Januar

Ein erwachender Vulkan im Vogtland/ Böhmen?

Zwischen Marienbad/Mariánské Lázně und Leipzig/Halle bebt es in Tiefen von ca. 20 bis 6 km nahezu ständig. Die meisten dieser Beben haben eine Stärke (Magnitude) unterhalb von 1,5 und sind damit für den Menschen nicht spürbar. Allerdings traten in den letzten 30 Jahren in der Region rund um das südliche Vogtland und Nordwest-Böhmen auch immer wieder spürbare, mittelstarke Bebenschwärme auf, die das Interesse der Bevölkerung an den Vorgängen unter der Erde entfachten.

Anpassungsfähigkeit liegt in den Genen
Erbgut liefert schnellere Vorhersage zu Gewinnern und Verlierern des Klimawandels

Wissenschaftler*innen des Senckenberg und des LOEWE-Zentrums für Translationale Biodiversitätsgenomik wollen mit einem neuen Forschungsansatz schneller und für eine größere Anzahl an Arten vorhersagen, welche Tiere und Pflanzen es schaffen können, sich an den Klimawandel anzupassen und welche nicht. Der Schlüssel ist laut den Forscher*innen im Erbgut der jeweiligen Art zu finden. In Kombination mit ökologischen Daten sind die Ergebnisse vor allem für den Naturschutz relevant. Das Team plädiert daher dafür, zunächst Arten in den Blick zu nehmen, die für ihr jeweiliges Ökosystem von besonderer Bedeutung sind. Die Studie ist soeben im Fachjournal „Evolution Letters“ erschienen.

Adolf Traugott von Gersdorf – ein Lausitzer Pionier der Geowissenschaften

Im Frühjahr 1786 brach Adolf Traugott von Gersdorf aus Rengersdorf (Oberlausitz) zu einer fünfmonatigen Forschungsreise in die Schweiz auf. Das in den Görlitzer Sammlungen für Geschichte und Kultur überlieferte nahezu 1000 Seiten umfassende Reisejournal sowie die 835 Gesteinsproben von 1786 verweisen nicht nur auf die vorwiegend geowissenschaftlich ausgerichteten Erkenntnisinteressen eines routinierten Privatforschers, sondern bieten zudem Vergleichsmöglichkeiten mit der aktuellen Forschung zu Humboldts Amerikareise (1799–1804).

Vortrag im Humboldthaus
Leben am Abgrund – wie Ressourcen für alle Menschen reichen können

Wie viel Mensch verträgt die Erde eigentlich, ohne dass sie „in die Knie geht“? Als Kriterien benennen Wissenschaftler neun planetare Umweltgrenzen („Planetary Boundaries“), deren Überschreitung unter Umständen irreversible Schädigungen der Umwelt verursachen und das Überleben der Menschheit in Frage stellen könnten. Hierzu gehören beispielsweise der Klimawandel, der steigende Süßwasserverbrauch und der Verlust der biologischen Vielfalt.

Fossiler Krokodilverwandter entdeckt
Funde aus Vietnam bestätigen neuen Abstammungszweig der Alligatoren

Tübinger Senckenberg-Wissenschaftler haben eine neue fossile Gruppe innerhalb der Krokodilverwandten entdeckt. Anhand von knapp 30 Fossilfunden aus der eozänen Fundstelle Na Duong in Vietnam konnten die Forschenden den neuen Abstammungszweig beschreiben. Die zwischen 39 und 35 Millionen Jahre alten Fossilien geben zudem Auskunft über die Verbreitung der damaligen Krokodilverwandtschaft. Die Studie erschien kürzlich im Fachjournal „PeerJ“.

Von der Vergangenheit eingeholt: Landnutzung hat langfristige Auswirkung auf biologische Vielfalt

Die Vergangenheit lässt die biologische Vielfalt in Agrarlandschaften nicht los, wie eine Studie von Wissenschaftler*innen des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums zeigt. Anhand einer Agrarlandschaft in Südwest-Frankreich konnte das Team zeigen, dass eine Zwischennutzung von Wiesen und Weiden als Ackerland auch nach zwanzig Jahren die Eigenschaften zur Bewegung und Nahrungssuche innerhalb einzelner Artengemeinschaften auf heutigen Wiesen und Weiden homogenisiert. Daher ist es laut Studie nötig, bestehende Wiesen- und Weideflächen in Agrarlandschaften langfristig zu erhalten, um eine Zuflucht für Arten zu bieten, die durch den Umbruch in Ackerland verloren gehen. Die Studie ist soeben in “Proceedings of the National Academy of Sciences” erschienen.

Gemeinsam für den Insektenschutz
Internationales Wissenschaftler*innen-Team entwickelt Aktionsplan gegen das Insektensterben

Senckenberg-Wissenschaftlerin Viola Clausnitzer hat gemeinsam mit zahlreichen internationalen Forschenden einen Aktionsplan zur Rettung der Insekten formuliert. Die Wissenschaftler*innen fordern, in ihrem kürzlich im Fachjournal „Nature Ecology & Evolution“ erschienenen Papier, zum sofortigen Handeln auf und benennen konkrete Handlungsmaßnahmen, die das Insektensterben aufhalten können.

Vortrag
Wie Regenwaldschutz funktionieren kann!

Der tropische Regenwald ist weit weg. Dennoch schenken wir seinem Zustand besondere Aufmerksamkeit. Als Lebensraum einer faszinierenden Vielzahl von Pflanzen und Tieren, als Kohlendioxid- und Wasserspeicher haben Regenwälder eine globaler Bedeutung. 

Von der Vergangenheit eingeholt: Landnutzung hat langfristige Auswirkung auf biologische Vielfalt

Die Vergangenheit lässt die biologische Vielfalt in Agrarlandschaften nicht los, wie eine Studie von Wissenschaftler*innen des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums zeigt. Anhand einer Agrarlandschaft in Südwest-Frankreich konnte das Team zeigen, dass eine Zwischennutzung von Wiesen und Weiden als Ackerland auch nach zwanzig Jahren die Eigenschaften zur Bewegung und Nahrungssuche innerhalb einzelner Artengemeinschaften auf heutigen Wiesen und Weiden homogenisiert. Daher ist es laut Studie nötig, bestehende Wiesen- und Weideflächen in Agrarlandschaften langfristig zu erhalten, um eine Zuflucht für Arten zu bieten, die durch den Umbruch in Ackerland verloren gehen. Die Studie ist soeben in “Proceedings of the National Academy of Sciences” erschienen.

Gemeinsam für den Insektenschutz
Internationales Wissenschaftler*innen-Team entwickelt Aktionsplan gegen das Insektensterben

Senckenberg-Wissenschaftlerin Viola Clausnitzer hat gemeinsam mit zahlreichen internationalen Forschenden einen Aktionsplan zur Rettung der Insekten formuliert. Die Wissenschaftler*innen fordern, in ihrem kürzlich im Fachjournal „Nature Ecology & Evolution“ erschienenen Papier, zum sofortigen Handeln auf und benennen konkrete Handlungsmaßnahmen, die das Insektensterben aufhalten können.

Fossiler Krokodilverwandter entdeckt
Funde aus Vietnam bestätigen neuen Abstammungszweig der Alligatoren

Tübinger Senckenberg-Wissenschaftler haben eine neue fossile Gruppe innerhalb der Krokodilverwandten entdeckt. Anhand von knapp 30 Fossilfunden aus der eozänen Fundstelle Na Duong in Vietnam konnten die Forschenden den neuen Abstammungszweig beschreiben. Die zwischen 39 und 35 Millionen Jahre alten Fossilien geben zudem Auskunft über die Verbreitung der damaligen Krokodilverwandtschaft. Die Studie erschien kürzlich im Fachjournal „PeerJ“.

