Die Aktuopaläontologie ist eine moderne Forschungsdisziplin innerhalb der Paläontologie. Aus der Erkenntnis heraus, das die physikalische Prozesse (wie Hydrodynamik, Sedimenttransport, Klima etc.) und biologisch-ökologische Prozesse (wie inter- und intraspezifische Wechselwirkungen, Metabolismus, Verhalten etc.) in fossilen Lebens- und Ablagerungsräumen ähnlich den heutigen sein müssen, kommt dem aktualistischen Forschungsansatz innerhalb der Geologie und Paläontologie eine große Bedeutung zu.
Sektion
Aktuopaläontologie

Die Erkenntnisse der aktualistisch ausgerichteten Forschung erlauben eine kritisch-detaillierte Rekonstruktion der Paläoökologie, der Paläogeographie und des Paläoenvironment.
Forschung
Die Aktuopaläontologie ist eine moderne Forschungsdisziplin innerhalb der Paläontologie. Aus der Erkenntnis heraus, das die physikalische Prozesse (wie Hydrodynamik, Sedimenttransport, Klima, …..) und biologisch-ökologische Prozesse (wie inter- und intraspezifische Wechselwirkungen, Metabolismus, Verhalten, …..) in fossilen Lebens- und Ablagerungsräumen ähnlich den heutigen sein müssen, kommt dem aktualistischen Forschungsansatz innerhalb der Geologie und Paläontologie eine große Bedeutung zu. Die Erkenntnisse der aktualistisch ausgerichteten Forschung erlauben eine kritisch-detaillierte Rekonstruktion der Paläoökologie, der Paläogeographie und des Paläoenvironment.
Die Aktuopaläontologie erfaßt dabei die Gesamtheit aller paläontologischen Merkmale, die die Fazies rezenter mariner Lebens- und Ablagerungsbereiche kennzeichnet. Solche Merkmale sind in erster Linie Schalen- und Skelettmaterial, Lebensspuren epi- und endobenthischer Organismen, aber auch übergeordnete biogene Strukturen. Fragestellung und Methodik der Untersuchungen ergeben sich aus den jeweiligen sedimentologischen und biologischen Prozessen der rezenten Meeresräume. Hier gilt es aufzuzeigen, in welcher Qualität und Quantität die Information von Umweltparametern und Organismen in die sedimentären Abfolgen, und somit in die geologische Zeitskala, eingeht. Die Ergebnisse der Aktuopaläontologie sind dabei in gleicher Weise für die Charakterisierung der Fazies fossiler Sedimente anwendbar. Sie liefert daher einen wichtigen Beitrag zum Verständnis biosedimentärer Systeme im Forschungsschwerpunkt ‚System Erde-Leben‘ im FIS.
Mit unseren Forschungsarbeiten leisten wir Beiträge zu den Senckenberg-Forschungsbereichen:
Biodiversität und Erdsystem-Dynamik
Biodiversität, Systematik und Evolution
Biodiversität und Klima
Flachmarine Lebens- und Ablagerungsräume und ihre biosedimentären Systeme
Die Untersuchung von biosedimetären Systemen in flachmarinen Lebens- und Ablagerungsräumen nimmt einen wesentlichen Anteil der Forschungsvorhaben ein. Insbesondere ihre Stellung im Schnittpunkt Geosphäre-Biosphäre steht dabei im Vordergrund der Untersuchungen. In mehreren Teilprojekten werden dabei alle Prozesse erfasst die einen Informationstransfer in den ‚geological record‘ erwarten lassen. Daher bilden die Taphonomie und die Biofaziesanalyse die Schwerpunkte der Forschungsarbeit. Die Biofaziesanalyse befasst sich insbesondere mit der Typisierung und Zonierung von Faziesbereichen nach speziellen Kriterien wie Sedimente, Taphocoenosen , Bioturbation oder Lebensspuren.
Die rezenten Gemeinschaften werden zudem hinsichtlich der räumlichen Konfigurationen von Benthossiedlungen sowie deren Bioturbation, typisierbare Bauten und Prinzipien der Bauweisen analysiert. Daraus erfolgt eine Quantifizierung von Bioturbation und „bio-engineering“ der unterschiedlichen Benthosgemeinschaften in verschiedenen Meeresgebieten. Sie bildet den Ansatz für Untersuchungen zur der Rolle der Bioturbation endobenthischer Makroafauna in benthischen Prozessen und gibt weiterführende Informationen sowohl über eine reine Quantifizierung der Makrofauna hinaus wie auch über die räumliche Konfiguration und biotischer Wechselbeziehungen in einem definierten Sedimentkörper.
