Übersicht Abteilungsleitung und Messelforschung

UNESCO-Welterbe Grube Messel


Die Fossilienfundstätte Grube Messel bei Darmstadt in Hessen wurde im Jahr 1995 als erste Weltnaturerbestätte Deutschlands in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen worden. Mit dem Kauf der Grube im Juni 1991 entschied sich das Land Hessen, die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung als besonders erfahrene Partnerin in Sachen Messel zur Betreiberin der Grube zu gewinnen.

Ein Jahr später, am 24. Juni 1992, unterzeichneten das Land Hessen und die SGN einen Vertrag zwecks Erhaltung der Grube als einzigartige Fossilienfundstätte; die SGN wurde mit Wirkung vom 1. Juli 1992 Betreiberin der Grube Messel im Sinne des Bundesberggesetzes. Bund und Land finanzieren dies gemeinsam über den Haushalt des Forschungsinstituts Senckenberg.

Grabung Außenstelle Messel
Grabungsteam beim Aufspalten der geborgenen Ölschieferblöcke.

Ab 1983 diente ein von der YTONG-AG angemietetes Haus als senckenbergische Außenstelle direkt an der Grube Messel. 1992 wurde es durch die SGN gekauft und in den folgenden Jahren zur Forschungsstation umgebaut. Hier befinden sich die Präparation mit Nasslabor, ein Röntgenlabor, Büroräume für die technischen und wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen, ein Vortragsraum/Sitzungszimmer, eine Hausmeisterwohnung sowie Aufenthalts- und Schlafräume für Grabungspraktikant*innen. Die Forschungsstation ist der Arbeitsplatz der Mitarbeiter*innen der Grabung und Präparation sowie der Sitz der Sektion Paläoentomologie.

Forschungsstation Messel

Grabung und Präparation

Die Grabungen müssen jeweils zum Beginn des Jahres angemeldet und Grabungsgenehmigungen beantragt werden. Die Grabungssaison beginnt im Mai und endet im September/Oktober, wobei die verschiedenen Institute unterschiedlich lange graben. Bei den wissenschaftlichen Grabungen werden Ölschieferblöcke mit einem GPS-System der neuesten Generation (GNSS-Base-Rover-System) eingemessen, abgebaut und anschließend vom Grabungsteam sorgfältig nach Fossilien durchsucht.

Da der wasserhaltige Ölschiefer an der Luft austrocknet und zerfällt, werden Wirbeltier-Fossilien auf eine andere Trägerplatte umgebettet, also transferiert. Dazu wird das Fundstück zunächst auf einer Seite präpariert und diese dann in Kunstharz eingegossen. Nach dem Aushärten der künstlichen Trägerplatte wird die zweite Seite des Fossils freigelegt. Dieses Präparationsverfahren wird Kunstharz-Transfermethode genannt.

Grabung 2 Außenstelle Messel
Grabungsteam beim Abbau des Ölschiefers

Was in der Theorie so rasch erklärt ist, dauert in der Praxis je nach Größe und Erhaltung des Fossils Tage, manchmal sogar Wochen. Die Präparatoren benutzen feine Metallnadeln, um das Fossil freizulegen. Damit auch feinste Knochenstrukturen freigelegt, aber nicht beschädigt werden, wird im Allgemeinen unter einem Binokular gearbeitet.

Insekten-Fossilien werden sehr sorgfältig von einer Seite vom aufliegenden Ölschiefer befreit und dann als Ölschiefer-Plättchen in Plastikdosen in Glycerin oder Silikonöl aufbewahrt. Nur in seltenen Ausnahmefällen werden sie auf Kunstharz transferiert.

Grube Messel
Insektenpräparation
Grube Messel
Barsch (Amphiperca multformis)
Grube Messel
Knochenhecht (Atractosteus messelensis)
Grube Messel
Insektenfresser (Leptictidium auderiense)
Grube Messel
Rackenähnlicher Vogel (Primobucco sp.)
Grube Messel
Nager (Ailuravus macrurus) 
Grube Messel
Großkopfechse (Ornatocephalus metzleri)
Grube Messel
Käfer mit Blüte auf den Deckflügeln 
Grube Messel
Weinrebenblatt (Ampelopsis, Vitacea)