Vortrag im Humboldthaus Görlitz
Leben am Abgrund – wie Ressourcen für alle Menschen reichen können

Wie viel Mensch verträgt die Erde eigentlich, ohne dass sie „in die Knie geht“? Als Kriterien benennen Wissenschaftler neun planetare Umweltgrenzen („Planetary Boundaries“), deren Überschreitung unter Umständen irreversible Schädigungen der Umwelt verursachen und das Überleben der Menschheit in Frage stellen könnten. Hierzu gehören beispielsweise der Klimawandel, der steigende Süßwasserverbrauch und der Verlust der biologischen Vielfalt.

Vortrag am 21. Januar in Görlitz
Adolf Traugott von Gersdorf – ein Lausitzer Pionier der Geowissenschaften

Im Frühjahr 1786 brach Adolf Traugott von Gersdorf aus Rengersdorf (Oberlausitz) zu einer fünfmonatigen Forschungsreise in die Schweiz auf. Das in den Görlitzer Sammlungen für Geschichte und Kultur überlieferte nahezu 1000 Seiten umfassende Reisejournal sowie die 835 Gesteinsproben von 1786 erweisen nicht nur auf die vorwiegend geowissenschaftlich ausgerichteten Erkenntnisinteressen eines routinierten Privatforschers, sondern bieten zudem Vergleichsmöglichkeiten mit der aktuellen Forschung zu Humboldts Amerikareise (1799–1804).

Anpassungsfähigkeit liegt in den Genen

Wissenschaftler*innen des Senckenberg und des LOEWE-Zentrums für Translationale Biodiversitätsgenomik wollen mit einem neuen Forschungsansatz schneller und für eine größere Anzahl an Arten vorhersagen, welche Tiere und Pflanzen es schaffen können, sich an den Klimawandel anzupassen und welche nicht. 

Ein erwachender Vulkan im Vogtland/ Böhmen?

Zwischen Marienbad/Mariánské Lázně und Leipzig/Halle bebt es in Tiefen von ca. 20 bis 6 km nahezu ständig. Die meisten dieser Beben haben eine Stärke (Magnitude) unterhalb von 1,5 und sind damit für den Menschen nicht spürbar. Allerdings traten in den letzten 30 Jahren in der Region auch immer wieder spürbare, mittelstarke Bebenschwärme auf, die das Interesse der Bevölkerung an den Vorgängen unter der Erde entfachten.

Winterferien bei Senckenberg Görlitz

Da sage nochmal einer, er oder sie habe Langeweile und in Görlitz ist nix los. Alles Quatsch! Das Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz hält in den Winterferien jeden Tag ein spannendes Erlebnis bereit und freut sich auf seine kleinen Besucher.

Nicht so tiefer Tiefseegraben
Kurilen-Kamchatka-Graben im Pazifischen Ozean gehört nicht mehr zu den „10.000ern“

Senckenberg-Forschende haben während einer biologischen Expedition mit dem Forschungsschiff „Sonne“ auch die Tiefe des Kurilen-Kamchatka-Grabens untersucht. Bislang war man davon ausgegangen, dass der Tiefseegraben im Pazifischen Ozean eine Tiefe von über 10.000 Metern aufweist – das Wissenschaftler*innen-Team konnte diese Annahme nun mit modernen Methoden widerlegen. Sie zeigen in ihrer kürzlich im Fachjournal „Progress in Oceanography“ erschienenen Studie, dass der Meeresgraben etwa 1.000 Meter flacher ist, als bisher angenommen.

Abenteuer Neiße – Senckenberg zeigt internationale Wanderausstellung in Zgorzelec

Das Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz präsentiert seine neue Sonderausstellung „Abenteuer Neiße – Leben am Fluss“ erstmalig ab dem 8. Februar im Zgorzelecer Dom Kultury. Die Schau widmet sich der Neiße als vielfältigem Lebensraum für Tiere und Pflanzen. An ausgewählten Beispielen beleuchtet sie die Vielzahl an Arten, die vom Fluss abhängig sind oder in seiner Nachbarschaft siedeln. So stellt sie mit den sagenhaften Eintagsfliegen, dem Baumeister Biber oder der sehr selten gewordenen Schwarzpappel typische Neißebewohner vor. Die Ausstellung thematisiert aber auch den Einfluss des Menschen auf den Lebensraum Fluss, denn Land- und Forstwirtschaft sowie Städtebau haben die Flussaue nachhaltig verändert. So siedeln „Neubürger“ wie Wanderfalke und Zimbelkraut, die die Felsenlandschaften der Städte zu ihrem Lebensraum erkoren haben, an den Ufern der Neiße. Aber auch unerwünschte Siedler wie Staudenknöteriche sind eingetroffen und stellen das Flussökosystem vor große Herausforderungen.

Die Wiege der Chamäleons
Einzigartig erhaltener fossiler Chamäleonschädel wirft neues Licht auf den Ursprung der Schuppenkriechtiere

In Zusammenarbeit mit einem internationalen Team hat Senckenberg-Wissenschaftler Thomas Lehmann einen etwa 18 Millionen Jahre alten fossilen Chamäleonschädel aus Kenia untersucht. Das Fossil aus dem frühen Miozän ist außergewöhnlich gut erhalten und zählt zu den ältesten Chamäleonfunden weltweit. Der Schädel gehört zu einer bislang unbekannten Art der Gattung Calumma und ist der erste Nachweis für einen afrikanischen Ursprung der – heute endemisch auf Madagaskar lebenden – Tiere. Die Studie erschien kürzlich im Fachjournal „Scientific Reports“.

Februar

81 Prozent der Ananasgewächse sind vom Aussterben bedroht
Umfassende Studie zeigt Gefährdungsstatus der Pflanzenfamilie

Senckenberg-Botaniker Georg Zizka hat gemeinsam mit einem internationalen Team die Verbreitung und den Gefährdungsstatus der Bromeliengewächse untersucht. Die Forschenden kommen zu dem Schluss, dass Zweidrittel der Arten dieser Pflanzenfamilie möglicherweise vom Aussterben bedroht sind. Die auch als Ananasgewächse bezeichneten Pflanzen spielen in den Ökosystemen der amerikanischen Tropen eine wichtige Rolle. Die Studie erschien kürzlich im Fachjournal „Diversity and Distributions“.

Jugend forscht-Regionalsieger bei Senckenberg gekürt

Ein Gerät zur Entfernung von Kaugummi, eine selbst programmierte Wetterstation, ein Sauerstoff- und Gerbstoff-Akku, ein Projekt zur Rückgewinnung von Wärmeenergie beim Auto sowie eine wichtige, physikalische Differentialgleichung mit Quaternionen – diese fünf Jugend forscht Arbeiten errangen heute den Sieg beim Regionalwettbewerb Rhein-Main West im Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt.

 

Senckenbergforum: On the move – Welt in Bewegung
Podiumsdiskussion am 26.2.2020 bei Senckenberg

Zum Abschluss der Vortragsreihe „Welt in Bewegung – Wanderungen, Mobilität und Migration im globalen Kontext“ lädt Senckenberg am kommenden Mittwoch zur Podiumsdiskussion Senckenbergforum „On the move – Welt in Bewegung“ ein.

Genomforschung für den Artenschutz

Das Artensterben messen und aufhalten: Eine gewaltige Herausforderung, für die dringend neue Ansätze und Methoden gesucht werden. Hoffnung ruht auch auf der modernen Molekulargenetik. Mit ihr können Wissenschaftler*innen bislang schwer zu generierende Daten gewinnen und daraus Schutzmaßnahmen ableiten.

März

Eat, Prey, Love: Gila-Monster, Zwergboas und Waldkrokodile am urzeitlichen Messel-See
Vortrag am 18.3. bei Senckenberg

Der urzeitliche Messel-See ist für die Überlieferung seiner außerordentlichen Fossilien weltweit bekannt. Das Klima war damals – vor etwa 48 Millionen Jahren – viel wärmer und ausgeglichener als heute, und es wimmelte vor seltsamen kaltblütigen Kreaturen. Forschungsergebnisse der letzten Jahre haben viel Licht auf die Lebensweise dieser Kriechtiere geworfen – einen Einblick bietet der öffentliche Abendvortrag am 18.3., der im Rahmen des 25jährigen Jubiläums „Welterbestätte Grube Messel“ stattfindet.

