Forschung

Forschungsbereiche zum Forschungsgegenstand „Sciaroidea“

Trauermücken (Diptera, Sciaroidea: Sciaridae)

Die Dipterenfamilie der Trauermücken (Sciaridae) ist auf allen Kontinenten der Erde verbreitet und zeichnet sich durch großen Individuen- und Artenreichtum aus. Weltweit wird die Sciaridendiversität auf ca. 8.000 bis 10.000 Spezies geschätzt. Die Imagines gelten als „flinke Läufer“ und als relativ „schlechte Flieger“. Wegen der geringen Körpergröße (0,7 bis 15 mm), der oft verborgenen Lebensweise und der unzureichend schwierigen Determinationsmöglichkeiten (v.a. fehlende Bestimmungstabellen auf dem Artniveau) wurden diese Mikrodipteren trotz ihrer ökologischen Relevanz stark vernachlässigt, was sich in einer weltweit sehr geringen Anzahl von Spezialisten niederschlägt.Nach einer Artenzusammenstellung von Menzel & Mohrig (2000) sind weltweit 1.848 valide Arten (139 fossil und 1.709 rezent) beschrieben. Hinzu kommen etwa 250 rezente Spezies aus nachfolgenden Publikationen, so daß sich die gegenwärtig bekannte Weltfauna aus ca. 2.100 Arten zusammensetzt. Davon kommen 921 Spezies in der paläarktischen Region, 626 in Europa und 366 in Deutschland vor (Erfassungsstand: 1.1.2005). Aus Deutschland sind damit ca. 40 % der rezenten paläarktischen Spezies und 20 % des beschriebenen Arteninventars auf der Erde bekannt. Mit der vorgestellten Artenzahl nehmen die Trauermücken gegenwärtig den zehnten Rang in der deutschen Dipterenfauna ein.

Bei den Mücken (»Nematocera«) sind nur die Gallmücken (Cecidomyiidae), die Zuck- mücken (Chironomidae) und die Pilzmücken (Mycetophilidae) artenreicher (Schumann et al. 1999). Als Larven besiedeln die Trauermücken den Zersetzungshorizont des Bodens (Bodenstreu), sind unter der Rinde faulend-morscher Bäume zu finden, entwickeln sich in Pilzen (Fruchtkörper, Mycel) oder minieren an krautigen Stengeln und Blättern. Auf 1 m2 Bodenfläche wurden im Freiland schon bis zu 2.600 und in Pilzkulturen bis zu 200.000 Larven einer Art gezählt. An einer Pflanzenwurzel hat man häufig Larvendichten von 20 bis 80 Individuen und an einem Stengel zwischen 220 und 800 Individuen festgestellt. Dabei können die Trauermücken unter optimalen Bedingungen bis zu 9 Gene- rationen hervorbringen. Nicht selten führt ein massenhaftes Auftreten zu erheblichen Schäden in der Forst- und Landwirtschaft und ist mit empfindlichen Ertragseinbußen verbunden. Von einigen Sciari- denarten ist auch bekannt, daß sie unter bestimmten Bedingungen Larvenzüge von bis zu 10 m Länge und 15 cm Breite bilden können, der im Volksmund als „Heerwurm“ bezeichnet wird. Als Ver- werter von tierischen und pflanzlichen Abfallstoffen und als Beutetiere für andere Tiergruppen (z. B. Nematoden, räuberische Insekten, Spinnen, Amphibien und Vögel) spielen die Trauermücken im Naturhaushalt eine wichtige Rolle.

 

Gallmücken (Diptera, Sciaroidea: Cecidomyiidae)