Ein weiteres Teilprojekt setzt sich mit der Genese sekundärer Hartsubstrate auseinander. Es beinhaltet die Erfassung von Besiedlungsstrategien, Musterbildung und Dynamik sessiler Benthosorganismen im Intertidal. Neben der Variabilität und Vielfalt kleinräumiger Substratbesiedlung und deren Teilaspekten wie Sukzessionen, Bioerosion, Raumkonkurrenzen oder saisonale Dynamik werden vorrangig Prozesse in großflächigen Benthossiedlungen mittels Langzeitbeobachtungen und Biofazieskartierungen aufgezeigt. Neben dem eigentlichen Prozess der Substratgenese sollen hier insbesondere die vertikalen Zeitskalen und die Stabilität/Kontinuität struktureller Großeinheiten (z.B. Muschelbänke, Gezeitenpools, Schill-Strandwälle) untersucht werden. Auch die Bioinvasion von Neobiotas soll unter geo-biologischen Gesichtspunkten untersucht werden. Interessant hierbei ist zum einen die Frage der Isochronie von Marker-Horizonten sowie der zeitlichen Veränderung von etablierten Biokonstruktionen (Bänke, Riffe) durch die neu eingewanderten Arten.
Im Bereich der Taphonomie konzentrieren sich die Arbeiten auf die Genese von Hochkantschillen und auf pflanzentaphonomische Rezentuntersuchunungen konzentrieren. Hochkantschille sind extrem seltene Gefüge. Die wenigen bekannten Vorkommen gehen über eine reine Beschreibung dieses Stapelungs-Phänomens nicht hinaus. Anhand des bislang größten Vorkommens (2001 im Weser-Elbe Watt entdeckt) sollen, unter Einbeziehung experimenteller Untersuchungen in einem großen Wellenkanal, die wesentlichen Prozesse die zur Bildung der Hochkantschille führen geklärt werden.
Zum besseren Verständnis von Pflanzenakkumulationen im rheinischen Devon werden rezent-taphonomische Untersuchungen an ausgewählten heutigen Küsten und möglicherweise sogar im vergleichenden Experiment unerlässlich sein. Nur so lassen sich die Prozesse richtig verstehen, die zu einem engen Nebeneinander von marinen Fossilien und terrestrischen Pflanzenresten geführt haben. Dies ist insbesondere in Anbetracht der immer noch kontroversen Diskussionen über den „Landgang der Pflanzen“ und die wirklichen Habitate der frühen Landpflanzen von Interesse. Ab September 2008 startet zu dieser Thematik ein aus Drittmitteln gefördertes Projekt ‚Prozesse und Dynamik holozäner Verlandungszonen im Gebiet des Jadebusens‘.
Austern gab es an der deutschen Nordseeküste schon immer, nur wurde die einst heimische Europäische Auster (Ostrea edulis) durch permanente Überfischung im Zusammenspiel mit kalten Wintern und Parasitenbefall seit dem 18. Jahrhundert in der Deutschen Bucht ausgerottet.
Die letzten Europäischen Austern verschwanden um 1940. Als Ersatz für die kommerziell genutzte Europäische Auster gab es seit 1913 mehrere Versuche exotische Austernarten im Niedersächsischen Wattenmeer zu kultivieren. Diese Versuche waren alle nicht erfolgreich, da meist durch zu kalte Winter die Versuchsbestände eingingen. Durch die niedrigen Wassertemperaturen, die an der deutschen Küste vorherrschen, war die Meinung verbreitet, dass Muschelarten wie die Pazifische Auster (Crassostrea gigas), die aus wärmeren Gewässern stammt, sich in der Nordsee nicht selbständig vermehren können. Daher wurde auch in den ersten Versuchen und den später erfolgreichen Aquakulturen keine Gefahr für die südliche Nordseeküste gesehen. Der erste Erfolg in der Austernkultivierung gelang mit der Einführung der Pazifischen Auster 1965 in die Oosterschelde (Holland). In Deutschland gibt es mit dieser Art eine Austernzucht seit 1986 auf der Insel Sylt.
