Sammlung Malakologie Dr. Ronald Janssen

Malakologie

Sammlung


Die Sammlung der Molluskensektion in Frankfurt am Main umfasst sowohl rezente als auch fossile Mollusken aus dem Tertiär und zählt im internationalen Vergleich zu den umfangreichsten und wissenschaftlich bedeutungsvollsten ihrer Art weltweit.

Sie enthält derzeit ca. 33.000 Arten/Unterarten rezenter und ca. 12.000 Taxa tertiärer Mollusken in rund 700.000 Serien. Der Bestand an Typusmaterial beläuft sich auf etwa 30.000 Serien, davon ca. 8.000 Holo- und Lectotypen. Die Sammlung ist einschließlich des fossilen Materials systematisch geordnet. Rund 353.000 Serien sind derzeit katalogmäßig erfaßt, davon etwa 17% in elektronischer Form.
Datenbankabfragen sind über das Aquila Suchportal möglich.

Artenbestand der Molluskensammlung in Frankfurt am Main (SMF)

RezentTertiärGesamt
Gastropoda Prosobranchia und Opisthobranchiaca. 13.400ca. 8.000ca. 21.400
Gastropoda Pulmonataca. 14.600ca. 1.100ca. 25.700
Bivalviaca. 4.500ca. 3.000ca.7.500
übrige Gruppenca. 500ca. 250ca. 750

Terrestrische Mollusken

Der wissenschaftlich bedeutendste Teil der Frankfurter Sammlung umfaßt mit ca. 22.000 Taxa in rund 340.000 Serien die terrestrischen und limnischen Mollusken, speziell die Landschnecken, die vor allem den Weltruf dieser Sammlung begründen.

Besondere Schwerpunkte

Europa: herausragend sind die Sammlungen E. A. Rossmässler (1806-1867) mit den Belegen zu seiner grundlegenden „Iconographie der  Land- und Süßwasser-Mollusken“ (1835-1859) und die von P. Ehrmann (1868-1937) mit den Belegen zur „Tierwelt Mitteleuropas“. Die Sammlungen von W. Kobelt (1840-1916), O. Boettger (1844-1910) und K. L. Pfeiffer (1874-1952) sind reich an Belegen zu zahlreichen Publikationen über ganz Europa, vor allem aber über Südeuropa und die Kaukasusregion. Auch die Inselgruppen Madeira, Kanaren, Kapverden sind ausgezeichnet repräsentiert. Die Balkanländer und speziell die Türkei waren Arbeitsschwerpunkte des ehrenamtlichen Mitarbeiters H. Schütt (1923-2009), dessen Sammlung mit ca. 3.000 Arten und rund 17.000 Serien 2010 als Vermächtnis in den Besitz Senckenbergs überging.

Philippinen: dank der monographischen Bearbeitungen der Landschnecken durch O. F. v. Moellendorff  (1848-1903) besitzt das Senckenberg von diesen Inseln die wohl weltweit größte und vollständigste Sammlung. Angesichts der akuten Bedrohung der Fauna infolge Umweltzerstörung hat diese eine besondere Bedeutung.

Asien und Pazifikraum: große Belegsammlungen von China, Japan, Indochina, den Karolinen, Neuguinea und den Molukken; sehr wichtig ist die Süßwassermollusken-Fauna Thailands, Grundlage der Monographie von  R. Brandt (1974).

Arabien: Arbeiten des ehrenamtlichen Mitarbeiters E. Neubert machen speziell die Sammlung der endemischen Landschnecken von Sokotra (Jemen) zur besten ihrer Art. Neben diesen Schwerpunkten sind weit überdurchschnittlich repräsentative Bestände auch aus Afrika, Nord- und Südamerika sowie von Australien vorhanden.

In systematischer Hinsicht stechen verschiedene Sammlungsteile hervor, z. B. die Sammlung der Süßwassermuscheln (Unionida). Diese hat F. Haas (Kustos von 1910-1936) durch seine Arbeiten zu einem der größten und wissenschaftlich bedeutendsten Bestände der Welt gemacht. Hier decken Belege sämtlicher europäischer Arten fast alle Gewässersysteme Europas ab. Unter dem reichen Material nordamerikanischer und asiatischer Arten finden sich zahlreiche inzwischen ausgerottete oder akut bedrohte Arten.

Die Schließmundschnecken (Clausiliidae) sind mit dem weltweit größten sowie typen- und artenreichsten Bestand vertreten, der dank der fortwährenden Bearbeitungen durch den ehrenamtlichen Mitarbeiter H. Nordsieck in außergewöhnlicher Weise bereichert wird. Sammlungen von herausragender Bedeutung besitzt das Institut auch von zahlreichen Schneckengruppen, darunter die Cyclophoroidea (Landdeckelschnecken), limnische Rissooidea (Kleinschnecken, vielfach aus Karstgewässern und Quellen), Helicoidea (Schnirkelschnecken), afrikanische Riesenschnecken (Achatinidae), südamerikanische Bulimulidae.

Die Abteilung der terestrisch-limnischen Mollusken  beinhaltet neben den schon genannten unter anderem auch die Sammlungen folgender bedeutender Autoren: C.R. Boettger,  H.G. Bronn,   H.V. Ihering, S.H. Jaeckel, H. Kaltenbach, G. Nägele, H. Nordsieck, K.L. Pfeiffer, O. Reinhardt,  R. Schlickum,  H. Schütt, A. Zilch.

