MGF-Ostsee-DZMB


Das Projekt MGF-Ostsee ist zusammen mit MGF-Nordsee Teil der Deutschen Allianz Meeresforschung (DAM)-Pilotmissionen mit dem Titel: Ausschluss mobiler, grundberührender Fischerei in Schutzgebieten der Deutschen ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) von Nord- und Ostsee.

Der Einsatz mobiler grundberührender Fischerei (wie Baumkurren und Grundschleppnetze) hat großen Einfluss auf die Ökosysteme der Meere, insbesondere auf die Lebensgemeinschaften und Sedimente des Meeresbodens. Deshalb soll diese Form der Fischerei in den kommenden Jahren zumindest in Teilen der deutschen und europäischen Meeresschutzgebiete ausgeschlossen werden.
Der Einfluss, den der Ausschluss der mobilen grundberührenden Fischerei auf die Ökosysteme der Meeresschutzgebiete hat, soll mit einem umfangreichen und kooperativen Forschungsansatz untersucht werden. Hier am DZMB liegt der Fokus dabei auf der Untersuchung der Meiofaunaorganismen der Untersuchungsgebiete. Als Meiofauna wird eine Gruppe bodenlebender ein- bis vielzelliger Organismen bezeichnet, die aufgrund ihrer Körpergröße ein Sieb mit 1 mm Maschenweite passieren, jedoch in einem Sieb mit 40 µm Maschenweite zurückgehalten werden. Sie spielen als Aufbereiter organischen Materials und als fundamentaler Bestandteil des Nahrungsnetzes eine wesentliche Rolle in allen aquatischen Ökosystemen.
Der mögliche Einfluss, den der Ausschluss der mobilen grundberührenden Fischerei auf die Meiofaunaorganismen hat, soll in einem zweigeteilten Ansatz untersucht werden. Zum einen wird die Diversität der Meiofaunaorganismen mit Hilfe des Metabacoding erfasst, zum anderen wird eine der vorherrschenden Gruppen der Meiofauna, die benthonischen Ruderfußkrebse (Copepoda, überwiegend Harpacticoida), morphologisch und faunistisch untersucht.
Da gegenwärtig die mobile grundberührende Fischerei in den Meeresschutzgebieten noch nicht untersagt ist, wird zunächst der aktuelle Zustand der benthalen Habitate in den ausgewählten Untersuchungsgebieten untersucht, um eine Referenz für weitere Untersuchungen zu schaffen. Diese Daten sind essentiell, um mögliche Auswirkungen des Ausschlusses bewerten zu können.
In der deutschen AWZ der Ostsee liegen 3 Meeresschutzgebiete, Fehmarnbelt, Kadetrinne und Pommersche Bucht–Rönnebank, die zusammen etwa 55 % der Fläche der deutschen AWZ ausmachen. Im Rahmen dieses Projektes wurden drei Untersuchungsgebiete ausgewählt, Fehmarnbelt, Oderbank (in der Pommerschen Bucht gelegen) und Rönnebank. In jedem Gebiet werden sowohl Standorte im Meeresschutzgebiet als auch in Referenzgebieten außerhalb des Schutzgebietes beprobt. Bisher konnten zwei Seereisen mit dem Forschungsschiff ELISABETH MANN BORGESE unternommen werden, eine im Mai und Juni 2020 zum Fehmarnbelt, eine weitere im Juni 2021 zur Oderbank und dem Fehmarnbelt (letzteres nur für geoakustische Untersuchungen). Für die Untersuchung der Meiofauna werden dabei mit einem Multicorer (MUC) Sedimentproben genommen. Aktuell werden die gesammelten Proben im Institut bearbeitet und ausgewertet.

Projektleiter: Prof. Dr. Klaus Jürgens, Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW)
Finanzierung: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
Weiterführende Informationen: https://www.io-warnemuende.de/dam-mgf-ostsee-start.html