Die Familie Cecidomyiidae (Gallmücken) gehört mit über 6000 beschriebenen Arten zu den 6 artenreichsten Familien der Ordnung Diptera. Es werden 5 Unterfamilien unterschieden: Cecidomyiinae, Catotrichinae, Lestremiinae, Micromyinae und Porricondylinae. Die Cecidomyiinae, die in jeder Beziehung vielfältigste der Unterfamilien, beinhalten u. a. die „Gallmücken schlechthin“: die phytophagen Formen mit bedeutender ökonomischer Relevanz fürLand- und Forstwirtschaft und Gartenbau. Vertreter der anderen Unterfamilien werden häufig als „frei lebende“ Gallmücken bezeichnet: Ihre Larven sind mycetophag und leben „frei“ im Substrat, nicht in Gallen. Das Substrat ist häufig Totholz, weshalb sich für Catotrichinae, Lestremiinae und Micromyinae der gemeinsame Name „Holzmücken“ etabliert hat. Catotrichinae, Lestremiinae und Micromyinae sind jeweils monophyletische Gruppen. Die Porricondylinae, die keinen anerkannten Vulgärnamen tragen, sind eine paraphyletische Gruppierung, die in Auflösung begriffen ist.

Die Gallmücken-Forschung am SDEI konzentriert sich auf Holzmücken und Porricondylinen. Beide Gruppen zusammen zählen derzeit ca. 1.200 benannte Arten, die meisten davon aus der Paläarktis. Weltweit können wir mit 10.000-20.000 weiteren Arten rechnen. Die taxonomische Erforschung pläarktischer Holzmücken hat in den letzten beiden Jahrzehnten große Fortschritte gemacht; die Porricondylinen werden derzeit einer umfassenden Revision unterzogen. Die Faunen außerhalb der Paläarktis sind wenig bis fragmentarisch bekannt, auch auf Gattungsniveau. Die taxonomische Arbeit konzentriert sich seit jeher auf das Adultstadium. Die Larven der meisten Holzmücken und Porricondylinen sind unbekannt.

  • Porricondylinae von Schweden (im Rahmen der Schwedischen Taxonomie-Initiative, mit Teilrevision der paläarktischen und nearktischen Arten)
  • Holzmücken der Holarktis (Beschreibung neuer Taxa vornehmlich aus Japan)
  • Holzmücken der Australischen Region (Beschreibung neuer Taxa vornehmlich aus Tasmanien und Neukaledonien)
  • Holzmücken und Porricondylinen der Afrotropis (auf Gattungsniveau, Zuarbeit für dasManual of Afrotropical Diptera)
  • Holzmücken und Porricondylinae der Neotropis (auf Gattungsniveau, Fortsetzung der Erforschung nach Erscheinen des Manual of Central American Diptera)

Die phylogenetische Forschung an Holzmücken und Porricondylinen konzentriert sich auf die Schaffung eines natürlichen Systems auf Unterfamilien- und Tribusebene. In den letzten Jahren sind die paraphyletischen „Lestremiinae“ (im alten Sinne) in monophyletische Gruppen (Catotrichinae, Lestremiinae s. str., Micromyinae) überführt worden. An der „Auflösung“ derparaphyletischen Porricondylinae wird derzeit gearbeitet.

Am SDEI wird seit 2008 die weltweit größte Referenzsammlung für Holzmücken aufbewahrt und stetig ausgebaut. Eine adäquate Sammlung der Porricondylinae ist seit 2009 im Entstehen begriffen.

Pilzmücken (Diptera, Sciaroidea: Bilitophilidae, Diadocidiidae, Ditomyiidea, Keroplatidae, Lygistorrhinidae und Mycetophilidae)

Unter dem Begriff „Pilzmücken“ werden mehrere nahe verwandte Familien der Sciaroideazusammengefasst: Bolitophilidae, Diadocidiidae, Ditomyiidae, Keroplatidae, Lygistorrhinidae und Mycetophilidae. Etwa ein Drittel der weltweit 5.000 benannten Arten ist paläarktisch verbreitet. Soweit bekannt sind die Larven der meisten Pilzmücken – der Name sagt es –Pilzfresser, wobei alle Pilzstadien (Myzel, Fruchtkörper, Sporen) konsumiert werden. Die feuchten Wälder der Erde sind der vornehmliche Entfaltungsraum einer zu großen Teilen noch unerforschten Vielfalt von Pilzmücken.

