1 m² für eine grünere Welt

Eine Aktion von ZEIT, ZEIT Online, ISOE und Senckenberg


Insekten sind stark im Rückgang. Einer der Hauptgründe ist der Verlust von Lebensräumen, in denen sich all ihre Entwicklungsstadien über das ganze Jahr entwickeln können. Dies geschieht durch den zunehmenden Flächenverbrauch wie etwa durch den Bau von Gebäuden, Straßen und Wegen, aber auch durch die Art und Weise, wie wir die übrige Landschaft mit Maschinen bearbeiten. Während für die Veränderungen in der Agrarlandschaft größere Reformen nötig sind, kann im städtischen Umfeld jede*r Einzelne dazu beitragen, die Lebensbedingungen für Insekten zu verbessern.
 

Mit der Aktion möchten wir dazu einladen, der Natur ein Stück Fläche zurückzugeben, in dem wir Pflanzen aussäen, an denen sich verschiedene Insekten entwickeln können. Dazu wird eine von Expert*innen zusammengestellte Samenmischung bereitgestellt, um einen Quadratmeter Wildnis zu schaffen – ein erster Schritt zum „Rewilding“. Zusätzlich gibt es Empfehlungen zur insektenfreundlichen Anlage und Pflege von Gärten.

Etwas mehr Grün auf dem Balkon oder im Garten…

„Kulturpflanzen vs. Wildblumen“

Neben dem Ziel, der Natur stückweise Platz in unseren Städten zurückzugeben, ist ein wichtiger Teil der Aktion „1 m² für eine grünere Welt“ eine großangelegte Forschungsstudie. Blühflächen oder -streifen mit Kultur- und Feldblumen unterschiedlicher Zusammensetzung werden seit mehr als 3 Jahrzehnten zur Förderung von Insekten in Agrarumweltprogrammen eingesetzt. Doch sind diese Pflanzen richtig gewählt oder wäre eine Wildblumenwiese, wie beispielsweise eine Salbei-Glatthaferwiese, eventuell geeigneter? Es gibt bisher viele kleinräumige Forschungsansätze zu Blühmischungen mit widersprüchlichen Ergebnissen. Welche Pflanzenzusammenstellung eignet sich zur Förderung von Insekten besser? Unterscheidet sich die Eignungen innerhalb Deutschlands je nach Region? Mit diesem Versuch können wir dieser wichtigen Frage auf einer bisher nicht dagewesenen Skala nachgehen. Je mehr Personen sich beteiligen, umso verlässlicher sind am Ende die Aussagen, die darüber getroffen werden können.

…tut unseren kleinen Freunden richtig gut. 

Wie kann ich mitmachen?

Das Saatgut sollte nach der in der ZEIT-Ausgabe vom 4. Mai 2023 (Nr. 19/23) zu findenden Anleitung der Startausgabe der Zeit angesät werden. Alternativ kann sie hier noch einmal nachgelesen werden.

Im Anschluss heißt es warten und sich an den ersten Beobachtungen im Garten erfreuen. Für den Sommer ist für jeweils Ende Juli und Ende August ein Beobachtungs- bzw. Meldezeitraum vorgesehen. Diese können unkompliziert über ein Onlineformular an unsere Expert*innen gesendet werden. Weitere Details finden Sie hier

Wo finde ich noch mehr zum Thema Insekten und Insektenforschung?

An vier der sieben Institute der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung wird entomologisch, also zu Insekten geforscht. Finden Sie nachfolgend eine Übersicht der beteiligten Institute und deren Forschungsschwerpunkte. Die Beteiligung von Bürger*innen hat bei Senckenberg Tradition – auch zu Insekten forschen wir gemeinsam mit allen Interessierten Hand in Hand. Eine Übersicht der laufenden Projekte finden sie in unserem Bereich „Gemeinsam Forschen“.

 

Online-Umfrage

Das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt am Main führt im Rahmen des Projekts „1 m² für eine grünere Welt“ eine online Befragung zum Thema Insekten und deren Schutz durch. Uns interessiert dabei ihre Wahrnehmung zu dem Thema und auch ihre Erfahrung im Umgang mit dem Schutz von Insekten.
Das Befragung läuft zeitgleich mit der Aussaat der Blumenmischungen. Eine zweite Befragung wird es dann im Herbst nach der Blühsaison geben.

