Schöningen
Der Schaufelradbagger 45 war 40 m hoch, 80 m lang, wog 1700 t und baute täglich bis zu 80.000 t ab.

Forschungsstation Schöningen

Die altpaläolithische Fundstelle Schöningen bietet dank der hervorragenden Erhaltung von organischen Funden einen einmaligen Einblick in die Zeit von vor ca. 300.000 Jahren in Mitteleuropa. Sedimente, Pollen, Samen, Hölzer, Reste von Groß- und Kleinsäugern, von Fischen, Vögeln und Insekten erlauben es, die Umwelt und das Klima während einer Warmzeit nach der Elster- und vor der Saale-Vereisung detailliert zu rekonstruieren. Von Menschen bearbeitete Steinschaber (Abbildung), Knochen- und Holzartefakte sowie zahlreiche Knochen mit Schnitt- und / oder Schlagspuren ermöglichen vollkommen neue Erkenntnisse über die Kultur der Frühmenschen dieser Zeit.

Das Grabungs- und Forschungs-Projekt wurde zu Beginn der 1980er Jahre von Dr. Hartmut Thieme vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege Hannover (NLD) initiiert. Im Jahr 1992 wurden in der Fundstelle Schöningen 12 II-1 die ersten bearbeiteten Hölzer entdeckt und als wahrscheinliche Klämmschäfte für Steinartefakte interpretiert. Im Herbst des Jahres 1994 folgte in der Fundstelle Schöningen 13 II-4 die Entdeckung eines Wurfstockes, dem zwischen 1995 und 1999 die Entdeckung von 10 Speeren und weiterer bearbeiteter Hölzer folgte. 

Im Juni 2008 entstand eine Kooperation zwischen der Universität Tübingen dem NLD. Seit Juni 2013 werden die wichtigsten Funde in einem modernen Forschungs- und Erlebniszentrum, dem Paläon, ausgestellt. Im August 2016 wurde das Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment (SHEP) offiziell vom Land Niedersachsen mit der Forschung in Schöningen beauftragt.

Leiter der Senckenberg-Forschungsstation Schöningen ist Prof. Nicholas Conard (SHEP und Universität Tübingen). Die Forschungslabore liegen im paläon und befinden sich damit nur 300m Luftlinie von der laufenden archäologischen Ausgrabung entfernt.

Schöningen
In den torfigen Schichten findet man noch perfekt erhaltene Flügeldecken von verschiedenen Käferarten
Schöningen
Sorgfältig zugerichteter Schaber aus Feuerstein aus der Fundstelle Schöningen 13 II-4 (Obere Berme).
Schöningen
Der Schaufelradbagger 45 war 40 m hoch, 80 m lang, wog 1700 t und baute täglich bis zu 80.000 t ab.
Schöningen
Speerhorizont. Wurfspeer II in situ neben dem Schädel und Wirbel eines Wildpferdes.
Schöningen
Ausgrabungsfläche Schöningen 13 II mit den 4 Verlandungsfolgen. Zu jeder Folge gehören graue, meist muschelreiche Kalkmudden des Seebeckens und darüber Torf bzw. Seeschlamm im Uferbereich. Die berühmte Fundstelle, wo die Speere gefunden wurden, ist Schöningen 13 II-4, auch „Speerhorizont“ genannt.
Schöningen
Rekonstruktion eines Homo heidelbergensis – Spitzname Hamlet – durch das Atelier Daynès im Forschungsmuseum Schöningen / paläon. 
Schöningen
Vor dem Forschungsmuseum Schöningen / paläon weiden die Przewalski Pferde (Equus ferus) das ganze Jahr durch und bei jedem Wetter.