Quartäre Kleinsäugetiere

Forschung

Evolution eurasischer Kleinsäugerassoziationen

Im Rahmen der komplexen Bearbeitung der Fundstelle Untermaßfeld (Südthüringen, Mitteldeutschland) (s. Epivillafranchium von Untermaßfeld) werden die Kleinsäugerreste und die von Kleinsäugern verursachten Nagespuren untersucht. Die Auswertung des durch aktuelle Grabungen kontinuierlich erweiterten Fossilmaterials ist auf neue Ergebnisse zur biostratigraphischen, paläoökologischen und taphonomischen Interpretation der Kleinsäugerassoziation ausgerichtet. Bisher basierten die Auswertungen der Kleinsäugerfauna ausschließlich auf isolierten Fossilfunden. Neue Aussagemöglichkeiten ergeben sich durch die Bergung zusammenhängender Kleinsäugerskelette.

Kooperationspartner
R.-D. Kahlke (Senckenberg Weimar)

Der in temporären Aufschlüssen von Voigtstedt/Hackelsberg (Nordthüringen) freigelegte Muschelton ist nach ersten Pilotstudien in den in Mitteldeutschland bisher wenig bekannten und fossil kaum dokumentierten Zeitraum zwischen Jaramillo-Event und Matuyama/Brunhes-Grenze zu datieren. Die interdisziplinäre Auswertung des botanischen und zoologischen Fossilmaterials verfolgt das Ziel, für das durch den Muschelton zeitlich abgedeckte sogenannte Artern-Interglazial eine biostratigraphische und paläoökologische Charakterisierung zu erarbeiten.

Kooperationspartner
R.-D. Kahlke, F. Kienast, M. Stebich (Senckenberg Weimar), P. Frenzel (Universität Jena), U. Hambach (Universität Bayreuth), L. Katzschmann (Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie Jena), S. Meng (Universität Greifswald), M. Thomas (BGR Hannover), T. Henkel (Universität Leipzig)

Im Rahmen von Untersuchungen neuer Fossilreste aus der frühmittelpleistozänen Fundstelle West Runton (Upper Freshwater Bed Series), der Typuslokalität des Cromer Interglazials, werden die Kleinsäugerreste bearbeitet. Hauptaugenmerk liegt auf einer biometrischen Erfassung der Funde und der biostratigraphischen Korrelationen mit weiteren europäischen Kleinsäugerfaunen. In West Runton waren in der Vergangenheit allein zwölf Kleinsäugerarten beschrieben worden, deren Validität mit Hilfe biometrischer Methoden derzeit geprüft wird.

Kooperationspartner
S. Parfitt, A. J. Stuart, A. M. Lister (Natural History Museum London)

In drei derzeit untersuchten spätpleistozänen Kleinsäugerfaunen sind das letzte Interglazial (Burgtonna in Thüringen) sowie verschiedene Stadien des darauffolgenden Glazials (Hunas, Sesselfelsgrotte in Bayern) repräsentiert. Aktuelle Studien sollen ermöglichen, die verschiedenen Faunenetappen vom Interglazial bis in das Glazial zu erfassen, ökologisch zu interpretieren und überregionale Korrelationen durchzuführen.

Kooperationspartner
L. Reisch (Universität Erlangen), T. van Kolfschoten (Universität Leiden), T. Henkel (Universität Leipzig), S. Meng (Universität Greifswald)

Biostratigraphische Datierung und paläoökologische Interpretation von Säugetierassoziationen in eurasischen Homininenfundstellen

Die spätmittelpleistozäne Höhlenruine Qesem/Israel (Alter ca. 200.000 Jahre) lieferte neben Artefakten, Zahnresten von Homininen und archäozoologischen Resten auch zahlreiche Microvertebratenfunde. Im Rahmen eines Gemeinschaftsprojektes mit der Universität Tel Aviv tragen die Untersuchungen der Weimarer Forschungsstation zu einer weiteren Detaillierung der Altersbestimmung und Rekonstruktion der Umwelt der Fundstelle bei.

