Petrographie

Die Sektion Petrographie (Gesteinskunde) setzt den Schwerpunkt ihrer Forschung in der Rekonstruktion der Hebungs- und Flussgeschichte Sachsens. Dabei sind Arbeiten zur  Sedimentpetrographie der fossilen Elbe von besonderem Interesse. Weitere Aufmerksamkeit ist der Erforschung von Fernejekta des Rieskraters, sogenannten Tektiten gewidmet. Damit soll ein Beitrag zum Gesamtverständnis des Riesimpaktes und seine Folgen für die damalige mitteleuropäische Landschaft geleistet werden. Ein noch junges Arbeitsgebiet in der Sektion ist Gesteinsidentifikation und Herkunftsbestimmung archäologischen Materials. Die Forschungsthemen der Sektion sind dem Tätigkeitsschwerpunkt Deep time: Evolving Earth and Palaeoenvironments innerhalb des Forschungsbereichs Biodiversität und Erdsystem-Dynamik zugeordnet.

Labore

Die Labore der Sektion erfüllen wichtige Dienstleistungsfunktionen für Forschungsarbeiten und Gutachten, sowohl inner- als auch außerhalb des Institutes. Für die Mineralseparation und Siebanalysen steht ein Aufbereitunglabor zur Verfügung.

Im Schleif- und Präparationslabor werden verschiedenste Trenn-, Schleif- und Poliermaschinen für die Anschliff- und Dünnschliffpräparation eingesetzt.

Im Spaltspurenlabor werden Spaltspurendaten aus dem sächsischen Grundgebirge und aus dem Rieskrater modelliert.

Das Röntgenfluoreszenzlaborermöglicht Analysen zur geochemischen Zusammensetzung von geologischem und archäologischem Probenmaterial.

Ein weiteres Arbeitsgebiet ist die Betreuung der umfangreichen petrographischen Sammlungen. Die über 70.000 Gesteine umfassenden Sammlungen gliedern sich in mehrere Spezialsammlungen.

Die Sammlung sächsischer Gesteine enthält in großer Vollständigkeit Gesteine aus ganz Sachsen. Viele dieser Gesteine sind heute einzigartige Belegstücke. Bedeutend sind ebenfalls die Sammlung der außersächsischen Gesteine, die Geröll- und Geschiebesammlung und die Sammlung der Bau- und Dekorationsgesteinen, ferner die Sammlung mikroskopischer Dünnschliffe und die Lehr- und Übungssammlung.

Ihre Geschichte reicht bis auf die vom Kurfürst August 1560 angelegte kurfürstliche Kunstkammer zurück, in welcher bereits um 1587 die Sammlung sächsischer Gesteine des italienischen Hofbildhauers und -baumeisters Giovanni Maria Nosseni ein wichtiger Bestandteil war. Aufschwung erfuhr die petrographische Sammlung durch das Wirken von Ernst Kalkowsky, der ein Vielzahl von Gesteinen und Dünnschliffen erwarb oder anfertigen ließ. Dem langjährigen Kustos der Sammlung, Dieter Beeger, gelang es, eine umfangreiche Bau- und Dekorationsgesteinssamlung aufzubauen.

Die Mitarbeiter der Sektion Petrographie sind in die Lehre an sächsischen Universitäten, besonders an der Technischen Universität Bergakademie Freiberg und an der Technischen Universität Dresden, eingebunden und übernehmen Betreuungsaufgaben bei den verschiedensten Formen der akademischen Qualifizierung (Diplom-, Bakkelaureats-, Masterarbeiten und Promotionen). An der Sektion besteht die Möglichkeit eines Volontariats für wissenschaftlichen Nachwuchs. Weiterhin können Praktika im Rahmen der beruflichen oder universitären Ausbildung abgeleistet werden.

In der Sektion Petrographie besteht die Möglichkeit zur Betreuung und Durchführung von Qualifizierungsarbeiten (Bakkalaureus- und Masterarbeiten), insbesondere in Kooperation mit der Technischen Universität Bergakademie Freiberg oder der Technischen Universität Dresden.
Die laborativen und analytischen Arbeiten erfolgen im Normalfall an den Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen Dresden. In Abstimmung mit den zuständigen Laborleitern können diese auch in den entsprechenden Laboren der Technischen Universität Bergakademie Freiberg durchgeführt werden.