Nur die Pilzmücken der Paläarktis und Nearktis sind taxonomisch so gut bearbeitet, dass sie artlich bestimmt werden können – allerdings durchaus mit gruppenspezifischen und regionalen Unterschieden. Auch derzeit ist es die Holarktis, in der am meisten an Pilzmücken geforscht wird. Die Pilzmückenfaunen anderer biogeografischer Regionen sind viel stärker vernachlässigt und haben keine ständigen Bearbeiter – eine nahezu groteske Vorstellung vergegenwärtigt man sich den Fakt, dass Pilzmücken zu den häufigsten und oftmals auch recht attraktiven nematoceren Dipte- ren in Wäldern gehören.

Der forschungsmäßigen Vernachlässigung extraholarktischer Pilzmücken Rechnung tragend, werden am SDEI ausgewählte Gruppen taxonomisch bearbeitet, zumeist

als „Seiteneffekt“ von Projekten mit jeweils anderem Schwerpunkt. So entstanden in denletzten Jahren Arbeiten zu Diadocidiidae und Mycetophilidae (Leiinae, Gnoristinae, Manotinae, Sciophilinae) vornehmlich der Neotropischen und Australischen Regionen. Diese Arbeiten werden mit der gleichen Akzentuierung fortgeführt.

Unplatzierbare pilzmückenartige Zweiflügler (Diptera: Sciaroidea Incertae Sedis)

Es gibt innerhalb der Pilzmückenartigen Zweiflügler (Sciaroidea) seit jeher eine Reihe von Taxa, die keiner der etablierten Familien zugeordnet werden können: die Sciaroidea incertaesedis, etwas salopp und der Einfachheit halber „Unplatzierbare“ (unplaceables) oder „Rätselhafte“ (enigmatics) genannt. Es handelt sich dabei derzeit um 19 Gattungen und 50 Arten. Ein alle Unplatzierbaren vereinendes „Merkmal“ ist ihre Seltenheit sowohl in ihren natürlichen Lebensräumen als auch in den Sammlungen der Welt. Die feuchten temperaten Wälder vornehmlich in der Südhemisphere sind ihr rezenter Verbreitungsschwerpunkt, wenige Arten sind aus der Paläarktis bekannt, einige aus dem Baltischen Bernstein. Praktisch jeder Neufund von Imagines ist von Interesse. Larven sind gänzlich unbekannt.

Das wissenschaftliche Interesse an Sciaroidea incertae sedis ist phylo- genetischer Natur. Sind es doch vor allem die Unplatzierbaren, die die Diskussion um Familiengrenzen und interfamiliäre Beziehungen innerhalb der Sciaroidea immer wieder neu entfachen. Mit der Neubeschreibung der in Neuseeland endemischen Familie Rangomaramidae im Jahre 2002 wurde diese Diskussion auf ein neues Niveau gehoben. Innerhalb weniger Jahre wurden völlig konträre phylogenetische Hypothesen zu den Rangomaramidae publiziert, die dieses Taxon wahlweise als Unterfamilie der Sciaridae betrachteten oder als Sammelgruppe (auf Familienniveau) für alle vormals Unplatzier-

baren. Sehr wahrscheinlich entspricht weder das eine noch das andere der Realität. Es ist unter Sciaroidea-Experten weitgehend akzeptierte Auffassung, dass sich unter den Unplatzierbaren mehrere evolutive Linien verbergen, denen im heute gebräuchlichen System jeweils eigenständiger Familienrang zukommt. Was fehlt, ist eine fundierte phylogenetische Analyse, die eine solche Hypothese zum Resultat hätte! Das hohe phylogenetische Alter und die relative Merkmalsarmut der zur Rede stehenden Mücken sind wohl objektive Gründe für das Scheitern bisheriger Analyse-Versuche – die allerdings auch stets mit einem Übermaß an Ehrgeiz seitens der Autoren angegangen wurden. Seit Publikation der (vorerst) letztenHypothese im Jahre 2007 ist ratloses Schweigen eingetreten. Die „Unplatzierbaren“ bleiben (vorerst) die „Rätselhaften“!

Die Sciaroidea incertae sedis sind seit dem Jahr 2002 ein weiterer Arbeitsschwerpunkt von SDEI-Mitarbeitern. Die Arbeit konzentriert sich weniger auf die numerische Analyse bekannter Merkmale/Taxa als auf das Auffinden neuer Taxa und bislang übersehener Merkmalskomplexe. Der Grundsatz lautet: Nur zusätzliche Informationen können zum besseren Verständnis der Merkmalsevolution beitragen.

