Der Tauchgang vor Ort gehört zu den Highlights der Riff-Forschung. Foto: Andreas Eich, Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT).

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Eintauchen in die Riff-Forschung

„Triff das Riff!“ – Perspektive Forschung Sonderausstellung vom 2. Februar bis 11. Juli 2024 im Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt

Eintauchen, beobachten, auswerten: Das Ausstellungsprojekt „Triff das Riff!“ geht in die dritte Runde und zeigt, wie Forschung zum Verständnis und zur Erhaltung von Korallenriffen konkret aussieht. Vom Tauchgang am Riff über das Versuchsaquarium bis zur wissenschaftlichen Arbeit am Schreibtisch geben Expert*innen einen Einblick in ihren Forschungsalltag. Was wissen wir über den Zustand der Korallenriffe weltweit, und wie können wir sie schützen? Die Perspektive „Forschung“ ist nach „Gesellschaft“ und „Kunst“ das dritte und letzte Format der Ausstellungserweiterung. Sie ist vom 2. Februar bis 11. Juli 2024 im Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt zu sehen und entstand in Kooperation mit dem Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) in Bremen.

 
Die raumfüllende Inszenierung des Korallenriffs ist beeindruckend und gehört zu den Publikumsmagneten des Senckenberg Naturmuseums Frankfurt. „Die Schönheit dieses farbenfrohen und vielfältigen Ökosystems ist einfach faszinierend: Rund 3.000 Riff-Bewohner sind hier in Interaktion zu sehen“, erklärt die Direktorin des Museums am Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt, Dr. Brigitte Franzen und fährt fort: „Wir zeigen aber auch die Fragilität und Gefährdung dieses Lebensraumes. Klimawandel, Überfischung und Versauerung der Meere bedrohen die Riffe weltweit. Wie die Erforschung dieser erstaunlichen Ökosysteme konkret aussieht, erleben Besuchende in der neuen Perspektive des Ausstellungsprojektes ,Triff das Riff!‘. Seit Dezember 2022 werden bei diesem innovativen Format auf einem flexiblen Ausstellungsdisplay immer wieder unterschiedliche, aktuelle Inhalte gezeigt, die wir mit verschiedenen Akteur*innen erarbeiten und bei denen sich auch Besuchende einbringen können.“ Die Ausstellungserweiterung wurde gemeinsam mit Forscher*innen des Leibniz-Zentrums für Marine Tropenforschung (ZMT) in Bremen kuratiert. Stationen rund um das Modell des Korallenriffs zeigen aktuelle Ergebnisse, Ansätze und Methoden aus verschiedenen wissenschaftlichen Bereichen.

„Auf der ganzen Welt an tropischen Küsten zu tauchen und bunte Korallenriffe sowie ihre Bewohner zu beobachten und zu untersuchen, das klingt spannend und abenteuerlich. Doch bei unseren Tauchgängen beobachten wir leider allzu oft, wie zerstört viele Riffe bereits sind. Seit der Mitte des letzten Jahrhunderts ist rund die Hälfte der Korallen in Riffen weltweit verloren gegangen“, erklärt Dr. Sebastian Ferse, Wissenschaftler am Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT), und fährt fort: „Außerdem besteht unsere Arbeit nicht nur aus Tauchen, wir verbringen auch viel Zeit am Schreibtisch und im Labor.“