Zur Umfrage

 

Bioblitz – Ihre Bilder sind gefragt!

Mit der Aktion „1 m² für eine grünere Welt“ von ZEIT, ISOE und Senckenberg kann der Natur ein kleiner Raum zurückgeben werden. Seit Anfang Mai werden Balkone und Gärten mit einer von Expert*innen zusammengestellten Pflanzensamenmischung verschönert – mit dem Ziel  Insekten eine Heimat zu bieten. Um das Treiben der Tiere auf den sprießenden Pflanzen wissenschaftlich zu erfassen, sind alle Gärter*innen eingeladen, in einem „Bioblitz“ vom 13.-26. Juli Fotos von den Insekten auf ihrem Quadratmeter aufzunehmen und zur Auswertung durch Senckenberg-Entomolog*innen einzusenden. Entstehen soll so ein Datensatz von sehr bedeutender Größe, um wichtige Fragen rund um Blühmischungen und Insekten im städtischen Bereich beantworten zu können. Unterstützen Sie uns und die heimische Insektenwelt mit ihrer Einsendung!

Bioblitz Anleitung

FAQ

Wie kann ich mitmachen?

Die Wochenzeitung „Die Zeit“ startet mit der Ausgabe Nr. 19/23 am 4. Mai 2023 die Aktion „1 m² für eine grünere Welt“. Der Ausgabe liegt eine Saatguttüte mit einer von zwei möglichen Mischungen für jeweils 1 m² bei. Dieser 1 m² kann im Garten oder auf dem Balkon ausgesät werden. Eine Anleitung dazu findet sich in der Beilage und es gibt regelmäßig Informationen bei ZEIT ONLINE unter www.zeit.de/1qm. Nach dem Aufblühen der Mischungen kann man sich an der Erfassung der Insekten beteiligen, die diese Blüten besuchen. Dazu können in den Zeiträumen Ende Juli und Ende August/Anfang September Fotos der beobachteten Insekten eingesandt werden. Entomologen der Senckenberg-Institute in Dresden, Frankfurt und Müncheberg werden die Insektenarten anhand der Fotos bestimmen und die Ergebnisse auswerten.

Weitere Aktionen und Empfehlungen für ein nachhaltiges und insektenfreundliches Gärtnern werden folgen.

Kann ich auch mitmachen, wenn ich „Die Zeit“ nicht als Druckausgabe abonniert oder gekauft habe?

Die Samenmischungen können auch über den ZEIT-Shop (https://shop.zeit.de/1qm) erworben werden.

1 m² – bringt das was?

1 m² klingt erst einmal nicht viel. Aber gepflasterte Höfe, Schottergärten und kurzgeschorene Rasenflächen bieten Insekten gar keinen Lebensraum. 1 m² mit einheimischen Blütenpflanzen liefert Käfern, Schmetterlingen, Schwebfliegen und Wildbienen Pollen und Nektar. Belässt man den 1 m² über mehrere Jahre, können sich dort auch Eier, Larven und Puppen der Insekten entwickeln. Wenn viele Menschen in ihren Gärten und auf Balkonen 1 m² aussäen, wird daraus ein Netzwerk von Refugien für Insekten.

Was ist in der Mischung drin?

Es werden zwei Mischungen im Umlauf sein:
– Feldblumenmischung mit Arten, die als Kräuter angebaut werden oder als Begleitflur in der Kulturlandschaft erscheinen
–  Wildblumenmischung mit Arten, die in artenreichen Wildblumenwiesen beheimatet sind.

Dabei gibt es auch Arten, die in beiden Mischungen enthalten sind, denn auch die wertvollen Wiesen sind Teil unserer ehemals weniger intensiv genutzten Kulturlandschaft. Alle Arten sind einheimisch.