Weiterhin sind in der Sektion Praktika und Belegarbeiten im Rahmen eines Bachelor- oder Masterstudiums der Geologie, Mineralogie oder Geographie bzw. einer Technikerausbildung an einer Fachschule möglich. Die Praktikumsdauer beträgt mindestens vier Wochen, das Praktikum wird nicht vergütet.

Die Sektion ist auch FÖJ-Einsatzstelle in Zusammenarbeit mit den Paritätischen Freiwilligendiensten in Sachsen gGmbH.

Qualifizierungsarbeiten (Bakkalaureus-, Masterarbeiten)
Praktika und Belegarbeiten
Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ)

Projekte

Erschließung und Digitalisierung von geo- und montanwissenschaftlichen Sammlungen in Sachsen (DFG-Projekt)

Geo- und montanwissenschaftliche Sammlungen gehören zu den ältesten naturwissenschaftlichen Archiven und bewahren Belegmaterial aus der Erforschung unseres Planeten. Sie dokumentieren mit ihrem Sammlungsgut die Vielfalt und ihre Veränderungen in Zeit und Raum. Zugleich bilden Sammlungen die Basis für gegenwärtige und zukünftige Forschungen. Sie sind heute vorrangig Forschungssammlungen und widerspiegeln somit den modernen Wissensstand. Der wissenschaftliche Wert dokumentiert sich insbesondere in der Archivierung von nicht oder nur schwer wieder beschaffbaren Sammlungsstücken, beispielsweise von ausgestorbenen Arten oder Fossilfunden aus nicht mehr existierenden Aufschlüssen. Nicht zu unterschätzen ist weiterhin der rasche Zugriff auf weltweites Sammlungsmaterial, das sonst nur durch finanziell und zeitlich aufwendige Exkursionen oder Bergungen beschafft werden müsste. Besondere Bedeutung erlangen die in den Sammlungen hinterlegten Typus- und Belegmaterialien wissenschaftlicher Arbeiten und Publikationen. Eine Vielzahl der geowissenschaftlichen Sammlungsobjekte stammt zudem aus nicht mehr zugänglichen oder nicht mehr vorhandenen Schächten, Tagebauen, Tunnelbauten oder Baugruben. Sie stellen somit einzigartige Belege dar. Gleichzeitig sind die Sammlungsstücke Gegenstand der Geodiversitätsforschung.

Die Komplexität und Wechselwirkung natürlicher und anthropogener Prozesse bewegt uns heute, Fachwissen wieder zusammenzuführen. Objektorientierte wissenschaftliche Sammlungen halten gegenständliche Daten vor, die für die Erfordernisse der „digitalen Welt“ aufbereitet werden müssen. In einem gemeinsamen Forschungsvorhaben von Technischer Universität Bergakademie Freiberg (TUBAF) und Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen Dresden (SNSD) werden Strategien für die Digitalisierung geowissenschaftlicher Sammlungsobjekte erarbeitet. Es ist Ziel des Projektes, die Archivierung geowissenschaftlicher Sammlungsdaten weiterzuentwickeln. Um die angestrebte Nutzbarkeit für viele verschiedene Einrichtungen liefern zu können, sind grundlegende Überlegungen, bis hin zu Definitionen und Umfang der Datenfelder notwendig, damit die unterschiedlichsten Sammlungen in all ihrer Heterogenität und Diversität abgebildet werden können. Schließlich soll die geowissenschaftliche Datenbank unter Berücksichtigung der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) vorgegebenen Open-Access-Philosophie online verfügbar und entsprechend öffentlich abrufbar sein. Damit wird Wissenschaftlern und interessierten Laien die Möglichkeit eröffnet, auch räumlich getrennte Sammlungen über ein Internetportal vergleichend zu recherchieren.

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Publikationen

Flussentwicklung der Elbe seit dem Miozän – Sedimentologie und Paläogeographie

Seit etwa 16 Millionen Jahren fließt die Elbe durch Sachsen – in der Zeitspanne bis heute änderte sie mehrmals ihren Verlauf und auch ihr Erscheinungsbild. In einem Buchprojekt werden Architektur und Paläoflussläufe dargestellt sowie Leitgerölle beschrieben. Weiterhin sollen aktuelle Vorkommen und Verbreitung alter Elbeläufe gezeigt werden.