Die Ausstellung bietet einen Eindruck von der Zusammenarbeit unterschiedlicher Disziplinen bei der Untersuchung tropischer Riffe. Wie wird in einem Projekt nachhaltig und gleichberechtigt geforscht? Wie arbeiten Natur- und Sozialwissenschaften zusammen? Auf der ökologischen Seite des Ausstellungsprojekts geht es dabei auf den ersten Blick um eher unscheinbare Riffbewohner: die Seegurken. „Ähnlich den Wattwürmern der Nordsee sind diese Lebewesen aber hocheffiziente Biofilter und helfen, stabile Bedingungen für gesunde Riffe zu schaffen“, sagt Dr. Sebastian Ferse, der Seegurken am ZMT erforscht. Sie gelten allerdings als Superfood und werden deshalb stark befischt. „Die Auswirkungen ihrer Überfischung für das Ökosystem sind nicht zu unterschätzen“, so Ferse. Die Effekte der Fischerei in korallenreichen Gebieten werden auch sozialwissenschaftlich untersucht. Dabei analysieren die Wissenschaftler*innen, wie sich die Techniken beim Fischen zwischen Frauen und Männern unterscheiden und welchen Einfluss das möglicherweise auf das Ökosystem Riff haben könnte.

Erforscht werden Korallen aber auch ganz ohne Tauchgang, nämlich in Laboren und Meerwasserversuchsanlagen – nicht nur am ZMT, sondern auch an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Über eine Filmprojektion erlebt man in der Ausstellung, wie dort unterschiedliche Szenarien für die Ozeane der Zukunft simuliert und ihre Auswirkungen auf Korallen untersucht werden. Die Veränderung von Korallenriffen in unterschiedlichen Klimaszenarien steht auch im Mittelpunkt einer aktuellen Studie unter Senckenberg-Beteiligung. Dabei wird modelliert, wie sich die Verbreitung der Korallenarten in den Jahre 2050 und 2100 im Vergleich zu heute unter verschiedenen Bedingungen entwickelt.

Neben ganz praktischen Fragen, etwa welche Ausrüstung beim Tauchgang nötig ist, welche Sicherheitsvorkehrungen eingehalten werden müssen und wie sich das Sporttauchen vom Forschungstauchen unterscheidet, geht es in der Ausstellung auch um die Arbeit jenseits von Unterwasserbeobachtung und Experimenten: Wissenschaftliche Artikel müssen geschrieben, Fachtagungen organisiert, Gutachten erstellt, die Öffentlichkeit informiert und die Politik anhand der Forschungsergebnisse beraten werden. Ein Blick auf den Arbeitstisch eines Wissenschaftlers zeigt, dass auch viel Schreibarbeit und Organisatorisches zum Alltag der Riffforschung zählen.

„Das Ausstellungsprojekt ,Triff das Riff!‘ ist für das Museum beispielhaft, denn es ist ein Experiment, in dem erforscht wird, wie man Dauerausstellungen inhaltlich aktuell und flexibel halten kann. Die mobilen Ausstellungsmöbel wurden von dem Künstler Markus Zimmermann entwickelt und wir stellen die Baupläne per Open Source anderen Museen zur Verfügung. Das kuratorische Team selbst ist multidiziplinär aus Kultur- und Naturwissenschaftlerinnen zusammengesetzt. Lisa Voigt und Christina Höfling aus dem Senckenberg Kuratoren-Team sowie Dr. Eva Roßmanith, die Leiterin unserer Abteilung Bildung und Vermittlung, haben ein Reflexionsinstrument geschaffen, mit dem wir unsere Wirkungsfelder neu gestalten aber auch untersuchen“, schließt Museumsdirektorin Dr. Brigitte Franzen.

Über die Ausstellungsreihe

„Triff das Riff!“ findet im Rahmen des BMBF-Forschungsprojektes „Temporäre Permanenz (TemPe) – Innovative und flexible Vermittlung aktueller gesellschaftlich relevanter Themen in Dauerausstellungen“ statt. Das Projekt wird stetig weiterentwickelt und vom Deutschen Institut für Erwachsenenbildung – Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen (DIE) in Bonn in Wirkung und Funktionalität erforscht. Das DIE untersucht, wie sich das komplexe Verhältnis von Inhalten und Form einer Ausstellung auf das Erleben im Museum und auf mögliche Lernprozesse auswirkt. Hierfür ist besonders interessant, den Einfluss der unterschiedlichen visuellen und multisensorischen Elemente der drei verschiedenen Perspektiven von „Triff das Riff!“ zu untersuchen. Weiterer Kooperationspartner ist das Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) in Bremen, das sich mit wissenschaftlicher Expertise in die Ausstellungsreihe einbringt.