Marine Mollusken

Wissenschaftliche Schwerpunkte bilden die Mollusken aus den europäischen und arabischen Meeren. E. Rüppell’s Mollusken des Roten Meeres sowie mediterrane und indopazifische Faunen, vor allem von den Philippinen, mit Belegen zu Kobelt’s „Iconographie der schalentragenden europäischen Meeresconchylien“ (1883-1908), mehreren Lieferungen des „Neuen  Systematischen Conchylien-Cabinets“ und diversen Spezialbearbeitungen O. Boettger’s sind der Grundstock. Dieser wird seit 1977 durch reiche Aufsammlungen senckenbergischer Wissenschaftler und die Ausbeuten deutscher Forschungsschiffe (Meteror, Sonne, Valdivia u.a.) sowie die regelmäßigen Ausfahrten des FK Senckenberg in die Nordsee beständig ausgebaut.

Bedeutsames Material erbrachten zwei Expeditionen zur Insel Hainan (China) und Projekte im Persischen Golf, im Roten Meer und im Golf von Aden (Insel Sokotra). Die Sammlung F. Nordsieck (1906-1984) enthält viele Typen europäischer Meeresmollusken. R. v. Cosel schenkte 1990 dem Institut seine aus rund 4.000 Arten in über 25.000 Serien bestehende weltweite Sammlung mit speziellem Schwerpunkt auf der Karibik, vor allem von der Küste Kolumbiens. Die Sammlung H. G. Bronn (1800-1862) enthält u. a. die Typen zu einer der ersten Bearbeitungen mariner Mollusken von Japan (Dunker 1861). Seit den 90iger Jahren bereichern Mollusken von submarinen hydrothermalen Quellen („hot vents“) den Bestand. Die Sammlung F. A. Schilder (1896-1970) zählt zu den wichtigsten Spezialsammlung von Kaurischnecken (Cypraeoidea).
Die marinen Mollusken sind mit ca. 170.000 Serien und rund 11.000 Arten vertreten.

Weiteres wichtiges Material, darunter auch Typen, an rezenten terrestrischen wie marinen Mollusken ist unter anderem vorhanden von: C.B. Adams, C.M. Cooke, H. Cuming, W. Dunker, V. Gredler, F. Held, D.F. Heynemann, F. Kinkelin, H.C. Küster, R. Lais, Th. Menke, A. T. Monterosato, H. Nordsieck, P. Pallary, L. Pfeiffer, R.A. Philippi, O.V. Retowski, H. Rolle, TH. Verkrüzen, W. Wenz, C.A. Westerlund, W.K. Weyrauch.

Tertiäre Mollusken

Die Sammlung tertiärer Mollusken mit derzeit ca. 12.000 Arten in rund 190.000 Serien hat ihren Schwerpunkt auf dem europäischen Tertiär, wobei oligozäne und neogene Faunen besonders gut repräsentiert sind. In geographisch-stratigraphischer Hinsicht stechen das Oligozän und Miozän des Nordseebeckens, die französischen Tertiärgebiete (Aquitaine, Pariser Becken, Loirebecken) und das Miozän der Paratethys sowie Jungtertiär des Mediterranraumes hervor.  Den historischen Grundstock bilden Objekte, die von J. C. Senckenberg (1707-1772) stammen, sowie die deutschlandweit belegreichsten Bestände aus dem gleichsam „vor der Haustür“ gelegenen Mainzer Becken.

Ausserordentlich kostbar ist die Sammlung aus dem Miozän Rumäniens, von wo durch O. Boettger über 400 neue Arten beschrieben wurden. Ganz besonders gut vertreten sind die Faunen aus dem Tertiär des Nordseebeckens mit zahlreichen Typen und Belegsammlungen zu Publikationen  von J. Görges, H.-J. Anderson, R. Janssen u.a. Tertiäre Land- und Süßwassermollusken Europas sind dank der typenreichen Sammlungen von O. Boettger, K. Fischer, W. R. Schlickum und H. Schütt in hervorragender Weise repräsentiert. Seit 1977 machen systematische Aufsammlungen in vielen Tertiärgebieten Europas sowie reiche Schenkungen bedeutender privater Fossilsammlungen (H.-J. Anderson, D. Grüll, H. Krock, W. Lappan, A. Piehl, Th. Schellmann,  F. Weinbrecht) die Tertiärsammlung zum größten und artenreichsten Bestand in Deutschland und damit auch zu einem der wichtigsten in Europa.

Bibliothek und Archiv

Im Besitz der Sektion befindet sich auch eine Sammlung von Handschriften und Bildnissen von Malakologen. Angegliedert ist ferner die wohl umfangreichste malakologische Fachbibliothek im deutschsprachigen Raum mit ca. 35.000 Einzeltiteln und rund 100 Fachzeitschriften.

Sammlung und Bibliothek sind Interessenten – nach frühzeitiger Terminabsprache mit dem Sektionsleiter – für eine wissenschaftliche Nutzung zugänglich.

Die Molluskensektion ist auch der Sitz der Deutschen Malakozoologischen Gesellschaft sowie Sitz der Schriftleitung der fachspezifischen Zeitschrift Archiv für Molluskenkunde.