[Navigation überspringen]
Rahmenthema
Konstruktions-Morphologie & Evolution
 
Forschung

Forschung


Konstruktions-Morphologie am Forschungsinstitut Senckenberg

Forschungs-Skizze

Konstruktions-Morphologie wird mittlerweile als Universalbegriff für verschiedene Forschungsansätze verwendet, die sich im weiteren Sinne mit Aufbau und Struktur von Organismen befassen. In der Vergangenheit wurden mehrere unterschiedliche Forschungsprogramme entwickelt , die sich auf konstruktionelle, funktionelle und biomechanische Aspekte beziehen. Die Konzepte weisen aufgrund ihrer unterschiedlichen Zwecksetzungen und Untersuchungsmethoden jeweils andere Geltungsbereiche auf.

Am Forschungsinstitut Senckenberg wurde ein eigenständiges Programm zu einer Konstruktionslehre der Tiere entwickelt, die "Konstruktions-Morphologie". Sie integriert beschreibend-morphologische, funktionsmorphologische und biomechanische Untersuchungen (‘engineering-morphology’) und gestattet damit die Rekonstruktion von evolutionsgeschichtlichen Transformationen. Mit der konstruktionsmorphologischen Konzeption wird der Arbeitsgegenstand der Biologie, der Organismus, als energiewandelnde, hydraulische Konstruktion festgelegt.

Dieses Forschungsprogramm wird nun in Kooperation mit der Morphisto-Evolutionsforschung und Anwendung GmbH fortgeführt und weiterentwickelt.

Organismen sind der konstruktionsmorphologischen Betrachtung zur Folge eigenverantwortlich für ihr Überleben und Fortbestehen über die Generationen hinaus. Sie klinken sich nach Maßgabe ihrer Leistungsfähigkeit in Lebensbereiche und somit Energieflüsse ein und gestalten die Umwelten aktiv mit. Leben wird prozessual verstanden, Organismen sind keine statischen Gebilde, sondern vielmehr Momentaufnahmen kontinuierlich ablaufender Morphoprozesse. Somit ergibt sich auch eine neue Gliederung der Ziele der Evolutionsforschung (Evolutionistik). Das erste Ziel ist eine Geschichtsschreibung, d.h. also Rekonstruktion der jeweiligen konstruktionellen Veränderungen und der möglichen Differenzierungen in verschiedene Evolutionslinien; es geht darum, die Wandlungen darzustellen, die der organismische Morphoprozeß erfahren hat. Das zweite Ziel ist eine Bearbeitung der Evolutionsmechanismen und Evolutionsfaktoren, wobei diese aber nur indirekt, d.h. durch Bestimmung der Invarianzen und Restriktionen des evolutiven Wandels benannt werden können. Evolution wird dargestellt als kontinuierlicher Wandel von Morphoprozessen; im Vordergrund stehen hierbei nicht die jeweiligen Veränderungen, sondern die Invarianzen, welche in der Evolution erhalten bleiben müssen, damit der Morphoprozeß weitergetragen werden kann.

Konstruktionsmorphologie und Morphoprozeß-Theorie der Evolution eröffnen mit dieser Konzeption einen neuen Themen- und Fragenkomplex in der Evolutionsbiologie. Sie treten damit nicht in Konkurrenz mit anderen Methoden der biologischen Forschungen, sondern haben - wie alle Methoden - einen eigenen aber ganz neuen Geltungsbereich: die Konstruktionslehre und die Morphoprozeß-Evolution von "Bauplänen".

Zu dem wissenschaftlichen Erfolg der Arbeitsgruppe tragen eine Anzahl von Kooperationspartnern, ebenso wie viele Praktikanten und Studenten bei. An Mitarbeit und Kooperation Interessierte sind herzlich eingeladen, unser Team mit eigenen Forschungsprojekten oder Mitarbeit an laufenden Projekten zu ergänzen. Anfragen richten Sie bitte an Dr. Michael Gudo .

 

Letzte Aktualisierung: 16.11.2008