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Besondere Tiere im Stadtgebiet: Isoliert – Die Knoblauchkröte

Wenn Sie nachts im Von-Bernus-Park in Frankfurt Bockenheim auf einer Parkbank sitzen, könnten Sie mit extrem viel Glück auf eine echte Individualistin treffen. Sie erkennen diese am charakteristischen, aber schüchtern vorgetragenen „wock – wock – wock“-Ruf: die Knoblauchkröte. Die zwischen 6 und 8 cm große Amphibienart schmückt sich mit einem Muster aus braunen Flecken auf hellgrauem Grund und teilweise mit zusätzlichen roten Punkten. Was sie so einzigartig macht? Die senkrechten schlitzförmigen Pupillen ihrer gelben Augen erinnern an Katzen – eine Eigenschaft, die in Deutschland unter Amphibien sonst nur noch auf die Geburtshelferkröte zutrifft. Außerdem sind ihre Kaulquappen mit einer Gesamtlänge von bis zu 19 cm geradezu riesig. Doch das absolute Alleinstellungsmerkmal der Knoblauchkröte gab ihr ihren Namen: Wird sie bedroht, sondert sie ein Sekret ab, das nach Knoblauch riecht – und für Säugetiere unangenehm schmeckt.

Warum Sie extrem viel Glück brauchen, um den „Lurch des Jahres 2007“ zu Gesicht zu bekommen? Aus zwei Gründen: Erstens pflegt die Knoblauchkröte einen Lebenswandel, der eine Begegnung unwahrscheinlich macht. Sie ist nämlich nachtaktiv und vergräbt sich tagsüber in lockerem Boden, um sich vor Austrocknung und Fressfeinden zu schützen – in sehr heißen und trockenen Sommern, wie den vergangenen, kann es auch zu inaktiven Phasen kommen, in denen die Kröte auch nachts nicht aus ihrem Loch im Boden kommt. Zweitens ist die Population der Kröte völlig isoliert und auf den Von-Bernus-Park beschränkt!

Zwar gilt die Knoblauchkröte laut der Roten Liste gefährdeter Arten weltweit als „nicht gefährdet“, in Hessen dagegen schon als „stark gefährdet“ und in Frankfurt belegt sie aktuell den traurigen Spitzenplatz der gefährdeten Amphibienarten. Die Stadt Frankfurt hat bereits viel unternommen, um den Bockenheimer Park „krötengerecht“ zu machen. Das große Problem ist jedoch, dass Artgenossen, die in den Landkreisen Wiesbaden, Main-Taunus-Kreis, Hanau und Offenbach vorkommen, genauso stark isoliert leben wie die Frankfurter Kröte. Ein genetischer Austausch ist deshalb nicht möglich und es könnte zu einem lokalen Aussterben kommen. Eine Lösung böten aufwändige Vermehrungs- und Wiederansiedelungsprojekte, beispielsweise in der Schwanheimer Düne. Bis ein solches Projekt umgesetzt wird, gilt es, unsere lokalen Knoblauchkröten bestmöglich zu schützen!

Im nächsten Beitrag geht es um ein heiß diskutiertes Thema: Die Wildtiere kehren zurück!

Erhältlich im Buchhandel oder direkt über den Verlag:

Indra Starke-Ottich, Georg Zizka

Stadtnatur in Frankfurt – vielfältig, schützenswert, notwendig

2019, 252 Seiten, 198 Abbildungen, 11 Tabellen, umfangreicher Anhang

ISBN 978-3-510-61414-1

19,90 Euro

In diesem Blog stellen wir Woche für Woche ausgewählte Kapitel aus dem neuen Buch Stadtnatur in Frankfurt der Senckenberg-Botaniker*innen und -Zoolog*innen vor.