Stechapparat einer männlichen Zecke (Holzbock) Ixodes ricinus, Aufnahme mit dem Rasterelektronenmikroskop, A.Weck-Heimann

Forschung

Niedere Wirbellose

Andreas Weck-Heimann untersucht als Parasitologe u.a. die Morphologie einheimischer Zecken (Acari, Ixodida) mit Hilfe des REM ZEISS Evo 50. Seit der Übernahme der Betreuung der REM im Jahr 2006 konnten in Kooperation mit anderen Arbeitsgruppen auch einige neue Arten beschrieben werden – vom mongolischen Einzeller bis zum mittelamerkanischen Stummelfüßer …

Forschungsaktivitäten bewegen sich im Senckenberg Forschungsbereich Biodiversität und Systematik.

Allgemein wird das Haller’sche Organ als das wichtigste komplexe sensorische Organ der Zecken betrachtet. MIt seiner Hilfe erkennen Zecken aller Entwicklungsstadien und Arten ihren „Wirtsorganismus“ für die lebenswichtige Blutmahlzeit. Luftdruckveränderungen und CO2-Ausdünstungen dienen zur „Fernerkennung“. Aber natürlich hat das Haller’sche Organ zusätzliche sensorische Kompetenzen, um zwischen den Blutmahlzeiten Ruheplätze mit optimalen Umweltbedingungen aufsuchen zu können. Das Haller’sche Organ ist eine kleine, in verschiedene sensorische Bereiche unterteilte Struktur seitlich auf dem endständigen Segment des ersten Beinpaars. Ergänzende morphologische Studien sind notwendig, um die letzten Geheimnisse der Lebensweise von Zecken zu enthüllen.

Parasitologische Fragestellungen im Rahmen eines möglichen Klimawandels werden kooperativ in der Elberegion Sachsens bearbeitet.
Vorkommen und Vektorkompetenz von Stechmücken als Überträger von Arboviren in Deutschland
Forschung am blutsaugenden Insekt; ein gemeinsames Leibniz-Großprojekt des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin in Hamburg und Senckenberg Deutsches Entomlogisches Institut Müncheberg.

Aber auch nicht-parasitische, außergewöhnliche „Arthropoden-Vorläufer“ können mich begeistern …

Als Kooperationspartner der Onychophoren (Stummelfüßer)-Arbeitsgruppe unter Leitung von Dr. Georg Mayer (Universität Leipzig) mit der treibenden „Kraft“, Ivo de Sena Oliveira, konnte ich mich in den letzten Jahren bereits an der Untersuchung der vernachlässigten morphologischen Vielfalt der Stummelfüßer (Onychophora), unter Einsatz des von mir betreuten Rasterelektronenmikroskops, beteiligen.

Wir haben zum Jahreswechsel 2012 eine neue Art und Gattung aus Costa Rica Principapillatus hitoyensis gen et sp. nov. (Stummelfüßer/Onychophora) beschrieben (PLoSONE).

Am 8. Februar 2013 wurde die Beschreibung der Onychophora-Art Eoperipatus totoro sp. nov. aus Vietnam im Zoologischen Anzeiger (Elsevier) veröffentlicht.

Im Dezember 2014 kam die Publikation (Taylor & Francis Online) zur Beschreibung einer weiteren neuen Gattung und Art der Onychophora, Cerradopatus sucuriuensis gen. et sp. nov. heraus.

Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt ist die einheimische Hirudineen-Fauna (u.a. Medizinischer Blutegel).
2010 erfolgte eine FFH-Monitoring-Aktion zum Nachweis des Medizinischen Blutegels im Freistaat Sachsen.
Die Arten Hirudo medicinalis bzw. verbana sind im Gelände schwer nachweisbar.
Nur wenige Untersuchungen beschäftigten sich bisher mit dem tatsächlichen Verhalten des Medizinischen Blutegels bei der Nahrungsaufnahme. Amphibien stellen sowohl für Jungtiere wie für die adulten Blutegel die Nahrungsgrundlage dar. Weiterhin dienen Fische, Wasservögel, Rinder und Pferde als Wirtstiere.

Hirudo medicinalis (Medizinischer Blutegel) und Hirudo verbana (Ungarischer Blutegel) sind Arten des Anhanges V der Fauna-Flora-Habitat-Richtline der EU. Beide werden in Deutschland für medizinische Zwecke gezüchtet, oft wird Hirudo verbana unter dem deutschen Namen „Medizinsicher Blutegel“ angeboten. In der Anwendung macht dies jedoch keinen Unterschied.
Um genauere Aussagen zum Vorkommen des Medizinsichen Blutegels im Freistaat Sachsen machen zu können, sollen in den kommenden Jahren alternative Nachweismethoden entwickelt und gegebenenfalls etabliert werden.

Ein Kooperationspartner war die AG Evolution & Entwicklung der Tiere, unter Leitung von Prof. Dr. Georg Mayer (jetzt Universität Kassel).
Das große Thema der AG ist die sprichwörtliche Vielfalt des Lebens. Wie ist diese Vielfalt im Laufe der Evolution entstanden?
Die wohl vielfältigste und artenreichste Tiergruppe der Welt sind die Arthropoden (Gliederfüßer). Allerdings ist bisher nur unzureichend bekannt, wie ihre enorme Vielfalt entstanden ist. Um dieser Frage nachzugehen, untersuchen wir unter anderem die nächsten Verwandten der Arthropoden – die Onychophoren (Stummelfüßer) und Tardigraden (Bärtierchen). Unter Einsatz eines breiten Methodenspektrums versuchen wir herauszufinden, welche evolutiven Veränderungen seit der Aufspaltung dieser Tiergruppen vor über 540 Millionen Jahren stattgefunden haben.