Die ersten Brutfälle wurden dann nach warmen Sommern in der Osterschelde 1975 und auf Sylt 1991 festgestellt. Seitdem gab es noch weitere starke Brutfälle in beiden Gebieten. Durch diese Brutfälle entstanden die ersten Wildpopulationen auf festem Untergrund, wie zum Beispiel Felsen und Hafenanlagen. In den Wattgebieten der Nordsee sind es vorwiegend Miesmuschelbänke, die das geeignete Siedlungsgebiet für die Auster darstellen. Auf den harten Untergründen zementiert sich die Auster mit ihrer linken Schale fest, nachdem sie maximal 30 Tage als Larve (Veliger-Larve) im freien Wasser verbracht hat. Während dieser Zeit, die die Auster als frei schwimmende Larve im Wasser verbringt, kann sie sich passiv durch Wasserströmungen und Wellenbewegung verbreiten. Durch den an der holländischen und deutschen Nordseeküste von West nach Ost verlaufenden küstenparallelen Reststrom gelangten die Pazifischen Austern von der Oosterschelde in die holländischen Wattgebiete. 1983 wurden die ersten Exemplare bei der westfriesischen Insel Texel gefunden. In der Nähe der Insel Terschelling wurde die Pazifische Auster 1989 erstmals gefunden. Seitdem erfolgt eine stetige Ausbreitung der Population in Richtung Osten.
Erste Funde an der deutsch-holländischen Grenze, dem Ems-Gebiet, gab es 1998 in Eemshaven. Im selben Jahr gab es auch die ersten Einzelfunde der Pazifischen Auster im Wattgebiet bei Baltrum. In den darauffolgenden Jahren wurden immer mehr Austern auf den Wattflächen und Hafenanlagen des ostfriesischen Wattenmeeres gefunden.
Einleitung
Schalenanhäufungen die durch mäßige Energiebedingungen entstehen werden durch Imbrikationslagerung oder Pflasterlagerung charakterisiert, nach Sturmereignissen hingegen lagern die Klappen bevorzugt mit ihrer konvexen Seite nach unten. Bei allen diesen, bereits gut beschriebenen, Lagerungszuständen liegt die lange Achse der Klappen stets horizontal. Im Gegensatz dazu sind vertikal angeordnete Schalen (sog. Hochkantschille) und andere flach ausgebildete Körper, in der Vergangenheit kaum beschrieben worden (Abb. 1 & 2).
Ziel des Projektes
In diesem Projekt untersuchen wir nach derzeitigem Wissensstand das weltweit größte Vorkommen von vertikal angeordneten Muschelschalenakkumulationen des Deutschen Wattenmeeres (Abb. 3).
Diese Studie umfasst nicht nur das gegenwärtige, experimentelle Arbeiten in einem Wellenkanal, sondern auch das Erforschen von fossilen Beispielen, wie beispielsweise vertikal angeordnete „sand dollars“ (Echinoidea=Seeigel) aus dem Miozän in Ägypten.
3
Ziel der Arbeit ist es ein Zustandsmodell zu entwickeln aus dem sich die wesentlichen Randparameter ablesen lassen, die zur Bildung solcher Vorkommen führen.
Als Endergebnis soll ein „Geo-Tool“ zur Verfügung stehen, dass eine detaillierte Rekonstruktion des Energieniveaus einer Küstenregion erlaubt.
Methoden
Erste Auswertungen von Luftbildserien werden mit Hilfe eines Standard GIS- Programms durchgeführt, womit wir erstmals Verbreitung sowie zeitliche Veränderung der HKS- Vorkommen im Arbeitsgebiet dokumentieren konnten (Abb. 3 & 17). Detailuntersuchungen von internen Strukturen innerhalb der HKS-Vorkommen werden an 35 cm langen Sedimentkernen durchgeführt (Abb. 4).
Für experimentelle Studien steht ein ca. 19 m langer Wellenkanal zur Verfügung, der es erlaubt mit verschiedenen Wellenparametern, unterschiedliche Prozesse zu beobachten (Abb. 5 & 6).
Ergebnisse
Für die Genese von Hochkantschill sind mehrer Prozesse entscheidend:
– ein Freilegen der Mya arenaria -Schlickhorizonte durch Erosion bei sehr starkem Seegang (Abb. 7,8 & 19)
– Konzentration des Schalenmaterials (Komplette und Fragmente)
Während die anfänglichen Prozesse der Entstehung von HKS durch Einzelereignisse verursacht werden (z.B. Sturmereignisse), ist dagegen die Konzentration sowie die anschließende vertikale Einreglung des Schalenmaterials ein langwieriger Prozess der unter normalen Wetterbedingungen entsteht. Anhand von Geländeuntersuchungen als auch durch Experimente im Wellenkanal (Abb. 5 & 6) können bislang fünf verschiedene Lagerungszustände von einander unterscheiden werden. Dabei treten die unterschiedlichen Zustände zeitgleich auf und können zudem ineinander übergehen.
