Die Forschung ist taxonomisch-systematisch ausgerichtet. Ziel ist es zum einen die Charakterevolution in ausgesuchten phylogenetischen Linien zu verstehen und durch Einbeziehung molekular-phylogenetischer Daten eine natürliche Systematik zu erarbeiten. Zum anderen ist die Dokumentation der Biodiversität – im Sinne von Artenvielfalt – einzelner Regionen von Interesse (z.B. Deutsche Bucht, Madeira, Elba). Es wird mit dem morphologiebasierten Artkonzept gearbeitet.
Sektion
Meeresbotanik

Forschung
Aktuelle Projekte
- Taxonomie und Systematik der Gattung Prorocentrum
- Taxonomie, Systematik und Charakterevolution innerhalb der dinophysoiden Dinoflagellaten
- Biodiversität benthischer Dinoflagellaten des Mittelmeers
- potentiell toxische Dinoflagellaten in Australien
Langzeitprojekte
- Taxonomie, Systematik, Phylogenie und Biogeographie benthischer Dinoflagellaten
- Phylogenie und Systematik der Dinoflagellaten
Die Taxonomie und Ökologie von marinen, interstitiellen (Sandlücken) Flagellaten des Nordfriesischen Wattenmeeres war mein Dissertationsthema an der Wattenmeerstation Sylt, AWI. Dieses Projekt stelle die erste Aufnahme der interstitiellen Flagellatenarten des deutschen Wattenmeeres dar und die Biodiversität war unerwartet hoch.
Insgesamt habe ich 141 Flagellaten-Taxa unterschieden, von denen ich 105 in meiner Dissertation präsentiert habe. 64 Dinoflagellaten-Arten aus 18 Gattungen wurden beobachtet. 31 Arten wurden identifiziert, 10 Arten wurden neu beschrieben und 23 als spp. klassifiziert. Zusätzlich wurden 52 Euglenophyceen-Arten aus 13 Gattungen beobachtet, von denen wahrscheinlich 11 Taxa zu der Zeit unbeschrieben waren. Desweiteren wurden 17 Flagellaten-Taxa nur bis auf Gattungsniveau bestimmt, sie gehörten zu den Bodoniden, Cryptophyceen, Raphidophyceen und den Protista incertae sedis.
Die interstitiellen Dinoflagellaten und Eugleniden sind vor allem Konsumenten. 70 % der Dinoflagellaten- und über 90 % der Eugleniden-Arten waren heterotroph. Für die Dinoflagellaten-Arten wurden auch zeitliche und räumliche Verteilungsmuster untersucht. Maximal wurden 1,5 x 107 Zellen pro m2 gezählt (bei einer untersuchten Sedimenttiefe von 5 cm). Im Durchschnitt wurden 5 bis 9 x 106 Zellen pro m2 gefunden.
In den Jahren nach meiner Doktorarbeit bis heute habe ich die Untersuchung der Biodiversität und Biogeographie mariner Sandlücken-Dinoflagellaten von überall in der Welt fortgesetzt. Zur Zeit sind ungefähr 160 Arten aus 35 Gattungen beschrieben. Ein Teil dieser Biodiversität ist in der Datenbank micro*scope sichtbar (marine benthic dinoflagellates worldwide, marine benthic dinoflagellates from BC Canada, marine benthic dinoflagellates from NW Australia). Ich bin Autor oder Coautor einiger neubeschriebener mariner benthischer Dinoflagellaten-Taxa. Zusätzlich habe ich gemeinsam mit meinen kanadischen Kollegen, Juan Saldarriaga und Brian Leander, von der University of British Columbia, molekular-phylogenetische Untersuchungen einiger interstitieller Dinoflagellaten begonnen.
Vor allem bin ich an der molekularen Phylogenie und der Charakterevolution innerhalb der Dinophysales interessiert. Die Hypothese ist, daß die benthische heterotrophe Gattung Sinophysis basal in der dinophysoiden Linie abzweigt. Der Erwerb von Chloroplasten / Kleptochloroplasten / Symbionten erfolgte später in den Dinophysis-Arten.
Sinophysis, Oxyphysis und verwandte Arten sollen aus natürlichen Sedimenten und Planktonproben isoliert werden und SSU- und LSU-rDNA-Sequenzen sollen analysiert werden. Die wirkliche Position der Dinophysales in molekular-phylogenetischen Bäumen steht zur Diskussion – sowie die Topology innerhalb dieser Linie. Die phototrophen Dinophysis-Arten besitzen einen besonderen Phycobilin enthaltenden Dinoflagellaten-Chloroplasten und ein einzigartiges Organell, das Rhabdosom.