Fossile Schlange mit Infrarot-Blick
Frühe Evolution der Schlangen in der Grube Messel untersucht

Senckenberg-Wissenschaftler Krister Smith hat gemeinsam mit seinem argentinischen Kollegen Agustín Scanferla die frühe Evolution der Schlangen in der Grube Messel untersucht. Das Team zeigt in seiner kürzlich im Fachjournal „Diversity“ veröffentlichten Studie, dass die Schlangenwelt vor etwa 48 Millionen Jahren im heutigen UNESCO-Welterbe ökologisch sehr vielfältig war. Laut den Ergebnissen gehört die bislang als Palaeopython fischeri bekannte und nach dem ehemaligen Außenminister Joschka Fischer benannte Schlangen-Art der Gattung Eoconstrictor an und war in der Lage ein Abbild ihrer Umgebung in Infrarot zu erzeugen.

Forscher warnen: Der Artenverlust in Regenwäldern hat dramatischere Folgen als gedacht!

Schon das Verschwinden eines geringen Teils großer Tierarten könnte ausreichen, um die Leistungen von Tieren im tropischen Regenwald deutlich herabzusetzen.er tropische Regenwald ist weit weg. Dennoch schenken wir seinem Zustand besondere Aufmerksamkeit. Als Lebensraum einer faszinierenden Vielzahl von Pflanzen und Tieren, als Kohlendioxid- und Wasserspeicher haben Regenwälder eine globaler Bedeutung. 

April

Partnerwechsel bei Flechten lassen sich vorhersagen

Zu zweit ist man manchmal stärker – so auch bei Flechten, die als Lebensgemeinschaft aus Pilz und Alge oder Cyanobakterium fast alle Winkel der Erde besiedeln. Ein Erfolgsgeheimnis dieser Symbiose ist es, einen seiner beiden Partner austauschen zu können. Im Fachblatt „Proceedings of the Royal Society B“ präsentiert ein Forschungsteam von Senckenberg aktuell eine Studie zur Flechtengattung Umbilicaria, der zufolge sich vorhersagen lässt, wann dieser Austausch stattfindet. Die Temperatur spielt hier eine entscheidende Rolle. Die Forscher*innen wollen anhand der Ergebnisse besser vorhersagen, wie Symbiosen, zu denen Flechten zählen, mit dem Klimawandel umgehen.

Dinomumie: Magen ohne Inhalt
Geheimnis um Senckenberg-Edmontosaurus gelüftet

Im Vorfeld der geplanten Sonderausstellung „Edmonds Urzeitreich – Eine Dinograbung in Frankfurt“ hat Senckenberg-Wissenschaftler Dieter Uhl die in der Dauerausstellung des Naturmuseums ausgestellte Edmontosaurier-Mumie unter die Lupe genommen. Der Forscher begab sich auf die Suche nach einem im Jahr 1922 publizierten „Mageninhalt“ des Entenschnabelsauriers, welcher seitdem als Beleg für die Ernährung dieser Dinosauriergattung gilt. Durch Literaturrecherche und aktuelle Untersuchungen kommt der Geowissenschaftler zu dem Ergebnis, dass es diesen Mageninhalt nicht geben kann. Die Studie erscheint heute in der „Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften“.

Senckenberg und Mainova kooperieren
Wanderausstellung zum Thema Flüsse mit multimedialen Exponaten ab Sommer 2020 geplant

Für die neue Ausstellung „Flüsse“ hat das Senckenberg Naturmuseum mit Unterstützung der Mainova AG außergewöhnliche, multimediale Exponate zum Thema Wasser konzipiert. Zu den Highlights zählen ein interaktiver Wasserkreislauf und ein begehbarer Wassertropfen. Sie werden neben anderen Mitmach-Stationen ab voraussichtlich Sommer 2020 zunächst an öffentlichen Orten in und um Frankfurt zu sehen und zu erleben sein. Nach dem geplanten Umbau des Senckenberg Naturmuseums zieht die Ausstellung mit ihren Exponaten dauerhaft in die neuen und erweiterten Räume ein.

Seltener Fund im Senckenberg Museum Görlitz

Seit zweihundert Jahren sammeln die Wissenschaftler des Görlitzer Naturkundemuseums Tiere, Pflanzen, Versteinerungen und Gesteine zu Forschungszwecken. Allein in der Säugetiersammlung des Museums befinden sich rund 40.000 Tierpräparate – sogenannte Dermoplastiken, Bälge, Häute und vor allem Knochen von Tieren aus aller Welt. Bei der Recherche von historischen Sammlungsakten machte Museumpräparatorin Diana Jeschke jetzt erstaunliche, unerwartete und bedeutende Entdeckungen.

300.000 Jahre alter Wurfstock dokumentiert die Evolution der Jagd
Eiszeitmenschen aus Schöningen setzten Holzwaffen bei der Jagd auf Wasservögel und Pferde ein

Die eiszeitlichen Jäger waren geschickt, hocheffizient und verwendeten ein Arsenal verschiedener Holzwaffen: Dies zeigt ein rund 300.000 Jahre alter „Wurfstock“ aus der Freilandfundstelle Schöningen in Niedersachsen, den Archäologen vom Senckenberg-Zentrum für menschliche Evolution und Paläoumwelt der Universität Tübingen und der Universität Liége (Belgien) geborgen und im Detail analysiert haben. Homo heidelbergensis verwendete ihn vermutlich, um Wasservögel zu jagen und größere Säugetiere bei der Jagd vor sich her zu treiben. Die Studienergebnisse wurden im Fachmagazin Nature Ecology & Evolution veröffentlicht.

Wie ziegenähnliche Gorale im Himalaja besser geschützt werden können
Forscher der Universität Tübingen schlagen vor, den Tieren in Süd-ostasien mehr offene Graslandschaften als Lebensraum zu bieten
 
Der Graue Goral, der Chinesische Goral und der Südliche Serau, drei Arten, die zu den ziegenartigen Tieren zählen, leben heute in hochgelegenen Gebieten und Bergwäldern Südostasiens. Nun ergab eine neue Studie, dass dies womöglich nicht ihre bevorzugten Lebensräume sind, sondern dass es sich um ihre letzten, weniger geeigneten Rückzugsorte handelt. Darauf deuten Untersuchungen zur Lebensweise früherer Populationen der Gorale und Seraue vor einigen Hunderttausend bis Zehntau-send Jahren hin. Die Studie wurde unter der Leitung von Dr. Kantapon Suraprasit von der Chulalongkorn University in Thailand und der Universität Tübingen sowie Professor Hervé Bocherens vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen durchgeführt.

Fransenschildkröte: Neue Art entdeckt
Gefährdungsstatus der skurrilen Panzerträger muss überdacht werden

Senckenberg-Wissenschaftler Uwe Fritz hat mit einem internationalen Team anhand von genetischen Untersuchungen eine neue Fransenschildkröten-Art beschrieben. Bislang war man davon ausgegangen, dass es nur eine einzige Art der Gattung Chelus gibt. Mit der Neubeschreibung muss auch der Schutzstatus der Arten, die häufig illegal in den Tierhandel geraten, überdacht werden. Die Studie erschien kürzlich im Fachjournal „Molecular Phylogenetics and Evolution“.

Senckenberg-Ausgründung „Phytoprove Pflanzenanalytik“ gewinnt Leibniz-Gründungspreis 2020

Das Frankfurter Start-Up „Phytoprove Pflanzenanalytik“ erhält den mit 50.000 Euro dotierten Gründungspreis der Leibniz-Gemeinschaft. Die Senckenberg-Ausgründung überzeugte die Jury mit einem innovativen Verfahren und Geräten zur nichtinvasiven Messung der Stickstoffversorgung und Fitness von Pflanzen. Verschiedenste Anwender*innen werden dadurch in die Lage versetzt, Überdüngung sowie damit einhergehende Umwelt- und Gesundheitsschäden zu verringern.

