Mikropaläontologie I

Mikropaläontologie ist eine Wissenschaft, die sich mit mikroskopisch kleinen Tieren und Pflanzen, die in der Regel eine Größe von unter 1 mm haben, beschäftigt, mit ihrer Morphologie, Taxonomie, Paläobiologie, Paläoökologie, Verbreitungsmustern und ihrer Anwendbarkeit zum Verständnis der Erdgeschichte.

Viele der Gruppen mikroskopisch kleiner Tiere und Pflanzen leben noch heute, und Mikropaläontologen sind an lebenden Formen interessiert, um die fossilen Funde interpretieren zu können. Die meisten mikrofossilen Gruppen sind einfache, aus einer einzelnen Zelle bestehende, Organismen, die nur selten größer als 1 mm werden und deshalb nur mit optischen und Elektronenmikroskopen und anderen speziell entwickelten Techniken untersucht werden können.

Forschung im Forschungsinstitut Senckenberg konzentriert sich auf Ostracoden (Mikropaläontologie I), Conodonten (Historische Geologie und Fazieskunde) und Sporen & Pollen (Paläobotanik, Palynologie). Andere mikrofossile Gruppen sind durch große Sammlungen repräsentiert, besonders Foraminiferen und Otolithen.

Forschung und Sammlungen der Sektion Mikropaläontologie I sind auf das gesamte Phanerozoikum mit besonderen Schwerpunkten im Mesozoikum und im Tertiär bezogen und müssen daher primär dem Schwerpunkt „Biodiversität und Erdsystem-Dynamik“ zugeordnet werden. So weit es um rezentes Material geht, bestehen auch Beziehungen zu „Biodiversität und Systematik“.

Geschichte

Die Sektion Mikropaläontologie I wurde 1939 von Dr. Erich Triebel gegründet, einem bedeutenden und innovativen Ostracoden-Forscher des mittleren 20. Jahrhunderts, der für die wachsenden Sammlungen bis 1969 verantwortlich war. Dr. Heinz Malz, der 1957 begann, in der Sektion mit Triebel zusammenzuarbeiten, wurde 1969 sein Nachfolger, womit die Tradition, die Triebels weitreichende Arbeiten begründet hatten, fortgeführt wurde. Die Zusammenarbeit dieser beiden Wissenschaftler war sehr produktiv: die Ostracoden-Sammlung, die 1903 mit 23 Arten und 7 Typen begonnen hatte, wuchs bis 1967, kurz vor der Pensionierung Dr. Triebels, auf 1.295 Arten und 464 Typen. Seitdem haben sich diese Zahlen noch einmal mehr als verdoppelt. Das Wachstum der Ostracoden-Sammlung spiegelt die Tatsache wider, das sich die Interessenfelder dieser beiden Wissenschaftler ergänzten.

Triebel arbeitete an einem weiten Spektrum  von Ostracoden, das von paläozoischen bis zu rezenten Arten reichte, während Malz  hauptsächlich nach-paläozoische Ostracoden untersuchte, und beide studierten marine und nicht marine Taxa. Triebel war außerdem ein geschickter Fotograf, und seine optischen Abbildungen von Ostracoden, Foraminiferen und Otolithen waren für die Zeit vor der Benutzung des Elektronenmikroskops überragend. Tatsächlich sind seine optischen Mikrofotografien von Ostracoden-Innenlamellen nach wie vor die besten, die je gemacht wurden.

1995 wurde Dr. Thomas Jellinek als Nachfolger von Dr. Malz benannt.  Jellinek Dissertation über Ostacodenfaunen der Küstenriffe Kenias (1993, Senck. leth. 73: 83-225) wurde 1994 mit dem Alexander von Humboldt-Gedächtnispreis ausgezeichnet. Seine weitere Forschung konzentrierte sich auf Ostracodenfaunen der Tiefsee des Mittelmeers, des Persischen Golfes und im besonderen der küstennahen Gebiete Neuseelands in Zusammenarbeit mit Dr. Kerry Swanson (University of Canterbury, NZ). Die Hauptergebnisse der Arbeit in Neuseeland wurden 2003 publiziert (Jellinek & Swanson, Abhandlungen SNG, 558: 1-329) und führten zu einer weiteren Verleihung des Alexander von Humboldt-Gedächtnispreises 2004.

Dr. Ilaria Mazzini hat ihre Dissertation (Universität München) in der Sektion Mikropaläontologie I  ausgeführt. Ein bedeutender Teil ihrer Dissertation wurde 2005 veröffentlicht (2005, Senck. mar. 35: 1-119).

Im Jahr 1967 erfolgte erstmals eine ‚Sektionierung‘ der Geologisch-Paläontologischen Abteilung, wie es für die rezenten Tiergruppen in der Zoologischen Abteilung seit jeher üblich war. In diesem Zusammenhang wurden der Sektion noch weitere, sogenannte Betreuungssammlungen, zugeteilt: Fossile Merostomen und Myriapoden (wurde 2009 an andere Betreuer abgegeben Fossile siehe Historische Geologie und Fazieskunde), fossile Spinnentiere sowie fossile Insekten. Die erste Sammlung  Als weitere bedeutende Sammlungen kamen zu diesem Zeitpunkt auch die Foraminiferen-, Otolithen-und Conodonten-Sammlungen ‚unter die Fittiche‘ der Sektion für Mikropaläontologie.

Die Conodonten-Sammlung erfuhr im Laufe der Zeit ein stetig zunehmendes Interesse, und in den 60er Jahren entwickelte sich die Arbeit mit dieser Tiergruppe zu einem Forschungschwerpunkt am Forschungsinstitut Senckenberg. Die Arbeiten von Dr. K. Weddige (ab 1987 beim FIS) sowie von Prof. Dr. W. Ziegler (ab 1981) trugen sehr zu dieser Entwicklung bei. Folglich wurde 1990 Dr. K. Weddige mit der Betreuung dieser wichtigen Sammlung beauftragt. Mittlerweile gehört die Sammlung zur Sektion Historische Geologie und Fazieskunde.