Schmetterling

Entomologie II

Forschung


Der große Vorteil von systematisch forschenden Kustoden an Forschungsmuseen ist, dass sie nicht ständig sich sehr kurzfristige neue Schwerpunkte in Abhängigkeit von „kurzatmiger“ Kleinprojektförderung suchen müssen, sondern dass sie sehr langfristige Projekte an größeren systematischen Einheiten durchführen können und damit intensive Erfahrungen und Kenntnisse dieser systematischen Einheiten ansammeln können.

Die hauptsächlichen langfristigen Forschungsprojekte (insbesondere des Sektionsleiters) in der Sektion Entomologie II sind die folgenden:

I. Forschungsfeld Biodiversität und Systematik

Hier liegt der Fokus der Sektionsforschung eindeutig im Tätigkeitsschwerpunkt:

Taxonomie und Systematik mit folgendem Dauerprojekt:

  • Taxonomie, Systematik, Phylogenie und Zoogeografie von ausgewählten Teilgruppen der Bombycoidea (Lepidoptera) weltweit (W. A. Nässig und externe Kooperationspartner)

Daneben werden von Ehrenamtlichen und freiwilligen Mitarbeitern noch andere Projekte bearbeitet:

  • Taxonomie, Systematik, Phylogenie und Zoogeografie von ausgewählten Teilgruppen der Odonata (W. Schneider)
  • Taxonomie, Systematik, Phylogenie und Zoogeografie von ausgewählten Teilgruppen der Saltatoria (S. Ingrisch)
  • Taxonomische und biogeografische Studien an ausgewählten neotropischen Cicadellinae (Tribus Proconiini und Cicadellini) (H. G. Schroeder)

Diese Bereiche machen den weitaus überwiegenden Anteil der Sektionsforschung aus. Neben klassischen morphologischen und phylogeographischen Methoden kommen dabei in den letzten Jahren auch zunehmend DNA-Untersuchungen (insbesondere des mtDNA-Barcodes) zum Einsatz.

Weiterhin wird auch (zu einem deutlich kleineren Anteil) im Rahmen des Tätigkeitsschwerpunktes mit biogeografischem Schwerpunkt geforscht:

Evolution und Biogeografie

  • Untersuchungen zur Faunistik hessischer Lepidopteren einschließlich Ba­sisarbeit für „Rote Listen“ Hessens  (W. A. Nässig in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Hessischer Lepidopterologen)
  • Systematische Monografie der Saturniidae, Brahmaeidae, Eupterotidae und Endromididae der Paläarktis (Lepidoptera) (W. A. Nässig) 

sowie von Ehrenamtlichen und freiwilligen Mitarbeitern um:

  • Erforschung der Schmetterlingsfauna der Philippinen und angrenzender kleiner Inseln (Le­pi­do­pte­ra) (C. G. Treadaway, unter Mitarbeit von H. G. Schroeder [Rhopalocera], W. A. Nässig [Bombycoidea] sowie externen Mitarbeitern).

sowie ergänzend auch ein noch geringerer Anteil im Schwerpunkt Morphologie und Funktion.

Zur Koordinierung mit den europäischen Amateur- und Fachkollegen werden in kleinem Rahmen alljährlich am ersten Wochenende im November (jeweils anläßlich der Frankfurter Internationalen Insektentauschbörse) „Informelle Treffen der europäischen Saturniidenforscher“ durchgeführt.

Als Basis für übergreifende Evolutionsstudien werden zunächst, mit geografischem Schwerpunkt in der Orientalis, sowohl Gattungsrevisionen als auch faunistische Analysen einzelner Räume durchgeführt. Die Erfassungen der Saturniidae und der Brahmaeidae der indonesischen Insel Sumatra (in Zusammenarbeit mit Mitarbeitern der Heterocera Sumatrana Society und Dr. J. D. Holloway, London) sowie der Philippinen (in Zusammenarbeit mit C. G. Treadaway) sind vorläufig abgeschlossen und publiziert (siehe Publikationsverzeichnis des Sektionsleiters). Außerdem soll in den nächsten Jahren die Auswertung der Forschungsreise nach Bolivien Niederschlag in einem Feldführer der Saturniidae des bolivianischen Departments Santa Cruz finden. Vorgesehen sind längerfristig weitere Forschungsreisen zur Klärung offener Fragestellungen; ein besonderes Gewicht wird dabei auf die Beschaffung von Lebendmaterial und die Zucht verschiedener Arten mit daraus resultierenden Studien der Präimaginalmorphologie gelegt werden zur Ergänzung bisheriger Studien.

