Die meisten koprophagen Scarabaeiden aber leben direkt im Kot und pflanzen sich dort auch fort (“dweller“), das sind vor allem Arten aus der Verwandtschaft der artenreichen Gattung Aphodius, die heute in mehrere eigenständige Gattungen aufgespalten wird.
Koprophage Käfer spielen in Ökosystemen eine entscheidende Rolle. Sie sorgen dafür, dass frischer Kot, vor allem von Säugern, relativ rasch, bei uns in der Regel innerhalb weniger Tage, von der Bodenoberfläche verschwindet. Dadurch wird der Nährstoffkreislauf zugunsten des Pflanzenwachstums geschlossen. So sorgen diese Käfer auch für die Unterdrückung der Entwicklung von parasitischen Würmern und Fliegen im Säugetierkot, fördern den Transport von Pflanzensamen und reduzieren die Emission von Treibhausgasen vor allem aus Kuhfladen. Allein in Großbritannien wurde die ökosystemare Wertschöpfung durch die Tätigkeit koprophager Käfer auf über 350 Millionen £ berechnet – jedes Jahr! Allerdings werden diese Leistungen nur erbracht, wenn die Fäkalien von Weidevieh stammen, Gülle und Mist von Tieren aus Stallhaltung können praktisch nicht verwertet werden.
Durch ein gänzlich unfreiwilliges Experiment wurden uns Menschen diese Leistungen in drastischer Weise vor Augen geführt. Als Folge der Besiedlung Australiens durch europäische Siedler ab Ende des 18. Jahrhunderts wurden große Flächen zu Rinder- und Schafweiden umgewandelt. Allerdings fiel lange Zeit nicht auf, dass die einheimischen Kotkäfer, die an den harten und trockenen Beuteltierkot angepasst waren, vor allem die dünnflüssigen Kuhfladen nicht verwerten konnten. Jahrelang blieb immer mehr trockener Dung unabgebaut auf den Weideflächen liegen, den Böden wurden die anorganischen Nährstoffe nicht wieder zurückgegeben, und unter den die Weideflächen bedeckenden ausgetrockneten Fladen wuchs kein frisches Gras mehr. Jährlich fielen auf diese Weise etwa 10.000 km2 Weideland aus der Nutzung.
Parallel mit der Entwertung großer Weidebereiche in Australien entwickelten sich in den offen liegenden Kuhfladen riesige Mengen von Fliegen, wobei sich vor allem zwei Arten als extrem problematisch erwiesen. Die Buschfliege befällt Säugetiere oft in großen Wolken, leckt ihren Schweiß auf und gelangt so zu den benötigten Mineralien und Nährstoffen. Besonders gerne besucht sie den Menschen, dessen Haut einfacher zugänglich ist als die von anderen Säugern. Sie ist auch die Ursache für den “Aussie salute“, eine häufige und regelmäßige schnelle Handbewegung vor dem Gesicht zur Abwehr der Plagegeister. Die Büffelfliege ist als Imago ein obligatorischer Blutsauger und daher ein besonders unangenehmer Profiteur der nicht abgebauten Kuhfladen. Beide Fliegenarten können auch zahlreiche Bakterienarten übertragen, wenn sie sich nach dem Aufsuchen von Fäkalien auf menschliches Essen oder ihre Haut setzen. Darunter sind auch Krankheitserreger nachgewiesen, sogar solche, die sich als resistent gegen mehrere Antibiotika erwiesen.
Wegen den erheblichen wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen entschloss sich die australische Wissenschaftsbehörde (Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation = CSIRO) zu einem nicht risikofreien ökologischen Experiment. In einem über 20 Jahre laufenden Programm wurden ab den 1960er Jahren unter kontrollierten Bedingungen koprophage Käferarten von anderen Kontinenten aus Regionen mit ähnlichem Klima nach Australien importiert, in großen Mengen gezüchtet und ausgesetzt. Mit dieser Methode wurde das Problem des nicht abgebauten Dungs aus der Landwirtschaft tatsächlich gelöst. So reduzierte beispielsweise die aus NO-Afrika und von der Arabischen Halbinsel stammende Dungkäferart Digitonthophagus gazella die Fliegenlarven im Dung um bis zu 100 %.