Hochkanschill (HKS):
Besteht aus dicht gepackten sowie ineinander geschachtelten Einzelklappen der Muschel Mya arenaria die mit ihrer langen Achse mehr oder weniger vertikal steht (Abb. 1, 2, 6 & 9). Die Lagerungsbasis wird aus horizontal und konkav lagernden Klappen gebildet. Unter guten Wetterbedingungen mit relativ normalen Seegang stapeln sich immer mehr Klappen ineinander, so dass aufgrund ihrer schüsselförmigen Form, diese sich gegenseitig abstützten und sich schließlich in eine fächerartige, vertikale Position bringen (Abb. 14 & 16). Die Klappen stehen aufrecht und weichen mit ihrer Längsachse ca. 90° aus der horizontalen Lage ab.
Pflasterlagerung:
Einzelklappen liegen mit ihrer konvexen Seite nach oben zeigend auf der Sedimentoberfläche nebeneinander ohne sich gegenseitig zu berühren (Abb. 11).
Imbrikationslagerung:
Die Klappen lagern mit dem Wirbel nach oben zeigend dachziegelartig übereinander und bilden ein fischschuppenartiges Muster (Abb. 12).
Vertikal gepackte Chips:
Diese Schichten können einige cm Mächtig sein und bestehen aus starren, überwiegend konzentrisch angeordneten Schalenbruchstücken (Hauptsächlich Fragmente von Mya und Macoma Schalen). Die Verbreitung dieser Chips beschränkt sich nur auf die Oberfläche der HKS -Bänke. Der Durchmesser der Fragmente beträgt nicht mehr als 2 cm (Abb. 13).
Konzentrisch, Rosettenartige Muster von HKS:
HKS- Flächen sowie Chips- Areale können rosettenartig und konzentrisch angeordnet sein. Dabei lagern sich die Komponenten anfänglich um einzelne Schalenbündel herum (Abb. 13, 14 & 16).
Luftbildanalysen
Um einen Eindruck über die zeitliche Veränderung sowie der Verbreitung der HKS- Vorkommen zu erhalten werden Luftbildserien aus unterschiedlichen Jahren untersucht.
Von 1996 bis ins Jahr 2004 hat sich die räumliche Ausdehnung der HKS- Vorkommen um das 5 -fache erhöht (Abb. 17). Kurzfristiger Transport sowie Ablagerung des Schalenmaterials haben innerhalb nur eines Sommers einen ca. 4 Jahre alten Durchbruch, innerhalb der HKS- Bank, komplett „repariert“ (Abb. 10).
Projekt Bearbeiter: Christian Federolf
Räumlich / Zeitliche Musterbildung in bioklastischen Ablagerungssequenzen
Projektkoordinator

Küstennahe Meeresregionen, einschließlich Gezeitenwatten, Estuare und Felslittoral, zeichnen sich häufig durch punktuelle oder auf schmale Zonen begrenzte Vorkommen biologischer Strukturen aus. Die am Aufbau solcher Strukturen (z.B. Muschelbänke, ‘Riffe’, Algen- und Seegrasbestände) beteiligten Organismengemeinschaften führen ihrer unmittelbaren, wie auch weiteren Umgebung teils in erheblichem Umfang bioklastisches Material zu. Häufig liefern solche distalen Sedimentabfolgen die einzigen Nachweise auf Strukturen, die selbst nur ein geringes Erhaltungspotential haben oder aufgrund ihrer Positionierung stark erosiv wirkenden Prozessen unterliegen. Demnach findet mit der lateralen Ausbildung charakteristischer Biofazies eine wichtige räumliche Verbreitung punktueller Produktion und ökologischer Information statt. Dieser sedimentologisch-taphonomische Prozess soll an unterschiedlichen Beispielen erforscht werden.
