Lepidoptera

Forschung

Citizen Science – Insekten fördern, Artenkenntnisse erwerben und Lebensräume renaturieren

Der Rückgang der Artenkenntnisse in der Bevölkerung war 2006 der Startpunkt, die Neuen Medien zu nutzen, um auf Insekten aufmerksam zu machen, Wissen zu vermitteln und Menschen zu motivieren, ihre Beobachtungen in der Natur mitzuteilen. Von 2007–2009 wurde in dem Projekt „Wo tanzt das Glühwürmchen?“ dazu aufgerufen, Glühwürmchenbeobachtungen zu melden. Damit sollte getestet werden, ob diese heutzutage selbstverständliche Methode angenommen wird ( www.laternentanz.eu). Der erfolgreiche Verlauf dieses Projektes mündete 2010 in das Projekt INSEKTEN SACHSEN, im Rahmen dessen eine Informationsplattform für alle Insekten mithilfe von Citizen Science-Daten aufgebaut wird. Die INSEKTEN SACHSEN-App erlaubt es, Beobachtungen schon im Freiland mitzuteilen und häufige Art zu erkennen ( www.insekten-sachsen.de). Über die Qualitätsprüfung aller eingehenden Daten erhalten die Mitmachenden eine Rückmeldung, ob sie die Arten richtig bestimmt haben und können so Ihre Artenkenntnisse erweitern. Selbst etwas in der Natur entdecken, sich Wissen anzueignen und an der Forschung teilzuhaben sind wichtige Voraussetzungen, um Empathie für unsere Mitgeschöpfe zu entwickeln, ökologische Zusammenhänge in der Umwelt kennenzulernen und motoviert zu sein, sich für die Umwelt zu engagieren. So startete 2015 schließlich das Projekt „Puppenstuben gesucht – Blühende Wiesen für Sachsens Schmetterlinge“, in dem sich viele Hundert Menschen dafür einsetzen, aus intensiv gemähten Grünflächen Lebensräume für Pflanzen und Insekten zu machen ( www.schmetterlingswiesen.de). 2017 und 2019 wurde ‚Schmetterlingswiesen‘ ausgezeichnetes Projekt in der UN Dekade Biologische Vielfalt.

 

Systematik und Phylogenie der Zünslerfalter (Pyraloidea)

Seit Einführung der binären Nomenklatur in die Zoologie im Jahr 1758 durch Carl von Linné wurden über 16.500 Arten der Pyraloidea beschrieben. Dabei wurde bis in das 20. Jahrhundert hinein die tatsächliche Artenvielfalt weit unterschätzt, so dass viele Originalbeschreibungen Details und Illustrationen vermissen lassen, die heute keine Verifizierung mancher Arten erlauben. Dies leistete der Mehrfachbenennung von Arten Vorschub, so dass es heute etwa 6.300 Synonymnamen gibt. Des Weiteren erfolgte zum Teil bis in die Gegenwart die Klassifikation mehr nach Ähnlichkeit als nach Verwandtschaft, was in die unübersichtliche Zahl von etwa 2.100 Gattungen (+ 1.400 Synonyme) mündete. Damit lag für diese Tiergruppe bis in die jüngste Vergangenheit ein unübersichtliches Klassifikationssystem vor.

Die Aufarbeitung dieser Defizite, (1) die Katalogisierung aller bislang beschriebenen Namen, (2) die Rekonstruktion der natürlichen Verwandtschaftsbeziehungen (Phylogenie), (3) die Revision bereits beschriebener Taxa und die wissenschaftliche Beschreibung neuer Arten (Taxonomie) bilden den Kern unserer Forschungsaktivitäten. Dazu sind in den zurückliegenden 25 Jahren grundlegende Arbeiten publiziert und das Globale Informationssystem Zünslerfalter (GlobIZ) aufgebaut worden, das 2003 im Rahmen der GBIF-D Initiative etabliert wurde. GlobIZ ist eine Onlinedatenbank, die eine simultane Datenbearbeitung durch Spezialisten aus aller Welt ermöglicht und die Daten im Internet frei zur Verfügung stellt. Die Datenbank enthält 25.800 Namen, die mit den Literaturzitaten zu Originalbeschreibungen und nomenklatorischen Änderungen verlinkt sind. GlobIZ wird am Senckenberg Museum für Tierkunde Dresden koordiniert ( www.pyraloidea.org).

 

Phylogenie der Phycitinae

Promotionsvorhaben von Diplom-Biologin Franziska Bauer

Im Rahmen meiner Dissertation arbeite ich an phylogenetischen Analysen der megadiversen Pyralidengruppe der Phycitinen. Diese weltweit verbreitete Gruppe umfasst etwa 3.450 Arten. Trotz ihrer überwältigenden Artenvielfalt, die gerade in den temperaten Gebieten der Erde vergleichsweise hoch ist, und ihrer wirtschaftlichen Bedeutung, die von einer Reihe ubiquitär vorkommender Schädlinge ausgeht, sind bis heute erstaunlich wenig Bemühungen unternommen worden, eine Phylogenie-basierte Nomenklatur aufzustellen und Gründe und Ursprungsort der starken Diversifikation zu beleuchten. Ich verwende moderne phylogenetische Methoden um diese verschiedenen Aspekte der Evolution und Klassifikation dieser megadiversen Gruppe zu untersuchen. Das Verständnis der phylogenetischen Position von Schädlingen, zu denen z.B. die Dörrobstmotte Plodia interpunctella gehört, wird ein wichtiger Schritt in Richtung eines besseren Verständnisses zum heutigen Verbreitungs- und Verhaltensmuster dieser Arten sein, die weltweit für enorme wirtschaftliche Verluste verantwortlich sind.

 

Vergleichende und funktionelle Anatomie der Lepidoptera

Dr. Francesca Vegliante

Fragen nach der Evolution und der Funktion des Insektenkörpers erfordern das Studium der inneren Organe (Anatomie). Die Anatomie von Faltern, Larven und Puppen wird basierend auf histologischen Schnitten untersucht. Basierend auf diesen Schnitten werden räumliche Zeichnungen oder dreidimensionale Computermodellierungen generiert, welche das Innere der Insekten veranschaulichen. Gegenwärtige anatomische Forschungen umfassen:

  • Diversität und Evolution exokriner Drüsen von Schmetterlingslarven (in Kooperation mit Prof. Ivar Hasenfuss)
  • Kopulationsmechanismus von Anania hortulata (Pyraloidea:Crambidae) (in Kooperation mit Dr. Matthias Nuss)
  • Larvale Kopfanatomie von Micropterix calthella