Stechapparat einer männlichen Zecke (Holzbock) Ixodes ricinus, Aufnahme mit dem Rasterelektronenmikroskop, A.Weck-Heimann
Ixodes ricinus, männliche Zecke, Mundwerkzeuge. Foto A. Weck-Heimann

Evertebrata Varia

Forschung

Niedere Wirbellose und vieles mehr …


In den Jahren 2016 bis Ende 2018 wurde ein neues Citizen Science-Gebiet erschlossen. Für drei Projekte, angeregt durch das Förderprogramm „Kultur macht stark!“ des BMBF, wurden im Rahmen von „Museum macht stark!“ Fördermittel über den Deutschen Museumsbund e.V. eingeworben, mit denen Kinder und Jugendliche Einblicke in die Arbeit der Naturkundemuseen erhalten haben.
In den Projekten „DinoCubus“ und „ZeitCubus“ konnten Kinder und Jugendliche mit Hilfe der offenen Softwareplattform „Mindcraft“ ein neues Naturkundemuseum gestalten und die zoologischen Sammlungen in Dresden und Görlitz erkunden. Im Projekt „MonsterSlam – das Naturkunde Grusical“ konnten Kinder und Jugendliche sich theatralisch in die Diversität des Lebens einfühlen. Für diese Projekte wurden insgesamt ca. 35.000€ Drittmittel eingeworben.

Außergewöhnliche „Arthropoden-Vorläufer“ können begeistern!

Forschungsaktivitäten bewegen sich im Senckenberg Forschungsbereich Biodiversität und Systematik.

Als Kooperationspartner der Onychophoren (Stummelfüßer)-Arbeitsgruppe unter Leitung von Prof. Dr. Georg Mayer (jetzt Universität Kassel) mit der treibenden „Kraft“, Ivo de Sena Oliveira, konnte Andreas Weck-Heimann sich an der Untersuchung der vernachlässigten biologischen Vielfalt der Stummelfüßer (Onychophora), unter Einsatz des von ihm betreuten Rasterelektronenmikroskops, beteiligen.

Wir haben zum Jahreswechsel 2012 eine neue Art und Gattung aus Costa Rica Principapillatus hitoyensis gen et sp. nov. (Stummelfüßer/Onychophora) beschrieben (PLoSONE).

Am 8. Februar 2013 wurde die Beschreibung der Onychophora-Art Eoperipatus totoro sp. nov. aus Vietnam im Zoologischen Anzeiger (Elsevier) veröffentlicht.

Im Dezember 2014 kam die Publikation (Taylor & Francis Online) zur Beschreibung einer weiteren neuen Gattung und Art der Onychophora, Cerradopatus sucuriuensis gen. et sp. nov. heraus.

Ein weiterer Arbeitsfokus ist die einheimische Hirudineen-Fauna (u.a. Medizinischer Blutegel).
2010 erfolgte eine FFH-Monitoring-Aktion zum Nachweis des Medizinischen Blutegels im Freistaat Sachsen.
Die Arten Hirudo medicinalis bzw. verbana sind im Gelände schwer nachweisbar.
Nur wenige Untersuchungen beschäftigten sich bisher mit dem tatsächlichen Verhalten des Medizinischen Blutegels bei der Nahrungsaufnahme. Amphibien stellen sowohl für Jungtiere wie für die adulten Blutegel die Nahrungsgrundlage dar. Weiterhin dienen Fische, Wasservögel, Rinder und Pferde als Wirtstiere.

Hirudo medicinalis (Medizinischer Blutegel) und Hirudo verbana (Ungarischer Blutegel) sind Arten des Anhanges V der Fauna-Flora-Habitat-Richtline der EU. Beide werden in Deutschland für medizinische Zwecke gezüchtet, oft wird Hirudo verbana unter dem deutschen Namen „Medizinsicher Blutegel“ angeboten. In der Anwendung macht dies jedoch keinen Unterschied.
Um genauere Aussagen zum Vorkommen des Medizinsichen Blutegels im Freistaat Sachsen machen zu können, sollen in den kommenden Jahren alternative Nachweismethoden entwickelt und gegebenenfalls etabliert werden.

Ursprünge

Andreas Weck-Heimann untersuchte als Parasitologe protozoologische Fragestellungen (Apicomplexa, Coccidioseerreger Eimeria tenella). Neben diversen Querschnittaufgaben am Senckenberg Institut in Dresden wurde u.a. die Morphologie einheimischer Zecken (Acari, Ixodida) mit Hilfe des REM ZEISS Evo 50 erkundet. Seit der Übernahme der Betreuung des Rasterelektronenmikroskopes im Jahr 2006 konnten in Kooperation mit anderen Arbeitsgruppen auch einige neue Arten beschrieben werden – vom mongolischen Einzeller bis zum mittelamerkanischen Stummelfüßer …

Allgemein wird das Haller’sche Organ als das wichtigste komplexe sensorische Organ der Zecken betrachtet. MIt seiner Hilfe erkennen Zecken aller Entwicklungsstadien und Arten ihren „Wirtsorganismus“ für die lebenswichtige Blutmahlzeit. Luftdruckveränderungen und CO2-Ausdünstungen dienen zur „Fernerkennung“. Aber natürlich hat das Haller’sche Organ zusätzliche sensorische Kompetenzen, um zwischen den Blutmahlzeiten Ruheplätze mit optimalen Umweltbedingungen aufsuchen zu können. Das Haller’sche Organ ist eine kleine, in verschiedene sensorische Bereiche unterteilte Struktur seitlich auf dem endständigen Segment des ersten Beinpaars. Ergänzende morphologische Studien sind notwendig, um die letzten Geheimnisse der Lebensweise von Zecken zu enthüllen.

Parasitologische Fragestellungen im Rahmen eines möglichen Klimawandels werden kooperativ in der Elberegion Sachsens bearbeitet.
Vorkommen und Vektorkompetenz von Stechmücken als Überträger von Arboviren in Deutschland
Forschung am blutsaugenden Insekt; ein gemeinsames Leibniz-Großprojekt des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin in Hamburg und Senckenberg Deutsches Entomlogisches Institut Müncheberg.