Röntgen-MicroCT Aufnahme einer Kolonie von Anoteropora latirostris Silén, 1947.

Marine Evertebraten III: Forschung


Bryozoen sind häufig anzutreffende Bewohner der Weltmeere und Küstenregionen. Grundlagenforschung und Artenkenntnis auf dem Gebiet der Bryozoen-Arten und Artengemeinschaften ist relevant für die unterschiedlichsten Disziplinen und Arbeitsrichtungen.

Die aktuellen wissenschaftlichen Aktivitäten der Sektion fallen hauptsächlich in den Bereich:

Forschungsbereich 1: Biodiversität, Systematik und Evolution

Neben taxonomischen Arbeiten über rezente und fossile Bryozoen beschäftigen wir uns mit Aspekten der Biomineralisation und der Skelettarchitektur von Bryozoen und kooperieren dabei mit verschiedenen Institutionen im In- und Ausland und diversen Fachkollegen.

Biodiversität und Ökosysteme

Eine sinnvolle Kategorisierung laminarer Bryozoen-Wuchsformen sowie der selektive Einfluss von Biofilmen und Mikrobenmatten standeb im Mittelpunkt verschiedener Senckenbergischer Kooperationsvorhaben in Japan und Neuseeland finanziell unterstützt von Einrichtungen der Forschungsförderung in allen drei Ländern (DFG/JSPS/MoRST, GE 64/8-1, GE 64/8-2 „Bryozoen Mikrobenmatten“). Wir analysierten dabei Bryozoen-Wuchsformen aus kalttemperierten bis hin zu marginal tropischen Breiten. Es stellt sich klar heraus, dass Ansiedlung und Wachstum von sessilen Mikroorganismen entscheidend gesteuert werden. Außerdem erwies es sich, dass die verschiedenen Typen laminarer Wuchsformen sehr gut die Umweltbedingungen sowohl im Rezenten als auch im Fossilen anzeigen (Kaselowsky 2002, Kaselowsky et al 2005, Gerdes et al 2005a, 2005b, Scholz 2000).

Die Rekonstruktion der Dynamik im Wandel der Artengemeinschaften ist ein weiteres Ziel in der Erforschung der Bryozoen, hier speziell derjenigen aus dem Nordseebereich. Dabei werden historische Museumssammlungen als aktuelle Forschungsinfrastruktur genutzt und Proben, die seit 1776 gesammelt wurden, ausgewertet. Nach einer entsprechenden Diplomarbeit an der Unversität Rostock (F. Bitschofsky) finanzierte das BiK F Projekt B2.10 „Ecosystem Engineering“ die Fortsetzung der Arbeiten in den Jahren 2010/11. Die Ergebnisse wurden publiziert von Bitschofsky et al (2011) und Bitschofsky (2013).

Ähnliche Ansätze wurden auch in Japan verfolgt. Seit 1999, dem Jahr der Gründung einer hauptsächlich mit Bryozoen befassten Arbeitsgruppe am Senckenberg, wurde das wissenschaftliche Vermächtnis des Pioniers der Meeresbiologie in Japan Ludwig Döderlein (1855-1936) und einiger seiner Nachfolger bearbeitet (Scholz 2009, Spencer Jones et al 2011, Scholz et al. 2012). Dabei stellte sich unter anderem heraus, dass heutzutage verschiedene Arten riffbildender Bryozoen aus der Sagamibucht verschwunden sind, die in historischen Museumssammlungen aber noch nachgewiesen werden können (Hirose et al 2013).

Biodiversität und Evolution/Systematik

Rezente Bryozoen:

Bryozoen aus dem Roten Meer (Saudi Arabien), dem Golf von Aqaba (Jordanien), dem Golf von Aden, und Sokotra fanden in diversen Aufsammlungen und taxonomischen Studien Berücksichtigung. Seit dem März 2011 läuft mit finanzieller Unterstützung der KAU (King Abdulaziz University) in Jeddah, Saudi Arabien, eine taxonomische Erfassung der Bryozoen entlang der Rotmeerküste des Landes (Dr. A. Grischenko, Russland, in Zusammenarbeit mit J.Scholz).

Fossile Bryozoen:

Die Sammlung von Prof. E. Voigt (1905-2004) besitzt als die weltweit umfangreichste und vollständigste Dokumentation der europäischen Oberkreide- und Paläogenbryozoen ein Alleinstellungsmerkmal. Sie ist bislang weder digitalisiert noch in einer Gesamtschau dargestellt. Die gezielte Digitalisierung ausgewählter Sammlungsobjekte der Bryozoa vom Cenomanium bis zum Eozän in der Datenbank SESAM wird das Potential der Bryozoensammlung im Sinne einer Forschungsinfrastruktur erhöhen. Daneben arbeiten wir auch an einem Typenkatalog der von Professsor Voigt beschriebenen Arten.

Die Arbeiten werden seit November 2012 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert: DFG Project: „SCHO 581/12-1 Erschließung der Bryozoensammlung von Professor Voigt (1905-2004) im Senckenberg Forschungsinstitut, Frankfurt am Main“