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Kontrast

Senckenberg am Meer

Unsere Historie

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Die erste Außenstelle Senckenbergs wurde 1928 von dem Geologen und Paläontologen Prof. Dr. Rudolf Richter gegründet, um eine ständige Forschungsstätte an der Nordsee zu errichten. Es ist weltweit die erste geowissenschaftlich ausgerichtete Meeresforschungseinrichtung und seine Idee des Aktualismus ist bahnbrechend: Um Phänomene zu erklären, die vor Millionen Jahren entstanden sind, beobachtet er aktuelle Prozesse. Sein einfacher und gleichzeitig genialer Gedanke: Physikalische Gesetze verändern sich nicht und daher ist die Gegenwart der Schlüssel zur Vergangenheit.

Das Konzept geht um die Welt und gehört heute zu den Grundlagen der Geowissenschaften. Mit „Senckenberg am Meer“ legt Richter die Basis für den künftigen Ausbau der Meeresforschung bei Senckenberg. Heute ist das Institut ein Zentrum weltweiter biologischer und geologischer Küsten- und Meeresforschung mit Arbeitsgebieten von der Nordsee bis in die Tiefsee und von den Tropen bis in die Polargebiete.

VORGESCHICHTE

Standortwahl Wilhelmshaven

Die Gründe beschreibt Rudolf Richter in seinem Bericht an den damaligen Museumsdirektor F. Drevermann. An Aktualität und Klarheit ist dem bis heute nichts hinzuzufügen: „Die anderen Orte erwiesen sich, wie vorauszusehen, als wenig geeignet. Nur Wilhelmshaven bietet Aussicht, immer ohne Kosten (!) auf See zu kommen und draußen zu wohnen…Dazu die Anlehnung an andere Einrichtungen. Von der neuen Wasserbauversuchsanstalt muß ich Ihnen einmal vorschwärmen; sie ist in Zukunft ein neuer Anziehungspunkt für  Wattexkursionen…. In Betracht kommt ein massiver Ziegelbau… Zur Zeit als Stall usw. vermietet und verbraucht…. Sehr günstig ist die Lage: unmittelbar am Hafen ! … in einem noch auszuholzenden Wäldchen, das der Marine gehört und zu etwaiger Erweiterung zur Verfügung steht.“

Neben der idealen Lage mit direktem Zugang zur See und zu den Watten war auch ein wichtiges Moment das Interesse der Marine, insbesondere des Marineoberbaurates Dr. h. c. Wilhelm Krüger, der die Bedeutung sedimentologischer Vorgänge für Hafenbau-Maßnahmen kannte und auch selbst geologisch interessiert war. Damit war auch die Verbindung zur Marineführung gegeben. Admiral Hans Zenker, damals Chef der Marineleitung unterstützte das Vorhaben tatkräftig. Damit wird die positive Äußerung des Leiters der zuständigen Marinewerft Konteradmiral und Oberwerftdirektor Walther Franz verständlich (brieflich am 7. Januar 1928 an R. Richter): „Ich habe die für die Werft in Frage kommenden Stellen angewiesen, beschleunigt alle Einzelheiten zu prüfen und sage hiermit die Unterstützung der Werft in jeder Beziehung zu.“

GRÜNDUNG UND PHASE DES AUFBAUS

Vorkriegsjahre und Zusammenbruch

Im Jahre 1938 übernahm Wilhelm Schäfer die Leitung von Senckenberg am Meer. Er war Hauptfach-Zoologe, hatte aber auch einen starken Hang zum künstlerischen Gestalten. In der „Ära Schäfer“ wurde die Aktuopaläontologie und Fazieskunde besonders angegangen. In der kurzen Zeit bis zur Kriegsdienstverpflichtung Schäfers im Jahre 1940 entstanden grundlegende Arbeiten, so eine 1941 erschienene Fazieskunde des deutschen Wattenmeeres. Bereits im Winter 1940 wurde die Anstalt durch Bomben teilweise zerstört. Das Gebäude ging an die deutsche Wehrmachtsverwaltung über. Waren während dieser Zeit noch die Bibliothek und im Keller gestaute Geräte gesichert, ging das gesamte Inventar verloren nachdem nach April 1945 Besatzungstruppen für mehrere Monate eingezogen waren und das danach etwa 1 Jahr lang leer stehende Haus mehrfach ausplündert wurde.

