Sammlung Lepidoptera

Entomologie II

Sammlung

Sammlungsschwerpunkt der Sektion Entomologie II sind die Lepidoptera oder Schmetterlinge, daneben Sammlungen der anderen in der Einleitung genannten Insektenordnungen. Die Sammlung umfaßt getrocknete Insekten, Alkoholpräparate und mikroskopische Präparate. Zu den bearbeiteten und verwalteten Ordnungen gibt es auch — teilweise umfangreiche — Bibliotheksbestände (besonders Sonderdrucke und Monografien). 

In den Sammlungsbeständen der Sektion sind viele wichtige ehemalige Privatsammlungen aufgegangen. Darunter besonders zu nennen wären hier als herausragende Beispiele:

  • die Ausbeuten philippinischer Lepidoptera (und anderer Insekten) von Carl Semper, hauptsächlich bearbeitet von Georg Semper, aus dem 19. Jahrhundert mit den meisten der daraus beschriebenen Typen;
  • die Ausbeuten von Max Saalmüller (insbesondere Lepidoptera von Madagaskar) mit vielen daraus beschriebenen Typen;
  • die Sammlung Adalbert Seitz (Schmetterlinge, insbesondere Riodinidae aus der Neotropis).

Durch die Mitarbeit des ernannten Ehrenamtlichen Mitarbeiters Colin G. Treadaway hat die Sektion Zugang zu der zur Zeit wahrscheinlich weltgrößten Schmetterlingssammlung der Philippinen. Damit hat Senckenberg in der Kombination der Semper- und der Treadaway-Sammlung zur Zeit die weltweit umfangreichste Philippinensammlung Lepidoptera zur Verfügung, mit reichhaltigem Typenmaterial.

Die umfangreiche ehemalige private Spezialsammlung Bombycoidea des Sektionsleiters W. A. Nässig, deren Integration in die Hauptsammlung sich dem Abschluß nähert, bildet den Grundstock einer inzwischen bedeutenden Weltsammlung dieser Familiengruppe (besonders der Familien Saturniidae, Brahmaeidae, Eupterotidae und Bombycidae). Weitere Informationen siehe auch unter http://www.saturnia.de/.

Im Rahmen der Lepidoptera-Sammlung wird zur Zeit eine Beleg- und Vergleichssammlung für das Bundesland Hessen(in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Hessischer Lepidopterologen [Arge HeLep]) aufgebaut. Eine ausführliche Darstellung dieser Hessischen Landessammlung Schmetterlinge siehe auf der separaten Seite im Rahmen der Arge HeLep. 

Mit folgenden hessischen entomologischen Vereinen wird kooperiert:

Internationale Entomologische Verein (IEV) 
Entomologische Verein Apollo e.V.

 

Begriffserklärungen zu den Schmetterlingen

Leider gibt es in der Umgangssprache einige unglückliche und fehlerhafte Gebräuche, die, noch dazu im Vergleich zum Englischen, zu Begriffsverwirrungen führen können. Deswegen finden Sie hier einige Erklärungen.

Was sind im Deutschen...

… Schmetterlinge?

„Schmetterlinge“ ist der deutsche Oberbegriff für alle Gruppen der Ordnung Lepidoptera oder Schuppenflügler. Es ist dies die Schwesterordnung zu den Trichoptera oder Köcherfliegen. Es gibt weltweit eine unbekannte Zahl zwischen etwa 150.000 (soviel wie heute beschriebene Arten) und bis zu 1,5 Millionen Arten von Schmetterlingen.
„Schmetterlinge“ sind also viel mehr als nur die Tagfalter; Tagfalter machen nur etwa 10–15% aller Schmetterlingsarten aus!

Falter?

„Falter“ ist im Deutschen ein Synonym für Schmetterlinge, wird aber in der Regel nur in Zusammensetzungen (Tagfalter, Nachtfalter, Eulenfalter etc.) gebraucht.
„Falter“ wird außerdem benutzt, um das ausgewachsene Entwicklungsstadium in der vollständigen Metamorphose eines Schmetterlings zu benennen: Ei, Raupe, Puppe, Falter. Falter ist also auch im eingeschränkten Sinn die Imago eines Schmetterlings.
— „Falter“ ist also im Deutschen kein Gegensatz zu „Schmetterling“! 

 … Motten?

„Motten“ ist im Deutschen eine sehr eingeschränkte Bezeichnung, die nur einige Gruppen der Kleinschmetterlinge (siehe unten), insbesondere die Echten Motten (Tineidae) und einige verwandte Gruppen sowie beispielsweise manche Miniermotten (und in einigen anderen zusammengesetzten Wörtern), bezeichnet. 
 

Was bedeutet auf englisch...

…butterflies?