Es ist bekannt, daß phototrophe Dinophysis-Arten mixotroph sind und Kleptochloroplastidie wird diskutiert. Die heterotrophe Art Dinophysis/Phalacroma rotundata ist im basalen Bereich des Dinophysis-Kladus plaziert. Alle bekannten Sinophysis-Arten und Oxyphysis sind heterotroph. Die Gattungsunterscheidungen zwischen Dinophysis und Phalacroma und möglichen weiteren morphologisch sehr ähnlichen Taxa soll, vor allem morphologisch, detailliert untersucht werden. Dazu werden Proben aus möglichst vielen Meeresgebieten ausgewertet.
Wir werden in der Zukunft versuchen Sequenzen eng verwandter Taxa wie Amphisolenia, Histioneis und Ornithocercus zu sequenzieren. Danach soll die morphologische Diversität in den phylogenetischen Zusammenhang gestellt werden, der durch die molekularen Sequenzdaten erhalten wurde. Diese Untersuchungen habe ich an der University of British Columbia im Leander Labor angefangen.
Publikationen
Charakterevolution und Phylogenie der Dinophysales, 2013
HOPPENRATH, M., CHOMÉRAT, N. & LEANDER, B.S. (2013): Molecular phylogeny of Sinophysis: Evaluating the possible early evolutionary history of dinophysoid dinoflagellates. In: Lewis, J.M., Marret, F. & Bradley, L. (eds.) Biological and Geological Perspectives of Dinoflagellates. The Micropalaeontological Society, Special publications. Geological Society, London: 207-214.
Charakterevolution und Phylogenie der Dinophysales, 2007
HOPPENRATH, M., HORIGUCHI, T., MIYOSHI, Y., SELINA, M., TAYLOR, F.J.R. & LEANDER, B.S. (2007): Taxonomy, phylogeny, biogeography, ecology of Sabulodinium undulatum, including an amended description of the species. Phycol. Res. 55: 159-175.
Die taxonomische Nachuntersuchung des Phytoplanktons um Helgoland, Deutsche Bucht, Nordsee, war mein Postdoc-Projekt am Alfred Wegener Institut für Polar- und Meeresforschung.
Die Phytoplanktonkomposition und physikalisch-chemische Parameter werden im Rahmen einer Langzeitserienuntersuchung auf Helgoland seit 1962 dokumentiert. Die Helgoland-Reede-Station wird werktäglich beprobt. Schöpfproben werden fixiert und Phytoplanktontaxa werden gezählt, hauptsächlich um den Kohlenstoffgehalt abzuschätzen.
Fl u Schale PlanktonZusätzlich wurden von 2001 bis 2004 Netzproben zur qualitativen Artidentifizierung für meine Nachuntersuchung genommen. Nach der Erfassung der Arten von Herrn Drebes von 1966 bis 1971 wurde keine kontinuierliche Dokumentation der Artenzusammensetzung durchgeführt. Ich habe 227 Taxa, 132 Diatomeen-Arten aus 53 Gattungen und 95 Dinoflagellaten-Arten aus 35 Gattungen, verzeichnet und dokumentiert. 29 Diatomeen und 27 Dinoflagellaten Taxa wurden zum ersten Mal in Phytoplanktonproben von Helgoland identifiziert.
Marine Phytoplankton – Kleine SenckenbergreiheDie Helgoländer Artenzusammensetzung wurde mit den kontinuierlich erhobenen Artenaufnahmen von List/Sylt verglichen. Die Ergebnisse werden in Kürze in einem Buch veröffentlicht (Hoppenrath, Elbrächter & Drebes 2008). Desweiteren habe ich eine taxonomische Datenbank für die Phytoplankton-Taxa initiiert, die über die letzten Jahre stark erweitert wurde.
Lebende Dinoflagellaten stehen im Mittelpunkt verschiedenster Forschungsthemen. Sie tragen maßgeblich zur Biodiversität mariner Ökosysteme bei und sowohl zu deren Primärproduktion als auch zum sekundären Konsum. Viele toxische oder schädliche Protisten gehören zu den Dinoflagellaten.
Das taxonomische Wissen über lebende Dinoflagellaten umfaßt etwa 2500 Arten und ist dürftig. Es ist auf wenige Experten auf der Welt beschränkt. Dennoch wurden viele neue Dinoflagellaten-Taxa über die letzten Jahrzehnte hinweg beschrieben.
Die letzte weltweite Revision der Dinoflagellaten-Arten wurde 1937 publiziert. Seit dem wurde die taxonomische Charakterisierung vieler Arten und Gattungen geändert oder erweitert. Jede taxonomische Arbeit fängt mit den Originalbeschreibungen der Taxa an. Diese sind oft in verschiedenen europäischen Zeitschriften und seltenen Büchern des neunzehnten Jahrhunderts verstreut und für viel Wissenschaftler nicht verfügbar.
Das Zentrum wird eine komplette Liste aller beschriebener lebender Dinoflagellaten-Gattungen und -Arten mit exakten bibliographischen Angaben online zur Verfügung stellen. Zusätzlich planen wir alle Originalbeschreibungen elektronisch verfügbar zu machen. Neben diesen zentralen Datenbanken sollen Informationen von generellem Interesse für die Dinoflagellaten-Forschergemeinschaft zugänglich gemacht werden, z.B. wichtige Links und Bilder. Die Archivierung von Referenzmaterial von Kulturen und von Freilandproben mit Dinoflagellaten-Blüten wird zukünftig ein Hauptziel sein.