Nacktschnecke: Geschichte einer Invasion
Ausbreitung von invasivem Schädling untersucht

Senckenberg-Forschende haben herausgefunden, dass die Spanische Wegschnecke – einer der schlimmsten Landwirtschaftsschädlinge weltweit – auch einen massiven Einfluss auf die heimische Fauna in und um Görlitz hat. In einer kürzlich im Fachmagazin Folia Malacologica erschienenen Publikation zeigt das Team, dass es unmittelbar nach dem Eintreffen der invasiven Art zu Hybridisierungen mit einer heimischen Schneckenart kommt. Diese führen längerfristig zum Aussterben der heimischen Nacktschnecken und einer Ausbreitung des Eindringlings.

Mai

Naturschutzgebiet unter Wasser
Verbreitungsmodelle zur Einrichtung von Schutzzonen in Manganknollen-Arealen

Forscher*innen von Senckenberg am Meer und der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe haben eine neue Methode entwickelt, mit der Schutzzonen für die Tiefseefauna in der Clarion Clipperton Bruchzone eingerichtet werden sollen. Die Tiefseeebene ist ein potentielles Abbaugebiet für Manganknollen. Das Team plädiert in ihrer heute im Fachjournal „Journal of Applied Ecology“ erschienen Studie für die rechtzeitige Einrichtung von Schutzgebieten, von denen Tiefseearten zerstörte Gebiete wiederbesiedeln können.

Senckenberg Naturmuseum Frankfurt öffnet am 11. Mai

Das Senckenberg Naturmuseum Frankfurt freut sich ab Montag, den 11. Mai 2020 seine Türen wieder für Besucher*innen öffnen zu können. Highlights wie der Sauriersaal, der Saal der Wale und Elefanten sowie viele andere Bereiche sind wieder für Besucher*innen zu den gewohnten Öffnungszeiten erlebbar. Die Dioramen und zwei Räume der Sonderausstellung „Making Crises Visible“ im Obergeschoss sowie das Kino im ersten Stock bleiben zur Einhaltung der Abstandsregelung zunächst geschlossen. Spielbereiche, Medienstationen sowie die Virtual-Reality-Angebote sind ebenfalls derzeit nicht zugänglich.

Klimawandel: 81 Prozent weniger Wasserinsekten
Hochauflösende Langzeitstudie zeigt deutliche Veränderungen in Bächen

Senckenberg-Wissenschaftler Peter Haase hat gemeinsam mit seinem Kollegen Viktor Baranov von der Ludwig-Maximilians-Universität München und weiteren Forschenden die Veränderung der Insektenwelt eines deutschen Fließgewässers untersucht. Über 42 Jahre wurde der in einem hessischen Naturschutzgebiet liegende Breitenbach mindestens wöchentlich beprobt. Die Daten zeigen, dass die Anzahl der Wasserinsekten um 81,6 Prozent gesunken ist, deren Artenvielfalt dagegen leicht anstieg. Das Wissenschaftler*innen-Team führt die Entwicklung in der heute im Fachjournal „Conservation Biology“ erschienenen Studie auf den globalen Klimawandel zurück.

Höhlenbär: Vegetarischer Fleischfresser
Nachweis für rein pflanzliche Ernährung des ausgestorbenen Höhlenbären in Europa erbracht

Wissenschaftler vom Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen haben mit einem internationalen Team den Nachweis für eine rein vegetarische Ernährung der ausgestorbenen Höhlenbären in Europa erbracht. Bislang deuteten Untersuchungen daraufhin, dass sich die großen Bären im heutigen Rumänien auch teilweise von Fleisch oder Fisch ernährten. Das Forscher*innen-Team konnte dies nun in einer kürzlich im Nature-Fachjournal „Scientific Reports“ erschienenen Studie mit einer neuen Methode widerlegen.

100 Jahre Paläo
Jubiläumsausgabe des Fachjournals „Palaeobiodiversity and Palaeoenvironments“ erschienen

Die Fachzeitschrift „Palaeobiodiversity and Palaeoenvironments“ feiert ihr 100-jähriges Jubiläum. Im Jahr 1919 erschien die erste gedruckte Ausgabe der interdisziplinären Wissenschaftszeitschrift, damals noch unter dem Titel „Senckenbergiana“, herausgegeben von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. Ursprünglich wurde das Fachjournal in deutscher Sprache veröffentlicht, inzwischen erscheint es ausschließlich auf Englisch. Das erste Heft der Jubiläumsausgabe ist im März erschienen.

„Tiefsee – Vielfalt in der Dunkelheit“
Das Begleitbuch zu den neuen Ausstellungsräumen „Tiefsee“ und „Meeresforschung“ im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt erscheint heute – die Eröffnung der neuen Themenräume verzögert sich aufgrund der Corona-Pandemie.

Begleitend zum neuen Ausstellungsbereich Tiefsee und Meeresforschung, den beiden ersten neuen Räume im Rahmen des Projekts „Neues Museum“, geben die Kuratoren Dr. Thorolf Müller und Dr. Gerd Hoffmann-Wieck das Buch „Tiefsee – Vielfalt in der Dunkelheit“ heraus. Gemeinsam mit 30 Tiefseeforscher*innen der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und des GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel beleuchten sie in vier Großkapiteln den größten Lebensraum des Planeten und vermitteln fundiert Einblicke in die geologische und biologische Erforschung des dunklen Universums.

Vom Atlantik in die Alpen: Westwind bestimmt Klima in Zentraleuropa schon seit 14,5 Millionen Jahre

Senckenberg-Wissenschaftler*innen haben das Klimaoptimum des mittleren Miozäns in Zentraleuropa vor 17 bis 14 Millionen Jahren untersucht. Am Ende dieser langen Warmzeit kam es zu einer globalen Abkühlung die an Land erheblich schneller und dramatischer ablief als im Ozean. Das berichtet das Team aktuell im Fachjournal „Scientific Reports“ der Nature-Gruppe. Zeitgleich etablierte sich in Zentraleuropa ein Niederschlagsmuster, das dem heutigen entspricht. Demzufolge wäre das vom Nordatlantik beeinflusste Westwindsystem bereits seitdem, und damit drei Millionen Jahre früher als bisher angenommen, einer der Haupttreiber des zentraleuropäischen Klimas.

Madagaskar-Kopal entpuppt sich als Harz
Funde haben keinen paläontologischen, aber einen rezenten Wert

Senckenberg-Wissenschaftlerin Mónica Solórzano Kraemer hat gemeinsam mit einem internationalen Team das Alter und die Herkunft des „Madagaskar-Kopals“ untersucht. Sie kommen in der heute im Fachjournal „PLOS ONE“ veröffentlichten Studie zu dem Schluss, dass der versteinerte Harz höchstens wenige hundert Jahre alt ist und daher keine paläontologische Relevanz hat. Die Harze können aber dazu dienen, den heutigen Artenverlust auf der ostafrikanischen Insel zu dokumentieren.

Seitenweise Schmetterlinge
Erster gesamtdeutscher Atlas der Tagfalter und Widderchen erschienen

Tagfalter und Widderchen verzeichnen regional seit 1840 einen Rückgang um 40 Prozent. Von den 184 in Deutschland vorkommenden Tagfalterarten stehen 99 Arten auf der Roten Liste, 5 Arten sind bereits ausgestorben, sowie 12 weitere Arten vom Aussterben bedroht. Der neue „Verbreitungsatlas der Tagfalter und Widderchen Deutschlands“, entstanden unter Mitherausgabe und -arbeit von Senckenberg-Forschenden, zeigt auf 430 Seiten aktuelle Trends in der deutschen Schmetterlings-Welt. Erstmalig gibt es damit einen detaillierten gesamtdeutschen Überblick über die Vorkommen dieser populären Insekten.