Publikationen

Niedrigwasserereignisse der Elbe – Kartierung und Dokumentation von Hungersteinen und Untiefen

Wie alle Flusswasserspiegel unterliegt auch der der Elbe stetigen Schwankungen, die ihre Ursache in der klimatischen Variabilität haben. Dabei gilt Extremereignissen, wie Hochwasserkatastrophen oder bemerkenswerten Niedrigwasserständen, eine besondere Aufmerksamkeit. Oftmals erinnern lokal verschiedene Hinweise und feste Markierungen an diese historischen und einschneidenden Geschehnisse. Weithin bekannt – entlang vieler Flüsse – ist die Dokumentation von Hochwasserständen und Überflutungen durch Hochwassermarken. Auch für Niedrigwasserereignisse existieren derartige stumme Zeitzeugen als sogenannte Hungersteine oder Untiefen, die jedoch vergleichsweise selten zu Tage treten.
Gerade entlang der Elbe sind zahlreiche Hungersteine überliefert sowie Untiefen verzeichnet, die in Zusammenarbeit mit dem Landeshochwasserzentrum Sachsen (Sächsisches Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie) und der Archäologischen Gesellschaft in Sachsen e.V. kartiert und dokumentiert werden. Vor allem durch die Trockenheit während der Sommer 2015 und 2018 konnte das Projekt voranschreiten.

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Petrographie & Sepulkralkultur – Friedhöfe als Zeugnisse der Natursteinverwendung

In Kartierungsprojekten wird der Bestand der vor 1945 errichteten Grabstätten hinsichtlich der Gesteinsart und -verarbeitung systematisch erfasst. Die bislang in die Arbeiten einbezogenen Grabmale befinden sich auf dem Dresdner Elias- und Johannisfriedhof sowie auf dem Urnenhain; auch Grabmalgesteine auf dem Friedhof in Görlitz wurden untersucht.

Weiterlesen: Artikel aus einer Fachzeitschrift über das Projekt …
(aus STEIN Magazin, Ausgabe 11/2018)

Publikationen

Provenienz neolithischer Steinbeile und frühneuzeitlicher Keramiken

Das Ziel mehrerer archäometrischer Projekte ist die Erforschung der Herkunft unterschiedlicher archäologischer Fundstücke. Die Arbeiten erfolgen in Kooperation mit dem Sächsischen Landesamt für Archäologie.

Publikationen

Labore

Die Labore der Sektion erfüllen eine wichtige Dienstleistungsfunktion für Forschungsarbeiten und Gutachten, sowohl
inner- und als auch außerhalb des Institutes.

Das Schleif- und Präparationslabor beinhaltet vorwiegend verschiedene Trenn-, Schleif- und Poliermaschinen für die Anschliff- und Dünnschliffpräparation.

Für die Mineralseparation und Siebanalysen steht ein Aufbereitunglabor zur Verfügung. Dessen Ausstattung umfasst Laborabzug, Trockenschrank, Siebmaschine und einen Magnetscheider.

Zentraler Teil des Spaltspurenlabors ist ein Forschungsmikroskop mit angebautem Scanningtisch, Videokamera und einer computergestützten Auswerteeinheit.

Die Röntgenfluoreszenzanalytik wird in der Sektion zur geochemischen Untersuchungen von Gesteinen und archäologischen Objekten herangezogen.