WIEDERAUFBAU

Ausbau

Nach dem Weggang von Wilhelm Schäfer nach Frankfurt übernahm Hans-Erich Reineck die Leitung von Senckenberg am Meer. Gotthard Richter leitete von 1961 bis 1963 die Sektion für Meereszoologie. In die Zeit Reinecks fällt der größte Ausbau sowohl im Personal als auch der Gebäude. Dieser Ausbau war durch den wirtschaftlichen Aufschwung der Bundesrepublik Deutschland finanzierbar geworden, möglich wurde er aber zuallererst durch ein überzeugendes und konzises wissenschaftliches Programm. Stand bisher die Aktuopaläontologie im Vordergrund und diese besonders im Sinne der Übertragung autökologischer Beobachtungen in die Vergangenheit, verschob sich der Schwerpunkt jetzt auf die Untersuchung ganzer Faziesbereiche. Das Hauptinteresse galt dem Strand, Vorstrand und Schelfschlick, also dem tieferen Wasser. Die Beschreibung eines Ablagerungs- und Lebensraumes erfordert ein interdisziplinäres Team. Dies wurde zunächst mit Hilfe der Deutschen Forschungsgemeinschaft aufgebaut. In den Jahren 1968, 1969 und 1970 wurden die 4 beteiligten Wissenschaftler auf Planstellen eingestellt: Günther Hertweck (Meerespaläontologe), Jürgen Dörjes (Meeresbiologe), Sybille Gadow (Sedimentpetrographin) und Friedrich Wunderlich (Meeresgeologe). Hinzu kam technisches Personal. Bereits 1966 war ein großer Erweiterungsbau aus Mitteln der Stiftung Volkswagenwerk errichtet worden, der 1972 mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Wissenschaft aufgestockt wurde. Der wissenschaftliche Ertrag dieser Phase ist besonders gekennzeichnet durch Arbeiten im Team, die sowohl in der Nordsee als auch im Mittelmeer (Italien, Spanien) und in Übersee (Nordamerika, Taiwan) durchgeführt wurden. Die küstenfernen Arbeiten in der Nordsee wurden sehr unterstützt durch den Bau des neuen Forschungskutters „Senckenberg“ im Jahre 1976. Seither hat auch das Frankfurter Engagement in der Nordseebiologie wieder stark zugenommen.

Mit der Berufung von Burghard W. Flemming zum Leiter von Senckenberg am Meer im Jahre 1984 wurde ein Schwerpunkt gelegt auf die Quantifizierung von Ablagerungsprozessen, die großflächig erfaßt werden. Die Tradition der zusammenhängenden Bearbeitung von Meeresräumen wurde also aufgenommen und erheblich verfeinert. In diese Phase fallen auch ähnliche Untersuchungen in der Meerespaläontologie und Sedimentpetrographie, die ebenfalls im Rahmen größerer Projekte stattfinden und zu großräumigen Ergebnissen führen. Insgesamt stand auch die Erforschung der groß- und kleinskaligen Dynamik im Vordergrund. In der Meeresbiologie betrifft dies Zeitreihenuntersuchungen zur Quantifizierung von Umwelttrends und die Abhängigkeit der früher eher statisch betrachteten Benthosgemeinschaften von Umweltparametern wie Sediment- und Nährstoffeintrag. Dieser großflächig-dynamische Aspekt ist seitdem kennzeichnend für die Forschung aller Einheiten des Wilhelmshavener Institutes.