Die Studien werden in nationaler und internationaler Kooperation mit auswärtigen Fach- (und auch Amateur-) Kollegen durchgeführt.

Darüber hinaus wird in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Hessischer Lepidopterologen (= Arge HeLep) neben dem Aufbau der Landessammlung an faunistischen und ökologischen Fragestellungen einheimischer (hessischer) Schmetterlinge gearbeitet. Ziel sind — neben der Koordination der Arbeit der Arge HeLep — faunistische Bearbeitungen der Schmetterlingsfamilien landesweit. Die Daten aus diesen Untersuchungen dienen auch als Grundlage für die Erstellung der „Roten Listen“ der Schmetterlinge des Bundeslandes Hessen. (Siehe dazu auch unter http://www.arge-helep.de/ im Internet.)

Weiter bestehen hausinterne Kooperationen (einerseits als eigene Projekte der freiwilligen ehrenamtlichen Sektionsmitarbeiterin Petra M. T. Zub, andererseits als direkte Kooperation mit dem Sektionsleiter) mit dem Projekt Naturwaldreservate zur Erforschung der Lepidopterenfaunen hessischer Naturwaldreservate.

Schließlich werden schon seit über 30 Jahren faunistisch-ökologische Untersuchungen zur Schmetterlingsfauna des südalpinen Lesachtals (im weiteren Sinne) in Osttirol und Kärnten (Österreich) durchgeführt (W. A. Nässig in Zusammenarbeit mit dem freiwilligen ehrenamtlichen Sektionsmitarbeiter Rolf E. Weyh und anderen, in Kooperation und Abstimmung mit dem Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck, dem Kärntner Naturhistorischen Museum in Klagenfurt sowie anderen Stellen in Österreich) — auch im Jahresurlaub beschäftigt sich der Sektionsleiter oft mit Schmetterlingen …

Alljährliches „Informelle Treffen der europäischen Saturniidenforscher in Senckenberg“ in Frankfurt am Main

Seit 1996 wird an jedem ersten Wochenende im November (der Termin findet statt anlässlich der großen jährlichen Frankfurter Insektentauschbörse, weil da sowieso viele der Amateur- und Fachkollegen in Frankfurt sind) in der Sektion Entomologie II ein informelles Treffen der Forscher über Saturniidae (und auch andere Bombycoidea) durchgeführt.

 
Je nachdem, wie es mit den einzelnen Besuchern in jedem Jahr neu vereinbart wird, finden zwischen Freitag vormittag und Sonntag nachmittag, manchmal sogar länger, Treffen in den Sammlungsmagazinen des Museums, auf der Frankfurter Internationalen Insektentauschbörse oder auch zu gemeinsamem Essen nach dem Ende des Ausstellungstags in einem Restaurant statt.

Die Teilnahme ist natürlich vollkommen freiwillig, aber jeder Teilnehmer sollte sich sicherheitshalber vorher anmelden und mit dem Sektionsleiter absprechen.
Dabei treffen sich jährlich zwischen weniger als 5 und mehr als 15 Kollegen in wechselnder personeller Besetzung, um über neueste Beobachtungen und Ergebnisse zu sprechen, Erfahrungen auszutauschen, gemeinsame Publikationen und Forschungsprojekte zu besprechen, und ganz generell auch, um sich persönlich näher kennenzulernen. Neben den deutschen sind auch (je nach Anwesenheit und verfügbarer Zeit) Kollegen aus Belgien, England, Frankreich, Italien, den Niederlanden, der Schweiz und auch von anderswo daran beteiligt, gelegentlich sogar von außerhalb Europas. 