Arbeitsfelder

Taxonomie und phylogenetische Systematik

  • Klärung von nomenklatorischen Fragen durch Anwendung des International Code of Zoological Nomenclature
  • Zeichnerische, fotographische und deskriptive Darstellung der taxonomischen Einheiten
  • Bewertung von Merkmalszuständen nach ihrer diagnostischen und phylogenetischen Eignung
  • Erarbeitung von illustrierten Bestimmungsschlüsseln
  • Beiträge zur supraspezifischen Klassifikation der Sciaroidea
  • Suche nach neuen Ansätzen für die Rekonstruktion verwandtschaftlicher Beziehungen und Interpretation der evolutiven Richtung der Merkmalstransformation
  • Beiträge zu einem hypothetischen Stammbaum für die fossilen und rezenten Sciaroidea
  • Untersuchung der zeitlichen und räumlichen Dimension von Artbildungs- und Aussterbeprozessen

Biodiversitätsforschung

  • Erfassung und Bewertung der Artenvielfalt in ausgewählten Lebensräumen
  • Erstellen von Checklisten und komplexen Landesfaunen
  • Untersuchung von Faunenveränderungen

Zoogeographie

  • Aufdecken von geographischen Verbreitungsmustern (zoogeographische Analysen und Faunenvergleiche)
  • Beiträge zur Ausbreitungsgeschichte (Besiedlungsdichte, Faunenverbindungen, Faunenisolation
  • Ableiten von kausalen Zusammenhängen zwischen Verbreitung und Stammesentwicklung (Einfluß von geomorphologischen und/oder klimatischen Prozessen auf die Phylogenese der Sciaroidea)

Ökologie und Bioindikation

  • Einnischung ausgewählter Gruppen der Sciaroidea und ihre ökosystemare Bedeutung (v. a. in Waldökosystemen)
  • Einfluß von biotischen Kenngrößen auf die  Zusammensetzung von Zönosen
  • Aussagen zum bioindikatorischen Potential und zum gemeinsamen Vorkommen von Arten oder Artengruppen in bestimmten Lebensräumen (zönologische Koinzidenzen)

Natur- und Umweltschutz

  • Ermittlung des Gefährdungsgrades und Herausstellen von Gefährdungsursachen
  • Beiträge zum Art- und Biotopschutz (Empfehlungen zur Bestandessicherung gefährdeter Arten und bei der Ausweisung von Naturschutzgebieten)
  • Erarbeitung von Handlungsrichtlinien (Fachgutachen, Rote Listen)

Forschungsprojekte

Fossile und rezente Sciaroidea (Diptera) in autochthonen Wäldern der Erde

Die dipterologische Forschung bei Senckenberg konzentriert sich auf ausgewählte Gruppen, die meist zu den pilzmückenartigen Zweiflüglern (Überfamilie Sciaroidea) gehören. Am Senckenberg Deutschen Entomologischen Institut (SDEI) werden die Trauermücken (Sciaridae), Gallmücken (Cecidomyiidae), Pilzmücken (Mycetophilidae) und die Pilzmückenartigen mit ungewisser taxonomischer Stellung (Sciaroidea incertae sedis) bearbeitet. Unter dem langfristigen Forschungsschwerpunkt “Fossile und rezente Sciaroidea in autochthonen Wäldern der Erde” gibt es drei gemeinsame Projekte, dessen Forschungsthemen bis zum Jahr 2020 konzipiert sind.

