Ein großer Teil der Forschung am DZMB wird aus Drittmitteln finanziert, die von verschiedenen Geldgebern eingeworben werden. So müssen beispielsweise Doktoranden- und Postdoktorandenstellen aus Drittmitteln finanziert werden.
DZMB
Laufende Projekte

BEnToolsMaPs
Team




Biodiversität und Ökosystemleistungen der Ozeane sind wichtige Ressourcen. Besonders der Südozean gerät durch den Klimawandel zunehmend unter Druck. Daher werden internationale Anstrengungen zum Management dieses einzigartigen Ökosystems und zu dessen Schutz (u. a. vor Fischereidruck) unternommen. Für das Weddellmeer ist noch weitgehend unbekannt, welche Rolle kleinere Organismen des Meeresbodens für Ökosystemleistungen spielen. Dieses Wissen fehlt bei der Planung von Meeresschutzgebieten.
BEnToolsMaPs wird Wissen über die Auswirkungen anthropogener Stressoren auf Struktur und Funktion des Meeresbodens generieren und für fundierte Entscheidungsfindungen und nachhaltiges Management von Kohlenstoffspeicherung und Ökosystemleistungen bereitstellen.
Partner*innen von der Universität Rostock, dem Alfred-Wegener-Institut und von Senckenberg am Meer planen
(1) eine erste umfassende Beschreibung der Biodiversität von sedimentbewohnenden Organismen der Meio- und Makrofauna zu liefern
(2) moderne Techniken anzuwenden um Analysen zu beschleunigen und zu verbessern
(3) Ökosystemfunktionen und -leistungen zu quantifizieren
(4) daraus Karten für marine Raumplanungen zu erstellen und
(5) dieses Wissen in die MPA-Planung zum Schutz benthischer Lebensräume in verschiedenen Regionen des Weddellmeeres zu integrieren.
Am Institut Senckenberg am Meer in Wilhelmshaven wird im Teilvorhaben BEnToolsMaPs-Meio „Meiofauna Diversität und Modellierung“ eine umfassende Beschreibung der Biodiversität von sedimentbewohnenden Organismen der Meio- und Makrofauna im Weddellmeer (WP1) erarbeitet. Ganze benthische Gemeinschaften aus Multicorerproben verschiedener Regionen des Weddellmeeres werden mit Hilfe von Metabarcoding analysiert und die Ergebnisse mit denen traditioneller Techniken (morphologische Bestimmung) verglichen. Genetisches Barcoding einzelner Individuen bekannter und neu entdeckter Arten wird bestehende morphologische Beschreibungen ergänzen und Neubeschreibungen einschließlich genetischer Daten ermöglichen. Die räumliche Modellierung von Meiofauna-Gemeinschaften (WP4) auf dem Schelf und dem Kontinentalabhang mit Hilfe von Umweltdaten liefert Grundlagen für die marine Raumplanung. In WP5 trägt das Teilvorhaben dazu bei das Wissen an Interessengruppen weiterzugeben. Der Schwerpunkt der Wissenskommunikation des Teilvorhabens liegt vor allem auf der Öffentlichkeitsarbeit.
Forschungsprogramm der Bundesregierung
MARE:N Küsten-, Meeres- und Polarforschung für Nachhaltigkeit
Marine Biodiversität: Blauer Ozean – Entwicklung von Handlungsempfehlungen zum Erhalt und Schutz der marinen Biodiversität
Förderzeitraum: 01.09.2024 – 31.08.2027
PaRCA-SaM
Team


Das transdisziplinäre Projekt PaRCA ist eine gemeinsame Initiative niederländischer, deutscher und dänischer Wattenmeerexperten aus Universitäten, Forschungseinrichtungen und zuständigen Behörden, um Wege zur Realisierung einer nachhaltigen Klimaanpassung des Wattenmeeres zu entwerfen und zu analysieren.
