Durch die Bindung, bzw. Freisetzung gewaltiger Wassermengen in den kaltzeitlichen Inlandeisschilden der Nordhalbkugel kam es im Quartär zu globalen Meeresspiegelschwankungen von bis zu 130 m. Der größte Teil der eisfreien und somit vegetationsbedeckten arktischen Landgebiete grenzt unmittelbar an riesige Schelfbereiche, die heute von Flachmeeren bedeckt sind, aber während der kaltzeitlichen Meeresspiegeltiefststände Teil einer großen zusammenhängenden Landfläche waren, die einst Eurasien mit Nordamerika verband.
Die mit den eustatischen Meeresspiegelschwankungen einhergehenden enormen Küstenlinienverschiebungen hatten durch den mehr oder minder stark ausgeprägten Einfluss maritimer Luftmassen erhebliche Auswirkungen auf Klima und Vegetation in den hohen Breiten Eurasiens. Die Küstenliniendynamik bewirkte zudem die Entstehung von Migrationsrouten bzw. –barrieren für Pflanzen und Tiere. Die heute ausgestorbenen oder nicht mehr in der Arktis vorkommenden Großsäuger übten durch Beweidung und andere Störungen ebenfalls einen Einfluss auf die arktische Vegetation aus.
Die Untersuchung von im arktischen Permafrost konservierten Pflanzenresten belegt eine gegenüber heute weitaus größere Diversität von Vegetation und Habitaten im Pleistozän sowie das Vorherrschen von Graslandvegetation. Die Rekonstruktion des Florenwechsels am Beginn der jetzigen Warmphase vor ca. 11.000 Jahren liefert einen wichtigen Beitrag zur Klärung der Ursachen der pleistozänen Mammutfauna und massiven biotischen Verarmung der arktischen Landökosysteme.
Kooperationspartner
K. Ashastina (Max Planck Institut für Menschheitsgeschichte, Jena), L. Schirrmeister, S. Wetterich (Alfred-Wegener-Institut, Potsdam), N. Rudaya (Institute of Archaeology & Ethnography, Novosibirsk), S. Kuzmina (Palaeontological Institute, Moscow)), K. Wesche (Senckenberg Görlitz), E. Troeva (Institute for Biological Problems of the Kryolithozone, Jakutsk), Olga Potapova (Mammoth Site of Hot Springs), A. Protopopov (Yakutian Academy of Science, Jakutsk)