Im Teilprojekt ‚Doggerbank‘ sollen die biologischen und geologischen Strukturen und Wechselwirkungen auf der Doggerbank im Fluss der Zeit untersucht werden. Hierzu sollen die rezenten Makro- und Epifaunagemeinschaften im Zeitraum von 10 Jahren für Vergleich mit letzten Dekaden bis 1950 in Verbindung mit rezenten hydroklimatischen Veränderungen in der Nordsee erfasst werden. Die rezenten Muster der Faunengemeinschaften werden untersucht, beschrieben und mit den subfossilen Mustern verglichen. Anhand der strukturellen Muster soll auf die funktionelle Diversität der Gemeinschaften in den unterschiedlichen geologischen Zeiten impliziert werden. Außerdem werden die sedimentologischen Prozesse untersucht, die zur Veränderung der aktuellen Muster und zu einer möglichen Überprägung der Musterabfolgen führen. Projektziel ist die Beschreibung der Geologie und Fauna zu unterschiedlichen Phasen der Entwicklung der Doggerbank. Es wird angestrebt, die Beziehung der unteren Skalenstufe der Wahrnehmung (Momentaufnahme) zu den oberen (räumliche und zeitliche Muster) zu untersuchen.
Die Abhängigkeit der Momentaufnahme von den zur Zeit der Probenahme herrschenden Bedingungen ist evident, ihre Beziehung zum zeitlich integrierten Muster unklar. Unsere Ausgangshypothese ist, daß über einen längeren Zeitraum wahrnehmbare Muster den durchschnittlichen und langzeitigen Bedingungen vor Ort entsprechen und sich daher für die Beschreibung von gerichteten Veränderungen besser eignen als kurzfristige physikalisch/chemische Messungen der Umweltbedingungen.
Devon
Projektkoordinatoren: P. Königshof, A. Wehrmann
In diesem Projekt sollen weltweit devonische Riffkomplexe und damit verbundene riffogene Sedimente untersucht werden. Schwerpunkte der Untersuchungen beziehen sich u.a. auf die Entstehung und die Struktur von Riffen als auch auf die am Riff beteiligten Organismen, deren Interaktionen sowie die ein Riffwachstum beeinflussenden Faktoren (z.B. Prozesse wie Klima und Tektonik etc.).
Ausgewählte Beispiele aus Gebieten mit sehr gut erhaltenen Riffkomplexen sollen die Grundlage für überregionale Vergleiche liefern. Insbesondere sind devonische Riffe aus West-Sahara anhand der außergewöhnlichen Erhaltung für diese Untersuchungen vorgesehen.
HOLOSTRATIGRAPHIE IM RHEINISCHEN DEVONProjektkoordinatoren: E. Schindler, U. Jansen
Die Analyse vorwiegend siliziklastischer Ablagerungen im Devon soll weiterhin den Schwerpunkt dieses Forschungsprojektes unter Berücksichtigung neuer Forschungsansätze (z. B. Palyno-Stratigraphie) darstellen. In diesem Forschungsschwerpunkt werden Profile im Rheinischen Devon untersucht, um die komplizierten und noch wenig verstandenen stratigraphisch-faziellen Beziehungen besonders der siliziklastischen Abfolgen zu klären, die einen großen Anteil der Schichtfolgen verkörpern. Eine wesentliche Fragestellung besteht darin, terrestrische und marine Ablagerungen sowie ihre Übergänge zu erkennen, darzustellen und miteinander zu korrelieren. Bezüglich der Genese dieser Sedimentgesteine sind Vergleichsstudien in rezenten Sedimentationsräumen, vor allem in Küstenregionen, essentiell. Dies bedingt eine enge Kooperation mit der Aktuopaläontologie. In den fossilen Ablagerungen werden Methoden der Biostratigraphie, Fazieskunde, Taxonomie/Systematik und Sedimentologie angewendet. Weitere Forschungsansätze in Bereichen wie Sequenz-Stratigraphie, Tephro-Stratigraphie, Altersdatierung und Geochemie/Geophysik sollen z.T. unter Einbeziehung externer Kooperationen integriert werden. Die Rekonstruktion der Paläogeographie auf der Grundlage der o.g. Untersuchungsmethoden ist ein weiteres Ziel.