Der Meeresspiegelanstieg und damit einhergehende Küstenschutzmaßnahmen werden die Zusammensetzung der Sedimente im Wattenmeer beeinflussen. Dadurch werden sich auch die Lebensgemeinschaften im Watt und die Dienstleistungen, die diese für das Ökosystem erbringen, verändern.
Wir untersuchen wie sich Sedimentmanagement-Strategien auf die biologische Vielfalt der im Sediment lebenden kleinen Organismen auswirken. Diese sogenannte Meiofauna bildet die Nahrungsgrundlage für viele größere Tiere und ist am Abbau von organischem Material im Watt beteiligt. Mit genetischen und morphologischen Methoden untersuchen wir, wie sich natürliche Störungen und menschliche Einflüsse auf die Gemeinschaften im Wattboden auswirken. Gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern im Verbundprojekt PaRCA werden wir in Reallaboren an ausgewählten Wattenmeer-Standorten in Deutschland und den Niederlanden die Veränderungen der Sedimentzusammensetzung und der darin vorkommenden Lebensgemeinschaften verfolgen. Schließlich werden die Ergebnisse moderner high-throughput Methoden der Biodiversitätserfassung mit physikalischen Modellierungen der Sedimentdynamik der Partnervorhaben kombiniert. Als Ergebnis werden wir im Rahmen des Teilvorhabens PaRCA-SaM „Diversität und Resilienz benthischer Gemeinschaften“ großskalige Modellierungen und Aussagen zur langfristigen Widerstandsfähigkeit von Wattenmeergemeinschaften ableiten können.
Forschungsprogramm der Bundesregierung (BMBF, BMUV) und der Niederländischen Organisation für wissenschaftliche Forschung (NWO):
Internationale Wattenmeerforschung – Komplexe Belastungen des Wattenmeeres verstehen und Handlungsoptionen entwickeln.
Förderzeitraum: 1.06.2024 – 31.05.2028
https://www.nwo.nl/en/news/five-applications-awarded-for-research-about-the-wadden-sea
Mining Impact 2
Team


Mining Impact ist ein Projekt im Rahmen der Europäischen Initiative JPIOceans, in dem die Umwelteinflüsse und –risiken des Tiefseebergaus von polymetallischen Knollen in der Clarion-Clipperton Bruchzone (CCZ) im äquatorialen Nordost-Pazifik untersucht werden.
Die belgische Firma DEME-GSR plant dort einen Knollen-Kollektor-Test an zwei verschiedenen Positionen und das Mining Impact 2-Projekt wurde ins Leben gerufen, um dessen Auswirkungen auf die Umwelt und die benthische Fauna zu untersuchen. Die Untersuchungen werden von einem internationalen und interdisziplinären Team durchgeführt.
Ursprünglich sollte der Kollektor-Test im Frühling 2019 stattfinden, und es war geplant, die Expedition SO-268 auf dem Foschungsschiff SONNE für das Monitoring zu nutzen. Da ein Kabel irreparabel beschädigt war, musste der Kollektor-Test jedoch verschoben werden. Deswegen wurde die Fahrt wurde für weitere Untersuchungen des natürlichen Zustandes in den Testgebieten genutzt, sowie ein klein-räumiges Experiment um die Monitoring-Strategien zu testen. Wir, von Senckenberg, konnten zum ersten Mal unseren neuen 20-Core-Multicorer nutzen und auf der Fahrt viele Meiofauna und Megafauna-Proben sammeln.
Unsere Aufgabe innerhalb des Mining Impact 2 Projektes ist die Entwicklung und das Testen von „rapid assessment“-Methoden (dt. schnelle Datenerhebung) für ein Monitoring der Tiefseefauna. In der Tiefsee ist die Biodiversität generell sehr hoch und dies gilt besonders für die CCZ, gleichzeitig sind die meisten Arten wissenschaftlich noch nicht beschrieben. Gerade deswegen ist eine schnelle und eindeutige Identifizierung von vielen Tieren eine Hauptaufgabe für jedes Monitoring. Wir verwenden hauptsächlich zwei Techniken, das Meta-Barcoding und MALDI-TOF MS.