Ausstellungsteam: Lisa Voigt, Christina Höfling, Dr. Eva Roßmanith, Markus Zimmermann, Katarina Haage, Cynthia-Carolina Julca-Amasifuen, Rabika Hussain, Dr. Ellen Wagner, Stefanie Klein, Sebastian Ferse, Annette Breckwoldt und weitere.

Das Projekt „Temporäre Permanenz“ startete am 2. Dezember 2022 bis 21. Mai 2023 mit der Perspektive Gesellschaft. Die zweite Perspektive thematisierte das künstlerische Engagement für Riffe und war unter dem Titel „Looking for Medusa“ mit den Werken von Nina M.W. Queissner und Linda Weiß vom 2. Juni 2023 bis 15. Januar 2024 zu sehen. Die dritte und letzte Perspektive „Forschung“ läuft bis 11. Juli 2024.

Eine Kooperation der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (SGN) mit dem Deutschen Institut für Erwachsenenbildung – Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen (DIE) in Bonn und dem Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) in Bremen.

Das Projekt „Temporäre Permanenz (TemPe) – Innovative und flexible Vermittlung aktueller gesellschaftlich relevanter Themen in Dauerausstellungen“ wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in der Förderlinie „Innovationsorientierung in der Forschung“ gefördert.

Weitere Informationen finden Sie unter: museumfrankfurt.senckenberg.de

Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist eine Einrichtung der Leibniz-Gemeinschaft und erforscht seit über 200 Jahren weltweit das „System Erde“ – in der Vergangenheit, der Gegenwart und mit Prognosen für die Zukunft. Wir betreiben integrative „Geobiodiversitätsforschung“ mit dem Ziel, die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen zu erhalten und nachhaltig zu nutzen. Zudem vermittelt Senckenberg Forschungsergebnisse auf vielfältige Art und Weise, vor allem in den drei Naturmuseen in Frankfurt, Görlitz und Dresden. Die Senckenberg Naturmuseen sind Orte des Lernens und Staunens und sie dienen als offene Plattformen dem demokratischen Dialog – inklusiv, partizipativ und international. Mehr Informationen unter www.senckenberg.de.

Das Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) in Bremen widmet sich in Forschung und Lehre dem besseren Verständnis tropischer Küstenökosysteme wie Mangroven, Seegraswiesen, Korallenriffen, Flussmündungen und Auftriebsgebieten. Im Mittelpunkt stehen Fragen zu ihrer Struktur und Funktion, ihren Ressourcen und ihrer Widerstandsfähigkeit gegenüber menschlichen Eingriffen und natürlichen Veränderungen. Mit seiner Arbeit schafft das Institut eine wissenschaftliche Grundlage für den Schutz und die nachhaltige Nutzung dieser Lebensräume. Das ZMT führt seine Forschungsprojekte in enger Kooperation mit Partnern in den Tropen durch, wo es die Entwicklung von Expertise und Infrastruktur auf dem Gebiet des nachhaltigen Küstenzonenmanagements unterstützt. Das ZMT ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Weitere Informationen unter www.leibniz-zmt.de

Das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung – Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen e. V. (DIE) ist die Einrichtung für Wissenschaft und Praxis der Weiterbildung in Deutschland und Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Seine Arbeit dient dem gesellschaftspolitischen Ziel, das Lernen und die Bildung Erwachsener auszuweiten und erfolgreich zu machen. Damit will es die Voraussetzungen schaffen für die persönliche Entfaltung, die gesellschaftliche Teilhabe und die Beschäftigungsfähigkeit. Um diese Ziele zu erreichen, betreibt das DIE eigene Forschung. Es unterstützt die Praxis durch den Transfer von Wissen und wissenschaftlichen Serviceleistungen.