Das Przewalski-Pferd: Der lange Weg zurück in die Freiheit
Bestand der Wildpferde nicht durch Inzucht gefährdet

Senckenberg-Wissenschaftler haben herausgefunden, dass der Bestand des Przewalski-Pferds nicht durch Inzucht gefährdet ist. Genetische Untersuchungen zeigen, dass die seit 1992 ausgewilderten Wildpferde trotz des kleinen Zuchtbestandes keine verringerte genetische Variabilität aufweisen. Die Studie erschien kürzlich im Fachjournal „Mongolian Journal of Biological Sciences“.

Die Rückkehr der Luchse
Genetische Langzeitinventur der ausgewilderten Harzluchse belegt positiven Trend

In enger Zusammenarbeit haben Forscher*innen des Nationalparks Harz und des Senckenberg Forschungsinstituts und Naturmuseums Frankfurt die genetische Struktur der Harzluchse seit ihrer Auswilderung unter die Lupe genommen und mit anderen Vorkommen verglichen. Die Studie wurde nun in der internationalen Fachzeitschrift „Conservation Genetics“ veröffentlicht.

Juni

“Dead Urchin Walking“ am Meeresboden
Schwer beschädigter Seeigel mit erstaunlicher Überlebenskraft

Senckenberg-Wissenschaftler Max Wisshak hat gemeinsam mit seinem Kollegen Christian Neumann vom Museum für Naturkunde in Berlin den Überlebenskampf eines Seeigels am Meeresgrund vor Spitzbergen dokumentiert. In ihrer kürzlich im Fachjournal „Polar Biology“ erschienen Studie zeigen sie, dass der Meeresbewohner aus der Gattung Strongylocentrotus trotz schwerer Verletzungen – mehr als ein Drittel seines Panzers und wichtige Organe fehlten – sich noch mindestens 43 Stunden weiter über den Meeresboden bewegte und dabei sogar dem Angriff einer großen Krabbe auswich. Der Fall dokumentiert das hohe Regenerationsvermögen der Seeigel, dass im Laufe ihrer Evolution aufgebaut wurde.

Edmonds Urzeitreich – Eine Dinograbung in Frankfurt
Kooperationsausstellung im Senckenberg Naturmuseum vom 4. Juni bis 25. Oktober 2020

Ein 20- und ein 40-Fuß-Container wurden auf dem Seeweg von den USA nach Frankfurt verschifft – an Bord: „Edmonds Urzeitreich“, ein etwa 20 Quadratmeter großer Gesteinsblock voller Dinosaurier-Knochen. Unterstützt durch die Lipoid Stiftung als Hauptförderer setzt Senckenberg so ein weltweit einmaliges Projekt um. Das aus der Lance-Formation in Wyoming geborgene „Bonebed“, reich an Knochen von Edmontosaurus und weiteren Fossilien, wurde nach Frankfurt transportiert und wird dort ab dem 4. Juni 2020 im Rahmen einer Kooperationsausstellung mit dem Wyoming Dinosaur Center Thermopolis, dem Frankfurter Kunstverein und mit National Geographic im Senckenberg Naturmuseum präsentiert. Vor den Augen der Besucher*innen legen Präparator*innen die Fossilien aus dem Gesteinsblock frei und bereiten sie für weitere wissenschaftliche Analysen vor.

Chagas-Wanzen finden auch in Europa geeignete klimatische Bedingungen
Frankfurter Forscher projizieren mithilfe ökologischer Modelle die Verbreitungsgebiete der Überträger der Chagas-Krankheit

Frankfurt. Mit der Chagas-Krankheit kann man sich eigentlich nur in Lateinamerika infizieren, denn die Wanzenarten, die die Krankheit übertragen, kommen nur dort vor. Wissenschaftler der Goethe-Universität und der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung haben jetzt anhand ökologischer Modellrechnungen getestet, inwieweit sich Habitate auch außerhalb Amerikas für die Wanzen eignen. Das Ergebnis: Für zwei Chagas-Wanzenarten herrschen auch im südlichen Europa günstige klimatische Lebensbedingungen, für eine weitere entlang der Küsten Afrikas und Südostasiens. Die Frankfurter Wissenschaftler fordern daher ein aufmerksames Beobachten der aktuellen Verbreitung der Chagas-Wanzen. (eLife DOI: 10.7554/eLife.52072)

FloraWeb: Botanik vor der Haustür
Botaniker*innen aus Halle und Görlitz modernisieren Deutschlands zentrale Pflanzen-Datenbank

Das Online-Datenportal FloraWeb stellt zahlreiche Informationen zu wildwachsenden Pflanzenarten in Deutschland bereit. Doch die Website ist etwas in die Jahre gekommen. Das Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz und Botaniker*innen der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) legen gemeinsam mit dem Bundesamt für Naturschutz das Informationsportal nun neu auf. Es wird modernisiert und aktualisiert sowie durch weitere Datenbanken und einen digitalen Bestimmungsschlüssel, der das genaue Erkennen der Pflanzen erleichtern soll, ergänzt. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit fördert das Projekt über drei Jahre mit rund 410.000 Euro.

Neu im Senckenberg:
Sommernacht und Streifzug durchs Museum
Führungen für Familien und Kleingruppen wieder buchbar

Ab Montag können Familien und Kleingruppen im Senckenberg Naturmuseum wieder Führungen erleben. Im kleinen Kreis von bis zu sechs beziehungsweise acht Personen erkunden die Teilnehmer*innen Dinos, Mammuts, Wale oder das eigene Lieblingsexponat auf besondere Art und Weise. Angeboten werden zwei Formate, bei denen bestimmt keine individuellen Wünsche und Fragen offenbleiben. Die Führung „Streifzug durch das Museum“ kann individuell für Termine unter der Woche per E-Mail gebucht werde. Wer die Ausstellungsstücke einmal nachts nach Museumsschluss entdecken möchte, hat mit der Führung „Sommernacht im Senckenberg“ immer freitags abends zu festen Terminen und Zeiten hierzu Gelegenheit.

Die Greta-Spinne
Neue Spinnengattung zu Ehren Greta Thunbergs beschrieben

Senckenberg-Arachnologe Peter Jäger hat eine neue Spinnengattung auf Madagaskar benannt: Unter dem Namen Thunberga werden nun fünf Arten innerhalb der Riesenkrabbenspinnen zusammengefasst. Der Name soll dabei bewusst an die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg und ihr Engagement gegen den Klimawandel erinnern. Jäger will damit auf die Bedrohung der madagassischen und globalen Artenvielfalt aufmerksam machen. Die Studie erschien gestern im Fachjournal „Zootaxa“.

„Hard Rock“ in der Tiefsee
Der Weg zur Entschlüsselung der Artenvielfalt am Meeresgrund ist steiniger, als bisher angenommen

Senckenberg- und GEOMAR- Forscher*innen haben mittels hydroakustischer Meeresbodenkartierung herausgefunden, dass der Meeresgrund im Atlantik sehr viel vielfältiger ist, als bislang angenommen. Bisher wurden von Biolog*innen in der abyssalen Tiefsee hauptsächlich monotone Sedimentebenen vermutet. Die Wissenschaftler*innen zeigen nun in ihrer heute im Fachjournal „PNAS “ veröffentlichten Studie, dass im Atlantik ein Flickenteppich von Felshabitaten und anderen Hartsubstraten zu erwarten ist, der in manchen Regionen dieser Tiefenzone 30 Prozent des Meeresbodens ausmachen kann. Es wird erwartet, dass die Vielfalt der Lebensräume direkte Auswirkungen auf die dortige Lebewelt hat.