Feldblumenmischung:

Dill, Borretsch, Ringelblume, Leindotter, Koriander, Fenchel, Schwarzkümmel, Kornrade, Odermennig, Kornblume, Gemeine Wegwarte, Wilde Möhre, Wilde Karde, Gewöhnlicher Natternkopf, Färberwaid, Echtes Leinkraut, Kuckucks-Lichtnelke, Wilde Malve, Weißer Steinklee, Gelber Steinklee, Klatschmohn, Pastinak, Taubenkropf-Leimkraut, Strauß-Margerite, Rainfarn

Wildblumenmischung:

Gewöhnliche Schafgarbe, Kornrade, Acker-Hundskamille, Färberkamille, Graukresse, Rapunzel-Glockenblume, Wiesen-Flockenblume, Gemeine Wegwarte, Gemeiner Wirbeldost, Wilde Möhre, Saat-Wucherblume, Fettwiesen-Margerite, Sumpf-Hornklee, Moschus-Malve, Wilde Malve, Weißer Steinklee, Spitzwegerich, Kleine Braunelle, Gelber Wau, Wiesensalbei, Gewöhnliches Seifenkraut, Weiße Lichtnelke, Acker-Lichtnelke, Taubenkropf-Leimkraut, Wiesen-Pippau

Woher kommt das Saatgut?

Die Samen aller verwendeten Arten stammen von einheimischen Wildblumen aus VWW-zertifiziertem deutschen Anbau. Sie wurden von der Rieger-Hofmann GmbH hergestellt.

Ist die Mischung wirklich gut für Insekten?

Die Auswahl der Pflanzen ist in Zusammenarbeit zwischen Entomolog*innen und Botaniker*innen entstanden. Dabei wurde darauf geachtet, dass alle Arten einheimisch sind und eine hohe Wertigkeit für die Ernährung vieler Insektenarten haben. Die Zusammensetzung der Mischungen ist so gewählt, dass an vielen Standorten in Deutschland ausreichend viele Pflanzen keimen und gedeihen sollten.

Sind Gärten relevant für die Artenvielfalt in Deutschland?

In Deutschland entspricht die Fläche aller Privatgärten mit 6.800 km² einem Drittel der Flächen der Naturschutzgebiete (ohne Schutzgebiete in Nord- und Ostsee und Wattenmeer). Diese Flächen haben ein oft unterschätztes Potenzial zum Schutz und zur Förderung der biologischen Vielfalt. Aufgrund ihrer Heterogenität und Verteilung können sie insbesondere in urbanen Räumen als wichtige Trittsteine für viele Arten dienen. Eine Studie hierzu finden Sie hier.

 

Wie und wo säe ich das Saatgut aus?

Die Samenmischung sollte auf feinkrümeligen Böden im Siedlungsbereich ausgesät werden. Die Pflanzen sind Lichtkeimer und dürfen nicht mit Erde bedeckt, sondern nur angedrückt werden. Die Arten wurden so gewählt, dass sich an den meisten Standorten Pflanzen entwickeln können. Wenn man ausreichend Platz hat und frei wählen kann, wäre ein halbschattiger bis sonniger Standort ideal.

Ich habe keinen 1 m², kann ich das Saatgut auch stückeln?

Das enthaltene Saatgut reicht für 1 m². Es ist dabei egal, ob dafür ein Bereich im Garten vorbereitet wird, ein oder mehrere Blumentöpfe bepflanzt, oder ein Steinbeet bunter gemacht werden soll. Es ist allerdings darauf zu achten, dass bei der Wahl einer kleineren Fläche nicht das gesamte Saatgut verwendet wird. Denn eine zu hohe Saatdichte würde nicht zu einer besonders hohen Pflanzenvielfalt führen, sondern vielmehr eine Konkurrenzsituation schaffen, bei der sich nur noch wenige Arten durchsetzen könnten. Daher ist das Stückeln eine gute Idee. Geht der Platz aus, kann der Rest auch einfach an die Nachbarn verschenkt werden.

Geht das auch auf dem Balkon?

Ja, siehe vorherige Frage.

Wie oft muss ich gießen?

Die genaue Menge oder Häufigkeit ist schwer pauschal zu benennen, da sie vom Wetter und dem Untergrund (Bodenverhältnisse) abhängt. Es ist aber wichtig, den Boden feucht zu halten, dabei aber Staunässe und Trockenfallen zu vermeiden.