Projekt 1: Sciaroidea im Bernstein – ein Beitrag zur Rekonstruktion von Verwandtschaftsverhältnissen

  • Revision der Gattung Heterotricha Loew (Sciaroidea incertae sedis) im Baltischen Bernstein – Jaschof
  • Die Phylogenese der Trauermücken (Diptera: Sciaridae) im Känozoikum – ein Beitrag zur Paläozoogeographie und zur Verbreitung rezenter Taxa – Menzel & Mohrig (in Vorbereitung, Drittmittel)
  • Der Typenkatalog »Die Trauermücken (Diptera: Sciaridae) der Erde. Teil 1: fossile Sciaridae« – Menzel

 

Projekt 2: Rezente silvikole Faunen der Sciaroidea in den temperten und tropischen Zonen der Erde

Weltweit

  • Der Typenkatalog »Die Trauermücken (Diptera: Sciaridae) der Erde. Teil 2: rezente Sciaridae« – Menzel (partim Drittmittel)
  • Ausbau der Internetpräsenz für den »Internationalen Projektverbund Sciaridae (IPS)« – Menzel & Groll
  • Digitale Bestimmungsschlüssel für die Trauermücken der paläarktischen und afrotropischen Region (Fauna der Seychellen, der Vereinigten Arabischen Emirate und der Britischen Inseln) – Menzel & Groll
  • Elektronischer Katalog für die Sciaridae-Literatur der Welt – Menzel & Groll

Afrotropis

  • Revision der Trauermücken (Sciaridae) der afrotropischen Region – Menzel (partim Drittmittel)
  • Bestimmungsbuch »Manual of Afrotropical Diptera« (Sciaridae) – Menzel
  • The genus Anodontoceras Yukawa in South Africa (Cecidomyiidae: Lestremiinae) – Jaschhof & Jaschhof

Australis

  • Wood midges (Cecidomyiidae: Lestremiinae) in the Southern Hemisphere – Jaschhof & Jaschhof
    ◦Peromyiini and Pteridomyiini in Tasmania (partim Drittmittel)
    ◦ The genus Peromyia Kieffer (Cecidomyiidae: Lestremiinae) in New Caledonia
  • Mycetophilidae s. str. (Sciaroidea) of New Zealand – Kallweit & Jaschhof
    ◦ The Cycloneura Marshall group of genera – Jaschhof & Kallweit
    ◦ The genus Austrosynapha Tonnoir & Edwards – Kallweit & Jaschhof
    ◦ The genus Manota Williston – Jaschhof
  • Die Phylogenese der Trauermücken (Diptera: Sciaroidea: Sciaridae) in der Australischen Region, unter besonderer Berücksichtigung der Fauna von Neuseeland – Köhler (Dissertation), Menzel, Jaschhof, Mohrig

Nearktis

  • Revision der Trauermücken (Diptera: Sciaridae) von Nordamerika – Mohrig et al.

Neotropis

  • Beiträge zur Systematik der neotropischen Trauermücken (Sciaridae) auf der Basis von Typenrevisionen – Mohrig & Menzel

Paläarktis

  • Beiträge zur Monographie »The arthropod fauna of the United Arab Emirates« (Sciaridae & Cecidomyiidae) – Menzel, Jaschhof & Jaschhof (partim Drittmittel)
  • Beiträge zur Fauna Europaea (Cecidomyiidae, Mycetophilidae s. l. & Sciaridae) – Jaschhof, Jaschhof, Kallweit, Menzel & Mohrig
    ◦ Die Porricondylinae (Cecidomyiidae) Schwedens – Jaschhof & Jaschhof (Drittmittel)
    ◦ Monographie »Handbooks for the Identification of British Insects. Black Fungus Gnats (Diptera: Sciaridae)« – Menzel (partim Drittmittel)
    ◦ Die Literatur zur Checkliste der Dipteren Deutschlands mit Ergänzungen zur Entomofauna Germanica (Cecidomyiidae, Mycetophilidae s. l. & Sciaridae) – Menzel, Jaschhof & Kallweit
    ◦ Die Sciaroidea der Sächsischen Schweiz (Mycetophilidae s. l. & Sciaridae) – eine Bestandsaufnahme zur Diversität im Elbsandsteingebirge – Kallweit & Menzel
    ◦ Untersuchungen zur Sciaroidea-Fauna im Einzugsgebiet der Uecker – ein Beitrag zur Biodiversität in anthropogen beeinflußten Lebensräumen Nordmitteleuropas (Sciaridae & Mycetophilidae s. l.) – Menzel
  • Beiträge zur Diversität und Systematik der Sciaroidea in der östlichen Paläarktis -Jaschhof, Menzel & Mohrig
    ◦ The genus Aprionus Kieffer (Cecidomyiidae: Lestremiinae) in Japan – Jaschhof
    ◦ Übersicht über die Gattung Keilbachia Mohrig (Sciaridae) – Menzel (partim Drittmittel)
    ◦ Revision der ostpaläarktischen Sciaridae (China, Japan, Russland) – Menzel & Mohrig