Angola: Regenwald in Gefahr
Bergketten in der Provinz Uíge sollten laut Forscher*innenteam zu Nationalpark ernannt werden

Senckenberg-Wissenschaftler*innen haben mit Forschenden aus Angola und Deutschland die erste umfassende Erfassung der Amphibien- und Reptilienwelt in den Bergketten der angolanischen Uíge-Provinz vorgenommen. Die „Serra do Pingano Region“ zeichnet sich durch eine sehr hohe herpetologische Vielfalt aus – darunter auch einige bislang unbekannte Arten – und sollte laut dem Forscher*innen-Team zum geschützen Gebiet ernannt werden. Aktuell sind die Wälder durch den Einschlag von Tropenholz und die massive Produktion von Holzkohle bedroht. Die Studie erschien kürzlich im Fachjournal „Zoosystematics and Evolution“.

Forscher*innen untersuchen, wie sich Corona-Maßnahmen auf Tiere auswirken

Um die Ausbreitung der COVID-19 Pandemie zu stoppen, haben viele Länder die Bewegungsfreiheit ihrer Bevölkerung eingeschränkt. Die neue „COVID-19 Bio-Logging Initiative“, an der Wissenschaftler*innen der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, des Max-Planck-Instituts für Verhaltensbiologie und der Universität Konstanz beteiligt sind, untersucht, wie Tiere auf den Rückgang der menschlichen Aktivität reagiert haben. Dazu wurde die Bewegung verschiedener Tierarten vor, während und nach der Corona-Krise mittels Mini-Sendern verfolgt. Wie das Team aktuell im Fachmagazin „Nature Ecology & Evolution“ schreibt, sollen anhand der Ergebnisse Strategien für ein besseres Miteinander von Mensch und Tier entwickelt werden.

Mehr als die Hälfte aller Schildkrötenarten von der Ausrottung bedroht

Größte umfassende internationale Studie zur Gefährdung von Schildkröten erschienen
51 internationale Schildkröten-Fachleute – darunter Senckenberger Uwe Fritz – haben heute die umfassendste Studie über die globale Gefährdung von Schildkröten im Fachjournal „Current Biology“ veröffentlicht. Das Team der International Union for Conservation of Nature (IUCN) kommt zum Schluss, dass über die Hälfte aller 360 Schildkrötenarten von der Ausrottung bedroht sind. Laut der Studie wäre ein Handelsverbot für Wildfänge ein effektives Gegenmittel.

Europas Schmetterlings-Stammbaum
Vollständige Stammesgeschichte europäischer Tagfalter veröffentlicht

Ein deutsch-schwedisches Team hat, unter Federführung des Senckenberg-Wissenschaftlers Martin Wiemers, erstmalig die Stammesgeschichte sämtlicher Tagfalterarten Europas aufgeklärt. In der kürzlich im Fachjournal „ZooKeys“ erschienenen Studie präsentieren die Forschenden die Evolutionsgeschichte der derzeit existierenden 496 europäischen Tagfalterarten und deren verwandtschaftliche Beziehungen untereinander. Ihre Studie bietet ein wichtiges Instrument für die evolutionsgeschichtliche und ökologische Forschung sowie für Schutzmaßnahmen der bedrohten Insekten.

Wissenschaftler*innen warnen vor der Ausbreitung gebietsfremder, invasiver Arten

Die Anzahl gebietsfremder Arten nimmt rasant zu. Aktuell gibt es weltweit bereits mehr als 18.000 dieser Arten, berichten internationale Wissenschaftler*innen heute im Fachjournal „Biological Reviews“. Ein kleiner Teil gebietsfremder Arten sind invasiv und sorgen in ihren neuen Lebensräumen für eine Menge von Problemen, wie beispielsweise die Verdrängung einheimischer Arten. Das Team, darunter Dr. Hanno Seebens vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum, warnt daher eindringlich vor der steigenden Bedrohung durch solche Arten. Um die Eindringlinge aufzuspüren, ihre Ausbreitung zu kontrollieren und möglichst zu stoppen, sei ein sofortiges Handeln nötig.

Tiefsee in der Übersicht
Tiefseeatlas des Nordwest-Pazifik erschienen

Die Senckenberg-Wissenschaftlerinnen Hanieh Saeedi und Angelika Brandt haben gemeinsam mit rund 40 internationalen Forschenden erstmals eine Bestandsaufnahme der Tiefsee-Lebewesen des Nordwest-Pazifik veröffentlicht. Das gerade im Online-Verlag erschienene Fachbuch gibt einen Überblick über die biologische Vielfalt und Zusammensetzung der Arten, die dort in Tiefen unter 2000 Metern leben. Das im Atlas gesammelte Wissen bildet die Grundlage, um dieses bisher kaum erforschte Ökosystem und die Dienstleistungen, die es bereitstellt, besser zu verstehen und zu schützen. Insbesondere vor dem Hintergrund der UN-Dekade der Ozeanforschung 2021 bis 2030 bietet die Monografie wertvolle Basisdaten, um die Ziele der Agenda 2030 für eine nachhaltige Entwicklung zu erreichen.

Erste Funde der Saison
Grabungen in der Grube Messel Corona-bedingt mit kleinerem Team

Seit Mitte Juni wird im UNESCO-Welterbe Grube Messel wieder gegraben. Durch die Covid 19-Pandemie startet die Saison mit kleinerem Grabungsteam, aber zeitlich wie geplant. Erste Funde zeigen erneut die wissenschaftliche Bedeutung der Fossillagerstätte, die in diesem Jahr ihre 25jährige Mitgliedschaft in der UNESCO feiert.

Juli

Mit der Sonne in den Norden
Beginn der IceAGE-Expedition

Wilhelmshaven/Hamburg, 02.07.2020. Aktuell befinden sich 34 Forschende, unter der Leitung von Senckenbergerin Dr. Saskia Brix, an Bord des Forschungsschiffs Sonne. Ihr Ziel: Die Tiefsee rund um Island. Das interdisziplinäre Wissenschaftler*innen-Team möchte während der 35-tägigen Expedition die verschiedenen marinen Lebensräume rund um den Inselstaat im äußersten Nordwesten Europas untersuchen. Die Tauchgänge des am Bord befindlichen Tauchroboters ROV KIEL 6000 des GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel können live bei Youtube unter www.youtube.com/Senckenbergworld verfolgt werden.

Beziehungsgeschichten: Neues Großprojekt am Kilimandscharo erforscht Wert der Natur für den Menschen

Was erwarten Menschen von der Natur, was kann die Natur leisten und wie wird sie vom Menschen verändert? Diesen Fragen widmet sich ein neues Forschungsprojekt am Kilimandscharo, an dem Natur- und Sozialwissenschaftler*innen von fünfzehn Universitäten und Forschungseinrichtungen aus Deutschland, der Schweiz und Tansania beteiligt sind. Ihre Erkenntnisse sollen dazu beitragen, den einzigartigen Lebensraum in Ostafrika nachhaltiger zu nutzen. Koordiniert wird das Verbundprojekt von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstützt es finanziell mit 7,3 Millionen Euro.

Vom Kommen und Gehen eines Mega-Sees

Hydrologische Untersuchungen am ostafrikanischen Chew Bahir in der „Wiege der Menschheit“
Forschende des Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen haben mit einem internationalen Team in einem abgelegenen Tal in Südäthiopien die 20.000 Jahre zurückreichende Geschichte des Chew Bahir Mega-Sees rekonstruiert. Unter der Leitung von Annett Junginger zeigen die Wissenschaftler*innen, dass der See in seiner Geschichte rapiden Wasserspiegelschwankungen unterlag, welche sich direkt auf die vor Ort lebenden Menschen auswirkten. Die Studie erschien kürzlich im Fachjournal „Frontiers in Earth Science“.

