Forschung

Taxonomie und Biodiversität calanoider Copepoden


Calanoide Copepoden, welche im Hyperbenthos direkt über dem Meeresboden leben, bilden eine extrem diverse Gruppe in diesem Bereich. Aufgrund der Schwierigkeiten diesen Lebensraum, speziell in der Tiefsee, zu beproben, ist bisher sehr wenig über die Gemeinschaft der hyperbenthischen Calanoiden bekannt.

Am Ende des 20. Jahrhunderts wurde ein neues Stadium in der Erforschung der Biodiversität benthopelagischer Copepoden mit der Einführung und Nutzung moderner Geräte für die Beprobung des Meeresbodens erreicht. Viele der gefundenen Copepodentaxa wurden bis dahin niemals zuvor in anderen marinen Ökosystemen gefunden. Es zeigte sich, dass calanoide Copepoden, welche den Bereich nah des Meeresbodens bewohnen, spezielle morphologische Merkmale aufweisen, und sich somit stark von ihren pelagischen verwandten unterscheiden. Da das System der Ordnung Calanoida am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts etabliert wurde, als diese speziellen benthopelagische Taxa noch nicht bekannt waren, müssen daher viele Familien revidiert werden.

Tiefseeproben welche durch moderne Beprobungsgeräte wie den Epibenthosschlitten auf deutschen Forschungsreisen mit der Forschungsschiffen ‚Polarstern’ und ‚Meteor’ oder den amerikanischen Tiefseetauchroboter ALVIN gewonnen wurden sind einzigartig, da sie eine hohe Anzahl neuer und seltener Taxa beinhalten. Diese Proben zeigen, dass die Biodiversität des Biotops nah am Boden extrem hoch ist. Mehr als ein drittel aller bekannten benthopelagischen Gattungen calanoider Copepoden wurde im letzten Jahrzehnt beschrieben.

Copepoden der Clausocalanoidea sind die zahlreichste Gruppe im Hyperbenthos. Dieses Taxon beinhaltet 94 Gattungen in 11 Familien, von denen 46 Gattungen ausschliesslich im Hyperbenthos vorkommen und ca. 63% der vorkommenden Gattungen in dem Lebensraum ausmachen. Da das Taxon der Clausocalanoidea eine Verbindung zwischen dem Benthos und dem Pelagial formt, ist diese Gruppe der Copepoden sowohl taxonomisch als auch ökologisch von großer Bedeutung.