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Kontrast

Pressemeldung 18-09-25

Edmond: Die letzten Tage der Dinosaurier

Ein einzelner Zahn, ein Knochenfragment oder versteinerte Holzstückchen: Oft sind es unscheinbare Spuren, die Paläontolog*innen helfen, die große Geschichte der Dinosaurier und die Zeit vor ihrem Verschwinden zu erzählen. Die neue Sonderausstellung „Edmond: Die letzten Tage der Dinosaurier“, die ab dem 19. September 2025 im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt gezeigt wird, rückt genau diese faszinierenden Details in den Mittelpunkt: kleine Funde mit großer Aussagekraft. Die zentrale Gestalt der Ausstellung ist „Edmond“. Der Pflanzenfresser aus der Gattung Edmontosaurus zählt zu den letzten Dinosauriern vor dem globalen Massenaussterben. Besuchende erfahren wie sein Leben vor etwa 66 Millionen Jahren ausgesehen haben könnte.

„Edmond, wie wir unsere Dinosaurier-Mumie nennen, ist einer der beeindruckendsten und wertvollsten Schätze unseres Museums – weltweit gibt es nur sehr wenige Exemplare. Dieser Edmontosaurus ist außergewöhnlich gut erhalten, sogar fossile Abdrücke seiner Haut sind sichtbar“, erläutert Dr. Eva Roßmanith, kommissarische Leiterin des Museums. „Solche großen, vollständigen Skelettfunde sind spektakulär, aber äußerst selten. Viel häufiger finden wir Fragmente oder winzige Bruchstücke aus der Welt der Dinosaurier“, ergänzt Dr. Omar Rafael Regalado Fernández, Kurator der Ausstellung am Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt. „Doch jeder noch so kleine Überrest liefert Puzzlestücke zur Rekonstruktion der Vergangenheit – sei es zu den damaligen Umweltbedingungen, zu Nahrungsketten, zur Fortbewegung oder zu Krankheiten. Die Ausstellung macht genau diese Detektivarbeit der Forschenden sichtbar und nimmt Besucher*innen mit auf eine Reise in die letzten Kapitel des Erdmittelalters.“

Um Edmonds Lebenswelt zu entschlüsseln, helfen Funde aus einem „Bonebed“, das 2019 aus Wyoming, USA, als ganzer Gesteinsblock nach Frankfurt transportiert und hier bearbeitet wurde. Dabei fanden Senckenberg-Forschende zahllose Knochenreste, Pflanzenfragmente und Spuren fossiler Ökosysteme – ein einzigartiger Einblick in das Leben vor 66 Millionen Jahren, also vor dem Asteroideneinschlag. „Ein präparierter Quadratmeter des Gesteinsblocks zeigt in der Ausstellung eindrucksvoll, wie dicht die vielen kleinen Fundstücke liegen, die wir enträtseln“, erklärt Fernández. Die vielschichtigen Ablagerungen – einst Teil eines urzeitlichen Flussufers – bergen Hinweise auf ein ganzes Ökosystem: pflanzenfressende Dinosaurierherden, Raubsaurier, Schildkröten, Krokodile, Fische, Frösche, Spuren von Waldbränden und sogar jahreszeitliche Veränderungen.

Ob Dinosaurier mit Arthritis oder Krokodile mit Zahnschmerzen – die Knochenfunde aus der Kreidezeit verraten es. Läsionen am Schwanzwirbel des Hadrosauriers lassen auf eine Gelenkentzündung schließen, während Zahnfunde mit abgebrochenen Wurzeln des schildkrötenfressenden Krokodils Brachychampsa auf Infektionen im Maul hindeuten. Bissspuren am Schildkrötenpanzer wiederum belegen, dass das Tier zur Beute wurde und eröffnen zugleich wertvolle Hinweise zur Rekonstruktion von Nahrungsketten.

Das „Bonebed“ birgt noch weitere Geschichten: Unterschiedlich große Knochen derselben Körperpartie von Hadrosauriern am selben Fundort helfen, Wachstumsstadien zu verstehen und zeigen, dass diese Pflanzenfresser wahrscheinlich in Herden lebten. Fossilien wie Blattabdrücke, Bernstein und Samen geben Einblicke in das damalige Klima und die Pflanzenwelt. So dominierten Zypressen und Palmfarne die Landschaft, bei einer durchschnittlichen Jahrestemperatur von 20,4 Grad Celsius – sechs Grad mehr als heute.

Dr. David Kossen, Geschäftsführer der Lipoid Stiftung, betont: „Wir fördern Projekte, die Interesse an der erdgeschichtlichen Entwicklung wecken. Diese Ausstellung begeistert uns, weil mit modernsten Forschungsmethoden aus kleinsten Funden ein Gesamtbild entwickelt wird, welches nicht nur gigantische Saurier zeigt, sondern auch ihr gesamtes Ökosystem.“ Dr. Kirsten Siersleben, Geschäftsführerin der DZ BANK Stiftung, ergänzt: „Als langjährige begeisterte Unterstützer der Senckenberg-Gesellschaft erleben wir auch bei dieser neuen Ausstellung rund um ‚Edmond‘, was wir schon als Förderer des Vorgänger-Projekts erfahren durften: die großartige Fähigkeit dieses Museums, uralte Geschichte lebendig zu präsentieren, mit Sinnen erfahrbar, digital und zugleich plastisch, 66 Millionen Jahre alt und doch mit starkem Bezug zur Jetztzeit. Das ist Naturforschung und -bildung in allerbester Form!“

Alle Forschungsergebnisse laufen in der Ausstellung in einem detailreichen Diorama zusammen: Es zeigt eine Szene im Leben von Edmond vor 66 Millionen Jahren an einem Flussbett in Wyoming – mit Amphibien, Krokodilen, Dinosaurierherden und dem Zirpen der Zikaden in der Luft. Ein multimediales Highlight der Ausstellung ist zudem eine großformatige Projektion eines Edmontosaurus-Skeletts. Sie macht digital sichtbar, wo sich die im „Bonebed“ gefundenen Knochen im Körper des Urzeitriesen befunden haben – passend zu den originalen Fossilien in der Vitrine davor. Rundherum erzählen die urzeitlichen Funde von der Vergangenheit – eine Zeitreise auf die sich die Forschenden gemeinsam mit den Besuchenden begeben.
Die Ausstellung wird großzügig gefördert von der Lipoid Stiftung und der DZ BANK Stiftung. 

 
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