Frühwarnsystem für Pandemien
Internationale Forscher*innengruppe entwickelt Strategien gegen die Virenübertragung von Wildtieren auf Menschen

Frankfurt, 10.07.2020. Selten hat ein Virus unsere Gesellschaft und Wirtschaft so beeinflusst wie das SARS-CoV-2-Virus, Auslöser der derzeitigen COVID-19-Pandemie. Übertragen wurde es von Tieren auf Menschen – wie bereits bei den ebenfalls durch Coronaviren ausgelösten Infektionswellen von SARS (Severe acute respiratory syndrome) und MERS (Middle East respiratory syndrome). Der Ursprungsort der neuen Pandemie wird beim chinesischen Huanan Seafood and Wildlife Market in Wuhan vermutet.

Waldwechsel in den asiatischen Tropen: Klimawandel lässt Vegetation ergrünen und sprießen

Durch höhere Kohlenstoffdioxidwerte in der Luft wachsen in den asiatischen Tropen bis zum Jahr 2100 mehr immergrüne Pflanzen als bisher; laubabwerfende Pflanzen hingegen gehen zurück. Zudem wird die Vegetation der Region in Zukunft stärker in die Höhe wachsen. Das ist das Ergebnis einer Simulation von Senckenberg-Wissenschaftler*innen die kürzlich im Fachmagazin „Global Change Biology“ erschienen ist. In Folge dieser Entwicklung entsteht in den asiatischen Tropen bis zum Ende des Jahrhunderts im Mittel bis zu 23 Prozent mehr oberirdische holzige Biomasse. Die Region könnte daher eine globale Kohlenstoffsenke sein, vorausgesetzt heutige Flächen mit natürlicher Vegetation werden nicht gerodet.

Entgegen der Trends: Wie sich die Artenvielfalt in Europa lokal verändert
Über 150 Langzeitmessreihen aus 21 Ländern ausgewertet

Senckenberg-Forschende haben mit einem internationalen Team die Ergebnisse einer einmaligen Zusammenstellung von 161 Langzeitmessreihen (15–91 Jahre) von 6200 marinen, terrestrischen und im Süßwasser lebenden Arten in 21 europäischen Ländern veröffentlicht. Die Wissenschaftler*innen zeigen, dass sich lokale Biodiversitätstrends in Europa teilweise erheblich von globalen Mustern unterscheiden. Insbesondere die Zusammensetzung von Artengemeinschaften hat sich lokal stark verändert. Die Studie erscheint heute im Fachjournal „Nature Communications“ und hat Auswirkungen auf die Erstellung von wirksamen Schutzkonzepten.

Katzen: Unabhängig seit 6000 Jahren
Urahnen der Hauskatzen lebten opportunistisch

Forschende des Senckenberg Centers for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen haben mit einem internationalen Team die Nahrungsgewohnheiten der Vorfahren heutiger Hauskatzen untersucht. Sie kommen zu dem Schluss, dass die ersten aus Europa bekannten Katzen sich nicht vom Menschen abhängig machten. Stattdessen ernährten sich die Tiere vor 6200 bis 4300 Jahren sowohl von Wildtieren, als auch von Nagetieren, die im Zusammenhang mit menschlicher Landwirtschaft standen. Die Studie erscheint heute im Fachjournal „PNAS“.

ROV KIEL 6000 entdeckt „Klare Raucher“ vor Island
IceAGE3-Expedition liefert faszinierende Bilder vom Meeresboden vor Island

Weite Ebenen in 3000 bis 4000 Metern Wassertiefe, steile Gebirge, vulkanische Aktivität: Dass der Meeresboden rund um Island abwechslungsreich ist, war bekannt. Doch noch immer klaffen Lücken im Wissen über die Tiefsee der Region. Die aktuelle Expedition IceAGE3 des deutschen Forschungsschiffs SONNE unter Leitung der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist dabei, einige dieser Lücken zu schließen. Der Tiefseeroboter ROV KIEL 6000 des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel hat jetzt im Rahmen der Expedition die ersten Bilder von bislang unbekannten heißen Quellen am Meeresboden geliefert.

Sag‘ mir, was der Fuchs fraß, und ich sage dir, wie der Mensch zu ihm stand
Forschungsteam untersucht, was Knochen des Kulturfolgers über sein Lebensumfeld vor rund 40.000 Jahren verraten

Füchse passten sich schon vor 40.000 Jahren an Menschen an und än-derten ihr Nahrungsspektrum. Diese Entwicklung fiel mit dem Auftreten des modernen Menschen in Südwestdeutschland zusammen, als die Höhlen der Schwäbischen Alb stärker genutzt wurden. Die hauptsächliche Ernährungsweise des Fuchses und seine Beziehungen zum Men-schen untersuchte ein Forschungsteam des Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen für den Zeitraum vor 42.000 bis 32.000 Jahren.

Extreme Umweltbedingungen führen zu massiver Umverteilung der globalen Artenvielfalt

Die biologische Vielfalt ist weltweit nicht gleichmäßig verteilt, sondern die meisten Arten leben in den Tropen, so dass die Anzahl der Arten Richtung Nord- und Südpol abnimmt. Dies gilt allerdings nicht für den Zeitraum von vor 252 bis 247 Millionen Jahren, wie Fossilien zeigen. Die Senckenberg-Wissenschaftlerin Dr. Shan Huang berichtet im Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“, dass die biologische Vielfalt damals global gleichmäßiger verteilt war, weil extreme Umweltveränderungen und ein Massenaussterben zusammenwirkten

55 Millionen Jahre altes Skelett einer Eule
Vollständigster Fossilfund aus der Frühzeit der Eulen-Evolution beschrieben

Senckenberg-Wissenschaftler Gerald Mayr hat mit Kollegen aus Belgien und den USA eine neue fossile Eulenart beschrieben. Das Skelett von Primoptynx poliotauros ist das älteste in dieser Vollständigkeit erhaltene Fossil einer Eule. Der Fund gibt erstmals Einblicke in die Lebensweise der frühesten Eulen. Ähnlich wie Habichte und Adler, aber anders als heutige Eulen, tötete die sehr große Ur-Eule ihre Beute vermutlich nicht mit ihrem Schnabel, sondern mit den Krallen ihrer Füße. Die Studie erscheint heute im Fachjournal „Journal of Vertebrate Paleontology“.

Wie die Landwirtschaft ins Ammertal einzog
Forschungsprojekt erstellt geoarchäologisches Archiv der ersten Mensch-Umwelt Interaktionen in Tübinger Region: Landschaft wandelte sich vom Feuchtgebiet zur Flussaue und zog Siedler an
 
Das Ammertal zwischen Tübingen und Pfäffingen in Baden-Württemberg, heute ein Gebiet intensiver Landwirtschaft, war während der Mittelsteinzeit über viele tausend Jahre ein ausgedehntes Feuchtgebiet. Als sich die Region vor etwa 8.000 Jahren in eine trockene Flussaue verwandelte, ließen sich die ersten Siedler aus dem Karpatenbecken nieder und führten die Agrarwirtschaft ein. Welche Umweltbedingungen und Nahrungsressourcen sie vorfanden ist nun erstmals in einem geoarchäologischen Archiv erfasst. Ein Team des Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment (SHEP) an der Universität Tübingen und des baden-württembergischen Landesamtes für Denkmalpflege hat rekonstruiert, wie sich das Ammertal über lange Zeiträume und im Wechselspiel mit dem Menschen landschaftlich veränderte.

August

Evolutionäres Geheimnis um „lebendes Fossil“ gelüftet
Die weltweit erste Sequenzierung des Brückenechsen-Genoms bringt Licht in Verwandtschaftsverhältnisse der Reptilien und Langlebigkeit im Tierreich

Ihre Vorfahren durchstreiften einst mit Dinosauriern die Erde – heute sind Brückenechsen nur noch in Neuseeland zu finden. Erstmals hat nun ein internationales Team von Wissenschaftler*innen, zu dem auch Dr. Stefan Prost vom LOEWE-Zentrum für Translationale Biodiversitätsgenomik gehört, das Genom dieses seltenen und bemerkenswerten Reptils entschlüsselt. Die Ergebnisse wurden heute in der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlicht. Sie ermöglichen es nicht nur, die Brückenechse besser in der evolutionären Entwicklung der Arten zu verorten. Sie geben auch Einblick in die genomischen Grundlagen ihrer Langlebigkeit und Krankheitsresilienz. Das Projekt wurde in enger Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftler*innen und lokalen Māori-Gemeinschaften durchgeführt.

