Richter war ein herausragender Wissenschaftler, der auch während der Kriegsjahre internationales Renommee genoss. Ein Schwerpunkt seiner Arbeiten lag in dem damals noch jungen Forschungsbereich der Mikropaläontologie. Seine hier erzielten wissenschaftlichen Forschungsergebnisse waren auch von praktischem Nutzen, da sie der Erdölindustrie wichtige Hinweise auf Fundstellen von Erdöl lieferten. Mit dem Kriegsausbruch wurden diese Forschungen intensiviert und wegen des hohen Treibstoffbedarfs von Wehrmacht und Luftwaffe erhielten sie den Status „kriegswichtig“.
Entgegen der offiziellen Marschrichtung hielt er zu den jüdischen Senckenbergern. 1933 forderte er die jüdischen Mitglieder in einem Brief zum Verbleib in der Senckenberg Gesellschaft auf. Zudem schützte er seine jüdischen Mitarbeiter*innen Franz Weidenreich, Fritz Haas und Tilly Edinger und half ihnen schließlich bei der Emigration in die USA. Eine besonders wichtige Rolle spielte der große jüdische Mäzen Arthur von Weinberg. Er war die überragende Figur am Senckenberg und wurde 1930 zum „Ehrenpräsidenten“ ernannt. Als Naturwissenschaftler hielt er Vorträge im Museum, als Großindustrieller spendete er immer wieder größere Beträge. Weinberg verkannte die Gefahr, in der er sich befand. Schließlich musste er sich nach dem Progrom des 9. November 1938 komplett aus dem Senckenberg zurückziehen. Weinberg wurde schließlich nach Theresienstadt deportiert, wo er 1943 starb. Hansert arbeitet in ihrem Buch heraus, wie das Schicksal Weinbergs sowie weitere schockierende Erlebnisse während des Krieges zu einer allmählichen Abkehr Richters von der NS-Ideologie führten.
Hansert hinterfragt in dem beauftragten Werk erstmals die Eigendarstellungen Senckenbergs aus der Nachkriegszeit und kommt zu dem Ergebnis, dass sich Richters Ruf als unabhängiger, der Wissenschaft verbundener Akteur, der von Anfang an eine strikt anti-nationalsozialistische Linie verfolgte, nicht halten lässt. Vielmehr erscheint Richter als zeittypisches Beispiel eines Menschen, der zumindest anfänglich offen mit dem NS sympathisierte. Dies wurde in den Rechtfertigungen nach dem Krieg geleugnet.
So finden sich in den Protokollen des „Führerbeirats“, die auf die Jahre 1933 bis 1944 datiert sind, schon 1933 Nazi-kritische Töne. Da diese Passagen jedoch in deutlichem Widerspruch zu anderen Quellen stehen, wurde Hansert misstrauisch. Im Zuge intensiver inhaltlicher und formaler Untersuchungen stellte sich heraus, dass es sich bei diesem zentralen Quellenkonvolut um eine Fälschung handelt. Richter hatte diese Protokolle in den vorliegenden Fassungen erst nach 1945 geschrieben, um seine anfänglichen Einlassungen mit dem NS zu überdecken. In einem ausführlichen Exkurs begründet Hansert diese Einschätzung.
Die Historikerin sieht in diesem Befund „eines der wichtigsten Ergebnisse, vor allem aber das überraschendste und am meisten irritierende Resultat des Forschungsprojekts“. Hansert resümiert, dass Richters Verstrickung in den Nationalsozialismus, auch im Vergleich mit anderen Akteuren und Institutionen, nicht so tief reicht, dass es hier Grund für schwere Vorwürfe geben müsste: „Es gibt keine Denunziation, keine scharfen Ideologismen, kein Auftreten in Parteiuniform und dergleichen. Das eigentliche Skandalon ist die Quellenfälschung danach“. Erst in der Art, wie nach 1945 mit der NS-Zeit umgegangen wurde, wird die Senckenberg-Geschichte für Hansert zu einem Sonderfall. Das Umschreiben und somit das Fälschen so zentraler Dokumente wertet Hansert als den Versuch, „die Geschichtsschreibung auf eine falsche Fährte zu locken, was lange Zeit ja auch geglückt ist“. Mosbrugger nennt dieses „neue Verständnis Rudolf Richters für Senckenberg eine schmerzliche Erkenntnis, die Konsequenzen für den Umgang mit der eigenen Geschichte haben und mit der sich die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung nun auseinandersetzen muss“.