museum4punkt0_VR Bodenleben Laubstreu

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Senckenberg Görlitz erhält Bundesförderung für digitale Museumsarbeit


Görlitz. Aufgrund der spektakulären Ergebnisse bei der Entwicklung innovativer Einsatzmöglichkeiten von digitalen Medien in der Museumsarbeit in den letzten drei Jahren erhält das Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz für das Jahr 2021 eine weitere Finanzierung aus Bundesmitteln für das Projekt „museum4punkt0“.

Während der digitalen Herbstkonferenz in Berlin verkündete die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Monika Grütters, die frohe Botschaft: BKM fördert das Verbundprojekt museum4punkt0 bis Ende 2021. Dafür stehen zehn Millionen Euro bereit. Das Senckenberg Museum in Görlitz ist Teil des Verbundes von inzwischen 16 Kultureinrichtungen aus ganz Deutschland. Gemeinsam mit neuen Partnern, u. a. den Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden, geht es in die Verlängerung. Die Museen entwickeln digitale Anwendungsmöglichkeiten und stellen ihre Prototypen anderen Museen zur Nutzung für ihre Zwecke zur Verfügung. Darüber hinaus werden auch Erfahrungen zur Technik, Konzeption und zum musealen Einsatz weitergegeben.

Teilprojektleiter und Senckenberg-Institutsdirektor Prof. Dr. Willi Xylander nennt die wichtigste Aufgabe des Projekts: „Welche digitalen Formate können wir im Museum so einsetzen, damit Wissen noch besser vermittelt werden kann, unsere Forschung sichtbarer wird und jeder Bürger teilhaben kann?“ Damit beschäftigten sich die Mitarbeiter des Görlitzer Projektteams museum4punkt0 seit Beginn des Projekts im Frühsommer 2017. Ein erstes, vielbeachtetes Ergebnis sollte vielen Görlitzern bekannt sein: Die krabbelnde Tierwelt unter unseren Füßen ist ein Forschungsschwerpunkt am Görlitzer Naturkundemuseum, nun digital erlebbar in der Virtual Reality-Anwendung „Abenteuer Bodenleben“. In ihr findet sich der Besucher im Boden wieder und begegnet dort, selbst auf die Größe einer Landassel geschrumpft, verschiedensten Tieren wie Springschwänzen, Asseln, Tausendfüßern und Milben. Gemeinsam mit der Kölner Entwicklerfirma .hapto entstanden die Bodenlebensräume „Porensystem“ und „Laubstreu“. Nach der Wiedereröffnung wird eine neue bizarre Gemeinschaft zu erleben erlebbar sein, nämlich im „Wasserfilm“, der die Wände der Bodenporen benetzt und eine ganz eigene, fantastisch anmutende Tierwelt beherbergt.

Das Projekt museum4punkt0 ermöglicht es Interessierten, zukünftig als „Bürgerwissenschaftler“ aktiv zu werden. Mit einem Online-Portal und der App „Bodentier hoch 4“ können Nutzer verschiedene Bodentiergruppen, z.B. im Garten oder bei einem Waldspaziergang, ohne Vorwissen bestimmen. Die gewonnenen Daten werden in eine Datenbank eingespeist und sind so für Bodentierforscher weltweit nutzbar. (Hobby-)Fotografen können sich über das Landschaftsfotoportal beteiligen, wo historische, aber auch neuzeitliche Landschaftsfotografien als Datenquellen in digitaler Form über das Portal zur Verfügung gestellt werden können und über die Naturveränderungen der letzten 70-80 Jahre Zeugnis geben können. Bilder und dazugehörige Informationen wie Zeit und Ort der Aufnahme können für die Analyse von Umweltveränderungen herangezogen werden.

Eine detailgetreue Animation, rekonstruiert mittels Drohnenbefliegung, GIS und Karten aus zwei Jahrhunderten sowie aus historischen Landschafts- und Stadtansichten des Neißetals, gibt Antworten darauf wie das Neißeufer vor 2000 Jahren, um 1500 und 1900 im Vergleich zu heute aussah. Der Film entstand in Zusammenarbeit mit den Görlitzer Sammlungen und der Kölner Firma .hapto. Unter “Neißeflug durch zwei Jahrtausende” auf Vimeo ist eine erste Version des Films zu sehen. Aber in Görlitz gibt es noch mehr Schauplätze, zu denen eine Zeitreise lohnenswert ist: das Görlitzer Team reaktiviert den Landeskrone-Vulkan – natürlich nur digital. Ein weiterer Teil der Forschung im Museum, die Geologie, erhält so seine virtuelle Geschichte. Das Ergebnis ist eine 3D-Animation, die den Entstehungsprozess der lavaspuckenden Landeskrone veranschaulicht. Die Forschungsbereiche des Museums werden voraussichtlich ab Sommer 2021 im sogenannten „Datarama“ gezeigt: Dies ist eine Rauminstallation, in der Besucher einen virtuellen Blick hinter die Kulissen des Forschungsmuseums werfen und somit Einblicke in die Forschungssammlungen, den Arbeitsalltag der Wissenschaftlerinnen und die spannenden Forschungsthemen erhalten können. Es wird im Foyer des Museums seinen Platz finden.

Dem Projektteam steht ein spannendes Jahr bevor, in dem begonnene Projekte abgeschlossen, vor allem aber neue Ideen umgesetzt und die Projektergebnisse für andere Kultureinrichtungen nutzbar gemacht werden. 

Links:
Projekt museum4punkt0
Online-Portal Bodentier⁴
Neißeflug durch zwei Jahrtausende

Verbundprojekt museum4punkt0

  Im Verbundprojekt museum4punkt0 arbeiten Kultureinrichtungen von unterschiedlichem Profil, Größe, Organisationsform und Vertrautheit mit digitalen Prozessen intensiv zusammen. Unsere Sammlungen repräsentieren Aspekte der Kunst-, Kultur- und Migrationsgeschichte, der Naturkunde, des Brauchtums und immateriellen Kulturerbes sowie der Technologiegeschichte.

Im Fokus des Projekts stehen die Besucher und Besucherinnen: Gesucht wird nach neuen Wegen, um in Austausch mit ihnen zu treten, individualisierte Angebote für sie zu entwickeln und zusätzliche Zielgruppen anzusprechen. Hierzu erproben wir in sechs Teilprojekten Einsatzszenarien für moderne Technologien wie zum Beispiel Virtual Reality, Augmented Reality und 3D-Modellierung. Die Ergebnisse stehen schließlich allen Kultureinrichtungen in Deutschland zur flexiblen Nachnutzung zur Verfügung.

Das Verbundprojekt war zunächst auf drei Jahre angelegt und wurde nun bis Ende 2021 verlängert. Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien fördert museum4punkt0 aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.
Mehr Informationen unter Über uns – museum4punkt0

Press Material

Bewohner der Laubstreu: Das Pseudoskorpion und der Kugelspringer © E. Mättig / Senckenberg Museum Görlitz

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Neißeflug museum4punkt0

Im virtuellen Neißeflug gleitet der Beobachter durch das Neißetal von vor 500 Jahren. © .hapto

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