Wenn der Wurm zum Giftschlag ausholt
Die Erforschung einheimischer Schnurwürmer gibt Einblick in die evolutionäre Entwicklung und wirtschaftliche Nutzung von Tiergiften

Würmer sind den meisten Menschen als nützliche Regenwürmer oder lästige Parasiten geläufig. Schnurwürmer (Nemertinen) hingegen sind weitgehend unbekannt – obwohl sie einen Weltrekord halten: Die Lange Nemertine (Lineus longissimus) gilt mit bis zu 60 Metern Gesamtlänge als das längste Tier der Welt. Weitere Besonderheiten der überwiegend im Meer lebenden Schnurwürmer sind ihr Rüssel, den sie für die Jagd oder zur Erkundung der Umgebung ausstülpen können, und ihre Eigenschaft, Gifte zu produzieren. Diesen Giftcocktail haben Forscher*innen nun in einem Verbundprojekt des LOEWE-Zentrums für Translationale Biodiversitätsgenomik (TBG) detailliert untersucht. Ihre Ergebnisse publizierte das Team kürzlich in der Fachzeitschrift „Marine Drugs“.

Kontroverse Biodiversitätsversuchsflächen auf dem Prüfstand

Ein Großteil der Erkenntnisse darüber, wie die Menschheit von biologischer Vielfalt profitiert, stammt aus Biodiversitätsversuchsflächen wie dem „Jena Experiment“. Kritiker*innen bemängeln jedoch seit langem, dass dort Artengemeinschaften wachsen, die in der Natur nicht vorkommen. Senckenberg-Forschende haben jetzt untersucht, ob sich biologische Vielfalt positiv auf die Leistungen eines Ökosystems auswirkt oder ob der Effekt dem Design dieser Flächen geschuldet ist. Dazu wurden in einer neuen Studie unrealistische Versuchsflächen identifiziert und in der Analyse ausgespart. Trotzdem änderten sich die Ergebnisse kaum. Dies belege eindeutig, dass die aus den Versuchsflächen erlangten Erkenntnisse zur biologischen Vielfalt als essentielle Lebensgrundlage der Menschheit valide seien, schreibt das Team aktuell in „Nature Ecology & Evolution“.

EINLADUNG zur Pressevorbesichtigung
Neue Ausstellungsräume: Tiefsee und Meeresforschung

Das Senckenberg Naturmuseum Frankfurt eröffnet am 3. September 2020 die ersten Themenräume des modularen Umbauprojekts Neues Museum: „Tiefsee“ und „Meeresforschung“

Die Tiefsee ist der größte Lebensraum der Erde – etwa 50 Prozent der gesamten Erdoberfläche liegen unterhalb von 1000 Metern Tiefe im Ozean. Trotz der extremen Lebensbedingungen ist die Tiefsee Heimat für Organismen, die sich auf vielfältige Weise angepasst haben: vom Riesenkalmar über den Pelikanaal bis hin zu blaugrün leuchtenden Schlangensternen und der „Alarmqualle“. Der Ausstellungsraum Tiefsee stellt die Vielfalt der Tiefsee-Bewohner vor, u.a. in faszinierenden Lebensraumausschnitten wie einem Walfalll oder einem Black Smoker.

Zukunft der Bioökonomie ankert in Frankfurt
Mitmach-Ausstellung an Bord der MS Wissenschaft lädt Jugendliche und Erwachsene dazu ein, verschiedene Aspekte der Bioökonomie zu entdecken

Wie lässt sich Wirtschaft auf der Grundlage nachwachsender Rohstoffe nachhaltig gestalten? Welche Rolle kommt dabei der biologischen Artenvielfalt zu? Besonders für die Lebensmittelindustrie, Pharmazie oder Werkstoffforschung sind dies wichtige Fragen. So stellen zum Beispiel viele Tiere, Pflanzen und Pilze Stoffe her, die für eine wirtschaftliche Anwendung interessant sind. Wissenschaftler*innen arbeiten daran, diese Naturstoffe zu entdecken und herauszufinden, wie die Lebewesen sie herstellen. Zukunftsweisende und interaktive Exponate zum Thema Bioökonomie zeigt im Wissenschaftsjahr 2020/2021 eine Ausstellung auf der MS Wissenschaft, die vom 28. bis 31. August 2020 in Frankfurt liegt. Mit an Bord ist ein Exponat der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und des LOEWE-Zentrums für Translationale Biodiversitätsgenomik (TBG).

Ostasiatischer Pflanzenschädling erstmals in Deutschland entdeckt

Deutschlands Gärten und Parks droht eine neue Gefahr: Senckenberg-Wissenschaftler haben in einem Garten in Niedersachsen erstmals an Akeleien den aggressiven Pflanzenschädling Peronospora aquilegiicola nachgewiesen. Das geht aus einer kürzlich in der Fachzeitschrift „Mycological Progress“ veröffentlichten Studie hervor. Der ‚Falsche Mehltau‘ befällt ausschließlich Akeleien, bei denen er zum Absterben der Pflanze führt. Der Pflanzenschädling kommt ursprünglich aus Ostasien und war bislang in Europa nur in Großbritannien aufgetaucht. Dort hat er die beliebten Zierpflanzen in öffentlichen Parks bereits großflächig vernichtet.

September

Lebewesen charakterisieren und von ihnen lernen
Der Genomiker Michael Hiller übernimmt neue Professur am LOEWE-Zentrum für Translationale Biodiversitätsgenomik

Das LOEWE-Zentrum für Translationale Biodiversitätsgenomik (TBG), das sich der Erforschung der genomischen Grundlagen von Biodiversität widmet, hat zum 01. September renommierte Unterstützung erhalten: Prof. Michael Hiller verstärkt den Forschungsbereich Vergleichende Genomik und übernimmt Aufgaben in der Zentrumsleitung. Die Berufung erfolgte in Kooperation der beiden TBG-Partnerinstitutionen Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und Goethe-Universität Frankfurt. Zuvor leitete der Genomiker Hiller eine Forschungsgruppe an den Max-Planck-Instituten für molekulare Zellbiologie und Genetik (MPI-CBG) sowie für Physik komplexer Systeme in Dresden.

Abtauchen mit Senckenberg: Eröffnung der Themenräume „Tiefsee“ und „Meeresforschung“
Das Senckenberg Naturmuseum Frankfurt eröffnet am 3. September 2020 die ersten Themenräume des modularen Umbauprojekts Neues Museum: „Tiefsee“ und„Meeresforschung“

Die Tiefsee ist der größte zusammenhängende Lebensraum der Erde. Sie ist von ewiger Finsternis, lähmender Kälte, enormem Druck und ständiger Nahrungsknappheit geprägt. Trotzdem leben dort unzählige faszinierende, hochspezialisierte Tiere und Mikroorganismen. Die physikalischen Bedingungen der Tiefsee stellen Wissenschaftler*innen bei der Erforschung vor große Herausforderungen. Die Technik zur Erforschung der Tiefsee ist daher ähnlich komplex wie die Geräte zur Erforschung des Weltalls. Bisher wissen wir weniger über diesen besonderen Lebensraum als über die Rückseite des Mondes. Senckenberg widmet der Tiefsee und Meeresforschung in Kooperationmit dem Wissenschaftspartner Geomar Helmhotz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel zwei neue Themenräume im Frankfurter Naturmuseum. Es sind die ersten Ausstellungsräume, die im Rahmen des Projekts Neues Museum realisiert wurden –mit freundlicher Unterstützung der Familie Orenstein, der DZ BANK Stiftung und der Senckenberg-Mitglieder.