Genese devonischer Riffstrukturen
Holostratigraphie im Rheinischen Devon
IGCP 499 „Devonian land-sea interaction: Evolution of ecosystems and climate (DEVEC)“
DEVEC-TR „Comparison of Laurasia-Gondwana coastal sequences“
Nichttropische Karbonate
Das Forschungsprojekt befasst sich mit allen Aspekten der Genese Nichttropischer Karbonate im flachmarinen küstennahen Bereich (in Abgrenzung zu den unzähligen internationalen Projekten die sich mit den Tiefwasser-Riffen der Kontinentalränder beschäftigen). Neben einer detaillierten Faziesanalyse der bioklastischen Karbonate und ihrer räumlichen Verbreitung steht das Verständnis der jeweiligen Ökosysteme als potentielle ‚carbonate factory‘ im Mittelpunkt der Untersuchungen. Hierbei geht es insbesondere um die systeminternen Prozesse, Wechselwirkungen und Interaktionen die direkt oder indirekt eine Rolle bei der Karbonatproduktion spielen. Darüber hinaus gilt es aufzuzeigen welche Stellung die jeweiligen ‚carbonate factories‘ innerhalb der regionalen Stoffkreisläufe einnehmen und welche großskaligen Steuerungsprozesse von außen auf das System einwirken.
Ziel der Untersuchungen ist u.a. die Ermittlung von Produktionsraten und eine Abschätzung des Überlieferungspotentials der ‚carbonate factories‘ und/oder ihrer Sedimente. Auch lassen die Entwicklungen in diesem Forschungsfeld die Entdeckung weiterer, bislang unbekannter Produktionssysteme in allen Meeresbereichen erwarten.
Kooperationspartner:
G. Försterra u. V. Häussermann (Universität München)
J. Nebelsick (Universität Tübingen)
Projekte, Expeditionen, Studenten
VOLKSWAGEN-Stiftung
Niedersächsiches Ministerium für
Wissenschaft und Kultur
Förderperiode
2016-2020
Achim Wehrmann, Kristin Haynert, Martina Karle, Robin Schaumann (Univ. Bonn)
Seit Beginn des Holozäns stieg der Meeresspiegel durch den Gletscherschwund rapide an. Die heutige Nordsee entstand im Verlauf verschiedener Entwicklungsstadien der Küste, angefangen bei der Marsch- und Torfbildung bis hin zur Entstehung von Watthabitaten. Sedimentationsprozesse überdeckten den Meeresboden und die dazugehörige Biozönose sowie archäologische Überreste. Der heutige Nordseeboden wirkt als Schutzschicht für archäologische Artefakte und organische Überreste und bietet daher ein gut erhaltenes Bodenarchiv für prähistorische Materialien bestehend aus Pflanzen, Tieren, Mikro- und Makrofossilien und Überresten prähistorischer Kulturen. Diese im Sediment eingebetteten Materialien erlauben es die nacheiszeitliche Geschichte, Vegetation und Landschaft, sowie Umweltentwicklung von Meeresspiegel- und Klimaänderungen im Ökosystem Wattenmeer zu rekonstruieren. Das interdisziplinäre Forschungsprojekt WASA besteht aus drei Teilprojekten und integriert die wissenschaftliche Expertise aus den Fächern Geologie, Biologie und Kulturgeschichte zu einem komplexen Forschungsansatz von Erkundung, Analyse und prädiktiver Modellierung. Im Rahmen des Projektes werden wir uns auf aktuopaläontologische Analysen von Mikro- und Makrofossilien konzentrieren. Die Zusammensetzung benthischer Gemeinschaften erlaubt es uns spezifische Küstenhabitate zu definieren und gibt Informationen über abiotische Umweltparameter mittels arten-spezifischer ökologischer Schwankungen, insbesondere im Übergangsbereich zwischen Land und Meer und dem Gezeitenbereich.
BMBF-Projektträger Jülich, Förderperiode I 2013-2016, Förderperiode II 2016-2018 (Achim Wehrmann, Irka Schüller)
Die Küste des südwestlichen Afrikas ist durch einen hohen, wellen-dominierten Energieeintrag und einen intensiven Küstenlateraltransport gekennzeichnet. Unter diesen Sedimentationsbedingungen stellen Küstenlagunen und die damit in Verbindung stehenden Salzpfannen und Sabkhas die wenigen Bereiche dar, in denen Sedimentmaterial sowohl marinen, wie auch untergeordnet terrestrischen Ursprungs weitestgehend ungestört zur Ablagerung kommt. Die Sedimentabfolgen eignen sich somit als Geoarchive, die die Klima- und Umweltbedingungen zur Zeit ihrer Ablagerung widerspiegeln. Die Analyse der Sedimente und ihrer biogenen Bestandteile ermöglicht die Rekonstruktion der holozänen Entwicklung der Küstenregion und deren steuernde Prozesse und Faktoren.Die im Rahmen dieses Verbundvorhabens durchgeführten Untersuchungen der vorhandenen Geoarchive soll (i) anhand der sedimentären, geochemischen und biogeographischen Signaturen die holozäne Entwicklung der namibianischen Küstenregion vor dem Hintergrund sich verändernder Umweltbedingungen rekonstruiert werden. Dies beinhaltet auch Aussagen zur (ii) regionalen Entwicklung des Meeresspiegels, sowie zur Variabilität ozeanographischer Parameter im Benguela-/Angolastrom System. Desweiteren sollen vergleichende Untersuchungen aufzeigen, (iii) in welchem Maße die in den terrestrischen Archiven (Salzpfanne der südwestlichen Kalahari) auftretenden Umweltsignale sich auch in den randmarinen Sedimenten widerspiegeln. Den Küstenlagunen kommt somit an der Schnittstelle Ozean-Kontinent und ihren komplexen Wechselwirkungen eine besondere Bedeutung zu.Die Untersuchungen finden in enger Kooperation mit dem Projktpartner der TU München, des GFZ Potsdam und des ICBM Oldenburg statt.