Projekt 3: Phylogenese der Sciaroidea: Qualität statt Quantität bei der Hypothesenbildung

  • Die Imaginal-Morphologie innerhalb der Sciaroidea: homologe Strukturen und universelle Terminologie – Jaschhof, Kallweit & Menzel
  • Neue »Sciaroidea incertae sedis« aus bislang undeterminierten Dipterenmaterialien in Museums- und Privatsammlungen – Jaschhof & Jaschhof

Kooperationen und Netzwerke

Internationaler Projektverbund Sciaridae (IPS)

Im Jahre 1994 wurde der »Internationale Projektverbund Sciaridae« (IPS) gegründet, der Wissenschaftler verschiedener Forschungsdisziplinen vereint und in einem sich bedingenden Projektgefüge zusammenführt. Zur Lösung globaler Probleme in der Biodiversitäts- und Abstammungsforschung sowie zur Aufklärung kausaler Zusammenhänge auf den Gebieten der Paläontologie und angewandten Dipterologie wurde (bezogen auf den Untersuchungsgegenstand „Sciaridae“) ein weltweit ausgerichtetes Netzwerk für die arbeitsteilige und fachübergreifende Forschungskooperation geschaffen.

In dem Projektverbund wird zur Zeit die Forschung von 13 Sciaridae-Spezialisten aus Deutschland, Großbritannien, Finnland, Japan, Kasachstan, Russland, Schweden und Südkorea koordiniert. Aufgrund des Forschungsprofils und wegen der angeschlossenen entomologischen Spezialbibliothek übernahm das SDEI die Projektkoordination und die Funktion als Literatur-Informationszentrum (Dr. Frank Menzel). Die erreichten Forschungsergebnisse werden im IPS gemeinsam publiziert, untereinander ausgetauscht und den Projektpartnern für die Bearbeitung fachübergreifender Fragestellungen zur Verfügung gestellt. Die Zusammenführung, Aufbereitung und Auswertung der Forschungsergebnisse erfolgt in einer Datenbank. Mehr Informationen zum »Internationalen Projektverbund Sciaridae« finden Sie auf den folgenden Seiten.

Kurzdarstellung der Kooperation im IPS

    Verbundprojekte des IPS

      Sciaridae-Spezialisten im IPS

        Publikationen aus dem IPS (Auswahl)

        Swedish Taxonomy Initiative (STI)

        Die Schwedische Taxonomie-Initiative (STI; schwedisch: Svenska Artprojektet) ist ein staatlich gefördertes, auf zunächst 20 Jahre angelegtes Forschungsprogramm mit dem Ziel, die 60.000 mehrzelligen Tier- und Pflanzenarten auf schwedischem Territorium zu erfassen und zu dokumentieren.

        STI inventarisiert nicht nur das bislang Bekannte, sondern finanziert in erheblichen Maße in die taxonomische Erforschung besonders vernachlässigter Organismengruppen. Das SDEI ist mit 2 Teilprojekten an dieser Initiative beteiligt (Dr. Mathias Jaschhof). Das erste Teilprojekt wurde im Jahr 2009 mit der Buchpublikation „The Wood Midges (Diptera: Cecidomyiidae: Lestremiinae) of Fennoscandia and Denmark“ abgeschlossen. Auch das zweite Teilprojekt beschäftigt sich mit pilzfressenden Gallmücken (Cecidomyiidae) und zielt auf die taxonomische Erforschung der Porricondylinae Schwedens. Diese Arbeiten werden noch bis ins Jahr 2012 anhalten. Mehr Informationen zur »Swedish Taxonomy Initiative« (STI) finden Sie auf der Website von ArtDatabanken.

