Schäfer (Wiesbaden) – email
Gerda Standke (Freiberg)
Ulrike Wielandt-Schuster (Freiburg) – email
5.3 Korrespondierende Mitglieder
Peter Balaske (Halle (Saale)) – email
Stephan Becker (Krefeld) – email
Gerhard Doppler (Kaufering)
Gero Fischer (Halle (Saale)) – email
Patrick Grunert (Köln) – email
Olaf Höltke (Stuttgart) – email
Hans-Volker Karl (Jena) – email
Anne Kött (Wiesbaden) – email
Matthias Kranner (Hof) – email
Olaf Lenz (Hannover) – email
Ulrich Lieven (Bedburg) – email
Oleg Mandic (Wien) – email
Erlend Martini (Kronberg)
Kai Nungesser (Mainz) – email
Linda Prinz (Krefeld) – email
Jörg Pross (Heidelberg)
Jochen Rascher (Freiberg) – email
Sophia Rütters (Cottbus) – email
Martin Salamon (Krefeld) – email
Werner Schwarzhans (Hamburg) – email
Alex Streb (Mainz) – email
Stefanie Tobler (Krefeld) – email
Roland Wimmer (Roitzsch) – email
Cordula Winter (Meuselwitz) – email

6.1 Organisationen
Deutsche Stratigraphische Kommission (DSK)
International Commission on Stratigraphy (ICS)
International Subcommission on Neogene Stratigraphy (ISNS)
International Subcommission on Paleogene Stratigraphy (ISPS)
LithoLex – Lithostratigraphisches Lexikon (BGR)
6.2 Institute und Museen
Museum der Stadt Alzey
Pfalzmuseum für Naturkunde – POLLICHIA-Museum Bad Dürkheim
Museum für Naturkunde Berlin
Hessisches Landesmuseum Darmstadt
Staatliche Geologische Dienste Deutschlands
Stratigraphische und Paläontologische Sammlungen TU Bergakademie Freiberg
Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe Hannover
Staatliches Museum für Naturkunde Karlsruhe
Naturhistorisches Museum Mainz
Bayerische Staatssammlung München
Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart
Museum Wiesbaden Naturhistorische Sammlungen
6.3 Fachgesellschaften
Deutsche Geologische Gesellschaft – Geologische Vereinigung e. V.
Internation Union of Geological Sciences (IUGS)
Paläontologische Gesellschaft (PalGes)
Dachverband der Geowissenschaften e. V.
Berufsverband Deutscher Geowissenschaftler e. V.