Forschungszentrum
BiK-F Förderperiode
2012-2014 Alexandra Markert, Achim Wehrmann
Lebensraumgestaltende Arten (ecosystem engineers) sind in der Lage die physikalischen Umweltbedingungen ihrer unmittelbaren Umgebung zu modifizieren, was wiederum in einer Vielzahl habitat-relevanter Prozesse resultiert. So kann dies u.a. auch zu einer Veränderung in der assoziierten Gemeinschaftsstruktur (Biodiversität, Artenreichtum und -häufigkeit) führen.
Im Bereich des Wattenmeeres wirkt sich die Bioinvasion der Pazifischen Auster Crassostrea gigas stark auf die heimischen Miesmuschelbänke (Mytilus edulis) aus, die sich in Folge des Invasionsprozesses zunehmend in Austernriffe umwandeln. In diesem Projekt gehen wir der Frage nach, wie der Wechsel der lebensraumgestaltenden Art (von Mytilus edulis hin zu Crassostrea gigas) die Zusammensetzung der Begleitfauna modifiziert. Darüber hinaus wird zu untersuchen sein, ob das neu geschaffene Habítat durch seine Substrateigenschaften in Verbindung mit den klimatischen Veränderungen die Einwanderung weiterer fremder Arten begünstigt.
Expeditionen
Zeitstrahl
Expeditionen, 2018
METEOR – Fahrt M 150 ‚BIODIAZ‘ (Azoren)
Expeditionen, 2017
GEOARCHIVES II (Namib Wüste, Namibia)
Expeditionen, 2016
GEOARCHIVES II (Kalahari, Namibia)
MARIA S MERIAN-Fahrt MSM 55 ‚ARCA‘ (Spitzbergen, Barent See)
Expeditionen, 2015
GEOARCHIVES (Namib, Namibia)
Expeditionen, 2014
GEOARCHIVES (Skelettküste, Namibia)
POSEIDON-Fahrt PO 466 ‚MAPS‘ (Madeira hot spot track)
Expeditionen, 2013
GEOARCHIVES (Kalahari, Namibia, Südafrika)
Expeditionen, 2012
DECENT (Taurusgebirge, Türkei)
Expeditionen, 2010
METEOR-Fahrt M 83/2 (Ampere Seamound) – Infos siehe unten
POSEIDON-Fahrt PO 397 ‚GROMET‘ (Gr. Meteor Bank)
Expeditionen, 2006
DEVEC-TR (Taurusgebirge, Türkei)
Expeditionen, 2005
DEVEC-TR (Taurusgebirge, Türkei)
Expeditionen, 2004
Tauchexpedition Comao-Fjord (Nordpatagonien, Chile)
Expeditionen, 2002
Devonische Riffe der West-Sahara
Expeditionen, 1996
Südostafrikanischer Schelf (Südafrika)
Expeditionen, 1995
METEOR-Fahrt M 33/3 (Süd-Indik)
Expeditionen, 1992
LITTORINA-Fahrt (Bretagne)
Discovery Bay (Jamaika)
METEOR-Fahrt M 21/4 (Barentsee/Arktis)
Expeditionen, 1987
Eastern Desert (Ägypten/Golf v. Suez/Rotes Meer)
14.11.-23.12.2010 Mindelo (Kap Verde) – Cadiz (Spanien)
Abschnitt M83/2 soll in einem multidisziplinären Ansatz am Beispiel des Ampère-Seamounts dazu beitragen, die Faktoren und Prozesse zu ermitteln, die die Ausprägung von Seamount-Ökosystemen entscheidend steuern. Physikalische, biogeochemische und biologische Proben werden gewonnen, um folgende Haupt-Themenkomplexe zu untersuchen, die insbesondere im Vergleich zu einem nahegelegenen, in früheren Projekten untersuchten Seamount von offensichtlich geringerer Produktivität, entscheidend zu einem besseren Verständnis dieser Ökosysteme beitragen:
- Zusammenhänge zwischen Strömungsmuster, Partikeldynamik und benthischer Besiedlung.