Was ist noch an Pflege notwendig?

Weniger Pflege ist in der Regel besser, weshalb “Unkraut” aus der Samenbank wenn möglich geduldet werden sollte. Denn Pflanzen, die aus den im Boden noch enthaltenen Samen zusätzlich zu den ausgesäten Arten keimen, bereichern die Vielfalt und können wichtige Nahrungspflanzen für Insekten sein. Daher möglichst nur dann entfernen, wenn sie überhandnehmen; bitte keinesfalls Gifte verwenden. Düngung ist nicht nötig, sondern eher kontraproduktiv. Die meisten der Pflanzen benötigen eher nährstoffarme Böden, so dass zu viele Nährstoffe im Boden auch ein Grund dafür sein könnten, dass sich nicht allzu viele Arten der Samenmischung entwickeln. Darüber hinaus ist der pflanzenverfügbare Stickstoff aus gängigen Düngern, wie z.B. Nitrat, für die meisten Tiere schädlich. Für die Pflege nach dem ersten Sommer siehe die nächste Frage.

Was passiert mit dem 1 m² nach dem Sommer?

Uns war wichtig, dass der 1 m² möglichst nachhaltig ist und lange wirkt, weshalb beide Mischungen neben den schnell blühenden Arten auch mehrjährige Pflanzenarten enthalten. Die mehrjährigen Arten werden erst im zweiten Jahr blühen. Je nachdem, wo man das Saatgut eingesät hat, unterscheidet sich die Pflege. Sollte es als Saum und somit Randbereich angelegt werden, ist wenig Pflege nötig. Hier reicht eine einmalige Pflegemahd im Herbst oder noch besser im zeitigen Frühjahr. Einige Pflanzenarten sind attraktive Wintersteher, in deren hohlen Stängeln Insekten überwintern oder nisten; ihre Samenstände werden zudem von Futter suchenden Vögeln aufgesucht. Soll das Saatgut in eine Wiese eingebracht werden, um diese aufzuwerten, sind Pflegeschnitte bis zu zweimal im Jahr möglich. Lässt man die Pflanzen aussamen, können daraus auch die einjährigen Arten im nächsten Jahr wieder wachsen.  

Wie kann ich meine Insektenbeobachtungen melden?

Dafür wird es ein einfaches Online-Formular geben, in dem mit wenigen Angaben die Fotos hinterlegt werden können. Die schönsten Bilder werden, die Zustimmung der Einsender vorausgesetzt, in einer Galerie auf der Seite von ZEIT Online ausgestellt.

Wie kann ich mich darüber hinaus engagieren?

Es gibt eine Reihe von Mitmach- und Citizen Science-Projekten bei Senckenberg. Eine Übersicht findet sich hier: https://gemeinsamforschen.senckenberg.de/de/mitmachen/citizen-science/

Wenn das Beobachten und Melden von Insekten besonders viel Spaß bereitet hat, wären vor allem die Portale “Insekten Sachsen” und “Insekten Hessen” die richtigen Projekte, um gemeinsam die Vielfalt der regionalen Insektenvielfalt zu erforschen.

Schön wäre es natürlich auch, wenn die Beschäftigung mit dem 1 m² so viel Spaß gemacht hat, dass daraus mehr werden und in den folgenden Jahren größere Flächen im Garten naturnah und insektenfreundlich bewirtschaftet werden.

Welche Rolle spielt Senckenberg in dem Projekt?

An dem Projekt sind die Wissenschaftler*innen der entomologisch arbeitenden Institute an den Standorten Dresden, Frankfurt und Müncheberg beteiligt. Sie beraten mit Tipps zur insektenfreundlichen Gartenpflege, stellen Informationen rund um Insekten für den wöchentlichen Newsletter bereit und bestimmen und analysieren die Insektenmeldungen. Dieser Teil ist für uns besonders spannend, da wir, wenn sich viele Menschen beteiligen, einen Datensatz von sehr bedeutender Größe erhalten können und damit hoffentlich wichtige Fragen rund um Blühmischungen und Insekten im städtischen Bereich beantworten können.