Crustaceen

Die Crustaceensektion beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Großkrebsen der Gruppe der Zehnfüßer. Das sind Tiere, die auch schon der Laie sofort als Krebse erkennt und einordnet. Diese für Crustaceenverhältnisse sehr artenreiche (ca. 14.000) Gruppe weist auch eine sehr große Formenvielfalt auf, die ihr erlaubt, alle Lebensräume des Meeres und des Süßwassers zu besiedeln, von der Tiefsee bis in die Brandungzone des Meeres kommen sie vor. Sie leben genauso in großen Flußsystemen wie in Gebirgsbächen hoch oben im Himalaya und den Alpen. Sogar das Land haben sie erobert, die Mangroven und Strände vom Meer aus und trockenere Böden im Gebirge von Süßwasser aus.

Diese ungeheure Formenvielfalt, die nur zum Teil erfaßt und noch viel weniger verstanden ist, betrachten wir als Herausforderung. Unsere Arbeiten konzentrieren sich daher einerseits auf die Taxonomie, die zum Erfassen der Diversität des Lebens eine unentbehrliche Voraussetzung bildet. Andererseits aber versuchen wir die Vielfalt zu verstehen, die morphologische Grundlagenforschung an Strukturen und Merkmalen ist dafür von großer Bedeutung. Schließlich ist es auch wichtig, die Gründe für die Verteilung der Arten in Zeit und Raum zu kennen. Daher ist unser drittes Standbein die Ökologie.

Geschichte der Sektion

 

Die Crustaceensektion gehört zu den ältesten des Hauses. Sie wurde von Eduard Rüppell nach Rückkehr aus Arabien 1828 gegründet und zunächst von ihm geleitet. Aus dem Jahre 1832 stammt ein noch heute erhaltener handschriftlicher Katalog von Adolf Reuss, der die Sektion anschließend im Vernehmen mit E. Rüppell weiterleitete. Nachdem E. Rüppell etwa um 1834 die Crustaceenforschung niedergelegt hatte, wurde die Sektion bis 1878 von anderen Sektionären (z. B. dem Botaniker J. B. G. W. Fresenius) mitverwaltet. Erst als 26. Mai 1878 mit der Übernahme der Sektion durch Ferdinand Richters [*1849 – +1914] begann eine Phase eigener wissenschaftlicher Arbeiten.

Aus dieser Zeit stammt auch ein weiterer handsschriftlicher Katalog der Sammlung (1880) und eine detaillierte Kartei, die bei historischen Recherchen sehr gute Dienste leistet. Im Jahre 1912 kam als weiterer Mitarbeiter in die Sektion Alexander Sendler [*1878 – +1914]. Nach dem Tode von F. Richters am 3. Juli 1914 übernahm er die Leitung der Sektion. Nur drei Monate später fiel auch er im Ersten Weltkrieg [10. Oktober 1914, bei St. Mihiel südl. Verdun]. Mit seinem Tode verwaiste die Sektion erneut und wurde von den Kustoden für Wirbellose Tiere (F. Haas, A. Zilch) mitverwaltet.

Seit 1946 wurde die Crustaceensektion wieder durchgehend wissenschaftlich geleitet, nachdem Richard Bott [*1902 – +1974] aus der Gefangeschaft am Ende des Zweiten Weltkrieges zurückgekehrt war. Er arbeitete fast ausschließlich an Flußkrebsen und Süßwasserkrabben und baute eine große Sammlung mit viel Typenmaterial auf. Auch die Anzahl der Publikationen und Monographien aus der Sektion schnellte in dieser Zeit empor. Nach seinem Tode am 27. Januar 1974 übernahm der aktuelle Leiter, Dr. Michael Türkay, zunächst als Assistent, dann (seit 1976) als vollamtlicher Angestellter die Crustaceensektion. Mit Ausweitung der deutschen Meeresforschung gelangt nunmehr viel Tiefsee-Material in unsere Sammlung und der Forschungsschwerpunkt verschob sich hin zu den marinen Dekapoden (genaue Themen s. u.). Exaktere Daten zur Geschichte der Sektion finden sich in Artikeln von M. Türkay in „Natur und Museum“ (Mai-Heft 1981, Seiten 151-157) und Senckenberg-Buch 68 (1992).