Geschichte

Die petrographischen Sammlungen reichen in ihren Anfängen auf die vom Kurfürst August (1526–1586) 1560 angelegte kurfürstliche Kunstkammer zurück, in welcher bereits um 1587 die Sammlung sächsischer Gesteine des italienischen Hofbildhauers und -baumeisters Giovanni Maria Nosseni (1544–1620) einen bedeutenden Bestandteil des geowissenschaftlichen Sammlungsgutes bildete. Nosseni, ein erfahrener Baumeister, Bildhauer und Architekt aus Lugano, stand seit 1575 in sächsischen Diensten und durchforschte vor allem das Erzgebirge sowie das nördlich angrenzende Vorland nach abbauwürdigen edlen Mineralen und Gesteinen. Besonders zwischen 1585 und 1587 konnte er bedeutende Lagerstätten nachweisen. Belegstücke übergab Nosseni seinem Auftraggeber wissenschaftlich exakt beschrieben und gekennzeichnet, was für das ausgehende 16. Jahrhundert einmalig war. Darunter befanden sich für Bildhauerzwecke geeigneter weißer Marmor vom Sandersberg zwischen Rauenstein und Lengefeld im Erzgebirge, schwarzer Marmor von Kalkgrün, roter Marmor von Wildenfels, weißer Marmor von Crottendorf im Erzgebirge. Wie dem Inventar des Kunstkämmerers David Ußlaub zu entnehmen ist, bildeten die heute leider nicht mehr nachweisbaren Proben Nossenis den Grundstock des Mineralienkabinetts. Ußlaub hatte das Inventar 1587 auf Veranlassung der Erben von Kurfürst August erstellt und beschrieb darin unter den etwa zehntausend aufgeführten Gegenständen der Kunstkammer zum ersten Mal eine 43 Stück umfassende Gesteinssammlung. Aufgestellt war diese im fünften Zimmer der Kunstkammer „an der Librarey“ „Auff einer langen taffell mit einer grün Leinwaten Decken“. Nach 1587 ist von Nosseni nur noch wenig Gesteinsmaterial in die Kunstkammer eingeliefert wurden. Nach den Inventarien von 1595 und 1640 handelt es sich hierbei vor allem um Alabaster aus Weißensee, erzgebirgischen Marmor und Serpentin, insgesamt 14 Stück. Nosseni erhielt auf Lebenszeit das Privileg, im Kurfürstentum nach Marmor, Alabaster, Serpentin, Kristallen und Amethyst zu suchen. Er nutzte dieses wertvolle Bau- und Dekorationsmaterial, zum Beispiel für das Lusthaus auf der Jungfernbastei, für den Hauptaltar der Sophienkirche in Dresden und für die Ausschmückung der Fürstenkapelle im Freiberger Dom.

Nach dem Dienstantritt des Mathematikers Lucas Brunn (gestorben 1628) als Kunstkammerinspektor im Jahr 1619 trat eine wesentliche Wandlung ein. Er betreute die Sammlung aus wissenschaftlicher Sicht und nahm eine Neuaufstellung vor. Ihm zur Seite standen Kaspar UßlaubPeter Probsthainund von 1627 an Theodosius Häsel (1595–1658), Brunns späterer Nachfolger. Häsel schloss die von Brunn begonnene Umgruppierung der Sammlungsstücke im Jahre 1632 ab. In seinem Katalog „Inventarium Über die Churfürstliche Sächsische Kunstcammern in Schloß und Vestung Dreßden. Verneuert und aufgericht den 4 Augusti Anno 1640“ gibt Häsel eine anschaulichen Beschreibung des siebenten Zimmer „sonst daß Bergkgemach genand“. Neben der auf zwei mit grünem Tuche bedeckten Tischen untergebrachten Nossenischen Gesteinssammlung, werden auf der „dritten Taffel bey dem Fenstern“ als weiteres petrographisches Objekt „1 Zackigter schwarzer Stein vom Berge Äthna, so vor einer flamme oder schlacken gehalten wird“ erwähnt.

Der Kunstkämmerer Tobias Beutel der Ältere (1630–1690) veröffentlichte 1671 den ersten gedruckten Bericht über die Kunstkammer unter dem Titel „Chur-Fürstlicher Sächsischer stets grünender hoher Cedern-Wald“ und gab hier den Beleg für deren Gründung im Jahr 1560. Darin führte er das Berggemach, hier ohne Einrechnung des Vorgemachs als sechstes Zimmer bezeichnet, mit dem gesamten Inhalt an „Sachen von Natur / rar und künstlich“ auf. Die Einteilung in dieser Kammer entspricht im wesentlichen noch der Darstellung Häsels von 1640. Erwähnung finden „… Hand-Steine von Land-Marmor und Alabaster …“ und „… ein groß Stück Porphyr-stein / so ein Thür-Gerichte am Tempel Salomonis gewesen seyn sol …“. Letzterer wurde 1714 in die Poliermühle von Johann Friedrich Böttger (1682–1719) zum Schneiden geliefert. Insgesamt fällt aber die Beschreibung der ausgestellten Naturalien bei Beutel sehr knapp aus und steht deutlich hinter der detaillierten Auflistung von David Ußlaub 1587 zurück. Ebenfalls kurz erwähnt werden die Gesteine der Kunstkammer in den Jahren 1680 durch Anton Weck und 1685 durch Edward Brown. Brown berichtet von „Allerley Gattung von Steinen / die man in Sachsen und Meissen findet gepolirtet …“.