Beim Meta-Barcoding wird ein DNA-Barcode von allen Organismen in einer Probe parallel sequenziert und zeigt dadurch alle Taxa oder Arten, die an dieser Stelle vorkommen. Ein DNA-barcode ist kurzes Stück DNA, normalerweise mit einer Länge von mehreren Hundert Basenpaaren, das sich zwischen den verschiedenen Arten unterscheidet. Um diese Sequenzen wirklichen, existierenden Arten zuordnen zu können, erarbeiten wir Referenz-Bibliotheken mit den DNA-Barcodes von verschiedenen Taxa. Diese Methode ist besonders nützlich für eine schnelle, qualitative Erfassung aller Arten, die an einer Position vorkommen.
MALDI-TOF MS (Matrix-Assisted Laser Desorption/Ionization Time-of-Flight Mass Spectrometry) ist ebenfalls eine molekulare Methode. Hierbei wird die Zusammensetzung aus verschieden großen Proteinen und Aminosäuren, der sogenannte “Proteomische Fingerabdruck”, verwendet um zwischen verschiedenen Arten zu unterscheiden. Diese Methode ist besonders schnell und kostengünstig, wenn einzelne Tiere für eine quantitative Untersuchung identifiziert werden sollen.
GEANS
Team


Das Projekt GEANS wird vom Interreg North Sea Region Program 2014-2020 finanziert und ist eine transnationale Zusammenarbeit von neun Partnern aus sieben Ländern im Gebiet der Nordsee (Belgien, Niederlande, Großbritannien, Deutschland, Dänemark, Schweden und Norwegen). GEANS strebt, in Zusammenarbeit mit Interessensvertreter*innen, die Einführung von DNA-basierten Hilfsmitteln in Programmen zum routinemäßigen Monitoring an, um die Politik und Entscheidungsfindung in Bezug auf die Gesundheit des Ökosystems in der Nordsee-Region zu unterstützen.
Die Verwendung von DNA-basierten Werkzeugen könnte die Kosten für das gesetzlich vorgeschriebene Monitoring um 40% reduzieren, während die Bearbeitungszeit sogar um 60% sinken könnte. Um dies zu erreichen, beinhaltet GEANS sechs Arbeitspakete (work packages) mit jeweils individuellen Zielen. Das erste Arbeitspaket (WP1) strukturiert und managet GEANS organisatorisch, finanziell und sichert einen reibungslosen Arbeitsablauf zwischen den WPs und dem beigeordneten Sekretariat. WP2 zielt auf eine Synchronisation mit anderen Initiativen ab, um die Verwendung von DNA-Hilfsmitteln zu fördern, das Engagement von Interessensvertretern im Verlauf von Pilotstudien zu vergrößern und die Verwirklichung des Projekts im Management der Ökosytemgesundheit zu unterstützen. Im dritten Arbeitspaket (WP3), wird an der Einrichtung einer verlässlichen Referenzbibliothek aus DNA-Sequenzen gearbeitet, die auf eine Sammlung aus taxonomisch validierten Tieren beruht. Das Ziel von WP4 ist die Optimierung und die Standardisierung von DNA-basierten Feld- und Laborprotokollen. Innerhalb von WP5 ist eine Reihe von Pilotstudien in enger Zusammenarbeit in enger Zusammenarbeit mit Interessensvertretern organisiert, um die genetischen Protokolle in existierende Umweltbewertungen und das Management einzubauen. Die Pilotstudien wenden DNA-basierte Methoden in Monitoring Programmen im Kontext der europäischen Natura 2000 Richtlinien und der Meeresstrategie-Rahmenrichtline an, außerdem für die Erfassung nicht einheimischer Arten. Abschließend, zielt das sechste Arbeitspaket (WP6) darauf ab, die Ergebnisse von WP3, WP4 und WP5 in ein Rahmenkonzept für die Entscheidungsfindung einzubetten, als Hilfe die richtigen Protokolle für Echtzeit-Bewertungen zu finden und um die wissenschaftlichen Erkenntnisse in klare und einfache Indikatoren und Management-Produkte umzusetzen.
