Integrative morphologische und molekulargenetische Taxonomie von Nordseemedusen

Quallen (Scypho- und Hydromedusen) sind weit verbreitete und artenreiche Vertreter des gelatinösen Zooplanktons und deshalb interessant für viele ökologische und taxonomische Studien. Die korrekte Identifikation der unterschiedlichen Lebensstadien und die adäquate Fixierung der gelatinösen Körper stellen jedoch eine besondere Herausforderung der Medusentaxonomie dar. Viele diagnostische Merkmale blieben nach der häufig angewendeten Formolfixierung erhalten. Dagegen führt die Fixierung in Ethanol, die häufig für die spätere DNA Analyse verwendet wird, zur Verzerrung oder zum Zerfall vieler morphologischer Merkmale der empfindlichen, gelatinösen Medusen.

Die molekulare Taxonomie ist ein nützliches Werkzeug für die Artidentifizierung, insbesondere bei juvenilen Lebensstadien und Arten mit wenigen diagnostischen morphologischen Merkmalen. Auch zur Unterscheidung nahe verwandter Arten mit sehr ähnlicher oder nicht unterscheidbarer Morphologie sind genetische Analysen sehr hilfreich. Unsere Studien stellen den Link zwischen morphologischer und molekularer Artunterscheidung und Artidentifizierung dar und demonstrieren den Vorteil dieses integrativen Ansatzes in der Taxonomie von Cnidaria Arten. Dieser Ansatz wurde für verschiedene Arten von Scyphomedusen, Hydromedusen und Staurozoa der Deutschen Bucht (Nordsee) erfolgreich realisiert (Laakmann & Holst 2014, Holst & Laakmann 2014, Holst et al. 2019).  Eine Kombination aus morphologischen und molekulargenetischen Untersuchungen deckte auch erstmals das Vorkommen der Stielqualle Haliclytus tenuis (Staurozoa) in der Nordsee auf (Holst & Laakmann 2019). Bisher war diese Stauroza Art nur aus dem nordwestlichen Pazifik bekannt.