„Butterflies“ bezeichnet im Englischen nur die Tagfalter
[Manche Deutschen vermuten, dass „butterflies“ eine Übersetzung von „Schmetterlingen“ sei, und reden dann, wenn sie „Nachtfalter“ meinen, von „night butterflies“ — für englische Muttersprachler ein reichlich konfuser Ausdruck, der oft zu Gelächter führt.]

…moths?

„Moths“ bezeichnet im Englischen alles, was kein echter Tagfalter ist — also etwa 80–90% aller Schmetterlingsarten. 
Es entspricht im Gebrauch ungefährt unserem Begriff „Nachtfalter“, ist aber viel strikter definiert, etwa ähnlich wie der Begriff „Heterocera“ (= Nachtfalter im weitesten Sinn, im Gegensatz zu „Rhopalocera“ oder “Diurna” = Tagfalter).

Im Englischen gibt es also keinen nichtfachsprachlichen Überbegriff für die Ordnung Lepidoptera!

Wer im Englischen „Schmetterlinge“ meint, muß also immer von „butterflies and moths“ sprechen — oder fachsprachlich von Lepidoptera.

Kurze Erläuterung von zwei deutschen Begriffspaaren

Tagfalter — Nachtfalter

Tagfalter (Diurna) bezeichnet eine einheitliche, natürliche (monophyletische) Gruppe, nämlich die beiden nah verwandten Überfamilien Papilionoidea (= Echte Tagfalter) und Hesperioidea (= Dickkopffalter). Alle Tagfalter fliegen bei Tag oder (selten) in der Dämmerung.

Nachtfalter hingegen ist der ganze große Rest (= alles, was kein Tagfalter ist): etwa 80–90% der Arten, ein heterogenes Gemengsel aus den verschiedensten Überfamilien, die untereinander kaum näher verwandt sind; es handelt sich dabei um einen reinen Sortierbegriff, der keine nähere verwandtschaftliche Zusammengehörigkeit ausdrückt. — Nachtfalter fliegen meist bei Nacht; es gibt aber auch viele obligatorisch tagaktive „Nachtfalter“, wie etwa bei den Widderchen (Zygaenidae) oder den tropischen Agaristinae, einer Unterfamilie der Eulen (Noctuidae), oder beispielsweise bei den tropischen Castniidae.

Großschmetterlinge — Kleinschmetterlinge

Großschmetterlinge (Makrolepidoptera) bezeichnet die höheren Schmetterlinge, im System je nach Autor entweder schon ab etwa den Cossiden oder auch erst ab den Bombycoidea und ebenfalls wahrscheinlich eine monophyletische (natürliche) Einheit darstellend. Das heißt, die Tagfalter zusammen mit einigen Teilgruppen der Nachtfalter sind Großschmetterlinge — also insgesamt etwa 60–75% aller Schmetterlingsarten sind Großschmetterlinge.

Kleinschmetterlinge (Mikrolepidoptera) bezeichnet wieder „den Rest“, darunter auch durchaus körperlich große bis sogar sehr große Vertreter wie einige teilweise gigantische Hepialidae (Wurzelbohrer) der südlichen Hemisphäre. Auch diese „Restgruppe“ ist keine monophyletische (natürliche) Einheit, sondern eine untereinander wenig verwandte paraphyletische „Sortiereinheit“. 
„Kleinschmetterlinge“ ist kein Synonym zu „Motten“; Motten ist die kleinere, strikter definierte Einheit („Motten“ sind allerdings auch kein Monophylum!).

Fazit

Ein solches Durcheinander von natürlichen Gruppen und unnatürlichen „Restgruppen“, die nur als Sortiereinheiten gelten können, gibt es immer wieder: Zwar sind die Tagfalter (Hesperioidea und Papilionoidea), Eulen (Noctuidae) und Spanner (Geometridae) — die drei artenreichsten Gruppen der Großschmetterlinge — jeweils für sich genommen natürliche Verwandtschaftseinheiten, aber die „Spinner und Schwärmer“, die vierte „Großgruppe“ der Makrolepidoptera, sind wieder ein unnatürliches Konglomerat, in dem die verschiedensten, untereinander nicht näher verwandten Familien (von Kleinschmetterlingen wie Widderchen und Glasflüglern über Großschmetterlinge wie die Echten Spinner, zu denen auch die Schwärmer gehören, bis hin zu einigen Familien aus der nächsten Verwandtschaft der Eulen!) zusammengewürfelt wurden.

Wer über Schmetterlingsgruppen exakt reden möchte, sollte also anstelle dieser schlecht oder unzureichend definierten deutschen Gruppenbezeichnungen besser die wissenschaftlichen (oder gelegentlich auch deutschen) Namen der Familien und Überfamilien benutzen, deren Abgrenzung voneinander der Regel besser definiert (und besser phylogenetisch begründet) ist.