Paläobotanik


Die Paläobotanik stellt, vergleichbar der Paläozoologie, eine eigene Disziplin im Spannungsfeld zwischen den Geo- und den Biowissenschaften dar.

Sie beschäftigt sich einerseits mit der Entwicklung der Pflanzenwelt seit ihren Anfängen und andererseits mit dem geologischen Umfeld der betreffenden Fossilien. Neben der Aufklärung stammesgeschichtlicher Zusammenhänge können makroskopische und mikroskopische Pflanzenreste nicht nur Antworten auf stratigraphische Fragen liefern, sondern tragen im Rahmen paläoökologisch-fazieller Untersuchungen wesentlich zum Verständnis sedimentärer Systeme bei. Auch in der Paläo-Klimaforschung kommt der Interpretation makroskopischer und mikroskopischer pflanzlicher Reste eine große Bedeutung zu. In ihrem Bezug auf die gesamte Erdgeschichte müssen Forschung und Sammlungen der Sektion Paläobotanik in Frankfurt am Main dem Schwerpunkt „Biodiversität und Erdsystemdynamik“ zugeordnet werden.

Als Arbeitsgrundlage dienen in der paläobotanischen Sektion in Frankfurt neben den Sammlungen eine umfangreiche Spezialbibliothek, die allerdings nicht allgemein zugänglich ist, und ein einfaches Labor. An optischen Geräten sind ein Forschungsmikroskop LEITZ Metallux 3 mit der Möglichkeit zur Auflicht-Fluoreszenz und ein mit einer Fluoreszenzeinrichtung gekoppeltes Binokular LEICA MZ16 FA von besonderer Bedeutung. Weiterhin wird durch den Sektionsleiter ein Rasterelektronenmikroskop (JEOL JSM-6490LV) wissenschaftlich betreut.

Geschichte

Der Grundstein für die heutigen Sammlungen der Paläobotanischen Sektion des Senckenberg Forschungsinstituts und Naturmuseums in Frankfurt am Main wurde bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, unter anderem durch Eduard Rüppell, gelegt, das betreffende Material wurde jedoch zunächst im Rahmen der paläontologischen Sammlungen mitbetreut. Erst Hermann Theodor Geyler, von dem auch eine Reihe paläobotanischer Veröffentlichungen stammt, konnte in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts die fossilen Pflanzen erstmalig in einer eigenen Sektion zusammenfassen.

Ihre Wiederbelebung und den Aufstieg zu ihrer heutigen Bedeutung verdankt die senckenbergische Paläobotanik in Frankfurt jedoch erst den regen und vielfältigen Aktivitäten von Richard Kräusel. Nachdem er kurz vor dem Ersten Weltkrieg in Breslau mit einem paläobotanischen Thema promoviert hatte, kam er 1920 als Studienrat an das Goethe-Gymnasium in Frankfurt. In engem Kontakt zur SGN (damals SNG) nahm er dort sofort vielseitige paläobotanische Studien auf. Nach seiner Habilitation lehrte er ab 1925 Paläobotanik am Geologisch-Paläontologischen Institut der Universität Frankfurt. Zunehmend engere Bindungen an die SNG führten dazu, dass er 1938 zum ehrenamtlichen Leiter der paläobotanischen Sammlungen ernannt wurde, die seit Geylers Tod (1889) wieder unter das Dach der Geologisch-Paläontologischen Sammlungen zurückgekehrt waren. Auf dieser Grundlage folgte im Jahre 1941 die Gründung einer eigenen Paläobotanischen Abteilung, die unter Kräusels ehrenamtlicher Leitung stand. Daraus ging mit der Rückkehr des Herbariums von der Universität im Jahre 1946 eine Botanisch-Paläobotanische Abteilung hervor, die auf Lebenszeit ehrenamtlich von Richard Kräusel geleitet wurde. Mit Anfang 2005 wurde die Sektion Paläobotanik in die Abteilung Paläontologie und Historische Geologie eingegliedert.

Die zahlreichen wissenschaftlichen Veröffentlichungen Kräusels decken, wie auch die durch seine Aktivitäten hinzugekommenen Sammlungsbestände, nahezu die gesamte Bandbreite der Erdgeschichte ab. So beschäftigte er sich u. a. mit präkambrischen Stromatolithen, besonders aber mit Pflanzen des Devons, des Mesozoikums und des Tertiärs sowie des ausgehenden Paläozoikums der Südhalbkugel.Er erkannte schon sehr früh die Bedeutung der Kutikularanalyse und der Mikro-Paläobotanik (=Paläo-Palynologie), weshalb er diese Arbeitsbereicheförderte und popagierte.

Nach dem Tode Richard Kräusels im Jahre 1966 übernahm sein bisheriger wissenschaftlicher Mitarbeiter Friedemann Schaarschmidt bis Januar 1996 die hauptamtliche Leitung der eigenständigen SektionPaläobotanik. Er setzte mit seinen Arbeiten und Aufsammlungen die Tradition der vielseitigen Ausrichtung Kräusels fort. Als Mitbegründer und langjähriger Leiter und Motor des „Arbeitskreises für Paläobotanik und Palynologie“ machte er die Sektion zeitweilig zu einem wesentlichen Kristallisationspunkt für die Koordination paläobotanischer Aktivitäten in Deutschland. Ihm folgte seit 1996 als Sektionsleiter, ebenfalls mit vielseitigen Aktivitäten, sein ehemaliger Doktorand Volker Wilde. So gehört die Sektion Paläobotanik des Senckenberg Forschungsinstitutes und Naturmuseums in Frankfurt am Main heute zu den wenigen etablierten Institutionen ihrer Art in Deutschland.