        Fauna Euopaea

        Erfaßt und betrachtet werden alle Informationen zur Diversität von Trauermücken (Sciaridae) in den europäischen Mitgliedsstaaten. Dazu werden Literaturrecherchen angestellt, eigene Materialaufsammlungen vorgenommen, jüngere Materialien aus dem SDEI oder anderen Forschungseinrichtungen wissenschaftlich ausgewertet und die Funddaten elektronisch erfaßt (IPS-Datenbank).

        Die Ergebnisse gehen in aufbereiteter Form in das von der europäischen Union getragene »Fauna Europaea Database Project« ein. Im Jahre 2004 wurden die Daten von 621 Sciaridenarten für den Projektverbund bereitgestellt und erste Checklisten mit Verbreitungskarten veröffentlicht (Heller & Menzel 2004: Fauna Europaea: Sciaridae. – In: de Jong, H. (ed.): Fauna Europaea: Diptera, Nematocera. – Fauna Europaea. Database version 1.1, http://www.faunaeur.org/; Amsterdam). In Zukunft konzentrieren sich die Arbeiten entweder auf wenig bekannte Regionen Mittel- und Westeuropas oder auf eine Auswertung von größeren Materialzugängen aus ökologischen Gemeinschaftsprojekten. Dazu wird entweder an geschlossenen Landesfaunen (Deutschland, Portugal, Spanien, Tschechien) oder an diversen Checklisten (Estland, Frankreich, Luxemburg, Malta, Schweden, Slowakei, Tschechien) gearbeitet. Gegenwärtig wird eine wesentlich überarbeitete Version 1.2 zusammengestellt, in der auch neue Erkenntnisse zur Nomenklatur und Systematik der Sciaridae einfließen. Mehr Informationen zu diesem Datenbank-Projekt finden Sie auf der Website von Fauna Europaea.

        AK Diptera – Unabhängige Interessenvertretung der Dipterologen Deutschlands

        Der AK Diptera versteht sich als unabhängige Interessengemeinschaft der Dipterologen Deutschlands. Dem überregionalen und fachübergreifenden Forum gehören Freizeitforscher und Berufsentomologen an, die sich mit den Zweiflüglern (Diptera) beschäftigen. Der Arbeitskreis besitzt keine strenge Organisationsstruktur. Er wird sowohl von der Deutschen Gesellschaft für allgemeine und angewandte Entomologie (DGaaE) als auch von der Entomofaunistischen Gesellschaft (EFG) unterstützt. Die ehrenamtliche Leitung des AK Diptera wird zur Zeit von Dr. Frank Menzel, SDEI Müncheberg (Leiter) und Dr. Doreen Werner, ZALF Müncheberg (Stellvertretende Leiterin) ausgeübt. Als Arbeits- und Diskussionsplattform fördert der AK Diptera über die Grenzen hinaus den Erfahrungsaustausch von Dipterologen und initiiert eigene Forschungsprojekte. Er liefert v. a. eigene Beiträge zur Dipterenfauna Deutschlands, führt Literaturrecherchen zur Dipterenfauna durch und sammelt Informationen zum Verbleib und zum Umfang von Dipterensammlungen in der Bundesrepublik Deutschland.

        Weitere Betätigungsfelder lassen sich aus der wachsenden Bedeutung als Auskunfts- und Beratungszentrum ableiten. Dazu zählen v. a. die Vermittlung von Kooperationspartnern und die Hilfestellung bei der Suche nach geeigneten Determinatoren. Zu den wesentlichen Arbeitsfeldern des Arbeitskreises gehören – mit besonderem Augenmerk auf die Dipteren – die Faunistik und Zoogeographie, die vergleichende Morphologie, die phylogenetische Systematik, die Ökologie sowie Fragestellungen aus der Verhaltensforschung und der angewandten Dipterologie. Der AK Diptera trifft sich jährlich. Zu diesem Zweck wird eine zweitägige Vortrags- und Exkursionstagung – in der Regel zwischen dem 1. und 30. Juni – organisiert. Im Mittelpunkt des Interesses stehen 5 bis 6 Fachvorträge, eine Ganztagsexkursion und der abendliche Erfahrungsaustausch in ungezwungener Atmosphäre. Mehr Informationen zur Vereinigung der Dipterologen Deutschlands finden Sie auf der Website des AK Diptera.