Prof. Pedro Martinez Arbizu (verantwortlich für WP3), Prof. Ingrid Kröncke, Dr. Magdalini Christodoulou, Frau Kerstin Thaler und Frau Marie Elisabeth Kaufmann vertreten Senckenberg innerhalb von GEANS. Senckenberg koordiniert das Arbeitspaket für die Entwicklung zuverlässiger DNA-Barcode Referenz-Bibliotheken für die benthische Makrofauna in der Nordsee-Region für die Verwendung im Monitoring und für Folgenabschätzungen (WP3). Zusammen mit den anderen Teilnehmern von GEANS, aber auch mit Interessensvertretern, wird eine Liste von Schlüsselarten der Nordsee zusammengestellt, die mehr als 800 Arten umfasst, von denen mehr als 100 nicht einheimisch sind. Um COI-Sequenzen und die begleitenden Metadaten jedes Tieres (z.B. Fotos, Voucher-Code, Lokalität, Koordinaten, Datum) zu gewinnen, wird ein standardisierter Arbeitsablauf für Feld und Labor verwendet.
Außerdem beteiligt sich Senckenberg an WP5, mit zwei Fallstudien im Soft-Bottom Monitoring Pilot (Weichboden) und einer Fallstudie im Non-Indigenous Species Monitoring Pilot (nicht einheimische Arten). Beide Pilots streben einen Vergleich der Morphologie-basierten Analyse mit der DNA-basierten Analyse an und ob sie dieselben Informationen und Muster zeigen, die für die Bewertung der Ökosystemgesundheit der Nordsee verwendet werden können. Die erste Fallstudie im Soft-Bottom Monitoring Pilot ist eine Langzeit-Probenahmestelle in der Nähe der Insel Norderney, an der Senckenberg eine 40-jährige Zeitreihe besitzt (Teil von Senckenbergs Long Term Ecological Research North Sea Benthos Observatory), einer der wenigen benthischen Langzeit-Untersuchungsstandorte in der Nordsee und weltweit. Die zweite Fallstudie im Soft-Bottom Monitoring Pilot wird in Zusammenarbeit mit dem Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz, Schleswig-Holstein durchgeführt und ist ein Monitoring-Standort der Meeresrahmen-Richtlinie zwischen Helgoland und Sylt. Die Fallstudie im Non-Indigenous Species Pilot wird im JadeWeserPort, Wilhelmshaven, an einem Standort für das Monitoring von nicht-einheimischen Arten in Kooperation mit dem Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie durchgeführt.
Twitter: @GEANS_Interreg
ANTARKTIS Meio-Makro
Team
Die antarktischen Ökosysteme sind von starken Veränderungen betroffen, insbesondere was die Eisbedeckung angeht. Wir wissen nicht wie dies die Prozesse am Meeresboden, die benthischen Funktionen, beeinflusst. Informationen zur Rolle verschiedener Tiergemeinschaften für benthische Funktionen unter variabler und stabiler Eisbedeckung sind für ein besseres Verständnis der Ökosystemprozesse dringend notwendig. Nur in wenigen Studien wurden unterschiedliche Größenklassen wie Meio- und Makrofauna gleichzeitig untersucht, und in keiner wurde ihre Bedeutung für benthische Funktionen untersucht. Daher ist der Einfluss von geringer werdender oder sich verändernder Meereisbedeckung auf die trophischen Interaktionen zwischen Meio- und Makrofauna sowie deren Bedeutung für die Prozesse am Meeresboden nicht geklärt. Dazu gehört auch ob und wie sich die benthische Remineralisation, bestimmt durch Stoffflussmessungen von Ammonium, Nitrat, Phosphat, Kieselsäure und Sauerstoff an der Sediment-Wasser-Grenzschicht, verändert. Für den Südozean ist über die jeweiligen Anteile der Meio- und Makrofaunagemeinschaften an dieser Remineralisation nichts bekannt.