Das Zentrum wurde im Juli 2005 von Dr. Elbrächter, Prof. Dr. Martínez, Dr. Türkay und Prof. Dr. Steininger gegründet und befindet sich jetzt im Prozess des Aufbaus.
Das „Tree of Life Web Project“ (ToL Project – www.tolweb.org/tree) gibt es schon seit 1996. Es war ins Leben gerufen worden, um unser derzeitiges Wissen über die Evolution (den „Baum des Lebens“) und die damit verbundenen Charakeristika und die Diversität des Lebens auf der Erde darzustellen. Betrachtete man das bisher sehr erfolgversprechende Projekt etwa Anfang 2008, so stellte man fest, dass die Protistologie, also die Forschung über die Biologie und die Diversität einzelliger Eukaryoten, eher unterrepräsentiert war.
Durch die methodischen Fortschritte der letzten Dekade – Molekularbiologie, „Genomics“, Statistik, phylogenetische Rekonstruktion, „Umwelt-Sequenzierungen“ (environmental surveys) – und die vielen Neubeschreibungen von Arten (Taxonomie und Systematik), ist unser Verständnis der Protisten-Diversität und -Evolution signifikant verbessert worden. In Anbetracht dieses enormen Erkenntniszugewinns bestand „zwingender“ Bedarf diesen in dem Projekt sichtbar zu machen.
Unser Ziel ist es die Protisten-Seiten mit unserem aktuellen Wissen, Bildern, Zitaten und „Links“ zu füllen. Diese Seiten sollen im gehobenen „Lehrbuchstil“ Informationen über Morphologie, Taxonomie, Systematik, Phylogenie, Biologie und Habitat enthalten und auch für Diskussionen über neue Erkenntnisse Raum lassen.
Das ToL-Projekt arbeitet mit der entstehenden „Encyclopedia of Life“ (EOL, http://eol.org/) zusammen.
Gemeinsam mit Juan Saldarriaga (UBC, Vancouver, Kanada) habe ich die Seiten für Dinoflagellaten entworfen und geschrieben (http://tolweb.org/Dinoflagellates/2445). Wir organisieren auch die zukünftigen Beiträge unserer Fachkollegen für die Dinoflagellaten-Gattungsseiten.
Kooperationen
Prof. Dr. Shauna Murray, University of Technology, Sydney, Australien mehr
Dr. Nicolas Chomérat, IFREMER, Station de biologie marine, Concarneau, Frankreich mehr
Prof. Dr. Takeo Horiguchi, Department of Natural History Sciences, Faculty of Science, Hokkaido University, Sapporo, Japan
Prof. Dr. Brian Leander, University of British Columbia, Vancouver, Kanada mehr
Prof. Dr. Aika Yamaguchi, Kawai Laboratory, Kobe Univerity, Kobe, Japan
Prof. Dr. David Hernández Becerril, Instituto de Ciencias del Mar y Limnología, Universidad Nacional Autónoma de México, Mexico
Prof. Dr. Manfred Kaufmann, University of Madeira, Funchal, Island of Madeira, Portugal
Dr. Kenneth Mertens, IFREMER, Station de biologie marine, Concarneau, Frankreich
Dr. Urban Tillmann, Alfred Wegener Institute, Bremerhaven
Lehre
als Privatdozentin
Wintersemester
5.02.351 Mikroskopische Anatomie
Sommersemester
5.02.361 Einführung in die Marine Biodiversität – Bachelor
5.02.441 Mikrofauna, Mikroflora und Protista limnischer und mariner Lebensräume
2019 Lecturer, 12th Advanced Phytoplankton Course: Taxonomy and Systematics, Roscoff, France, June 2019
topic: dinoflagellates
2016 Lecturer, HELCOM-Phytoplankton-Expertengruppe, Treffen im IOW in Rostock-Warnemünde, Germany, April 2016
topic: dinoflagellate systematics
2015 Lecturer, 11th Advanced Phytoplankton Course: Taxonomy and Systematics, Naples, Italy, October 2015
topic: dinoflagellates
2012 Lecturer, 10th Advanced Phytoplankton Course: Taxonomy and Systematics, Copenhagen, Denmark, November 2012
topic: dinoflagellates
2011 Invited lecturer, New South Wales (NSW) Phytoplankton Research Workshop, Sydney Institute Marine Science (SIMS), Sydney, Australia, June 2011
topic: diatoms
2010 Invited trainer for the workshop ‚Taxonomy challenges and identification of benthnic dinoflagellates‘ in conjunction with the Open Science Meeting on Harmful Algal Blooms in Benthic Systems, Honolulu, Hawaii, USA, June 2010
Team



