Pressemeldung 12-05-26
Pflanzenvielfalt zum Niederknien
Bundesweite #Krautschau-Aktion vom 14. bis 25. Mai 2026 zelebriert die Artenvielfalt in Pflasterfugen und Mauerritzen der Städte
Sie sind die geheimen Stars der städtischen Flora: Die kleinen Pflanzen in Pflasterfugen und Mauerritzen gehören zu den meist übersehenen Bewohnern unserer Städte – und sind zugleich ein wichtiger Bestandteil urbaner Ökosysteme. Mit der bundesweiten Aktionswoche #Krautschau vom 14. bis 25. Mai 2026 möchte die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung gemeinsam mit zahlreichen Partnern den Blick auf die kleinen Wildpflanzen im urbanen Raum und die Bedeutung von Natur in den Städten lenken. Jede*r ist eingeladen die pflanzlichen „Ritzenrebellen“ mit bunter Kreide zu beschriften, zu fotografieren und in den sozialen Medien zu teilen. Eine Übersicht aller bisher gemeldeten öffentlichen Rundgänge findet sich ab heute unter https://www.senckenberg.de/krautschau. Gemeinsam mit Senckenberg-Forscher*innen kann man in Frankfurt, Pforzheim und Jena die urbane Vielfalt „zum Niederknien“ erkunden.
Überall dort, wo Flächen versiegelt sind, leben Pflanzen unter Extrembedingungen. Die bereits zum sechsten Mal bundesweit stattfindende Aktionswoche #Krautschau hat zum Ziel, mehr Menschen zum Hinschauen und zur Wahrnehmung der oft übersehenen kleinen Wildpflanzen in den Städten zu bewegen. Dabei wird das Grün auf Gehwegen, in Mauerritzen oder Pflasterfugen mit bunter Kreide beschriftet und fotografiert. Die Fotos werden anschließend und unter dem Hashtag #Krautschau in den sozialen Netzwerken geteilt – so erhalten die „pflanzlichen Kämpfernaturen“ vor Ort und im Netz die verdiente Aufmerksamkeit. Pflanzenerkennungsapps helfen bei der Bestimmung der Kleinstflora. Die mit der Aktion kooperierende App „Flora Incognita“ belohnt fleißige Artensammler*innen zudem den ganzen Mai über mit Abzeichen. Die erfassten Daten können im Anschluss wissenschaftlich genutzt werden – etwa um die Veränderung städtischen Flora zu erfassen. Für Freund*innen von Printmedien ist der Naturführer „Das wächst in deiner Stadt“ eine perfekte Hilfe zur Bestimmung der Pflanzen.
„Wer genau hinschaut, entdeckt sogar in dicht bebauten Innenstädten eine atemberaubende Vielzahl von Kräutern, Gräsern und Moosen. Allein für Frankfurt am Main wurden letztes Jahr 526 Arten ermittelt, die sich an die extremen Bedingungen zwischen Pflasterfugen und Asphalt angepasst haben“, betont Dr. Julia Krohmer von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. „Die oft unscheinbaren Pflanzen leisten Erstaunliches: Sie fördern die Versickerung von Regenwasser, erhöhen die Festigkeit und Belastbarkeit von Kopfsteinpflaster, wirken kühlend und binden Staub. Sie bieten anderen Organismen wie Wildbienen oder Käfern Schutz und Nahrung. Außerdem sind sie – spätestens auf den zweiten Blick – auch wunderschön, und lehren uns, die Stadt mit anderen Augen zu betrachten“, ergänzt Prof. Dr. Alexandra-Maria Klein von der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.
Die #Krautschau-Aktion ist eine Grassroot-Bewegung von Botaniker*innen und Pflanzenfans und entstand als Reaktion auf das weit verbreitete Phänomen der „Plant Blindness“ (Pflanzenblindheit) – die Unfähigkeit, Pflanzen in der eigenen Umgebung detailliert wahrzunehmen. In den sozialen Medien etablierte sich die Aktion unter den Hashtags #Krautschau und #MehrAlsUnkraut.
An der bundesweiten Aktion beteiligen sich neben mehreren Senckenberg-Standorten und der Universität Freiburg zahlreiche Städte, Institutionen und Botaniker*innen mit aktuell 67 #Krautschau-Spaziergängen in bislang 43 deutschen Städten. So ruft z.B. in Bayern der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) landesweit zur Teilnahme auf. Weitere Akteur*innen sind herzlich eingeladen, sich zu engagieren und bundesweit Spaziergänge anzubieten.
Veranstaltung: #Krautschau: Urbane Vielfalt zum Niederknien
Datum: Donnerstag, 14. Mai bis Montag, 25. Mai 2026
Ort: bundesweit; Übersicht aller Treffpunkte und Zeiten siehe https://www.senckenberg.de/krautschau
Wer sich mit einer eigenen Aktion beteiligen möchte, kann sich gerne an Dr. Julia Krohmer wenden. Sie koordiniert die Aktionswoche gemeinsam mit Prof. Dr. Alexandra-Maria Klein von der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Alternativ kann die Aktion auch direkt über die Website eingetragen werden.