        Studia Dipterologica

        Die »Studia dipterologia – Zeitschrift für Taxonomie, Systematik, Ökologie und Faunistik der Zweiflügler (Diptera)« (ISSN 0945-3954) wurde 1994 von Dr. Andreas Stark (Halle an der Saale) und Dr. Frank Menzel (Müncheberg) gegründet. Aus einer Privatinitiative hervorgegangen, hat sie sich zur bedeutendsten Fachzeitschrift mit ausschließlich dipterologischem Inhalt entwickelt. Publiziert werden Originalarbeiten aus den Bereichen Taxonomie, phylogenetische Systematik, Faunistik, Biologie, Ökologie, Zoogeographie und Verhaltensforschung, wenn sie die Insektenordnung Diptera zum Hauptgegenstand haben.

        Außerdem können Arbeiten zum Lebenswerk von Dipterologen (Lebensläufe, Festschriften, Nachrufe, Publikationslisten), dipterologische Reise- und Expeditionsberichte, Arbeiten über dipterologische Sammlungen, Kataloge und Checklisten zu ausgewählten Dipterengruppen, Vorankündigungen zu dipterologischen Veranstaltungen, Tagungs- und Kongressberichte, Kurzmitteilungen und Buchbesprechungen mit dipterologischem Inhalt veröffentlicht werden. Die »Studia dipterologica« wurde bis 2009 vom Ampyx-Verlag (Halle an der Saale) verlegt. Seit Januar 2010 wird sie vom Senckenberg Deutschen Entomologischen Institut (Müncheberg) herausgegeben. Herausgeber sind Frank Menzel (Müncheberg), John Kramer (Oadby) und Andreas Stark (Halle an der Saale).

        Redaktionelle Aufgaben werden am SDEI von Frank Menzel, Mathias Jaschhof und Andrea Thiele wahrgenommen. Die Zeitschrift besitzt ein international zusammengesetztes Fachgremium, das die Redaktion aktiv unterstützt. Dem Wissenschaftlichen Beirat gehören zur Zeit 21 Personen aus Australien, Belgien, Dänemark, Deutschland, Großbritannien, Niederlande, Südafrika, Tschechien und den USA an. Die Abonnenten der »Studia dipterologica« kommen aus über 30 Ländern und sind weltweit verteilt. Die Zeitschrift wird vom Zoological Record (BIOSIS), den CAB Abstracts (CABI) und von VINITI (Moskau) referiert. Mehr Informationen erhalten Sie auf der Website der Studia dipterologica. Anfragen und Bestellungen senden Sie bitte an Dr. Frank Menzel.

        Studia Dipterologica Supplement

        Die Reihe »Studia dipterologica Supplement – Dipterologische Monographien« (ISSN 1433-4968) wurde 1997 von Dr. Andreas Stark (Halle an der Saale) und Dr. Frank Menzel (Müncheberg) gegründet. In loser Folge (normalerweise mit ein oder zwei Bänden pro Jahr) werden dipterologische Monographien mit einem Umfang von mehr als 50 Druckseiten veröffentlicht. Damit wird den Autoren die Möglichkeit gegeben, auch größere Originalarbeiten über die Zweiflügler (Diptera) zu publizieren.

        Ähnlich wie die Zeitschrift »Studia dipterologica« versteht sich die Reihe als Beitrag zur Förderung der Dipterologie, wobei sich das Profil von »Studia dipterologica Supplement« an dem von »Studia dipterologica« orientiert. Im Vordergrund stehen jedoch geschlossene Revisionen, Bestimmungswerke, komplexe Landesfaunen, Checklisten, Kataloge, Sammlungs- und Typenverzeichnisse, Bibliographien sowie erkenntnistheoretische und entomohistorische Beiträge mit einem Bezug auf die Dipteren. Es werden auch dipterologische Promotionsarbeiten publiziert, die von den Gutachtern mindestens mit dem Prädikat „Gut“ bewertet wurden. Mehr Informationen erhalten Sie auf der Website der Studia dipterologica Supplement. Anfragen und Bestellungen senden Sie bitte an Dr. Andreas Stark.