 
Dazu kommen oft noch Kollegen, die an anderen Schmetterlingsgruppen arbeiten, aber auch anlässlich der Tauschbörse in Frankfurt sind und ebenfalls oft an den Treffen teilnehmen und daneben eigene Studien in der senckenbergischen Sammlung durchführen.

Zoologische Untersuchungen in hessischen Naturwaldreservaten

Naturwaldreservate sind die „Urwälder von Morgen“. Der Mensch greift nicht mehr direkt in die Entwicklung des Waldes ein. Die Naturwaldreservate-Forschung fällt in den Forschungsbereich Biodiverstät und Ökosysteme.

Naturwaldreservate in Deutschland 

Seit dem Naturschutzjahr 1970 wurden in ganz Deutschland verstärkt Naturwaldreservate ausgewiesen, um eine Palette an Totalreservaten zu erhalten, die eine ungestörte Entwicklung von Waldlebensgemeinschaften zulassen und deren Erforschung ermöglichen. Im Einzelnen werden folgende vier Ziele angestrebt:

  • Erhaltung, Schutz und Wiederherstellung natürlicher Waldlebensgemeinschaften in ihrer für den Lebensraum typischen Struktur- und Artenvielfalt
  • Grundlagenforschung zur Waldlebensgemeinschaft (Böden, Vegetation, Waldstruktur, Fauna)
  • Erhalt von Weiserflächen für den Waldbau (Ableitungen für vergleichbare Wirtschaftswälder, z. B. in Bezug auf Waldverjüngung und Waldpflege)
  • Erhalt von Weiserflächen für Naturnähe, 
    • an denen das Funktionieren des Naturhaushalts und der Grad seiner Beeinträchtigung gegenüber der genutzten Landschaft gemessen werden kann
    • die als Maßstäbe für Umweltverträglichkeitsprüfungen oder Biotopbewertungen dienen können
    • die als Eichflächen für die Standortskartierungen verwendet werden können

Eine Zusammenstellung aller deutschen Naturwaldreservate bietet http://naturwaelder.de/
 

Naturwaldreservate in Hessen

Seit 1988 gibt es in Hessen Naturwaldreservate. Dabei handelt es sich um ehemalige Wirtschaftswälder, die aus der forstlichen Nutzung genommen wurden. Heute sind es 31 Gebiete mit einer Gesamtfläche von 1228 ha (Mittelwert: 39,6 ha, Median: 30,3 ha, Einzelflächen: 7,7 ha–140,2 ha), die das Spektrum der in Hessen vorkommenden Waldgesellschaften abdecken. Sie werden auch als Totalreservate bezeichnet. Dem Landescharakter entsprechend handelt es sich vorwiegend um Buchenwälder, daneben sind aber auch Stiel- und Traubeneichen-, Kiefern- und Fichtenwälder repräsentiert. Zu 22 von ihnen wurde meist unmittelbar angrenzend eine weiter bewirtschaftete Vergleichsfläche eingerichtet (insgesamt 767,4 ha, Mittelwert: 34,7 ha, Median: 27,8 ha, Einzelflächen: 4,6 ha–113,3 ha). Erstes Ziel bei den Untersuchungen ist eine möglichst aussagekräftige Inventur dieser Waldflächen, an der Forstleute, Botaniker und Zoologen beteiligt sind. Über periodische Wiederholungsuntersuchungen soll die Entwicklung der Wälder nachgezeichnet und Unterschiede zwischen den unbewirtschafteten „Urwäldern von morgen“ und den Wirtschaftswäldern herausgearbeitet werden. Im Jahre 1990 begannen die zoologischen Untersuchungen durch Senckenberg.

Lage, Baumartenzusammensetzung und Größe der hessischen Naturwaldreservate zeigt Hessen Forst.

Die Forschungsarbeiten werden in Kooperation mit dem „Landesbetrieb Hessen-Forst“ durchgeführt und durch diesen finanziell gefördert.

Kooperationspartner