Die Sammlung der Abteilung für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie der Universität Tübingen ist eine der größten Steinzeitsammlungen in Deutschland. Diese enthält mehr als 1 Mio. Artefakte, darunter Steinwerkzeuge, Faunenreste, Werkzeuge aus organischen Materialien und Keramik aus archäologischen Stätten in Europa, aber auch aus Afrika.
Die große Mehrheit stammt von engagierten Sammler*innen wie Seyler oder Sauer, die einen beträchtlichen Teil ihres Lebens damit verbringen, archäologische Fundstätten zu begehen. Es gibt jedoch auch zahlreiche Artefakte, die bei wissenschaftlichen Ausgrabungen entdeckt wurden, wie die Stücke der Sammlung Ludwig und Margit Kohl-Larsen aus Tansania und anderen Teilen Afrikas. Diese Sammlung stellt einen Schatz der Menschheit dar, der aktiv in den Lehrplan der Universität Tübingen einbezogen wird. Für Studierende der prähistorischen Archäologie ist es wichtig, sich mit Originalartefakten vertraut zu machen, um zu verstehen, wie prähistorische Menschen ihre Werkzeuge hergestellt haben und wie sie ihre Technologie im Laufe der Zeit verändert und angepasst haben.
Je häufiger diese Objekte jedoch bearbeitet werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass irreversible Schäden entstehen. Besonders dramatisch wird dies, wenn es sich um Einzelstücke handelt, wie sehr dünne Lanzenköpfe mit zwei Gesichtern aus zerbrechlichen Materialien, Ornamente aus Knochen oder Elfenbein. Aus diesem Grund wurde ein 3D-Scan-Projekt mit dem Ziel eingerichtet, alle diese Funde zu digitalisieren, um sie für Lehre und Forschung verfügbar zu machen, ohne ihren Verlust zu riskieren.
Die prähistorische Sammlung wird ebenfalls aktiv bearbeitet. Die Artefakte der berühmten Höhle von Mumba sind zum Beispiel Teil eines langjährigen Projekts, um Übergangsszenarien zwischen Middle und Early Stone Age in Ostafrika zu erarbeiten. Aufgrund der guten Konservierungsbedingungen der meisten Artefakte ist es auch möglich, neben herkömmlichen Analysemethoden Gebrauchs- und Rückstandsanalysen an ihnen durchzuführen. Auf diese Weise können Forscher*innen mithilfe der Hochleistungsmikroskopie feststellen, wofür die Menschen in der Vergangenheit ihre Werkzeuge verwendet haben. Aus diesem Grund richten wir in Tübingen ein Imaging Labor ein, in dem die entsprechenden Geräte wie Elektronenmikroskope und Auflichtmikroskope zur Verfügung stehen. Es bietet auch die Möglichkeit, Hochgeschwindigkeitsaufnahmen mit der Kamera zu machen. Dies wird besonders wichtig, wenn Forschende versuchen, sehr schnelle Prozesse zu verstehen, zum Beispiel der Aufprall eines Steinprojektils auf ein Ziel. Es hilft, spezifische Schadensmuster auf Artefakten zu verstehen und kann auch verwendet werden, um zu dokumentieren, wie die Bruchmechanik beim Bearbeiten von Gesteinen genau funktioniert. Die prähistorische Sammlung und das zugehörige Labor bieten daher sehr gute Möglichkeiten für Forschung und Lehre und spielen eine Schlüsselrolle für das Verständnis des kulturellen Wandels und der kognitiven Fähigkeiten prähistorischer Gesellschaften.