Forschung

Lepidoptera und Siphonaptera

Lepidoptera

Forschungsthemen und Ergebnisse von R. Gaedike

Die Arbeiten zur Taxonomie und Zoogeographie der Kleinschmetterlingsfamilien Tineidae, Epermeniidae, Acrolepiidae und Douglasiidae werden auch nach der Pensionierung von Dr. Reinhard Gaedike im Jahr 2006 weitergeführt.
Möglich ist das, weil die SDEI-Sammlung dieser vier Familien im Rahmen einer Vereinbarung mit dem SDEI als Arbeitsgrundlage am Wohnort Bonn zur Verfügung steht. Aktuell werden drei Themen bearbeitet.

Tineidae der Paläarktis

Auf der Grundlage der Bearbeitung umfangreichen Materials aus Expeditionsausbeuten und Sammelreisen von Entomologen konnten viele bisher unbekannte Erkenntnisse zum Vorkommen und zur Biologie bekannter Arten sowie die Entdeckung neuer Arten erlangt werden. Sie dienten gleichzeitig als Basis für das Manuskript über die Tineidae von Europa, das  im Rahmen der Serie “Microlepidoptera of Europe” erscheinen wird.

Schon jetzt verspricht die kürzlich begonnene Revision der Tineidae aus dem Jemen und aus dem Oman interessante Ergebnisse, da es sich hier um einen Schnittpunkt zwischen der Paläarktis und der Afrotropis handelt.

Afrotropische Epermeniidae

Die Revision umfangreiche Aufsammlungen einiger Museen und Sammler ergab die Feststellung einer Fülle neuer Taxa sowie neue faunistische Nachweise schon bekannter Arten. Es ist offensichtlich, dass der gegenwärtige Artenbestand keinesfalls den wirklichen Umfang dieser Familie in der Afrotropis widerspiegelt.

Verzeichnis der Schmetterlinge Deutschlands (Mikrolepidoptera)

Seit der 1999 erfolgten Veröffentlichung sind bis jetzt 5 Nachträge publiziert worden, in denen  neben zahlreichen Neumeldungen für einzelne Bundesländer 69 Neufunde für Deutschland dokumentiert werden konnten.

Siphonaptera

C. Kutzscher

„Die Flöhe sind seit langer Zeit Gegenstand der verschiedenartigsten Untersuchungen gewesen: man hat sie vom philologischen, vom satirischen Standpunkte aus beleuchtet, man hat sie wegen ihrer lustigen Sprünge besungen und noch häufiger wegen ihres Blutdurstes verwünscht, man hat sie „abgerichtet“ und so aus ihnen Gewinn zu ziehen gewußt, nur gerade der Zoologe hat ihnen bisher nicht in der gebührenden Weise seine Beachtung geschenkt.“ 1

 

Der heutige Wissensstand über die in Deutschland beheimateten Flöhe basiert in erster Linie auf den  ökologisch-faunistischen Arbeiten von Peus (1968, 1970 und 1972). Ergänzende Arbeiten erschienen danach hauptsächlich für einzelne Bundesländer. Die jüngste faunistische Übersicht für das gesamte Deutschland datiert mit Kutzscher & Striese auf das Jahr 2003.

Die in dieser Arbeit nach Bundesländern aufgeschlüsselten Daten spiegeln in erster Linie den Bearbeitungsstand wider und erlauben nur im Einzelfall Rückschlüsse auf die geographische Verbreitung der Arten. Für viele häufige Arten, deren Vorkommen im gesamten Gebiet zu erwarten ist, bestehen in etlichen Bundesländern noch immer Nachweislücken. Wenngleich für einen großen Teil der Arten aktuelle Fundmeldungen vorliegen, sind diese im wesentlichen nicht auf das Ergebnis zielgerichteter Untersuchungen zurückzuführen, sondern tragen eher den Charakter von Gelegenheitsfunden. Peus prognostizierte den Nachweis von etwa 10 weiteren Arten aufgrund ihrer Verbreitung und ihres Vorkommens in benachbarten Staaten. Diesbezügliche Hinweise und Anregungen von Peus (1972) haben deshalb bis heute weitgehend ihre Gültigkeit behalten. Besonders lückenhaft erscheint nach wie vor der Kenntnisstand über die Flohfauna der subalpinen und alpinen Stufe der Alpen.

Checkliste in Deutschland beheimateter Floharten

Im Rahmen der Untersuchung und der Erfassung der in Deutschland vorkommenden Siphonapteren-Arten werden eigene Aufsammlungen und regelmäßig anfallende Materialeinsendungen, die häufig als Beifänge im Rahmen diverser Naturschutzprojekte anfallen (u. a. „Hessische Naturwaldreservate“ – Forschungsinstitut Senckenberg) präpariert und bestimmt. Die Fundangaben werden in einer Datenbank registriert und in faunistischen Beiträgen publiziert.

Sandflöhe in den Nasenhöhlen und unter der Zunge: Die ungewöhnliche Lebensweise von Hectopsylla narium Kutzscher, 2007

Die sogenannten Sandflöhe (Tunga und Hectopsylla, Pulicidae) sind vor allem durch Tunga penetrans allgemein bekannt, der beim Menschen die berüchtigte Tungiasis hervorruft. Die Weibchen befallen hauptsächlich die Füße, wo sie sich tief in die Haut eingraben und zu Entzündungen führen. Die seßhafte Lebensweise der Weibchen ist typisch für alle Tunga- und Hectopsylla-Arten. Die übrigen 22 Arten kommen vor allem in Südamerika an verschiedenen Säugetieren und Vögeln vor.

Der Kleine Felsensittich, Cyanoliseus patagonus patagonus (Psittacidae), bildet an der patagonischen Steilküste Argentiniens mit 35.000 Nestern die weltweit größte Brutkolonie. Seit 1998 erforschen J. F. Masello und P. Quillfeldt dort die Lebensweise des Papageis und untersuchen dabei u. a. den Ektoparasitenbefall. Neben Milben, 2 Federlingsarten und einer parasitischen Wanzenart wurde auch eine Flohart festgestellt, die an den Küken in den Nasenhöhlen und unter der Zunge parasitiert. Dieser Befallsort ist unter den Flöhen bislang einzigartig. Die an mehr als 200 Küken gesammelten Flöhe gehören zu einer neuen Art der Gattung Hectopsylla. Die Publikation beschreibt die neue Art und ordnet sie in einen Bestimmungsschlüssel mit den nah verwandten Arten ein. Mit phylogenetischen Methoden wird ihre systematische Stellung analysiert. Anhand bionomischer Daten werden die räumliche Verbreitung und die Evolution der Wirtsbeziehungen innerhalb von Hectopsylla diskutiert.
Das Projekt wurde in Kooperation mit Kollegen der Universitäten Bristol (J. F. Masello, England), Cardiff (P. Quillfeldt, England) und Christchurch (R. L. P. Pilgrim, Neuseeland) durchgeführt.

  1. (Taschenberg 1880)