Forschung

Petrographie und Geochemie der Moldavite

Die seit etwa 1980 intensivierte Studie der Kollisionsgeschichte planetarer Körper ließ auch lange Zeit kaum beachtete Funde von Tektiten in Flußschottern der Lausitz wissenschaftlich interessant werden. Diese als Moldavite bezeichneten Gläser sind Produkte des Ries-Impaktes vor etwa 15 Mio. Jahren. Petrographische und geochemische Untersuchungen an den Lausitzer Moldaviten bestätigen die bereits früher vermutete Verwandtschaft mit böhmischen und mährischen Moldaviten. Methoden, die eine Trennung von Moldaviten aus verschiedenen Substreufeldern ermöglichen, lassen im Lausitzer Substreufeld eine Vergesellschaftung von Moldaviten des böhmischen und des mährischen Typs erkennen. Eine ausschließlich fluviale Herleitung der Lausitzer Moldavite aus dem böhmischen Substreufeld ist nicht wahrscheinlich. Neben Überlegungen zur Paläogeographie und Stratigraphie der Fundschichten sprechen dafür besonders die physikochemischen Eigenschaften der Lausitzer Moldavite. Die Mehrzahl weist Merkmale auf, die bei Moldaviten aus Böhmen unbekannt sind und nur in Mähren auftreten. Dies führt zur Annahme eines eigenständigen Lausitzer Substreufeldes innerhalb des Moldavitstreufeldes.

Publikationen zu Tektiten und dem Riesimpakt

Hebungs- und Flussgeschichte Mitteleuropas

Die spätmesozisch–känozoische thermische und tektonische Entwicklung des sächsischen Grundgebirges kann bisher nur ungenügend zeitlich eingeordnet werden. Dies betrifft besonders die vermutlich neogene Exhumierung des Erzgebirges und, mit geringeren Beträgen die Oberlausitz. Als Folge vollzog sich eine weiträumige fluviatile Aufschotterung im nördlich angrenzenden Vorland. Deren zeitliche Einordnung ist ebenfalls weitgehend unsicher. Bisherige Arbeiten haben die Einflussnahme tektonischer Vertikalbewegungen auf die Morphogenese kaum berücksichtigt. Die Heraushebung von Erzgebirge und Lausitz und die damit verbundene Ausbildung des Flusssystems sind bedeutende Faktoren für die Genese der tertiären Landschaft. In deren Ergebnis wurden die wesentlichsten Grundzüge des heutigen Landschaftsbildes geschaffen. Das Forschungsvorhaben verknüpft die Spaltspurenanalysentechnik mit sedimentpetrographischen Studien und eröffnet somit die Möglichkeit einer umfassenden Rekonstruktion der jüngeren Hebungs- und Flussgeschichte Sachsens.

Publikationen zur Hebungs- und Flussgeschichte Mitteleuropas im Känozoikum

Petrographische und geochemische Untersuchungen an Artefakten

Bei archäologischen Grabungen im Jahre 2007 wurden an Fundstellen in der Region Geithain/Rathendorf zahlreiche Überreste vorgeschichtlicher Siedlungen der Linienbandkeramischen Kultur (5500–5000 v. Chr.), der Stichbandkeramischen Kultur (5000–4500 v. Chr.) und des Mittelneolithikums (um 4000 v. Chr.) entdeckt und geborgen. In den Befunden dieser Siedlungsreste treten zahlreiche Gesteinsartefakte auf. Es handelt sich um geschliffene Steinbeile, Mahlsteinfragmente sowie Schleifsteine, die hauptsächlich aus Amphiboliten, Rhyolithen und Sandsteinen bestehen. Ziel der wissenschaftlichen Arbeit ist die Herkunftsbestimmung des Ausgangsmaterials. Die aktuelle Diskussion dreht sich darum, ob die Ausgangsmaterialien aus dem lokalen Umfeld stammen oder auf weitreichende Handelsbeziehung zurückzuführen sind. Ein Beiträge zur Identifizierung der Herkunftsgebiete der Rohstoffe leisten Untersuchungen basierend auf petrographischen und mikrochemischen Analyseverfahren (Polarisationsmikroskopie, REM-EDX und µXRF) sowohl an ausgewählten archäologischen Objekten als auch an Referenzgesteinen.

Publikationen zu archäometrischen Themen