Mit unserem 3-Jahres Projekt werden wir gemeinsam die Reaktion benthischer Ökosystemfunktionen auf unterschiedliche Meereisbedeckungssituationen im Weddellmeer und entlang der Antarktischen Halbinsel einschätzen. Um die Rollen der verschiedenen Größenklassen und ihrer assoziierten Taxa im System „Meeresboden“ besser zu verstehen, müssen wir (1) die Bedeutung der Strukturen der Meio- und Makrofaunagemeinschaften für die Ressourcenaufteilung und die Remineralisierung in Regionen mit unterschiedlicher Eisbedeckung und (2) den Effekt von erhöhtem Nahrungsaufkommen bei sich verändernder Eissituationen auf die Interaktionen von Ökosystemfunktion und Größenklassen bestimmen.
Die beiden komplementären Aspekte werden mit einem/r gemeinsam betreuten Doktoranden/in durchgeführt. Proben wurden bereits auf den beiden Polarstern-Expeditionen PS 81 (22.01 bis 18.03.2013, nordwestliches Weddellmeer, Antarktische Halbinsel) und PS 96 (06.12.2015 bis 14.02.2016 südöstliches Weddellmeer) genommen. Die untersuchte Region umfasst Gebiete mit reduzierter, variabler und anhaltender Eisbedeckung. Mittels Inkubationen wird die räumliche Variabilität der Remineralisationsraten und die Rolle der Meio- und Makrofaunataxa bestimmt und mit deren Position im Nahrungsnetz zu verbunden. Um den Einfluss erhöhten Nahrungseintrags auf die Partitionierung der Nahrungsaufnahme und die Remineralisation durch die Tiergruppen zu testen, wurden Pulse-Chase Experimente durchgeführt.
Die Ergebnisse bilden die Grundlage für das dritte Arbeitspaket: Die Entwicklung eines konzeptionellen Modells für die Evaluation benthischer Systemfunktionen im sich verändernden Südozean, welches die Mehrheit der Größenklassen und Prozesse betrachtet.
Dr. Gritta Veit-Köhler, Senckenberg am Meer – DZMB
Dr. Heike Link, Universität Rostock
M.Sc. Friederike Säring (Doktorandin), Universität Rostock
MGF-Ostsee
Team



Das Projekt MGF-Ostsee ist zusammen mit MGF-Nordsee Teil der Deutschen Allianz Meeresforschung (DAM)-Pilotmissionen mit dem Titel: Ausschluss mobiler, grundberührender Fischerei in Schutzgebieten der Deutschen ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) von Nord- und Ostsee.
Der Einsatz mobiler grundberührender Fischerei (wie Baumkurren und Grundschleppnetze) hat großen Einfluss auf die Ökosysteme der Meere, insbesondere auf die Lebensgemeinschaften und Sedimente des Meeresbodens. Deshalb soll diese Form der Fischerei in den kommenden Jahren zumindest in Teilen der deutschen und europäischen Meeresschutzgebiete ausgeschlossen werden.
Der Einfluss, den der Ausschluss der mobilen grundberührenden Fischerei auf die Ökosysteme der Meeresschutzgebiete hat, soll mit einem umfangreichen und kooperativen Forschungsansatz untersucht werden. Hier am DZMB liegt der Fokus dabei auf der Untersuchung der Meiofaunaorganismen der Untersuchungsgebiete. Als Meiofauna wird eine Gruppe bodenlebender ein- bis vielzelliger Organismen bezeichnet, die aufgrund ihrer Körpergröße ein Sieb mit 1 mm Maschenweite passieren, jedoch in einem Sieb mit 40 µm Maschenweite zurückgehalten werden. Sie spielen als Aufbereiter organischen Materials und als fundamentaler Bestandteil des Nahrungsnetzes eine wesentliche Rolle in allen aquatischen Ökosystemen.
