Oribatida

Ansprechpartner: Dr. Ricarda Lehmitz; Dipl.-Biol. Franz Horak
Institution: Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz;
Staatliches Museum für Naturkunde Karlsruhe
E–Mail: ricarda.lehmitz@senckenberg.de
E–Mail: franz.horak@smnk.de
Internet: www.smnk.de; Projekt-Team

Oribatida

Hornmilben sind eine weltweit verbreitete, artenreiche Unterordnung der Milben (Arachnida: Acari: Oribatida) mit über 9000 bekannten Arten, davon ca. 630 in Deutschland. Sie leben hemi- und epedaphisch, d.h. in den Streu- und Humusschichten von Böden; besonders arten- und individuenreich (> 90 Arten; > 100.000 Individuen pro m_) in Wäldern. Sie kommen aber auch in Grasland, Ackerrandstreifen sowie limnischen und semi-aquatischen Lebensräumen mit jeweils bis zu 50 Arten vor. Der im deutschen Sprachraum ebenfalls verbreitete Name Moosmilben geht auf spezielle Oribatiden-Gemeinschaften in Mikrohabitaten wie Moos- und Flechtenaufwuchs an Baumstämmen und Steinen zurück.ceratozetes psammophilus

Innerhalb der Bodenfauna nehmen die Hornmilben aufgrund ihrer hohen Individuendichte eine herausragende Position im Destruenten/Saprophagen-Nahrungsnetz ein. Sie sind ernährungsökologisch als überwiegend fungi- und detritivor (saprophag) einzustufen („Pilzmilieu-Engineering“). Es gibt aber auch nekro-/koprophage und einige wenige räuberische Arten.
Hornmilben gehören mit Körpergrößen zwischen 0,14 bis 2 mm zur Mesofauna. Ihre Erfassung ist mit Hilfe standardisierter Methoden einfach durchführbar. Präparation und Determination erfordern jedoch hohen zeitlichen Aufwand, Fachkenntnisse und Erfahrung. Für Deutschland und benachbarte Gebiete liegen bereits aus den 1920er Jahren relativ gut verwertbare Daten vor.

Das Vorkommen von Oribatiden-Arten an bestimmten Standorten wird besonders vom Biotoptyp bzw. der Nutzung (Wald, Grünland, Acker), klimatischen Bedingungen sowie Feuchte, pH-Wert, Humusform und Nährstoff-/Humusgehalt im Boden bestimmt. Einzelne Arten und Artengruppen können so bestimmte Standortfaktoren bzw. -bedingungen anzeigen. Aus der Zusammensetzung der Oribatiden-Arten eines Standorts und den dazugehörigen Gemeinschaftsstrukturen (Abundanz, Dominanz, Stetigkeit) lassen sich bei ausreichender Beprobung Differenzial- oder Zeigerarten ableiten.