SHEP_Geoarchäologie_Leba Micro sampling

Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment

Geoarchäologie


Die Arbeitsgruppe Geoarchäologie untersucht die Interaktion zwischen Mensch und Geosphäre in der Vergangenheit. Wir sind daran interessiert zu verstehen, wie Umgebungen und Landschaften die Entwicklung des menschlichen Verhaltens und der menschlichen Kultur beeinflusst haben und wie menschliche Anpassung und Innovation es den Menschen ermöglichten, ihre Umgebung zu verändern.

Mitglieder der Arbeitsgruppe Geoarchäologie befassen sich mit diesen Forschungszielen durch
Geländearbeit auf allen bewohnten Kontinenten und in allen Zeiträumen vom Altpaläolithikum bis zur Eisenzeit. Unsere Gruppe befasst sich insbesondere mit Fundstellen, die sich mit 1) die Entstehung von “Behavioral Modernity”, 2) den biogeografischen Ausdehnungen des Menschen auf Europa, Asien und der Neuen Welt und 3) der Entwicklung von Verhaltensweisen im Zusammenhang mit Feuernutzung, Sedentismus und Domestizierung von Tieren befassen.

Zusätzlich zur Feldforschung verwendet unsere Gruppe eine Reihe von Labortechniken, um die Wechselwirkungen zwischen Mensch und Geosphäre zu untersuchen. Ein Großteil unserer Laboranalysen konzentriert sich auf die Untersuchung archäologischer Ablagerungen mit mikroskopischen Techniken. Dieser als Mikromorphologie bekannte Ansatz verwendet intakte Sedimentblöcke, die mit Polyesterharz verhärtet und anschließend dünn geschliffen wurden.

Dip.Ing. Panagiotis Kritikakis produziert die Dünnschliffe in unserem hauseigenen Dünnschlifflabor. Wir analysieren die Proben in unserem Mikroskopielabor, das über eine Reihe petrographischer Mikroskope verfügt. Darüber hinaus ist das Labor für organische Petrologie in  der Arbeitsgruppe auf Auflicht- und Fluoreszenzmikroskopie für die Analyse von organisch reichen Sedimenten und Rohstoffen (d. H. Jet- und Ölschiefer) spezialisiert. Wir können unsere Proben auch mit einem hochauflösenden Scanner digital dokumentieren. Weitere digitale Techniken, die wir regelmäßig einsetzen, umfassen die hochauflösende 3D-Dokumentation von archäologischen Stätten und Profilen mit Hilfe der Photogrammetrie (structure-from-motion).

Die Arbeitsgruppe ist führend in der Entwicklung neuartiger Anwendungen mikroanalytischer Techniken auf dem Gebiet der Geoarchäologie. Unser Mikroanalytiklabor unter der Leitung von Dr. Susan Mentzer enthält eine FITR-Bank (Cary 660, Agilent), die an ein Mikroskop mit integrierter ATR angeschlossen ist und einem μXRF (M4 Tornado, Bruker). Zusätzlich verfügt die Gruppe über zwei tragbare FTIR-Spektrometer (Cary 630, Agilent), die vor Ort bei der  Ausgrabung eingesetzt werden können.

Die Geoarchaeology Working Group ist auch für die Kuratierung der geoarchäologische Sammlung verantwortlich, die mit über 15.000 Objekten die weltweit größte ihrer Art ist. Die Sammlung enthält Materialien, die von Senckenberg- und Tübinger Forschern aus aller Welt gesammelt wurden, sowie Materialien, die von Dr. Paul Goldberg und Richard MacPhail der Arbeitsgruppe überlassen wurden. Die Sammlung enthält sowohl archäologische als auch Referenzmaterialien.

Sammlung

Die Geoarchäologische Sammlung ist mit mehr als 15.000 Objekten die größte ihrer Art weltweit. Sie besteht aus Lackabzügen, losen Sedimentproben, harzgetrockneten Sedimentblöcken und Dünnschliffen sowie originalen Felddokumentationen und Fotografien. 

Die Sammlung wächst aktiv, da Proben von Forschungsprojekte verschiedener Wissenschaftlern der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und der Universität Tübingen zur Archivierung hinzugefügt werden.

Ein großer Teil der Sammlung wurde von Prof. Paul Goldberg (Boston University) und Dr. Richard Macphail (University College of London) gestiftet, die maßgeblich dazu beigetragen haben, die Mikromorphologie als zentrale Technik in der Geoarchäologie zu etablieren. Paul Goldbergs Sammlung umfasst Materialien aus mehreren Jahrzehnten aus Europa, Afrika, dem Nahen Osten und Nordamerika. Es enthält Beispiele von wichtigen Fundstelen wie der Kebara-Höhle, dem Meadowcroft Rockshelter und Pech de l’Áze. Die Sammlung von Richard Macphail enthält Material aus einer Vielzahl von Zeiträumen und Orten, darunter von dem altpaläolitischen Fundplatz Boxgrove bis hin zu Proben aus dem römischen London. Die Sammlung wird derzeit digital archiviert und dokumentiert. Dünnschliffe werden mit einem digitalen Scanner in planem und kreuzpolarisiertem Licht mit hoher Auflösung aufgenommen.

Die Sammlung dient als Schlüsselressource für die Forschung, und in vielen unserer aktiven Projekte wird Sammlungsmaterial verwendet. Die Sammlung zieht auch eine große Anzahl externer Forscher an, die die Sammlung besuchen, um vergleichende Analysen durchzuführen. Darüber hinaus bildet die Sammlung die Grundlage für eine Reihe von Schulungsprogrammen und Kursen, die von der Universität Tübingen angeboten werden.

Neben archäologischen Materialien umfasst die Geoarchäologische Sammlung eine moderne Referenzsammlung von biologischen und geologischen Materialien als Dünnschliffe. Besonders hervorzuheben ist unsere große Sammlung an tierischen Koprolithen (von sowohl rezenten als auch ausgestorbene Arten).