Kooperationspartner
A. Gopher, R. Barkai (Universität Tel Aviv), K. T. Smith (Senckenberg Frankfurt/M.)

1907 entdeckte man in Mauer bei Heidelberg den Unterkiefer des bisher ältesten Homininenfundes in Mitteleuropa. Kleinsäugerfunde gab es bis in die 1990ger Jahre von Mauer kaum. Seit Jahren wird permanent neues Kleinsäugermaterial durch M. Löscher (Leimen) gewonnen. Anhand der in der Senckenbergischen Forschungsstation durchgeführten Analysen dieses Materials konnte bereits eine Präzisierung des Fundstellenalters auf 600.000 Jahre vorgenommen werden.

Kooperationspartner
M. Löscher (Leimen), G. Wagner (Universität Heidelberg)

Von der frühmittelpleistozänen Fundstelle Gesher Benot Ya’aqov/Israel (Alter ca. 700.000 Jahre) liegen umfangreiche Zeugnisse des fossilen Menschen sowie auch Kleinsäugerreste vor, anhand derer das biostratigraphische Alter und die paläoökologischen Verhältnisse dieser archäologisch/paläontologischen Fundstelle in Zusammenarbeit mit Kollegen der Universität Jerusalem rekonstruiert werden.

Kooperationspartner
R. Biton, R. Rabinovitch, N. Goren-Inbar (Universität Jerusalem)

Basierend auf einer Erfassung aller Kleinsäugerassoziationen der westlichen Paläarktis im Zeitraum 2.6–0.4 Millionen Jahre vor heute werden faunistische Veränderungen systematisch analysiert, um zu ermitteln, inwieweit diese auf paläoökologischen Prozessen beruhen. Besondere Berücksichtigung erfahren Fundstellen, die Nachweise von fossilen Homininen oder von deren Aktivitäten lieferten. Die Ergebnisse werden mit entsprechenden Untersuchungen zu den Großsäugerfaunen (s. Klimatische Zyklizität und Biodiversität während des Quartärs) verglichen.

Kooperationspartner
G. Cuenca Bescós (Universität Zaragoza), W.-D. Heinrich (Museum für Naturkunde Berlin), I. Horáček (Universität Prag), A. K. Markova (Russische Akademie der Wissenschaften, Moskau), F. Masini (Universität Palermo), A. Nadachowski (Polnische Akademie der Wissenschaften, Kraków), S. Parfitt (Natural History Museum London), S. Sen (Musee National d’Histoire Naturelle, Paris).

Phylogenie neogener und quartärer Kleinsäuger-Stammeslinien

Im Plio- und Pleistozän spielen Arvicoliden (Wühlmäuse) aufgrund ihrer weiten (holarktischen) Verbreitung und rasanten Evolution  eine herausragende Rolle vor allem bei der Datierung von Fundstellen. Grundlage ist dabei die Kenntnis der phylogenetischen Abläufe innerhalb dieser Gruppe. Morphometrische Untersuchungen an Fossilmaterial aus verschiedenen Regionen Eurasiens liefern wichtige Daten  zur Stammegeschichte dieser Tiere. Weitere gleichartige Studien erfolgen an Vorläufern der Arvicoliden, den miozänen sogenannten microtoiden Cricetiden sowie an Pleistozänen Cricetiden(Hamstern), Sciuriden (Hörnchen) und Soriciden (Spitzmäusen).

Kooperationspartner
F. Masini (Universität Palermo), L. Rekovets (Universität Wroclaw), W.-D. Heinrich (Museum für Naturkunde Berlin), O. Fejfar (Universität Prag), A. K. Markova (Russische Akademie der Wissenschaften, Moskau), S. Parfitt (Natural History Museum London), A. Tesakov (Geologisches Institut Moskau), J. Agusti (Universität Taragona), G. Cuenca-Bescos (Universität Zaragoza)