- Diversität der Fauna und genetische Verbindung zwischen verschiedenen Seamounts.
- Zusammensetzung und Verteilung der pelagischen Fauna und Verbindung zum Strömungsfeld.
- Nahrungsversorgung, trophische Struktur und Kohlenstoffflüsse im Ökosystem.
Im Zuge dessen werden verschiedene Greifer zur Entnahme von Sediment- und Benthosproben benutzt. Für die Meiofauna (Dr. K. George, Abteilung DZMB, Senckenberg am Meer) wird ein Van-Veen-Greifer und ein Multicorer eingesetzt, wobei hier auch zusätzlich Makrofaunaproben (Dr. H. Reiß, Meeresbiologie, Abteilung Meeresforschung, Senckenberg am Meer) gewonnen werden. Ein Großkastengreifer ist für die genauere Sedimentanalyse mit von der Partie und für die Sedimentologie (Dr. A. Wehrmann, Aktuopaläontologie, Abteilung Meeresforschung, Senckenberg am Meer) werden mit einem Shipek-Greifer Sedimentproben, zur Analyse von u.a. biogenen Karbonatsanden und TOC-Gehalt, entnommen. Die gewonnen Daten sollen auch dazu dienen, diese mit anderen Seegebieten zu vergleichen (z.B. Seine-Seamount oder Große Meteor Bank).
Teilnehmer SaM: Dr. Kai George, Lena Albers, Torsten Janßen
Link zum Expeditionsheft:
http://www.ifm.zmaw.de/fileadmin/files/leitstelle/meteor/M83/M83_Expeditionsheft.pdf
Link zur aktuellen Position:
http://www.sailwx.info/shiptrack/shipposition.phtml?call=DBBH
Infos zur Position:
http://www.marinetraffic.com/ais/de/shipdetails.aspx?MMSI=211206980
Bachelor/Master
Bei Interesse an aktuopaläontologischen, sedimentologischen und meeresgeologischen Themen (s.u.) bitte direkt an den Fachgebietsleiter wenden.
Themen laufender Projekte:
- Paläoökologie und landschaftsrekonstruktion von holozänen Wattenmeer Sequenzen (Projekt WASA-Paleo)
- Foraminiferen Biofacies im Wattenmeer (Projektt WASA-Paleo)
- Paläoklimarekonstruktion von holozänen Geoarchiven des südlichen Afrikas (Projekt GeoArchives II)
- Karbonat-Sedimentologie/Biosedimentäre Systeme: bioclastische Karbonate von Nord-Spitsbergen und dem Barentsee Schelf
- Karbonat-Sedimentologie/Biosedimentäre Systeme: bioklastische Karbonate der nördl. Adria
- Karbonat-Sedimentologie/Biosedimentäre Systeme: Bryomol-Karbonate südostafrikanischer Schelf
- Karbonat-Sedimentologie/Biosedimentäre systeme: Kelp-Karbonate Helgoland (für Forschungstaucher!)
- Gondwana Nordrand: Sequenzstratigraphie in devonischen Flachwassersedimenten (Tauriden, Türkei)
- Gondwana Nordrand: Flachwasserkarbonate (Mikrofazies, Riffe, Biolaminite, Sabkha)
- Gondwana Nordrand: Hinterlandprozesse u. Liefergebietsanalyse (Tauriden, Türkei)
Grundsätzlich besteht die Möglichkeit für Geowissenschaftler, Biologen sowie Statistikern ein Berufspraktikum bzw. Praxissemester/-module in der Arbeitsgruppe durchzuführen. Bei Interesse bitte an den Fachgebietsleiter wenden.
Studentische/wissenschaftliche HilfskräfteIn der Arbeitsgruppe besteht ein häufiger Bedarf an Hiwis aus naturwissenschaftlichen Studiengängen, bitte entsprechende Anfragen an den jeweiligen Projektmitarbeiter senden.
Team