Am 25. März 1701 wurden durch einen Brand große Teile des Residenzschlosses zerstört. Die Kunstkammer einschließlich der darin aufbewahrten Naturalien konnte gerettet und wurde verlegt, zunächst in den an der Festungsmauer gelegenen „Klepperstall“, anschließend in das Holländische Palais, das spätere Japanische Palais. Von 1720 bis 1728 waren die naturwissenschaftlichen Sammlungen im Regimentshaus am Jüdenhof untergebracht.

Kurfürst Friedrich August I., bekannt als August der Starke (1670–1733), verfügte über starkes naturwissenschaftliches Interesse und veranlasste schon bald nach seinem Regierungsantritt 1694 eine völlige Neuordnung der Kunstkammer. Er strebte die Aufteilung in Spezialkabinette an, die durch Fachkräfte verwaltet und wissenschaftlich bearbeitet werden sollten. Inspektor des neugeschaffenen Mineralienkabinetts war der seit 1702 am Berggemach tätige Christoph Gottlob Lichtwer (gestorben 1736).

Im 1755 von Christian Heinrich Eilenburg (1709–1771) verfassten „Kurzen Entwurf der königlichen Naturalienkammer zu Dresden“ werden neben einer „… bey nahe aus tausend Sorten bestehende Sammlung von inn- und ausländischen Marmorsteinen …“ auch Alabaster, „Serpentinsteine“, Basalte, „Kiesel- und Pflastersteine“ sowie Tropfsteine erwähnt. In Heinrich Gottlieb Ludwig Reichenbachs (1793–1879) „Leitfaden“ durch das Naturhistorische Museum von 1836 finden die petrographischen Sammlungen als Teil der „Galerie der Vorwelt“ Erwähnung. Unter der Bezeichnung „geognostische Fossilien“ waren die „systematischen Suiten der Gebirgsformation“ nach der Klassifikation von Karl Cäsar von Leonhard (1779–1862) aufgestellt. Herausragend unter den petrographischen Objekten war die 1822 am Linckeschen Bad in Dresden gefundene, 4,67 m lange Blitzröhre. Diese und andere wichtige Teile der petrographischen Bestände wurden durch den Brand des Zwingers infolge der Maiunruhen 1849 vernichtet. Die vom Oberbaurat Christian Theodor Sorge 1869 überlassene Sammlung der im „Dresdener Bezirk gebräuchlichen Chausseematerialien“ war Basis für den Wiederaufbau der Gesteinssammlung am damaligen Königlichen Mineralogischen Museum. Bedeutend für den Sammlungsaufbau waren weiterhin die zahlreichen, aus dem Nachlass König Friedrich August II. (1797–1854) stammenden Gesteine aus Sachsen, Italien, England und von den Kanaren. Unter dem ersten und langjährigen Direktor des Museums, Hanns Bruno Geinitz (1814–1900), wurden 1891 die bisher gemeinsam mit den Fossilien ausgestellten Gesteinsarten in einem neuen Saal als „… besondere petrographische Abtheilung …“ angeordnet. Allerdings beklagte dieser bereits 1899, dass der größte Teil der petrographischen Sammlungen dem Publikum verschlossen blieb und stattdessen als Arbeits- und Bibliotheksräume verwendet wurde. Der Platzmangel veranlasste Geinitz im Jahre 1892 die einzigartige vulkanologische Sammlung von Alphons Stübel (1835–1904) nach Leipzig abzugeben, welche erst nach reichlich 100 Jahren wieder an das Museum zurückgelangte. Ebenfalls im Jahr 1892 wurde eine „Schleiferei“ eingerichtet. Deren Aufgabe  bestand vor allem in der Herstellung von Gesteinsdünnschliffen, deren Gesamtzahl 1896 bereit 900 Stück überstieg.