Der mögliche Einfluss, den der Ausschluss der mobilen grundberührenden Fischerei auf die Meiofaunaorganismen hat, soll in einem zweigeteilten Ansatz untersucht werden. Zum einen wird die Diversität der Meiofaunaorganismen mit Hilfe des Metabacoding erfasst, zum anderen wird eine der vorherrschenden Gruppen der Meiofauna, die benthonischen Ruderfußkrebse (Copepoda, überwiegend Harpacticoida), morphologisch und faunistisch untersucht.
Da gegenwärtig die mobile grundberührende Fischerei in den Meeresschutzgebieten noch nicht untersagt ist, wird zunächst der aktuelle Zustand der benthalen Habitate in den ausgewählten Untersuchungsgebieten untersucht, um eine Referenz für weitere Untersuchungen zu schaffen. Diese Daten sind essentiell, um mögliche Auswirkungen des Ausschlusses bewerten zu können.
In der deutschen AWZ der Ostsee liegen 3 Meeresschutzgebiete, Fehmarnbelt, Kadetrinne und Pommersche Bucht–Rönnebank, die zusammen etwa 55 % der Fläche der deutschen AWZ ausmachen. Im Rahmen dieses Projektes wurden drei Untersuchungsgebiete ausgewählt, Fehmarnbelt, Oderbank (in der Pommerschen Bucht gelegen) und Rönnebank. In jedem Gebiet werden sowohl Standorte im Meeresschutzgebiet als auch in Referenzgebieten außerhalb des Schutzgebietes beprobt. Bisher konnten zwei Seereisen mit dem Forschungsschiff ELISABETH MANN BORGESE unternommen werden, eine im Mai und Juni 2020 zum Fehmarnbelt, eine weitere im Juni 2021 zur Oderbank und dem Fehmarnbelt (letzteres nur für geoakustische Untersuchungen). Für die Untersuchung der Meiofauna werden dabei mit einem Multicorer (MUC) Sedimentproben genommen. Aktuell werden die gesammelten Proben im Institut bearbeitet und ausgewertet.
Projektleiter: Prof. Dr. Klaus Jürgens, Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW)
Finanzierung: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
Weiterführende Informationen: https://www.io-warnemuende.de/dam-mgf-ostsee-start.html
SPP 1991 Taxon-OMICS
Das Taxonomics Projekt “ Ophiuroid phylogenomics: Illuminating dark abyssal biodiversity “ ist Teil des DFG-Schwerpunktprogramms 1991 “ Taxon-Omics: New approaches for discovering and naming biodiversity „. Die Forscher dieses Projekts verbinden die klassische „Taxonomie“, also die Entdeckung und Benennung neuer Arten, mit den spannenden „-omics“-Methoden des 21. Jahrhunderts, wie Genomik und Transkriptomik.
Das Hauptforschungsgebiet unseres Projekts ist die Clarion-Clipperton-Zone (CCZ) im Ostpazifik. Dieses Gebiet ist von besonderem Interesse, da es die höchste Dichte an polymetallischen Knollen in den Weltmeeren aufweist. In früheren Studien wurde eine größere Artenvielfalt als erwartet festgestellt, sodass unser Projekt die Artenvielfalt der Schlangenstern Fauna weiter untersuchen soll.