Umzug zum Fliegerdeich

Mit Gründung des Deutschen Zentrums für Marine Biodiversitätsforschung (DZMB) kam eine weitere Abteilung an den Standort Wilhelmshaven. Das DZMB wird von Prof. Dr. Pedro Martinez-Arbizu geleitet. Stand bei „Senckenberg am Meer“ bisher die Nordseeforschung im Vordergrund, wurde durch das DZMB ein weltweiter Aspekt der Biodiversitätserfassung hinzugefügt. Diese wesentliche Erweiterung konnte auch räumlich nicht ohne Folgen bleiben. Die alten Gebäude waren zu eng geworden und der Bau entsprach nicht mehr modernen Anforderungen. Mit Hilfe des Bundesministeriums für Bildung und Forschung wurden schließlich drei am Fliegerdeich liegende Gebäude aus Marinebesitz gefunden und Senckenberg zur kostenlosen Nutzung überlassen. Der Umbau zu modernen Institutsgebäuden konnte durch ein finanzielles Engagement des Bundes, des Landes Niedersachsen, der Stadt Wilhelmshaven und der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft erfolgen. Nach seinem Abschluss konnten beide Abteilungen im November 2003 umziehen und das neue Domizil mit Leben erfüllen. Der Standort „Senckenberg am Meer“ ist seit 2007 Mitglied des Nordwest Verbundes Meeresforschung, einer Kompetenzbündelung Bremer und niedersächsischer Meeresforschungseinrichtungen.

Aktuelle Phase

Auf Burghard W. Flemming folgte 2010 die Berufung von André Freiwald als Abteilungsleiter Meeresforschung und zugleich Professor für Meeresgeologie an der Universität Bremen, wo er am Zentrum für Marine Umweltwissenschaften (MARUM) verankert ist. Freiwald erforscht mit seiner Arbeitsgruppe rezente und känozoische biosedimentäre Systeme der Schelfmeere in nicht-tropischen Breiten. Dabei bilden Karbonat produzierende marine Ökosysteme, wie zum Beispiel Kalkalgenbänke und Kaltwasser-Korallenriffe den aktuellen Forschungsschwerpunkt hinsichtlich ihrer Produktions- und Bioerosionsbilanzen, ihrer artlichen Zusammensetzung und ihren biotischen/abiotischen Interaktionen mit der Umwelt. Werden am Standort Wilhelmshaven vorwiegend rezente Prozesse und Geo-Ökosysteme erforscht, so werden am Bremer MARUM biosedimentäre Systeme auf ihre Eignung als fossile Umweltrekorder zur Beantwortung paläozeanographischer und –klimatischer Fragestellungen untersucht. Somit findet der ursprüngliche aktuopaläontologische Gründungsgedanke von 1928 seine zeitgemäße Fortsetzung zu Zeiten sich rasch wandelnder Umweltbedingungen und ihren daraus resultierenden Folgen für Umwelt und Gesellschaft in den Küstenregionen.

Historie der Forschungsflotte

Unsere Forschungsflotten

Die Schiffe in zeitlicher Abfolge der Indienststellung, 1976

„Senckenberg“ 

Erwerb und Indienststellung: Neubau 1976 in Oldersum/Ostfriesland aus Mitteln des Bundesministers für Forschung und Technologie (90%) und Land Hessen (10%); Länge über alles: 29,71m; Breite auf Spanten: 7,42m; 165 BRT; Antrieb: 470 PS Diesel-Motor (Hauptmaschine); Ausrüstung: Hydraulikkräne, Echograph, Sedimentecholot, Radar, Bordrechner, DECCA, DGPS, SYLEDIS; Fahrgebiet: Kleine Hochseefischerei (gesamte Nord- und Ostsee), Aktionsradius 2000 sm bzw. 14 Tage; Bemannung: 5 (Zweiwachen-Schiff); EignerBrieseHauptcharterer: Senckenberg am Meer. Ansprechpartnerin: Prof. Dr. Ingrid Kröncke Die aktuelle Schiffposition finden Sie auf:http://www.vesseltracker.com/de/Ships/Senckenberg-8137213.html Besuchen Sie uns auch auf Facebook: http://de-de.facebook.com/forschungsschiff.senckenberg

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