Mit Ernst Kalkowsky (1851–1938) wurde 1898 ein international bedeutender Petrograph Direktor des Museums. In seiner Amtszeit bis 1919 bereicherte er die Gesteinssammlung um zahlreiche petrographische Sammlungsstücke. Dazu zählt auch eine Platte mit 24 Großdünnschliffen aus überwiegend sächsischen Gesteinen im Format von jeweils 90 x 110 mm, welche Kalkowsky 1898 bei der renommierten Firma Fuess in Berlin-Steglitz anfertigen ließ. Durch ihn erfolgte erstmals ein systematischer Aufbau der Gesteinssammlung am Museum nach dem Lehrbuch der Petrographie von 1894 des Leipziger Petrographen Ferdinand Zirkel (1838–1912). Dafür ließ Kalkowsky etwa 600 Handstücken für die systematische petrographische Sammlung im Jahr 1900 ankaufen. Als Ersatz für die 1849 verlorengegangene Blitzröhre konnte 1925 für die Sammlung die berühmte, 4,60 m lange Blitzröhre aus den tertiären Glassanden von Hohenbocka erworben werden. Das Instrumentarium wurde in den Jahren 1927/28 für die wachsende Anzahl petrographischer Untersuchungen um ein Polarisationsmikroskop, eine Analysenwaage und einen Schlämmapparat erweitert.

Der Zweite Weltkrieg brachte einen abermaligen Einschnitt in der Sammlungsgeschichte: Ab 1942 musste das Museumsgut aus dem Zwinger in umliegenden Schlösser und Herrensitze in Sicherheit gebracht werden. Ein Großteil der petrographischen Sammlungen wurde im Keller des Rittergutes Schieritz nordwestlich von Meißen eingelagert, die Gesteinssammlung von Eberhard Rimann (1882–1944), Direktor des Museums von 1920 bis 1944, gelangte auf Schloss Schleinitz südlich von Lommatzsch und in das Rittergut Rehnsdorf südlich Kamenz, seine Dünnschliffsammlung auf Schloss Lauterbach nordöstlich von Meißen. Dennoch verhinderten diese Maßnahmen nicht, dass ältere Sammlungsteile teilweise verloren gingen. Bei vielen zurückgeführten Stücken fehlten zudem die Etiketten und waren somit häufig nicht zuordenbar.

Der Neubeginn nach dem Weltkrieg in den petrographischen Sammlungen ist untrennbar mit Dieter Beeger verbunden. Von 1956 bis 1997 am Museum tätig, begann er im Jahre 1960 auf Anregung des Institutes für Denkmalpflege Dresden mit Forschungen über die Zerstörung und Konservierung von Baugesteinen, so zum Beispiel an Sandsteinen der Goldenen Pforte am Dom zu Freiberg (1960–1962) und am Großen Wendelstein im Schloss Hartenfels in Torgau (1967–1969) oder am Rhyolithtuff des Nordportals der Schlosskirche zu Chemnitz (1963). In Ergänzung hierzu baute Beeger ab 1967 die Bau- und Dekorationsgesteinssammlung systematisch auf.

1956 konnte die Sammlung von Hermann Andert (1879–1945) hauptsächlich mit Gesteinen aus der sächsischen und böhmischen Lausitz erworben werden. Bedeutenden Zuwachs erlangte die Sammlung in den letzten Jahrzehnten durch den Ankauf zahlreicher polierter Platten von Bau- und Dekorationsgesteinen, die Übernahme einer Sammlung südamerikanischer Gesteine und einer Sammlung sächsischer Metamorphite sowie durch Zugänge aus verschiedenen Privatsammlungen.

Den modernen Anforderungen an eine Forschungssammlung entsprechend konnte seit 1997 der wissenschaftliche Instrumentenpark erneuert und erheblich ausgebaut werden. Mit dem Umzug in das neue Institutsgebäude in Dresden-Klotzsche verfügt das petrographische Labor über umfangreiche, z.T. halbautomatische Aufbereitungstechniken, wie Gesteinstrennung, Anschliff- und Dünnschliffherstellung, Schwere- und Magnettrennung, Siebanalyse usw. Zudem besteht seit 2001 die Möglichkeit der Spaltspurenanalyse, deren Herzstück ein leistungsfähiges Forschungsmikroskop mit computergesteuertem Scanningtisch ist.