In unserem laufenden Schwerpunktprogramm arbeiten wir mit Schlangensternspezialisten zusammen und verwenden klassische Methoden der Taxonomie, wie z. B. die Rasterelektronenmikroskopie, um die Schlangenstern Fauna zu identifizieren und zu beschreiben, wobei wir uns auf die CCZ und dessen Vergleichsmaterial konzentrieren. Wir setzen aber auch moderne Genomikmethoden ein, wie z. B. 2b-RAD für populationsgenetische Studien oder das Exon Capture System für phylogenetische Ansätze. Diese Kombination wird uns helfen, die Evolutionsgeschichte der Schlangensterne abzuleiten und die Artenvielfalt in der abyssalen Tiefsee zu beschreiben. Das Projekt besteht im Wesentlichen aus drei miteinander verbundenen Komponenten. Die erste besteht darin, die gefundenen Schlangenstern Arten anhand morphologischer Merkmale, aber auch durch klassische Sanger-Sequenzierung mit DNA-Barcoding abzugrenzen. Mit diesen Methoden soll z.B. eine Revision der Gattung Ophiotholia mit der Beschreibung einer möglichen neuen Art durchgeführt werden. Der zweite Schritt ist die Analyse der phylogenetischen Beziehungen. Hierfür verwenden wir die Next Generation Sequencing (NGS) Methode 2b-RAD für die weltweit verbreiteten Arten Silax daleus und Amphiophiura bullata, um ihre Konnektivität basierend auf dem biogeographischen Vorkommen zu ermitteln, welches dann mit der NGS Exon Capture Methode in Zusammenarbeit mit den australischen Kollegen Dr. Tim O’Hara und Dr. Andrew Hugall weiter analysiert wird. Der letzte Schritt wird die phylogeographische Beziehung und die molekulare Datierung sein, um die Evolutionsgeschichte der abyssalen Schlangenstern Fauna zu analysieren.
Team



BSH „Neobiota“
Besonders in marinen Gewässern kommt es durch die Konnektivität von See- und Binnenschifffahrt oftmals unbemerkt in Form von Biofouling an Schiffsrümpfen oder Ballastwasser zu einer Verschleppung gebietsfremder Arten. Während die Auswirkungen invasiver Arten an Land häufig schnell sichtbar sind, sind sie im Wasser zunächst unsichtbar. Dadurch kommt es potenziell zu einer Gefährdung der heimischen Flora und Fauna eines etablierten Ökosystems.
Das Ziel des Forschungs- und Entwicklungsprojekts in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) ist die Erarbeitung eines Frühwarnsystems zur Identifizierung gebietsfremder Arten basierend auf genetischen Analysemethoden.
Insbesondere sollen folgende Forschungsfragen beantwortet werden:
- Welche Wasserorganismen werden mit traditionellen Methoden (RA, JHP) und welche mit molekularbiologischen Methoden (DNA-Metabarcoding) erfasst?
- Welche dieser oben genannten Methoden weist eine höhere Spezifität hinsichtlich gebietsfremder Arten auf?
- Welche Artengruppen können mit welchen Methoden besser erfasst werden?
- Gibt es Unterschiede zwischen den genetischen und den taxonomischen Methoden in der Genauigkeit der Bestimmung?
- Können genetische Methoden die traditionellen Methoden ersetzen oder sind diese als Ergänzung anzusehen? Welche Kombinationen beider Techniken bieten Vorteile in der Identifikation und in der Kosten-Nutzen-Abwägung?
Team


Großprojekte und Kooperationen
Seit der Gründung des DZMB sind seine Mitarbeiter*innen in internationale Großprojekte und Kooperationen eingebunden oder federführend für diese verantwortlich. Dazu gehören langjährige international aufgestellte Programme und Expeditionsserien aber auch Kooperationen mit Universitäten und die Übernahme von Lehraufträgen.
Koordination des Census of the Diversity of Abyssal Marine Life (CeDAMar) als Beitrag zum Census of Marine Life (CoML)
Organisation internationaler Expeditionsserien
DIVA: Latitudinal gradients of deep-sea biodiversity in the Atlantic Ocea
IceAGE: Icelandic Marine Animals: Genetics and Ecology
Teilnahme und logistische Unterstützung für internationale Forschungsfahrten und Projekte z.B.:
DIVA-1 – 3, ANDEEP 1–3, SYSTCO, OASIS, GroMet, EASIZ, BENEFIT, MAR-ECO, NODINAUT, BENDEX, JPI-Oceans, MINING IMPACT, BIODIAZ, GEANS
Kooperation mit dem International Council for the Exploration of the Sea (ICES)
Kooperation im Bund-Länder-Meß-Programm Nordsee
Kooperation mit den Universitäten Oldenburg und Hamburg
Kooperation mit der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR)